{"id":78109,"date":"2025-12-26T12:54:11","date_gmt":"2025-12-26T10:54:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=78109"},"modified":"2025-12-26T12:54:11","modified_gmt":"2025-12-26T10:54:11","slug":"bfh-urteil-vom-08-juli-2025-xi-r-7-23-steuerfreie-tarifoptimierung-von-versicherungsvertraegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-08-juli-2025-xi-r-7-23-steuerfreie-tarifoptimierung-von-versicherungsvertraegen\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 08. Juli 2025, XI R 7\/23: Steuerfreie Tarifoptimierung von Versicherungsvertr\u00e4gen"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.080725.XIR7.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>UStG \u00a7 4 Nr 11, EGRL 112\/2006 Art 135 Abs 1 Buchst a, UStG VZ 2015 , UStG VZ 2016 , UStAE Abschn 4.11.1 Abs 3<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG Hamburg, 16. Februar 2023, Az: 6 K 86\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Ein nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 des Umsatzsteuergesetzes steuerfreier Umsatz aus der T\u00e4tigkeit als Bausparkassenvertreter, Versicherungsvertreter und Versicherungsmakler kann auch dann vorliegen, wenn aufgrund der T\u00e4tigkeit ein bestehender Vertrag durch Abschluss einer \u00c4nderungsvereinbarung optimiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Der Umstand, dass der Versicherungsnehmer das Entgelt entrichtet, steht der Steuerbefreiung nicht entgegen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 16.02.2023&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;86\/22 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Zwischen den Beteiligten steht im Streit, ob die Optimierung bestehender Krankenversicherungsvertr\u00e4ge als T\u00e4tigkeit eines Versicherungsmaklers nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) steuerfrei ist.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) ist eine GmbH, die Gesch\u00e4fte eines Versicherungsmaklers im Sinne des \u00a7&nbsp;34d der Gewerbeordnung erbringt. Sie ist darauf spezialisiert, bestehende private Krankenversicherungsvertr\u00e4ge zu optimieren. Im Wesentlichen geschieht dies dadurch, dass durch einen Tarifwechsel eine Beitragsersparnis f\u00fcr privat krankenversicherte Kunden erzielt wird, ohne dabei den Versicherer zu wechseln. Zu diesem Zweck recherchiert und vergleicht die Kl\u00e4gerin f\u00fcr ihre Kunden, die sie im Wesentlichen durch Werbung im Internet gewinnt, die verf\u00fcgbaren Tarife und Tarifoptionen ihres Versicherers, stellt diese vor und \u00fcbernimmt das weitere Prozedere des Tarifwechsels gegen\u00fcber den Versicherern. Im Erfolgsfall erh\u00e4lt die Kl\u00e4gerin f\u00fcr ihr T\u00e4tigwerden eine Provision von den Kunden, die sich nach der Ersparnis aufgrund des Tarifwechsels errechnet.<\/li><li>F\u00fcr die Jahre 2015 und 2016 (Streitjahre) erkl\u00e4rte die Kl\u00e4gerin die mit der Tarifoptimierung erzielten Ums\u00e4tze zun\u00e4chst als steuerpflichtig, ohne Umsatzsteuer in ihren Rechnungen gesondert ausgewiesen zu haben.<\/li><li>Unter dem 12.06.2020 beantragte die Kl\u00e4gerin, die Umsatzsteuerfestsetzungen unter anderem f\u00fcr die Streitjahre nach \u00a7&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung zu \u00e4ndern; denn die Ums\u00e4tze aus der Tarifoptimierung seien \u2011\u2011anders als urspr\u00fcnglich erkl\u00e4rt\u2011\u2011 steuerfrei. Es greife die Befreiung nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 UStG f\u00fcr Ums\u00e4tze der T\u00e4tigkeiten eines Versicherungsmaklers.