{"id":7814,"date":"2012-12-02T16:02:14","date_gmt":"2012-12-02T14:02:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=7814"},"modified":"2012-12-02T16:02:14","modified_gmt":"2012-12-02T14:02:14","slug":"x-r-57-08-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-57-08-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;57\/08 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.3.2010, X R 57\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in den vorigen Stand<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wurden mit Bescheid vom 13. Februar 2006 zur Einkommensteuer 2003 zusammen veranlagt. Mit E-Mail Nachricht vom 29. M&auml;rz 2006 informierte der damalige steuerliche Berater der Kl&auml;ger den Beklagten und Revisionsbeklagten (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;), er habe am 21. M&auml;rz 2006 erfahren, dass der Einkommensteuerbescheid 2003 sich erst am 18. M&auml;rz 2006 im Briefkasten der Kl&auml;ger befunden habe. Er bat daher, das &quot;Erlassdatum&quot; und das &quot;Zahlungsdatum&quot; &quot;zu &auml;ndern&quot; und den Bescheid dann entweder ihm oder den Kl&auml;gern &quot;wieder zuzuschicken&quot;. Au&szlig;erdem sollte das FA, &quot;die Vollstreckungsstelle informieren, damit dort nichts passiert&quot; und &quot;den Mahnlauf &auml;ndern&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Sachbearbeiterin des FA fertigte daraufhin aus der verwaltungsinternen EDV-Datei einen weiteren Ausdruck des urspr&uuml;nglichen Einkommensteuerbescheids 2003, strich auf diesem das urspr&uuml;ngliche Erlassdatum &quot;13.2.2006&quot; durch und vermerkte darunter handschriftlich &quot;18.03.2006&quot;. Das urspr&uuml;ngliche F&auml;lligkeitsdatum &quot;16.03.2006&quot; strich sie ebenfalls durch und schrieb handschriftlich daneben &quot;21.04.2006&quot;. Schlie&szlig;lich vermerkte sie auf dem Ausdruck, die &quot;Zusendung wegen Mitteilung der neuen F&auml;lligkeit&quot; sei an die Finanzkasse am 10. April 2006 und an den steuerlichen Berater der Kl&auml;ger am 11. April 2006 erfolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schriftsatz vom 21. April 2006 legte der steuerliche Berater Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid 2003 &quot;vom 18.03.2006&quot; ein. Mit Schreiben vom 25. April 2006 teilte das FA dem steuerlichen Berater mit, dass er mit seinem Einspruch vom 21. April 2006 gegen den Einkommensteuerbescheid 2003 die &#8211;mit der Bekanntgabe zu laufen beginnende&#8211; einmonatige Einspruchsfrist (&sect; 355 Abs. 1 Satz 1 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) vers&auml;umt habe, da der Einkommensteuerbescheid 2003 den Kl&auml;gern laut seiner &#8211;des kl&auml;gerischen Beraters&#8211; eigenen Angaben am 18. M&auml;rz 2006 zugegangen und damit bekanntgegeben worden sei und deshalb die Einspruchsfrist am 18. April 2006 geendet habe. Gr&uuml;nde f&uuml;r die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (&sect; 110 AO) wegen Vers&auml;umnis der Einspruchsfrist l&auml;gen nach Kenntnisstand des FA nicht vor; sollten solche gegeben sein, solle der kl&auml;gerische Berater diese vortragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Berater machte daraufhin mit Schreiben vom 29. Mai 2006 geltend, der Einkommensteuerbescheid 2003 sei ihm mit auf den 18. M&auml;rz 2006 ge&auml;nderten Erlassdatum &quot;mittels normaler Post&quot; am 13. April 2006 zugegangen. Dieser Bescheid &quot;ersetze&quot; den &quot;ersten Bescheid vom 13.02.2006&quot;, der bei den Kl&auml;gern am 18. M&auml;rz 2006 eingegangen sei. Da aus dem Bescheid vom 18. M&auml;rz 2006 nicht zu erkennen gewesen sei, dass es sich um eine Abschrift handle, sei er ein neuer Verwaltungsakt, der mit seinem Zugang die Einspruchsfrist neu in Lauf setze. Daher sei mit der Einlegung des Einspruchs am 21. April 2006 die einmonatige Einspruchsfrist gewahrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwischenzeitlich, n&auml;mlich zum 5. April 2006, war die Zulassung des damaligen steuerlichen Beraters der Kl&auml;ger widerrufen worden. Mit an die Kl&auml;ger adressiertem Schreiben vom 11. Juli 2006 wies das FA den damaligen