{"id":7811,"date":"2012-12-02T16:07:17","date_gmt":"2012-12-02T14:07:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=7811"},"modified":"2012-12-02T16:07:17","modified_gmt":"2012-12-02T14:07:17","slug":"viii-r-56-07-festsetzungsfrist-ermittlungen-der-steuerfahndung-reichweite-der-ablaufhemmung-erforderlichkeit-einer-persoenlichen-beziehung-zwischen-lehrenden-und-lernenden-als-voraussetzung-einer-unte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-56-07-festsetzungsfrist-ermittlungen-der-steuerfahndung-reichweite-der-ablaufhemmung-erforderlichkeit-einer-persoenlichen-beziehung-zwischen-lehrenden-und-lernenden-als-voraussetzung-einer-unte\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;56\/07 &#8211; Festsetzungsfrist &#8211; Ermittlungen der Steuerfahndung &#8211; Reichweite der Ablaufhemmung &#8211; Erforderlichkeit einer pers&ouml;nlichen Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden als Voraussetzung einer unterrichtenden T&auml;tigkeit?"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.3.2010, VIII R 56\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Festsetzungsfrist &#8211; Ermittlungen der Steuerfahndung &#8211; Reichweite der Ablaufhemmung &#8211; Erforderlichkeit einer pers&ouml;nlichen Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden als Voraussetzung einer unterrichtenden T&auml;tigkeit?<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine aus zwei Diplom-Psychologen bestehende Gesellschaft b&uuml;rgerlichen Rechts, veranstaltete inner- und &uuml;berbetriebliche Seminare f&uuml;r Betriebsr&auml;te und F&uuml;hrungskr&auml;fte aus Unternehmen und Beh&ouml;rden. Im Streitjahr (1996) hielt sie 484 Seminare ab mit ca. 6.500 Teilnehmern. Sie besch&auml;ftige 186 Dozenten, in den rechtlichen Seminarteilen &uuml;berwiegend Arbeitsrichter, in den Kommunikationsteilen Psychologen, P&auml;dagogen und Soziologen. F&uuml;r die Organisation der Veranstaltungen, die Kundenbetreuung und die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit waren 13 Personen fest angestellt. Aus dem Seminargesch&auml;ft erzielte sie ca. 95 % ihres Umsatzes. F&uuml;r das Streitjahr (1996) erkl&auml;rte die Kl&auml;gerin Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit. Die Erkl&auml;rung zur gesonderten und einheitlichen Feststellung von Grundlagen f&uuml;r die Einkommensbesteuerung und die F&ouml;rderung des Wohneigentums 1996 ging am 24. November 1997 bei dem Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA stellte die Eink&uuml;nfte zun&auml;chst erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; unter Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung fest. Aufgrund der Pr&uuml;fung eines Briefmarkenh&auml;ndlers ergab sich gegen die Kl&auml;gerin der Verdacht, Gef&auml;lligkeitsrechnungen &uuml;ber Briefmarkeneink&auml;ufe entgegengenommen und verwendet zu haben. Gegen die Gesellschafter der Kl&auml;gerin wurden deshalb 1998 steuerstrafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. In seinem Bericht &uuml;ber die steuerlichen Feststellungen gelangte das zust&auml;ndige Finanzamt f&uuml;r Steuerstrafsachen und Steuerfahndung u.a. zu der Einsch&auml;tzung, die Kl&auml;gerin habe im Streitjahr nicht freiberufliche, sondern wegen der Mithilfe zahlreicher qualifizierter Seminarleiter gewerbliche Eink&uuml;nfte erzielt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA schloss sich dieser Beurteilung an und &auml;nderte den Bescheid &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen f&uuml;r 1996 am 15. Februar 2002 gem&auml;&szlig; &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO). Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte aus, das FA habe den Bescheid jedenfalls nach &sect; 164 Abs. 2 AO &auml;ndern d&uuml;rfen. Die &Auml;nderungen seien auch rechtm&auml;&szlig;ig. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 382 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin in erster Linie die Verletzung der &sect;&sect; 164 Abs. 2, 171 Abs. 5, 208 AO. Sie meint, der angefochtene Bescheid h&auml;tte wegen Umqualifizierung der von ihr erzielten Eink&uuml;nfte nicht mehr ge&auml;ndert werden d&uuml;rfen; im &Uuml;brigen habe das FG zu Unrecht eine freiberufliche T&auml;tigkeit verneint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das angefochtene Urteil des FG aufzuheben und die ge&auml;nderten Feststellungsbescheide vom 15. Februar 2002 und 10. Oktober 2002 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 25. Juli 2003 dahin zu &auml;ndern, dass Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit festgestellt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und deshalb zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Im Ergebnis zutreffend hat das FG die &Auml;nderungsbefugnis des FA und die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der &Auml;nderung bejaht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat zur Begr&uuml;ndung im Wesentlichen ausgef&uuml;hrt, der Ablauf der regul&auml;ren Festsetzungsfrist sei gem&auml;&szlig; &sect; 171 Abs. 5 Satz 1 AO gehemmt gewesen. Der Umfang der Ablaufhemmung h&auml;nge allein davon ab, auf welche Steueranspr&uuml;che sich die Ermittlungen tats&auml;chlich erstreckt h&auml;tten. Im Streitfall habe sich die Pr&uuml;fung &#8211;f&uuml;r die Kl&auml;gerin erkennbar&#8211; auch auf die Qualifizierung der Eink&uuml;nfte erstreckt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Diese Ausf&uuml;hrungen halten rechtlicher Nachpr&uuml;fung nur im Ergebnis stand. Im Ausgangspunkt zutreffend ist das FG davon ausgegangen, dass der Gewinnfeststellungsbescheid f&uuml;r 1996 am 15. Februar 2002 nur ge&auml;ndert werden durfte, wenn und soweit die Festsetzungsfrist bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgelaufen war. Da die regul&auml;re Festsetzungsfrist am 31. Dezember 2001 endete, kam eine &Auml;nderung des Bescheids am 15. Februar 2002 nur in Betracht, wenn der Ablauf der Frist bis zu diesem Zeitpunkt gehemmt war. Diese Voraussetzung war im Streitfall erf&uuml;llt; der Ablauf der Festsetzungsfrist war gem&auml;&szlig; &sect; 171 Abs. 5 Satz 1 AO gehemmt. Die Hemmung erstreckte sich ihrem sachlichen Umfang nach auch auf die nachtr&auml;gliche &Auml;nderung der Einkunftsart, denn die Steuerfahndung hatte ihre Ermittlungen nicht nur tats&auml;chlich, sondern auch zu Recht auf diesen Punkt ausgedehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Beginnen die mit der Steuerfahndung betrauten Dienststellen vor Ablauf der Festsetzungsfrist beim Steuerpflichtigen mit Ermittlungen der Besteuerungsgrundlagen, so l&auml;uft die Festsetzungsfrist insoweit nicht ab, bevor die auf Grund der Ermittlungen zu erlassenden Steuerbescheide unanfechtbar geworden sind. &sect; 171 Abs. 5 Satz 1 AO bewirkt (&quot;insoweit&quot;) nur eine gegenst&auml;ndlich beschr&auml;nkte Ablaufhemmung (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 14. April 1999 XI R 30\/96, BFHE 188, 286, BStBl II 1999, 478, unter II.2.b; vom 14. April 2005 XI R 83\/03, BFH\/NV 2005, 1961, unter II.3.a; vom 24. April 2002 I R 25\/01, BFHE 198, 303, BStBl II 2002, 586, unter II.3.a sowie vom 8. Juli 2009 XI R 42\/08, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der sachliche Umfang der Ablaufhemmung h&auml;ngt zum einen davon ab, auf welche Steueranspr&uuml;che sich die Ermittlungen w&auml;hrend ihres Verlaufs tats&auml;chlich erstreckt haben (vgl. BFH-Urteil vom 13. Februar 2003 X R 62\/00, BFH\/NV 2003, 740). Die Ermittlungen m&uuml;ssen zum andern auch rechtm&auml;&szlig;ig gewesen sein. Die Rechtsfolge, dass die Festsetzungsfrist nicht abl&auml;uft, kann nur an rechtm&auml;&szlig;iges beh&ouml;rdliches Handeln gekn&uuml;pft werden. Das setzt insbesondere voraus, dass die einzelnen Ermittlungen und Ermittlungshandlungen von der Aufgaben- und Befugniszuweisung in &sect; 208 AO gedeckt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach &sect; 208 Abs. 1 Satz 1 AO hat die Steuerfahndung vor allem die Aufgabe, Steuerstraftaten und -ordnungswidrigkeiten zu erforschen und die Besteuerungsgrundlagen in diesen F&auml;llen zu ermitteln. Die Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen in diesen F&auml;llen (&sect; 208 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO) geh&ouml;rt unmittelbar zur Erforschung der Steuerstraftaten und Steuerordnungswidrigkeiten und ist deren nicht abtrennbarer Teil; sie ist dem Bereich des Straf- bzw. Ordnungswidrigkeitenverfahrens zuzurechnen (vgl. BFH-Urteil vom 11. Dezember 1997 V R 56\/94, BFHE 185, 98, BStBl II 1998, 367).