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) lie\u00df bei der Kl\u00e4gerin eine Au\u00dfenpr\u00fcfung unter anderem f\u00fcr die Streitjahre durchf\u00fchren. Der Auffassung der Kl\u00e4gerin, dass die Ums\u00e4tze aus der Tarifoptimierung steuerfrei seien, trat die Au\u00dfenpr\u00fcfung nicht bei. Mit aus hier nicht streitigen Gr\u00fcnden ergangenen \u00c4nderungsbescheiden vom 28.04.2021 setzte das FA die Umsatzsteuer f\u00fcr 2015 auf 239.024,68&nbsp;\u20ac und f\u00fcr 2016 auf 89.490,82&nbsp;\u20ac fest, wobei es die Ums\u00e4tze aus der Tarifoptimierung weiterhin als steuerpflichtig ber\u00fccksichtigte. Die Einspr\u00fcche blieben erfolglos (Einspruchsentscheidung vom 22.04.2022).<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2023, 958 ver\u00f6ffentlichten Urteil statt. Es entschied, die streitigen Ums\u00e4tze seien nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 UStG steuerfrei. F\u00fcr eine danach befreite T\u00e4tigkeit gen\u00fcge es bei weiter Auslegung, die unionsrechtlich geboten sei, dass Versicherer und Versicherungsnehmer in der Weise zusammengebracht w\u00fcrden, dass bestehende Vertr\u00e4ge optimiert werden. Der Abschluss neuer Versicherungsvertr\u00e4ge sei nicht erforderlich. Demnach erfasse die Steuerbefreiung auch die vorliegende Tarifoptimierung, bei der es nicht zu einem Wechsel des Versicherers kommt.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung von \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 UStG. Es macht geltend, die Maklert\u00e4tigkeit sei ganz wesentlich durch den Abschluss neuer Vertr\u00e4ge gepr\u00e4gt. Komme es hierzu \u2011\u2011wie im Streitfall\u2011\u2011 nicht, so sei die Steuerbefreiung zu versagen. Die Kl\u00e4gerin suche sich ihre Kunden selbst und erbringe an ihre Kunden eine steuerpflichtige Beratungsleistung.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision des FA ist unbegr\u00fcndet; sie ist daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011).<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin, die nach den Feststellungen des FG keine Umsatzsteuer gesondert ausgewiesen hat und diese demnach nicht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;14c Abs.&nbsp;1 UStG schulden kann, hat mit der Vermittlung optimierter Versicherungstarife \u2011\u2011ohne Wechsel des Versicherers\u2011\u2011 steuerfreie Ums\u00e4tze ausgef\u00fchrt. Ohne Rechtsfehler hat das FG dahin erkannt, dass die im Streit stehenden Ums\u00e4tze von der Steuerbefreiung des \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 UStG umfasst sind.<\/li><li>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 UStG sind die Ums\u00e4tze aus der T\u00e4tigkeit als Bausparkassenvertreter, Versicherungsvertreter und Versicherungsmakler steuerfrei.<\/li><li>\u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 UStG dient der Umsetzung von Art.