steuerlichen Berater nach &sect; 80 Abs. 5 i.V.m. &sect; 80 Abs. 8 Satz 1 AO wegen unbefugter Hilfeleistung in Steuersachen zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 25. Juli 2006 verwarf das FA den Einspruch als unzul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 27. Juli 2006 und am 10. August 2006 nahm die Kl&auml;gerin pers&ouml;nlich Kontakt zum FA auf. In diesen Gespr&auml;chen wurde ihr u.a. erneut mitgeteilt, dass der Einspruch verfristet und die Verfristung durch ihren steuerlichen Bevollm&auml;chtigten verursacht worden sei. Ihr stehe daher offen, entweder gem&auml;&szlig; der Rechtsbehelfsbelehrung zu handeln, zivilrechtlich gegen den ehemaligen steuerlichen Bevollm&auml;chtigten vorzugehen oder wegen einer Stundung erneut vorzusprechen. Die Kl&auml;gerin erwiderte, sie werde h&ouml;chstwahrscheinlich entweder einen Antrag auf Erlass der Steuern oder auf Ratenzahlung stellen oder Klage gegen die Einspruchsentscheidung erheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die Einspruchsentscheidung erhoben die Kl&auml;ger Klage vor dem Finanzgericht (FG). Mit Schriftsatz vom 22. August 2006 wendeten sie sich u.a. gegen den &quot;Einkommensteuerbescheid 2003 &#8230; vom 13.02.2006&quot; und trugen vor, durch den fehlenden Hinweis w&auml;hrend des laufenden Einspruchsverfahrens auf den Widerruf der Zulassung ihres steuerlichen Bevollm&auml;chtigten und den vorschnellen Erlass der Einspruchsentscheidung sei es ihnen nicht m&ouml;glich gewesen, rechtzeitig Wiedereinsetzungsgr&uuml;nde geltend zu machen. Mit Schriftsatz vom 7. November 2006 beantragten die Kl&auml;ger u.a. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Vers&auml;umnis der Einspruchsfrist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG wies die Klage mit in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 378 ver&ouml;ffentlichtem Urteil ab. Die Einspruchsfrist gegen den Einkommensteuerbescheid 2003 vom 13. Februar 2006 sei bei Einspruchseinlegung mit Schreiben vom 21. April 2006 bereits abgelaufen gewesen. Den Kl&auml;gern sei auch keine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach &sect; 110 AO wegen Vers&auml;umnis der Einspruchsfrist zu gew&auml;hren. Die Kl&auml;ger m&uuml;ssten sich insoweit das Verschulden ihres steuerlichen Beraters nach &sect; 155 der Finanzgerichtsordnung (FGO) i.V.m. &sect; 85 Abs. 2 der Zivilprozessordnung wie eigenes Verschulden zurechnen lassen. Da der damalige steuerliche Berater die Voraussetzungen der Zulassung zum Steuerberater erf&uuml;llt habe, habe er die gesteigerten Anforderungen an steuerliche Berater und Rechtsanw&auml;lte hinsichtlich der Berechnung von Fristen erf&uuml;llen m&uuml;ssen. Es komme nicht darauf an, dass zum Zeitpunkt der tats&auml;chlichen Einspruchseinlegung am 21. April 2006 die Zulassung zum Steuerberater widerrufen gewesen sei. Vielmehr h&auml;tte er bereits am 21. M&auml;rz 2006 &#8211;dem Datum, an dem er von der Existenz des Einkommensteuerbescheids 2003 am 18. M&auml;rz 2006 im Briefkasten der Kl&auml;ger erfahren h&auml;tte&#8211; den Fristlauf ordnungsgem&auml;&szlig; berechnen und notieren m&uuml;ssen. Am 21. M&auml;rz 2006 sei die Zulassung noch nicht widerrufen gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision machen die Kl&auml;ger eine Verletzung des &sect; 110 AO geltend. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hren sie im Wesentlichen aus, das Verschulden des damaligen steuerlichen Beraters an der Vers&auml;umnis der Einspruchsfrist k&ouml;nne ihnen nicht zugerechnet werden. Denn ein mit Sorgfalt arbeitender steuerlicher Berater h&auml;tte den Rechtsbehelf nach Widerruf seiner Bestellung gar nicht mehr einlegen d&uuml;rfen. Mit dem Widerruf der Bestellung sei die Befugnis des steuerlichen Beraters, die Kl&auml;ger zu vertreten, erloschen. Auch die Verm&ouml;gensschadenhaftpflichtversicherung habe ihren Versicherungsschutz zum Datum des Widerrufs der Bestellung &#8211;5. April 2006&#8211; gek&uuml;ndigt, so dass sie &#8211;die Kl&auml;ger&#8211; ohne Wiedereinsetzung in den vorigen Stand den durch die Fristvers&auml;umnis entstandenen Schaden auch nicht &uuml;ber die Versicherung ersetzt bekommen k&ouml;nnten. Schlie&szlig;lich weiche das Urteil des FG von dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 18. Juli 2007&nbsp;&nbsp;5 AZR 848\/06 (Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 2007, 3226) ab. Das BAG habe entschieden, dass das Verschulden eines Rechtsanwalts, dessen Berufszulassung mit sofortiger Wirkung widerrufen worden sei, nicht der von ihm vertretenen Partei zugerechnet werden k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das angefochtene Urteil aufzuheben und ihnen hinsichtlich der vers&auml;umten Einspruchsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Das angefochtene Urteil wird aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckverwiesen (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 FGO). Das FG hat zu Unrecht den Kl&auml;gern eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (&sect; 110 AO) wegen Vers&auml;umnis der Einspruchsfrist gegen den Einkommensteuerbescheid 2003 allein aus dem Grund verwehrt, weil ihnen das Fehlverhalten ihres steuerlichen Bevollm&auml;chtigten bez&uuml;glich der Fristvers&auml;umnis zuzurechnen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die einmonatige Einspruchsfrist (&sect; 355 Abs. 1 AO) war bei Einlegung des Einspruchs am 21. April 2006 gegen den Einkommensteuerbescheid 2003 bereits abgelaufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Einspruchsfrist begann nach &sect; 108 Abs. 1 AO i.V.m. &sect; 187 Abs. 1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) am 19. M&auml;rz 2006 zu laufen. Bez&uuml;glich der Bekanntgabe des Einkommensteuerbescheids (&sect; 122 Abs. 2 AO) war auf den 18. M&auml;rz 2006 abzustellen. An diesem Tag war der Einkommensteuerbescheid vom 13. Februar 2006 &#8211;nach eigenen Angaben des damaligen steuerlichen Beraters der Kl&auml;ger&#8211; den Kl&auml;gern tats&auml;chlich zugegangen. In &Uuml;bereinstimmung mit der Auffassung des FG handelte es sich bei dem am 11. April 2006 &uuml;bersandten, handschriftlich ge&auml;nderten Ausdruck des Einkommensteuerbescheids 2003 aus der Datei &quot;BSV&quot; an den damaligen steuerlichen Berater nicht um einen neuen Bescheid, der die Einspruchsfrist erst ab dem Datum seiner Bekanntgabe in Lauf setzte, sondern lediglich um die Mitteilung einer neuen F&auml;lligkeit der Einkommensteuernachzahlung am 21. April 2006 (neues Leistungsgebot nach &sect; 254 Abs. 1 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Einspruchsfrist endete nach &sect; 108 Abs. 1 AO i.V.m. &sect; 188 Abs. 2 BGB am 18. April 2006. Der Einspruch vom 21. April 2006 war daher versp&auml;tet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Zu Unrecht hat das FG den Kl&auml;gern aber wegen der vers&auml;umten Einspruchsfrist eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand schon deshalb nicht gew&auml;hrt, weil sie nicht ohne Verschulden daran gehindert waren, die Einspruchsfrist einzuhalten. Denn entgegen der Auffassung des FG war den Kl&auml;gern das Verschulden ihres damaligen steuerlichen Beraters an der Vers&auml;umnis der Einspruchsfrist nicht zuzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect; 110 Abs. 1 Satz 1 AO ist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren, wenn jemand ohne Verschulden verhindert war, eine gesetzliche Frist einzuhalten. Das Verschulden eines Vertreters ist dem Vertretenen zuzurechnen (&sect; 110 Abs. 1 Satz 2 AO). &quot;Ohne Verschulden&quot; verhindert, eine gesetzliche Frist einzuhalten, ist jemand dann, wenn er die f&uuml;r einen gewissenhaft und sachgem&auml;&szlig; handelnden Verfahrensbeteiligten gebotene und ihm nach den Umst&auml;nden zumutbare Sorgfalt beachtet hat (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 20. November 2008 III R 66\/07, BFHE 223, 317, BStBl II 2009, 185). An die Sorgfaltspflichten eines Anwalts oder eines Angeh&ouml;rigen der steuerberatenden Berufe sind allerdings besonders hohe Anforderungen zu stellen, n&auml;mlich eine &auml;u&szlig;erste, den Umst&auml;nden des Falles angemessene und vern&uuml;nftigerweise zu erwartende Sorgfalt (st&auml;ndige Rechtsprechung seit BFH-Beschluss vom 25. April 1968 VI R 76\/67, BFHE 92, 320, BStBl II 1968, 585; Klein\/R&auml;tke, AO, 10. Aufl., &sect; 110 Rz 28). Bei einem Angeh&ouml;rigen der steuerberatenden Berufe wird vorausgesetzt, dass er das Verfahrensrecht &#8211;inklusive die Berechnung von Fristen&#8211; kennt, so dass sein Irrtum auf diesem Gebiet regelm&auml;&szlig;ig als schuldhaft einzuordnen ist (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 18. Dezember 2001 VII B 36\/01, BFH\/NV 2002, 658; Kuczynski in Beermann\/Gosch, AO &sect; 110 Rz 67).