{"id":78133,"date":"2025-12-26T16:06:23","date_gmt":"2025-12-26T14:06:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=78133"},"modified":"2025-12-26T16:06:23","modified_gmt":"2025-12-26T14:06:23","slug":"bfh-urteil-vom-04-juni-2025-ii-r-42-21-befreiung-von-der-grunderwerbsteuer-bei-teilung-des-nachlasses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-04-juni-2025-ii-r-42-21-befreiung-von-der-grunderwerbsteuer-bei-teilung-des-nachlasses\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 04. Juni 2025, II R 42\/21: Befreiung von der Grunderwerbsteuer bei Teilung des Nachlasses"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.040625.IIR42.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH II. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>GrEStG \u00a7 1 Abs 1 Nr 1, GrEStG \u00a7 3 Nr 3 S 1, GrEStG \u00a7 5, GrEStG \u00a7 6, BGB \u00a7 2032, BGB \u00a7 2042 Abs 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG K\u00f6ln, 06. Oktober 2021, Az: 5 K 756\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Die \u00dcbertragung eines Grundst\u00fccks von einer Erbengemeinschaft auf eine Personengesellschaft bei Teilung des Nachlasses ist zu dem Anteil von der Grunderwerbsteuer befreit, zu welchem ein Miterbe an der erwerbenden Personengesellschaft beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Die Steuerbefreiung ist insoweit nicht zu gew\u00e4hren, als sich der Anteil des Miterben am Verm\u00f6gen der Personengesellschaft innerhalb von f\u00fcnf Jahren nach dem \u00dcbergang des Grundst\u00fccks auf diese vermindert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts K\u00f6ln vom 06.10.2021 &#8211; 5 K 756\/20 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), eine GbR, wurde am 10.07.2014 gegr\u00fcndet. Gr\u00fcndungsgesellschafter waren mit einer Beteiligung von je 1\/6 A und f\u00fcnf seiner Geschwister. Dieselben Personen waren zu je 1\/6 Mitglieder der Erbengemeinschaft nach ihrem Vater. Das Verm\u00f6gen der Erbengemeinschaft bestand aus drei Flurst\u00fccken (1, 2, 3) im X-Weg in C.<\/li><li>Mit notariellem Vertrag vom 10.07.2014 \u00fcbertrugen die Miterben die Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 gemeinschaftlich auf die Kl\u00e4gerin. Der Vertrag hatte insoweit folgenden Wortlaut:&#8220;B.&nbsp;Teil-Erbauseinandersetzungsvertrag<br \/>\u2026<br \/>II.&nbsp;Auseinandersetzung bzw. \u00dcbertragung1. Wir \u2026 setzen uns \u00fcber die uns in ungeteilter Erbengemeinschaft geh\u00f6renden Grundst\u00fccke \u2026 Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 \u2026 in der Weise auseinander, dass dieser Grundbesitz nebst dem gesetzlichen Zubeh\u00f6r der \u2026 [Kl\u00e4gerin] zugewiesen wird. Die \u2026 [Kl\u00e4gerin] &#8211;&nbsp;nachfolgend auch Erwerber genannt&nbsp;&#8211; nimmt die \u00dcbertragung hiermit an.<br \/>2. \u2026III. GegenleistungenDie \u00dcbertragung des Grundbesitzes erfolgt zur teilweisen Teilung des Nachlasses im Wege der Auseinandersetzung der zwischen den Erben bestehenden Erbengemeinschaft nach dem Erblasser. Der Erwerber ist daher zu keinerlei Gegenleistungen verpflichtet.&#8220;<\/li><li>Zugleich erwarb die Kl\u00e4gerin unter anderem das Flurst\u00fcck&nbsp;4 im X-Weg von einer anderen GbR.<\/li><li>Mit einem unmittelbar darauf folgenden Vertrag vom selben Tage \u00fcbertrug die Kl\u00e4gerin das Flurst\u00fcck&nbsp;4 auf A. Im Gegenzug wurde dessen Beteiligung an der Kl\u00e4gerin auf 0,55&nbsp;% gemindert.