&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.11.2006 \u00fcber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL). Danach befreien die Mitgliedstaaten Versicherungs- und R\u00fcckversicherungsums\u00e4tze einschlie\u00dflich der dazugeh\u00f6rigen Dienstleistungen, die von Versicherungsmaklern und -vertretern erbracht werden. Ob diese Voraussetzung erf\u00fcllt ist, h\u00e4ngt vom Inhalt der in Rede stehenden T\u00e4tigkeiten ab (vgl. Urteile des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union \u2011\u2011EuGH\u2011\u2011 Arthur Andersen vom 03.03.2005&nbsp;&#8211; C-472\/03, EU:C:2005:135, Rz&nbsp;32; J.C.M. Beheer vom 03.04.2008&nbsp;&#8211; C-124\/07, EU:C:2008:196, Rz&nbsp;17; Aspiro vom 17.03.2016&nbsp;&#8211; C-40\/15, EU:C:2016:172, Rz&nbsp;36; Q-GmbH vom 25.03.2021&nbsp;&#8211; C-907\/19, EU:C:2021:237, Rz&nbsp;36; Radio Popular vom 08.07.2021&nbsp;&#8211; C-695\/19, EU:C:2021:549, Rz&nbsp;35; Urteile des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 24.04.2014&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;9\/13, BFH\/NV 2014, 1783, Rz&nbsp;13; vom 03.08.2017&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;19\/16, BFHE 259, 156, BStBl II 2017, 1207, Rz&nbsp;17). In richtlinienkonformer Auslegung m\u00fcssen f\u00fcr die Steuerbefreiung zwei Voraussetzungen vorliegen:<\/li><li>a) Erstens muss der Dienstleistungserbringer sowohl mit dem Versicherer als auch mit dem Versicherten in Verbindung stehen (vgl. EuGH-Urteile Taksatorringen vom 20.11.2003&nbsp;&#8211; C-8\/01, EU:C:2003:621, Rz&nbsp;44; Aspiro vom 17.03.2016&nbsp;&#8211; C-40\/15, EU:C:2016:172, Rz&nbsp;36; Q-GmbH vom 25.03.2021&nbsp;&#8211; C-907\/19, EU:C:2021:237, Rz&nbsp;37). Diese Verbindung kann auch nur mittelbarer Natur sein, wenn der Dienstleistungserbringer ein Unterauftragnehmer des Versicherungsmaklers oder -vertreters ist (vgl. EuGH-Urteile J.C.M. Beheer vom 03.04.2008&nbsp;&#8211; C-124\/07, EU:C:2008:196, Rz&nbsp;29; Aspiro vom 17.03.2016&nbsp;&#8211; C-40\/15, EU:C:2016:172, Rz&nbsp;37; Q-GmbH vom 25.03.2021&nbsp;&#8211; C-907\/19, EU:C:2021:237, Rz&nbsp;37; Radio Popular vom 08.07.2021&nbsp;&#8211; C-695\/19, EU:C:2021:549, Rz&nbsp;36; s.a. BFH-Urteile vom 24.04.2014&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;9\/13, BFH\/NV 2014, 1783, Rz&nbsp;13; vom 03.08.2017&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;19\/16, BFHE 259, 156, BStBl II 2017, 1207, Rz&nbsp;18).<\/li><li>b) Zweitens muss seine T\u00e4tigkeit wesentliche Aspekte der Versicherungsvermittlungst\u00e4tigkeit, wie Kunden zu suchen und diese mit dem Versicherer zusammenzubringen, umfassen (vgl. EuGH-Urteile Taksatorringen vom 20.11.2003&nbsp;&#8211; C-8\/01, EU:C:2003:621, Rz&nbsp;45; Arthur Andersen vom 03.03.2005&nbsp;&#8211; C-472\/03, EU:C:2005:135, Rz&nbsp;33 und 36; J.C.M. Beheer vom 03.04.2008&nbsp;&#8211; C-124\/07, EU:C:2008:196, Rz&nbsp;18; Aspiro vom 17.03.2016&nbsp;&#8211; C-40\/15, EU:C:2016:172, Rz&nbsp;37; Q-GmbH vom 25.03.2021&nbsp;&#8211; C-907\/19, EU:C:2021:237, Rz&nbsp;37; Radio Popular vom 08.07.2021&nbsp;&#8211; C-695\/19, EU:C:2021:549, Rz&nbsp;36; s.a. BFH-Urteil vom 03.08.2017&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;19\/16, BFHE 259, 156, BStBl II 2017, 1207, Rz&nbsp;19). Die T\u00e4tigkeit kann in einer Nachweist\u00e4tigkeit, einer Kontaktaufnahme oder in einer Verhandlungst\u00e4tigkeit bestehen, wobei sich die T\u00e4tigkeit auf ein einzelnes Gesch\u00e4ft, das vermittelt werden soll, beziehen muss. Nicht steuerfrei sind hingegen Leistungen, die keinen spezifischen und wesentlichen Bezug zu einzelnen Vermittlungsgesch\u00e4ften aufweisen, sondern allenfalls dazu dienen, als Subunternehmer den Versicherer bei den ihm selbst obliegenden Aufgaben zu unterst\u00fctzen, ohne Vertragsbeziehungen zu den Versicherten zu unterhalten (vgl. dazu BFH-Urteile vom 24.04.2014&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;9\/13, BFH\/NV 2014, 1783, Rz&nbsp;13; vom 28.05.2009&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;7\/08, BFHE 226, 172, BStBl II 2010, 80, unter II.1.b&nbsp;bb).