{"id":78162,"date":"2025-12-27T12:22:55","date_gmt":"2025-12-27T10:22:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=78162"},"modified":"2025-12-27T12:22:55","modified_gmt":"2025-12-27T10:22:55","slug":"bfh-urteil-vom-24-juli-2025-iii-r-23-23-keine-erweiterte-grundstueckskuerzung-bei-halten-von-oldtimern-als-anlageobjekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-24-juli-2025-iii-r-23-23-keine-erweiterte-grundstueckskuerzung-bei-halten-von-oldtimern-als-anlageobjekt\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 24. Juli 2025, III R 23\/23: Keine erweiterte Grundst\u00fccksk\u00fcrzung bei Halten von Oldtimern als Anlageobjekt"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.240725.IIIR23.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH III. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>GewStG \u00a7 9 Nr 1 S 2, GewStG \u00a7\u00a7 9 Nr 1 S 2ff, GewStG VZ 2016 , GewStG VZ 2017 , GewStG VZ 2018 , GewStG VZ 2019 , GewStG VZ 2020<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg , 28. M\u00e4rz 2023, Az: 6 K 878\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine in \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. des Gewerbesteuergesetzes nicht ausdr\u00fccklich erlaubte Nebent\u00e4tigkeit (im Streitfall: Halten von Oldtimern zum Zwecke der Wertsteigerung) kann auch dann zum Ausschluss der erweiterten Grundst\u00fccksk\u00fcrzung f\u00fchren, wenn mit ihr keine Einnahmen erzielt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W\u00fcrttemberg vom 28.03.2023&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;878\/22 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist, ob die Voraussetzungen f\u00fcr die erweiterte K\u00fcrzung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. des Gewerbesteuergesetzes in der in den Streitjahren 2016 bis 2020 geltenden Fassung (GewStG) vorliegen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) ist eine GmbH. Der Gegenstand des Unternehmens ist laut Gesellschaftsvertrag der Kl\u00e4gerin insbesondere das Verwalten von ausschlie\u00dflich eigenem Immobilienverm\u00f6gen und das Halten von anderen Wertanlagen. Im Anlageverm\u00f6gen hielt die Kl\u00e4gerin in den Streitjahren unter anderem zwei Oldtimer, die sie als Wertanlage mit Gewinnerzielungsabsicht angeschafft hatte (Oldtimer&nbsp;I im Jahr 2011 und Oldtimer&nbsp;II im Jahr 2012). Mit den Oldtimern wurden bislang keine Einnahmen erzielt.<\/li><li>In ihren Gewerbesteuererkl\u00e4rungen f\u00fcr die Streitjahre beantragte die Kl\u00e4gerin die erweiterte K\u00fcrzung nach \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. GewStG. Diese wurde in den Gewerbesteuermessbescheiden 2016 bis 2019 zun\u00e4chst jeweils ber\u00fccksichtigt. Die Bescheide ergingen unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung.<\/li><li>Am 27.10.2020 erlie\u00df der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) nach Anh\u00f6rung der Kl\u00e4gerin ge\u00e4nderte Gewerbesteuermessbescheide f\u00fcr 2016 bis 2019, in denen er die erweiterte K\u00fcrzung nicht mehr ber\u00fccksichtigte und den Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung jeweils aufhob. Zudem erlie\u00df das FA am 24.11.2021 unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung einen erstmaligen Gewerbesteuermessbescheid f\u00fcr 2020, in dem es die beantragte erweiterte K\u00fcrzung ebenfalls nicht gew\u00e4hrte.<\/li><li>Gegen die Gewerbesteuermessbescheide 2016 bis 2019 legte die Kl\u00e4gerin am 04.11.2020 und gegen den Gewerbesteuermessbescheid 2020 am 25.11.2021 Einspruch ein. Mit Einspruchsentscheidung vom 06.04.2022 wies das FA die Einspr\u00fcche als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck.<\/li><li>Die hiergegen erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2024, 682 ver\u00f6ffentlichten Urteil vom 28.03.2023 als unbegr\u00fcndet ab. Die gewerbesteuerpflichtige Kl\u00e4gerin habe in den Streitjahren nicht die Voraussetzungen der erweiterten K\u00fcrzung erf\u00fcllt, weil s\u00e4mtliche nicht in \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GewStG genannten T\u00e4tigkeiten grunds\u00e4tzlich k\u00fcrzungssch\u00e4dlich seien. Auf eine Entgeltlichkeit beziehungsweise Unentgeltlichkeit der T\u00e4tigkeit komme es nicht an. Mit dem Halten der Oldtimer zum Zwecke der Kapitalanlage habe die Kl\u00e4gerin \u2011\u2011neben der Verwaltung und Nutzung eigenen Grundbesitzes\u2011\u2011 in den Streitjahren eine T\u00e4tigkeit ausge\u00fcbt, die nicht in dem Katalog der unsch\u00e4dlichen T\u00e4tigkeiten des \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GewStG enthalten sei.