<\/li><li>Mit Bescheid vom 23.11.2018 setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) f\u00fcr die \u00dcbertragung der Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 Grunderwerbsteuer in H\u00f6he von 3.808&nbsp;\u20ac gegen die Kl\u00e4gerin fest. Dabei ging er davon aus, die \u00dcbertragung sei nach \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) nur in H\u00f6he von 83,85&nbsp;% (5&nbsp;x&nbsp;16,66&nbsp;%&nbsp;+ 0,55&nbsp;%) von der Steuer befreit, da sich die Beteiligung des A an der Kl\u00e4gerin auf 0,55&nbsp;% vermindert habe.<\/li><li>Mit dem Einspruch begehrte die Kl\u00e4gerin die vollst\u00e4ndige Befreiung der \u00dcbertragung der Flurst\u00fccke von der Grunderwerbsteuer. Sie vertrat die Auffassung, dass ein Erwerb zur Teilung des Nachlasses nach \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG vorliege.<\/li><li>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) ging davon aus, dass die \u00dcbertragung der Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 keine Ma\u00dfnahme zur Teilung des Nachlasses im Sinne des \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG darstelle. Die Erbengemeinschaft habe im Hinblick auf das Flurst\u00fcck&nbsp;1 fortbestanden. Das Gesamthandsverm\u00f6gen der Miterben hinsichtlich der Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 sei nicht aufgehoben, sondern in anderer Form \u2011\u2011als GbR\u2011\u2011 fortgesetzt worden. Mit der \u00dcbertragung dieser Flurst\u00fccke auf die Kl\u00e4gerin sei letztlich das Ziel verfolgt worden, das Flurst\u00fcck&nbsp;4 grunderwerbsteuerfrei auf A zu \u00fcbertragen. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2022, 594 ver\u00f6ffentlicht.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin die Verletzung des \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG. Die \u00dcbertragung der Flurst\u00fccke auf sie sei gem\u00e4\u00df dem Abschnitt&nbsp;B.&nbsp;III. des Vertrags vom 10.07.2014 im Rahmen einer Teilauseinandersetzung der Erbengemeinschaft erfolgt. Durch die \u00dcbertragung h\u00e4tten die Flurst\u00fccke ihre Eigenschaft als Teil des Nachlasses verloren, denn eine im Verh\u00e4ltnis zur Erbengemeinschaft personen- und beteiligungsidentische GbR stelle ein anderes Zuordnungssubjekt als die Erbengemeinschaft dar (Verweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 07.02.2001&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;5\/99, BFH\/NV 2001, 938). Das Herausl\u00f6sen der Flurst\u00fccke aus dem Verm\u00f6gen der Erbengemeinschaft sei der Rechtsakt, der durch \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG beg\u00fcnstigt werde. Der Zusammenschluss der Miterben in der GbR sei vertraglicher Natur; er stelle keine Fortsetzung der kraft Gesetzes entstandenen Erbengemeinschaft dar. Das FG-Urteil stehe auch im Widerspruch zu dem BFH-Urteil vom 27.10.1970&nbsp;&#8211; II&nbsp;72\/65 (BFHE 101, 126, BStBl II 1971, 278), gem\u00e4\u00df dem die \u00dcbertragung eines Grundst\u00fccks von einer Erbengemeinschaft auf eine Personengesellschaft bei Teilung des Nachlasses zu dem Anteil von der Grunderwerbsteuer befreit sei, zu dem ein Miterbe an der erwerbenden Personengesellschaft beteiligt sei. F\u00fcr die Frage, ob eine Teilung des Nachlasses vorliege, komme es auf die Motive der Miterben nicht an.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und den die \u00dcbertragung der Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 betreffenden Bescheid vom 23.11.2018 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 26.03.2020 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die Grunderwerbsteuer auf 0&nbsp;\u20ac festgesetzt wird.