<\/li><li>2. Diese Rechtsgrunds\u00e4tze hat das FG zutreffend angewendet.<\/li><li>a) In revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise hat das FG angenommen, dass die Kl\u00e4gerin im Streitfall sowohl mit ihren Kunden als auch mit den Versicherern in Verbindung stand. Die Kl\u00e4gerin hat die Kunden gesucht, ihnen Optimierungen vorgeschlagen, sodann Kontakt zum Versicherer aufgenommen und den Tarifwechsel umgesetzt.<\/li><li>b) Das FG hat ebenfalls zu Recht angenommen, dass die T\u00e4tigkeit wesentliche Aspekte der Versicherungsvermittlungst\u00e4tigkeit, wie Kunden zu suchen und diese mit dem Versicherer zusammenzubringen, umfasst.<\/li><li>aa) Das FG hat angenommen, dass ein Zusammenbringen durch die Kl\u00e4gerin vorliege, obwohl beide Seiten bereits durch Versicherungsvertr\u00e4ge verbunden waren; denn das Wirken der Kl\u00e4gerin ziele darauf ab, die bestehenden Vertr\u00e4ge durch \u00c4nderungsvereinbarungen zu verbessern. Zu diesem Zweck w\u00fcrden Versicherte und Versicherer (abermals) zusammengebracht. Die erfolgsbezogene Verg\u00fctung sei ein Beweisanzeichen daf\u00fcr, dass die Kl\u00e4gerin berufstypische T\u00e4tigkeiten eines Versicherungsmaklers ausgef\u00fchrt habe.<\/li><li>bb) Diese tats\u00e4chliche W\u00fcrdigung des FG ist m\u00f6glich und verst\u00f6\u00dft nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungss\u00e4tze; sie bindet daher den BFH als Revisionsgericht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO (vgl. BFH-Urteile vom 13.11.2013&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;24\/11, BFHE 243, 471, BStBl II 2017, 1147, Rz&nbsp;44; vom 10.12.2020&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;41\/19, BFH\/NV 2021, 949, Rz&nbsp;19; BFH-Beschluss vom 10.01.2024&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;11\/23 (XI&nbsp;R&nbsp;34\/20), BFHE 283, 491, BStBl II 2024, 601, Rz&nbsp;40).<\/li><li>cc) Der erkennende Senat teilt die Einsch\u00e4tzung des FG auch in der Sache. Die Kl\u00e4gerin, die Versicherungsmaklerin nach den Vorschriften des Versicherungsvertragsgesetzes und der Gewerbeordnung ist, hat auch mit den im Streit stehenden Ums\u00e4tzen die spezifischen und wesentlichen Funktionen einer Versicherungsvermittlungsleistung erf\u00fcllt. Denn sie hat durch Recherche und Vergleich der verf\u00fcgbaren Tarifoptionen, die Aufarbeitung der Ergebnisse und die Beratung der Kunden in Bezug auf m\u00f6gliche Tarif- und Wechseloptionen die wesentliche Ursache f\u00fcr das Zustandekommen entsprechender \u00c4nderungen an den Versicherungsvertr\u00e4gen zwischen den Versicherern und den Versicherungsnehmern gesetzt. Sie hat damit Versicherer und Versicherungsnehmer zwar nicht erstmals, doch aber erneut \u2011\u2011zum Abschluss eines \u00c4nderungsvertrags\u2011\u2011 zusammengebracht. Neben der Nachweiserbringung hinsichtlich der g\u00fcnstigeren Bedingungen, die der jeweilige Versicherer anbietet, hat sie au\u00dferdem den Versicherungstarif im Namen der Kunden gegen\u00fcber den Versicherern umgestellt.