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall hat der damalige steuerliche Berater der Kl&auml;ger schuldhaft gehandelt, weil er nicht innerhalb der Frist bis zum 18. April 2006 Einspruch eingelegt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Das Verschulden des steuerlichen Beraters ist den Kl&auml;gern jedoch nicht zuzurechnen. Denn nach dem Widerruf der Zulassung durfte der steuerliche Berater aus Gr&uuml;nden der Gefahrenabwehr nicht mehr f&uuml;r die Kl&auml;ger t&auml;tig werden (BAG-Urteil in NJW 2007, 3226, unter I.2.b aa), was auch durch die Vorschrift des &sect; 80 Abs. 5 AO best&auml;tigt wird. Dies gilt selbst dann, wenn &#8211;wie im Streitfall&#8211; noch eine wirksame Bevollm&auml;chtigung des steuerlichen Beraters i.S. des &sect; 80 Abs. 1 Satz 1 AO gegeben war. F&uuml;r die Wiedereinsetzung gem&auml;&szlig; &sect; 110 AO ist nicht der Fortbestand der Vollmacht (vgl. dazu &sect; 80 Abs. 5, Abs. 8 AO) von Bedeutung, sondern die Frage, ob das Vertreterverschulden weiterhin dem Vertretenen zuzurechnen ist. F&uuml;r den konkreten Fall des Widerrufs der Zulassung eines steuerlichen Beraters, in dem kein Eigenverschulden des Vertretenen gegeben ist, ist Letzterer schutzw&uuml;rdig; ein Fremdverschulden kann ihm wegen des nicht in seiner Sph&auml;re liegenden Widerrufs der Zulassung nicht angelastet werden. Durch den Widerruf der Zulassung entf&auml;llt die Legitimation zur Zurechnung des Verschuldens. Die Notwendigkeit, den Steuerpflichtigen in einem solchen Fall zu sch&uuml;tzen, findet ihren Ausdruck auch in dem Umstand, dass in der Regel nach den Versicherungsbedingungen zur Verm&ouml;gensschadenhaftpflichtversicherung f&uuml;r Steuerberater mit dem Wegfall der Zulassung der Versicherungsschutz automatisch endet, so dass die Mandanten f&uuml;r Sch&auml;den aus Fehlverhalten des steuerlichen Beraters nach dem Wegfall der Zulassung gegen&uuml;ber der Versicherung keine Ersatzanspr&uuml;che mehr geltend machen k&ouml;nnen und eine Schadloshaltung gegen&uuml;ber dem steuerlichen Vertreter in der Regel &#8211;wie im Streitfall&#8211; an dessen Verm&ouml;genslosigkeit scheitert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Senat kann mangels tats&auml;chlicher Feststellungen durch das FG &#8211;welche das FG im ersten Rechtszug nicht treffen musste, weil sie nicht entscheidungserheblich waren&#8211; nicht abschlie&szlig;end kl&auml;ren, ob auch die sonstigen Voraussetzungen der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand &#8211;insbesondere die Stellung des Antrags auf Wiedereinsetzung innerhalb eines Monats nach Wegfall des Hindernisses (&sect; 110 Abs. 2 Satz 1 AO)&#8211; vorliegen. Diese Feststellungen wird das FG im zweiten Rechtszug nachzuholen haben. Es wird insbesondere zu kl&auml;ren haben, wann die Kl&auml;ger von dem Widerruf der Zulassung ihres steuerlichen Beraters erfahren haben. Sollten die Feststellungen des FG ergeben, dass die Kl&auml;ger durch das Schreiben des FA vom 11. Juli 2006 von dem Widerruf der Zulassung ihres steuerlichen Beraters erfahren haben, dann wird das FG zu pr&uuml;fen haben, ob in den &Auml;u&szlig;erungen der Kl&auml;gerin in ihren pers&ouml;nlichen Gespr&auml;chen mit dem FA am 27. Juli 2006 und 10. August 2006 ein &#8211;konkludenter&#8211; Wiedereinsetzungsantrag zu sehen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.3.2010, X R 57\/08 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wurden mit Bescheid vom 13. Februar 2006 zur Einkommensteuer 2003 zusammen veranlagt. Mit E-Mail Nachricht vom 29. 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