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen, denn die Klageabweisung durch das FG erweist sich im Ergebnis als zutreffend (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;4 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat zwar zu Unrecht angenommen, dass die \u00dcbertragung einzelner Nachlassgegenst\u00e4nde auf eine mit der Erbengemeinschaft personen- und beteiligungsidentische GbR keine Teilung des Nachlasses im Sinne des \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG sei. Das Urteil erweist sich gleichwohl als zutreffend, da die Steuerbefreiung insoweit nicht zu gew\u00e4hren ist, als sich der Anteil des Miterben am Verm\u00f6gen der GbR innerhalb von f\u00fcnf Jahren nach dem \u00dcbergang des Grundst\u00fccks auf diese vermindert hat.<\/li><li>1. Ein Rechtsgesch\u00e4ft, das den Anspruch auf \u00dcbereignung eines inl\u00e4ndischen Grundst\u00fccks begr\u00fcndet, unterliegt nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG der Grunderwerbsteuer. Im Streitfall begr\u00fcndet der notariell beurkundete &#8222;Teil-Erbauseinandersetzungsvertrag&#8220; (Vertragsteil&nbsp;B.) vom 10.07.2014 einen Anspruch der Kl\u00e4gerin auf \u00dcbereignung der im Inland belegenen Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 gegen die Miterben.<\/li><li>2. Das FG ist zu Unrecht davon ausgegangen, dass die \u00dcbertragung einzelner Nachlassgegenst\u00e4nde auf eine mit der Erbengemeinschaft personen- und beteiligungsidentischen GbR keine Teilung des Nachlasses im Sinne des \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG darstellt.<\/li><li>a) Von der Besteuerung ausgenommen ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG der Erwerb eines zum Nachlass geh\u00f6rigen Grundst\u00fccks durch Miterben zur Teilung des Nachlasses. Die Vorschrift bezweckt, die Aufhebung der Erbengemeinschaft als einer nicht auf Dauer angelegten Zufallsgemeinschaft zu erleichtern (vgl. BFH-Urteil vom 21.11.1974&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;19\/68, BFHE 114, 441, BStBl II 1975, 271). Der Erwerb des Miterben von der Erbengemeinschaft soll grunderwerbsteuerrechtlich im Ergebnis genauso behandelt werden wie der Erwerb von Todes wegen durch einen Alleinerben oder Verm\u00e4chtnisnehmer, der nach \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG von der Steuer befreit ist. Bedeutung erlangt \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG, wenn Nachlassgrundst\u00fccke abweichend vom Verh\u00e4ltnis der Erbanteile aufgeteilt werden. Die Norm soll die Erbauseinandersetzung auch in den F\u00e4llen erleichtern, die nicht von den \u00a7\u00a7&nbsp;6 und 7 GrEStG erfasst werden, und stellt auch den \u00fcberquotalen Erwerb von Grundst\u00fccken durch einen Miterben steuerfrei (vgl. BFH-Urteil vom 15.12.1972&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;123\/66, BFHE 108, 265, BStBl II 1973, 363).<\/li><li>b) \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG setzt den Erwerb eines zum Nachlass geh\u00f6rigen Grundst\u00fccks voraus. Ein Grundst\u00fcck geh\u00f6rt, wenn der Erblasser mehrere Erben hinterl\u00e4sst, zum Nachlass, wenn es den Erben in dieser Eigenschaft in gesamth\u00e4nderischer Verbundenheit (vgl. \u00a7&nbsp;2032 Abs.