<\/li><li>3. Die Einwendungen des FA f\u00fchren zu keiner anderen Beurteilung.<\/li><li>a) Entgegen der Auffassung des FA war die T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin in f\u00fcr die Versicherungsvermittlung typischer Weise (oben, unter II.1.a&nbsp; und b) durch ein Auftreten im Interesse beider Vertragsparteien gepr\u00e4gt. W\u00e4hrend die Versicherten durch g\u00fcnstigere Tarifoptionen profitierten, hatten die Versicherer den Vorteil, ihre Bestandskunden nicht zu verlieren. F\u00fcr die Versicherung f\u00fchren der Abschluss eines erstmaligen Vertrags mit einem Neukunden, der Abschluss eines weiteren Vertrags (zum Beispiel zur Absicherung eines weiteren Risikos) mit einem Bestandskunden und die Fortsetzung eines bestehenden Vertrags durch Tarifwechsel zu dem Ergebnis, dass ein Versicherungsumsatz ausgef\u00fchrt und Beitragseinnahmen generiert werden. Eine langfristige Kundenbindung durch den von der Kl\u00e4gerin erm\u00f6glichten Wechsel in einen anderen Tarif (statt einer K\u00fcndigung und Wechsel zu einem neuen Versicherer) liegt damit \u2011\u2011anders als das FA geltend macht\u2011\u2011 auch im Interesse der Versicherer und nicht nur im Interesse des Kunden.<\/li><li>Aus diesem Grund geht das BMF \u2011\u2011anders als das FA\u2011\u2011 zu Recht davon aus, dass auch sogenannte Bestandspflegeleistungen berufstypisch und somit nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 UStG steuerfrei sind (vgl. Abschn.&nbsp;4.11.1 Abs.&nbsp;3 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses). Selbst aus der Warte der Finanzverwaltung kann daher f\u00fcr die Tarifoptimierung nichts anderes gelten. Warum dies f\u00fcr die Kl\u00e4gerin nicht gelten sollte, vermag der Senat nicht zu erkennen.<\/li><li>b) Angesichts dessen hat das FG \u2011\u2011anders als die Revision einwendet\u2011\u2011 zu Recht auch eine Wettbewerbssituation zwischen der Vermittlung optimierter Versicherungsbedingungen in bestehenden Vertr\u00e4gen und der Vermittlung neuer \u2011\u2011tarifg\u00fcnstigerer\u2011\u2011 Versicherungsvertr\u00e4ge angenommen. Dies zeigt sich schon daran, dass die Kl\u00e4gerin sonst ihren Kunden zu einem Wechsel des Versicherers raten m\u00fcsste, um ein f\u00fcr sie umsatzsteuerrechtlich g\u00fcnstigeres Ergebnis zu erreichen, obwohl ein Wechsel des Versicherers aus Kundensicht unter Umst\u00e4nden mit gravierenden Nachteilen verbunden w\u00e4re; denn die Vermittlung neuer Versicherungsvertr\u00e4ge unterf\u00e4llt unstreitig der Steuerbefreiung nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 UStG. Der Grundsatz der umsatzsteuerlichen Neutralit\u00e4t verbietet es, diese gleichartigen und miteinander in Wettbewerb stehenden Dienstleistungen hinsichtlich der Mehrwertsteuer unterschiedlich zu behandeln (vgl. z.B. EuGH-Urteile JP Morgan Fleming Claverhouse Investment Trust und The Association of Investment Trust Companies vom 28.06.2007&nbsp;&#8211; C-363\/05, EU:C:2007:391, Rz&nbsp;29; A vom 19.07.2012&nbsp;&#8211; C-33\/11, EU:C:2012:482, Rz&nbsp;32, m.w.N.; BGZ Leasing vom 17.01.2013&nbsp;&#8211; C-224\/11, EU:C:2013:15, Rz&nbsp;65).