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Abs. 2 der Vorschrift sind die mit der Steuerfahndung betrauten Dienststellen der Landesfinanzverwaltung daneben auch zust&auml;ndig f&uuml;r steuerliche Ermittlungen einschlie&szlig;lich der Au&szlig;enpr&uuml;fung auf Ersuchen der zust&auml;ndigen Finanzbeh&ouml;rde. In dieser Funktion nimmt die Steuerfahndung Aufgaben wahr, die dem Besteuerungsverfahren zuzurechnen sind (vgl. BFH-Urteil in BFHE 185, 98, BStBl II 1998, 367). Im Streitfall ist die Steuerfahndung nicht auf Ersuchen der zust&auml;ndigen Finanzbeh&ouml;rde, sondern nach &sect; 208 Abs. 1 AO t&auml;tig geworden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Soweit f&uuml;r ein T&auml;tigwerden der Steuerfahndung nach &sect; 208 Abs. 1 AO ein strafrechtlicher Anfangsverdacht erforderlich ist (vgl. Klein\/R&uuml;sken, AO, 10. Aufl., &sect; 208 Rz 23), kann sich das FA im Streitfall darauf st&uuml;tzen, dass aufgrund von Kontrollmaterial gegen die Gesellschafter der Kl&auml;gerin der Vorwurf im Raum stand, bei der Gewinnfeststellung von unrichtigen Briefmarkenrechnungen Gebrauch gemacht und dadurch die Einkommensteuer 1996 verk&uuml;rzt zu haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Diesem Verdacht durfte das FA nachgehen und seine Ermittlungen dabei auch auf die Frage erstrecken, ob die Kl&auml;gerin im Streitjahr &#8211;wie erkl&auml;rt&#8211; Eink&uuml;nfte aus freiberuflicher T&auml;tigkeit oder aus Gewerbebetrieb erzielt hatte. Zwar bestand insoweit kein strafrechtlicher Anfangsverdacht. Die Angabe einer unzutreffenden Einkunftsart in einer Steuererkl&auml;rung erf&uuml;llt im Regelfall nicht die Tathandlung einer Steuerstraftat oder -ordnungswidrigkeit. Darauf kommt es jedoch nicht an. Richtet sich &#8211;wie im Streitfall&#8211; der strafrechtliche Anfangsverdacht nur auf einen bestimmten Sachverhalt, so ist die Steuerfahndung nach &sect; 208 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO in ihren Ermittlungen nicht darauf beschr&auml;nkt, den verd&auml;chtigen Sachverhalt aufzukl&auml;ren. Sie ist vielmehr berechtigt und ggf. auch verpflichtet, alle f&uuml;r die Feststellung der in Betracht kommenden Straftat oder Ordnungswidrigkeit erforderlichen Besteuerungsgrundlagen zu ermitteln. Setzt die in Betracht kommende Steuerstraftat oder -ordnungswidrigkeit eine Verk&uuml;rzung der Steuer voraus, so erstreckt sich die Ermittlungsbefugnis der Steuerfahndung auf alle Besteuerungsgrundlagen, deren Kenntnis erforderlich ist, um die H&ouml;he der Steuerverk&uuml;rzung bestimmen zu k&ouml;nnen. Lautet der Vorwurf &#8211;wie im Streitfall&#8211; auf Hinterziehung der Einkommensteuer eines bestimmten Jahres, ist die Steuerfahndung grunds&auml;tzlich befugt, s&auml;mtliche f&uuml;r die Festsetzung der Einkommensteuer dieses Jahres erforderlichen Besteuerungsgrundlagen aufzukl&auml;ren, auch wenn es sich dabei um Sachverhalte handelt, auf die sich ein strafrechtlicher Anfangsverdacht nicht richtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall war die Steuerfahndung deshalb zumindest berechtigt, alle im Gewinnfeststellungsbescheid festgestellten Grundlagen f&uuml;r die Einkommensbesteuerung der Gesellschafter zu pr&uuml;fen. Dazu geh&ouml;rte auch die Qualifizierung der von den Gesellschaftern erzielten Eink&uuml;nfte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der danach &#8211;zumindest nach &sect; 164 Abs. 2 AO&#8211; zu Recht ge&auml;nderte Feststellungsbescheid ist auch rechtm&auml;&szlig;ig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat insofern