&nbsp;1 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs \u2011\u2011BGB\u2011\u2011) zusteht (BFH-Urteil vom 16.01.2019&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;7\/16, BFHE 263, 465, BStBl II 2019, 617, Rz&nbsp;33). Gel\u00f6st wird die Zugeh\u00f6rigkeit des Grundst\u00fccks zum Nachlass durch seine \u00dcbertragung auf einen Miterben oder Dritten oder durch Umwandlung des Gesamthandseigentums in Bruchteilseigentum. Gleiches gilt, wenn das Grundst\u00fcck auf eine GbR \u00fcbertragen wird, an der die Erben zu gleichen Anteilen wie am Nachlass beteiligt sind, denn eine im Verh\u00e4ltnis zur Erbengemeinschaft personen- und beteiligungsidentische GbR stellt ein anderes Zuordnungssubjekt als die Erbengemeinschaft dar (vgl. BFH-Urteile vom 07.12.1951&nbsp;&#8211; II&nbsp;80\/51&nbsp;S, BFHE 56, 45, BStBl III 1952, 19; vom 07.02.2001&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;5\/99, BFH\/NV 2001, 938).<\/li><li>c) Ob der Erwerb eines Grundst\u00fccks zur Teilung des Nachlasses erfolgt, richtet sich nach b\u00fcrgerlich-rechtlichen Ma\u00dfst\u00e4ben. Die Miterben k\u00f6nnen die Aufl\u00f6sung der Erbengemeinschaft grunds\u00e4tzlich jederzeit verlangen (\u00a7&nbsp;2042 Abs.&nbsp;1 BGB). Dies geschieht in der Regel durch einen auf die Teilung des Nachlasses gerichteten Auseinandersetzungsvertrag oder auch mehrere solcher Vertr\u00e4ge (BFH-Urteil vom 21.11.1974&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;19\/68, BFHE 114, 441, BStBl II 1975, 271), die der Mitwirkung s\u00e4mtlicher Erben bed\u00fcrfen (BFH-Urteil vom 24.01.1962&nbsp;&#8211; II&nbsp;101\/59, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1962, 168). \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG beg\u00fcnstigt nicht nur die vollst\u00e4ndige Teilung des Nachlasses in einem Zug, sondern auch einzelne Ma\u00dfnahmen zur Auseinandersetzung (BFH-Urteile vom 27.06.1967&nbsp;&#8211; II&nbsp;50\/64, BFHE 89, 573; vom 15.12.1972&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;123\/66, BFHE 108, 265, BStBl II 1973, 363; vom 21.11.1974&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;19\/68, BFHE 114, 441, BStBl II 1975, 271; Me\u00dfbacher-H\u00f6nsch in Viskorf, Grunderwerbsteuergesetz, 21.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;3 Rz&nbsp;303; B\u00f6ing in Behrens\/Wachter, Grunderwerbsteuergesetz, 2.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;3 Rz&nbsp;191; BeckOK GrEStG\/Prusko, 3.&nbsp;Ed. 01.07.2025, GrEStG \u00a7&nbsp;3 Rz&nbsp;805, 809.3, 821).<\/li><li>d) Nach diesen Grunds\u00e4tzen hat das FG zu Unrecht angenommen, die \u00dcbertragung der Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 auf die Kl\u00e4gerin sei nicht zur Teilung des Nachlasses im Sinne des \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG erfolgt. Das Merkmal &#8222;zur Teilung des Nachlasses&#8220; ist erf\u00fcllt, obwohl die Erbengemeinschaft durch den &#8222;Teil-Erbauseinandersetzungsvertrag&#8220; vom 10.07.2014 nicht beendet, sondern im Hinblick auf das Flurst\u00fcck&nbsp;1 fortgesetzt wurde. Das Herausl\u00f6sen nur der Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 aus dem Nachlass stellt bereits einen Schritt zur Teilung des Nachlasses dar. Unsch\u00e4dlich ist zudem, dass die Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 auf eine GbR \u00fcbertragen wurden, die mit der Erbengemeinschaft personen- und beteiligungsidentisch ist. Die GbR ist ein anderes Zuordnungssubjekt als die Erbengemeinschaft und selbst Tr\u00e4gerin ihres Verm\u00f6gens. Mit der \u00dcbertragung auf die Kl\u00e4gerin sind die Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 daher aus dem Nachlass als gemeinschaftlichem Verm\u00f6gen der Erben ausgeschieden. F\u00fcr die Frage, ob der Erwerb &#8222;zur Teilung des Nachlasses&#8220; erfolgt, ist zudem ohne Belang, ob die Erben bestrebt sind, die Auseinandersetzung so zu gestalten, dass m\u00f6glichst wenig Grunderwerbsteuer anf\u00e4llt.