<\/li><li>c) Soweit das FA geltend macht, ein Zusammenbringen von Vertragsparteien als wesentliches Merkmal der Versicherungsvermittlungst\u00e4tigkeit liege nicht vor, weil etwas, das \u2011\u2011wie die Vertragspartner der im Streitfall optimierten Tarife\u2011\u2011 bereits zusammen sei, denklogisch nicht mehr zusammengebracht werden k\u00f6nne, folgt der Senat dem nicht. Wie sich aus den Ausf\u00fchrungen unter II.2.b ergibt, gen\u00fcgt es den Anforderungen der Steuerbefreiung, wenn Vertragspartner durch den Abschluss von \u00c4nderungsvereinbarungen erneut zusammenkommen; ein erstmaliges Zusammenbringen ist nicht verlangt.<\/li><li>d) Der erkennende Senat teilt ausdr\u00fccklich nicht die Einsch\u00e4tzung der Revision, der zufolge es der Kl\u00e4gerin mit der im Streitfall vorliegenden erfolgsabh\u00e4ngigen Verg\u00fctung im Wesentlichen darum ginge, am Markt wie eine Maklerin zu wirken, obwohl sie in Wirklichkeit Beratungsleistungen erbringe.<\/li><li>aa) Gegenstand der Leistung der Kl\u00e4gerin ist nicht die Beratung der Kunden gegen Entgelt, sondern die erfolgreiche Vermittlung eines g\u00fcnstigeren Krankenversicherungsvertrags (beim bisherigen Versicherer) gegen Entgelt. Ein (nach der Ersparnis berechnetes) Entgelt erh\u00e4lt die Kl\u00e4gerin nicht f\u00fcr eine Beratung, sondern nur im Fall der erfolgreichen Vertrags\u00e4nderung.<\/li><li>bb) Wie der Senat unter II.2. ausgef\u00fchrt hat, z\u00e4hlt auch das Vermitteln optimierter Versicherungsvertr\u00e4ge in einem besseren Tarif zur T\u00e4tigkeit eines Versicherungsmaklers. Der Umstand, dass die Kl\u00e4gerin mit ihren Kunden erfolgsabh\u00e4ngige Provisionen vereinbart hat, best\u00e4tigt das Vorliegen berufstypischer \u2011\u2011hier maklertypischer\u2011\u2011 Leistungen (vgl. dazu BFH-Urteil vom 09.07.1998&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;62\/97, BFHE 187, 56, BStBl II 1999, 253, unter II.1.a).<\/li><li>cc) Dass die Provision nicht vom Versicherer, sondern vom Kunden an die Kl\u00e4gerin gezahlt wird, hat f\u00fcr den Senat kein entscheidungserhebliches Gewicht. Es ist bei der Maklert\u00e4tigkeit auch in dieser Hinsicht berufstypisch, dass das Maklerhonorar (auch oder nur) vom Empf\u00e4nger der vermittelten Leistung (oder einem Dritten) geschuldet oder gezahlt wird. Entscheidend ist \u2011\u2011wie allgemein (s. \u00a7&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG, \u00a7&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG a.F., Art.&nbsp;73 MwStSystRL; BFH-Urteile vom 10.12.2020&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;34\/18, BFHE 272, 167, BStBl II 2021, 576, Rz&nbsp;20 und 22; vom 08.05.2024&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;16\/20, BFHE 283, 548, BStBl II 2024, 662, Rz&nbsp;28 und 29)\u2011\u2011 nicht, wer das Honorar an die Kl\u00e4gerin zahlt, sondern dass es die Kl\u00e4gerin f\u00fcr eine steuerfreie T\u00e4tigkeit erh\u00e4lt.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.080725.XIR7.23.0 BFH XI. Senat UStG \u00a7 4 Nr 11, EGRL 112\/2006 Art 135 Abs 1 Buchst a, UStG VZ 2015 , UStG VZ 2016 , UStAE Abschn 4.11.1 Abs 3 vorgehend FG Hamburg, 16. Februar 2023, Az: 6 K 86\/22 Leits\u00e4tze 1. Ein nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;11 des Umsatzsteuergesetzes steuerfreier Umsatz aus der T\u00e4tigkeit als Bausparkassenvertreter, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-08-juli-2025-xi-r-7-23-steuerfreie-tarifoptimierung-von-versicherungsvertraegen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 08. 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