ausgef&uuml;hrt, die T&auml;tigkeit der Gesellschafter der Kl&auml;gerin sei schon aufgrund fehlender Eigenverantwortlichkeit den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb zuzuordnen. Bei der Anzahl der fachlich qualifizierten und als Seminarleiter eingesetzten Mitarbeiter sowie der Anzahl der im Streitjahr veranstalteten Seminare k&ouml;nne von einer eigenverantwortlichen unterrichtenden T&auml;tigkeit des Betriebsinhabers nicht mehr gesprochen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die dagegen von der Revision erhobenen Einw&auml;nde greifen nicht durch. Soweit die Kl&auml;gerin einwendet, ihre Gesellschafter seien insofern eigenverantwortlich und leitend t&auml;tig gewesen als sie daf&uuml;r gesorgt h&auml;tten, dass die von ihnen eingesetzten Seminarleiter das spezielle Konzept der Wissensvermittlung umgesetzt h&auml;tten, welches den Gesch&auml;ftserfolg der Kl&auml;gerin ausmache, kommt es letztlich in tats&auml;chlicher Hinsicht darauf an, ob die Gesellschafter der Kl&auml;gerin auf diese Weise in f&uuml;r die Annahme einer freiberuflichen T&auml;tigkeit ausreichendem Ma&szlig;e auf das jeweilige Seminar- und Unterrichtsgeschehen eingewirkt haben. Das hat das FG verneint. Diese W&uuml;rdigung ist zumindest m&ouml;glich. Daran ist der BFH gebunden (&sect; 118 Abs. 2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Streitfall bietet keine Veranlassung, der Frage nachzugehen, ob wegen ver&auml;nderter technischer M&ouml;glichkeiten (Fernunterricht) an dem Erfordernis einer pers&ouml;nlichen Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden als Voraussetzung f&uuml;r die Annahme einer unterrichtenden T&auml;tigkeit generell festgehalten werden kann (vgl. Wendt, Finanz-Rundschau 1999, 128). Die Gesellschafter der Kl&auml;gerin haben jedenfalls nicht mit modernen Medien das Unterrichtsgeschehen beeinflusst, sondern sie behaupten, durch organisatorische Ma&szlig;nahmen die unterrichtende T&auml;tigkeit der von ihnen eingesetzten Seminarleiter vor Ort ma&szlig;geblich beeinflusst zu haben. Das ist aber &#8211;wie bereits dargelegt&#8211; in erster Linie eine Tatfrage, die im Revisionsverfahren nicht gekl&auml;rt werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Nach allem kommt es nicht darauf an, ob die Gesellschafter der Kl&auml;gerin trotz fehlenden Jura-Studiums aufgrund eigener Fachkunde in der Lage waren, die juristischen Seminarteile selbst abzuhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.3.2010, VIII R 56\/07 Festsetzungsfrist &#8211; Ermittlungen der Steuerfahndung &#8211; Reichweite der Ablaufhemmung &#8211; Erforderlichkeit einer pers&ouml;nlichen Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden als Voraussetzung einer unterrichtenden T&auml;tigkeit? Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine aus zwei Diplom-Psychologen bestehende Gesellschaft b&uuml;rgerlichen Rechts, veranstaltete inner- und &uuml;berbetriebliche Seminare f&uuml;r Betriebsr&auml;te und F&uuml;hrungskr&auml;fte &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-56-07-festsetzungsfrist-ermittlungen-der-steuerfahndung-reichweite-der-ablaufhemmung-erforderlichkeit-einer-persoenlichen-beziehung-zwischen-lehrenden-und-lernenden-als-voraussetzung-einer-unte\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;R&nbsp;56\/07 &#8211; Festsetzungsfrist &#8211; Ermittlungen der Steuerfahndung &#8211; Reichweite der Ablaufhemmung &#8211; Erforderlichkeit einer pers&ouml;nlichen Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden als Voraussetzung einer unterrichtenden T&auml;tigkeit?<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-7811","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7811","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7811"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7811\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7811"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7811"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7811"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}