<\/li><li>3. Das Urteil erweist sich dennoch im Ergebnis als zutreffend, da die Steuerbefreiung des \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG insoweit nicht zu gew\u00e4hren ist, als sich der Anteil eines Miterben am Verm\u00f6gen der Kl\u00e4gerin innerhalb von f\u00fcnf Jahren nach dem \u00dcbergang des Grundst\u00fccks auf diese vermindert hat. Diesbez\u00fcglich sind die Fristen des \u00a7&nbsp;5 Abs.&nbsp;3 GrEStG i.d.F. des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 vom 24.03.1999 (BGBl I 1999, 402) \u2011\u2011StEntlG 1999\/2000\/2002\u2011\u2011 und des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG i.d.F. des Steuer\u00e4nderungsgesetzes 2001 vom 20.12.2001 (BGBl I 2001, 3794) \u2011\u2011St\u00c4ndG 2001\u2011\u2011 zu beachten.<\/li><li>a) Von der Besteuerung ausgenommen ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG grunds\u00e4tzlich nur der Erwerb durch Miterben (vgl. BFH-Urteil vom 16.01.2019&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;7\/16, BFHE 263, 465, BStBl II 2019, 617, Rz&nbsp;33). Miterben sind die Personen, auf die mit dem Erbfall das Verm\u00f6gen des Erblassers als Ganzes \u00fcbergegangen ist (\u00a7&nbsp;1922 BGB). Das Tatbestandsmerkmal &#8222;Miterben&#8220; ist wirtschaftlichen Erw\u00e4gungen nicht zug\u00e4nglich. Es wurde als b\u00fcrgerlich-rechtlicher Begriff in das Grunderwerbsteuerrecht \u00fcbernommen (BFH-Beschluss vom 22.09.1976&nbsp;&#8211; II&nbsp;S&nbsp;6\/75, BFHE 120, 80, BStBl II 1977, 13, unter 1.c).<\/li><li>b) Der Erwerb einer Personengesellschaft, die selbst nicht Miterbin ist, ist gleichwohl nach dem Rechtsgedanken der \u00a7\u00a7&nbsp;5 und 6 GrEStG beg\u00fcnstigt. Danach sind einer Personengesellschaft grunderwerbsteuerrechtlich wesentliche Eigenschaften ihrer Gesellschafter zu dem Anteil zuzurechnen, zu dem die Gesellschafter an dem Verm\u00f6gen der Gesellschaft beteiligt sind (BFH-Urteil vom 27.10.1970&nbsp;&#8211; II&nbsp;72\/65, BFHE 101, 126, BStBl II 1971, 278). Die \u00dcbertragung eines Grundst\u00fccks von einer Erbengemeinschaft auf eine Personengesellschaft bei Teilung des Nachlasses ist deshalb zu dem Anteil von der Grunderwerbsteuer befreit, zu dem ein Miterbe an der erwerbenden Personengesellschaft beteiligt ist. Die Besteuerung ist dem Umfang nach die gleiche, wie wenn die Erbengemeinschaft das gesamte Grundst\u00fcck dem Miterben \u00fcbereignet (\u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG) und dieser es in die Gesellschaft eingebracht h\u00e4tte (\u00a7&nbsp;5 Abs.&nbsp;2 GrEStG) oder wenn die Erbengemeinschaft das Grundst\u00fcck den Gesellschaftern zu Miteigentum nach entsprechenden Bruchteilen (\u00a7\u00a7&nbsp;1008&nbsp;ff., 741&nbsp;ff. BGB) \u00fcbereignet (\u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 GrEStG) und diese das Miteigentum in Gesamthandseigentum mit gleichen Verm\u00f6gensteilen umgewandelt h\u00e4tten (\u00a7&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 GrEStG; BFH-Urteil vom 27.10.1970&nbsp;&#8211; II&nbsp;72\/65, BFHE 101, 126, BStBl II 1971, 278 [Rz&nbsp;21]; Me\u00dfbacher-H\u00f6nsch in Viskorf, Grunderwerbsteuergesetz, 21.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;3 Rz&nbsp;314; BeckOK GrEStG\/Prusko, 3.&nbsp;Ed. 01.07.2025, GrEStG \u00a7&nbsp;3 Rz&nbsp;918; W\u00e4lzholz, Zeitschrift f\u00fcr Erbrecht und Verm\u00f6gensnachfolge 2016, 369, 372, unter 7.).<\/li><li>c) Erwirbt eine Personengesellschaft, an der ein Miterbe beteiligt ist, ein zum Nachlass geh\u00f6rendes Grundst\u00fcck zur Teilung des Nachlasses, sind jedoch die Fristen des \u00a7&nbsp;5 Abs.&nbsp;3 GrEStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 und des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG i.d.F. des St\u00c4ndG 2001 zu beachten. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;5 Abs.&nbsp;3 GrEStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 und \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG i.d.F. des St\u00c4ndG 2001 sind die Befreiungstatbest\u00e4nde des \u00a7&nbsp;5 Abs. 1 und 2 und \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 GrEStG insoweit nicht anzuwenden, als sich der Anteil des Miterben am Verm\u00f6gen der Personengesellschaft innerhalb von f\u00fcnf Jahren nach dem \u00dcbergang des Grundst\u00fccks auf diese vermindert. Die Geltung dieser Einschr\u00e4nkung im Rahmen des \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG folgt aus dem Umstand, dass eine Beg\u00fcnstigung des Erwerbs einer Personengesellschaft, die selbst nicht Miterbin ist, nicht isoliert auf \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG gest\u00fctzt werden kann. Erst die Anwendung des Rechtsgedankens der \u00a7\u00a7&nbsp;5 und 6 GrEStG, die jeweils in Abs.&nbsp;3 Einschr\u00e4nkungen vorsehen, gew\u00e4hrleistet eine Steuerbefreiung des Erwerbs der Personengesellschaft zu dem Anteil, zu dem der Miterbe an dieser beteiligt ist.<\/li><li>d) Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben hat das FG im Ergebnis zutreffend entschieden, dass die Steuerbefreiung insoweit nicht zu gew\u00e4hren ist, als sich die Beteiligung des A an der Kl\u00e4gerin innerhalb von f\u00fcnf Jahren seit dem Erwerb der Flurst\u00fccke&nbsp;2 und 3 am 10.07.2014, n\u00e4mlich am selben Tag, auf 0,55&nbsp;% verringert hat. Danach ist die Kl\u00e4gerin in Bezug auf den Erwerb dieser Grundst\u00fccke lediglich in H\u00f6he von 83,85&nbsp;% (5&nbsp;x&nbsp;16,66&nbsp;%&nbsp;+ 0,55&nbsp;%) beg\u00fcnstigt.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.040625.IIR42.21.0 BFH II. Senat GrEStG \u00a7 1 Abs 1 Nr 1, GrEStG \u00a7 3 Nr 3 S 1, GrEStG \u00a7 5, GrEStG \u00a7 6, BGB \u00a7 2032, BGB \u00a7 2042 Abs 1 vorgehend FG K\u00f6ln, 06. Oktober 2021, Az: 5 K 756\/20 Leits\u00e4tze 1. Die \u00dcbertragung eines Grundst\u00fccks von einer Erbengemeinschaft auf eine Personengesellschaft bei &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-04-juni-2025-ii-r-42-21-befreiung-von-der-grunderwerbsteuer-bei-teilung-des-nachlasses\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 04. Juni 2025, II R 42\/21: Befreiung von der Grunderwerbsteuer bei Teilung des Nachlasses<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-78133","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78133","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78133"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78133\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78133"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78133"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78133"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}