<\/li><li>Hiergegen wendet sich die Kl\u00e4gerin mit ihrer vom FG zugelassenen Revision, mit der sie die Verletzung materiellen Rechts r\u00fcgt.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und<br \/>den Gewerbesteuermessbescheid 2016 vom 27.10.2020 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 06.04.2022 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die erweiterte K\u00fcrzung nach \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. GewStG in H\u00f6he von xx&nbsp;\u20ac gew\u00e4hrt wird,<br \/>den Gewerbesteuermessbescheid 2017 vom 27.10.2020 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 06.04.2022 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die erweiterte K\u00fcrzung nach \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. GewStG in H\u00f6he von xx&nbsp;\u20ac gew\u00e4hrt wird,<br \/>den Gewerbesteuermessbescheid 2018 vom 27.10.2020 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 06.04.2022 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die erweiterte K\u00fcrzung nach \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. GewStG in H\u00f6he von xx&nbsp;\u20ac gew\u00e4hrt wird,<br \/>den Gewerbesteuermessbescheid 2019 vom 27.10.2020 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 06.04.2022 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die erweiterte K\u00fcrzung nach \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. GewStG in H\u00f6he von xx&nbsp;\u20ac gew\u00e4hrt wird,<br \/>den Gewerbesteuermessbescheid 2020 vom 24.11.2021 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 06.04.2022 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die erweiterte K\u00fcrzung nach \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. GewStG in H\u00f6he von xx&nbsp;\u20ac gew\u00e4hrt wird.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat ohne Rechtsfehler entschieden, dass die Voraussetzungen f\u00fcr die erweiterte K\u00fcrzung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. GewStG bei der Kl\u00e4gerin in den Streitjahren nicht erf\u00fcllt waren.<\/li><li>1. a) Kapitalgesellschaften \u2011\u2011wie die Kl\u00e4gerin\u2011\u2011 sind kraft ihrer Rechtsform gewerbesteuerpflichtig (\u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GewStG). Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;6 i.V.m. \u00a7&nbsp;7 GewStG ist die Besteuerungsgrundlage f\u00fcr die Gewerbesteuer der Gewerbeertrag, das hei\u00dft der nach dem Einkommensteuer- oder K\u00f6rperschaftsteuergesetz ermittelte Gewinn, vermehrt und vermindert um die in den \u00a7&nbsp;8 und \u00a7&nbsp;9 GewStG genannten Betr\u00e4ge. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 GewStG wurde die Summe des Gewinns und der Hinzurechnungen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;8 GewStG um 1,2&nbsp;% des Einheitswerts des zum Betriebsverm\u00f6gen des Unternehmers geh\u00f6renden und nicht von der Grundsteuer befreiten Grundbesitzes gek\u00fcrzt (die Neufassung gem\u00e4\u00df dem Jahressteuergesetz 2024 \u2011\u2011JStG 2024\u2011\u2011, BGBl. 2024 I Nr.&nbsp;387, ist erst ab dem Erhebungszeitraum 2025 anzuwenden, s. Art.&nbsp;9 Nr.&nbsp;3, Nr.&nbsp;7b JStG 2024). Aus Gr\u00fcnden der Gleichbehandlung mit Einzel- und Personenunternehmen, die private Verm\u00f6gensverwaltung betreiben (vgl. Beschluss des Gro\u00dfen Senats des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 25.09.2018&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/16, BFHE 263, 225, BStBl II 2019, 262, Rz&nbsp;96; Senatsurteil vom 23.03.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;49\/20, BFHE 280, 293, BStBl II 2024, 126, Rz&nbsp;11) tritt auf Antrag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GewStG bei Unternehmen, die ausschlie\u00dflich eigenen Grundbesitz oder neben eigenem Grundbesitz eigenes Kapitalverm\u00f6gen verwalten und nutzen oder daneben Wohnungsbauten betreuen oder bestimmte Immobilien errichten und ver\u00e4u\u00dfern, an Stelle der K\u00fcrzung nach Satz&nbsp;1 die K\u00fcrzung um den Teil des Gewerbeertrags, der auf die Verwaltung und Nutzung des eigenen Grundbesitzes entf\u00e4llt.<\/li><li>b) Die von \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GewStG geforderte ausschlie\u00dfliche Verwaltung und Nutzung eigenen Grundbesitzes bedeutet, dass grunds\u00e4tzlich nur die beg\u00fcnstigte T\u00e4tigkeit ausge\u00fcbt werden darf und es sich ausnahmslos um eigenen Grundbesitz handeln muss. Nebent\u00e4tigkeiten liegen dann noch innerhalb des von dem Ausschlie\u00dflichkeitsgebot gezogenen Rahmens und sind ausnahmsweise beg\u00fcnstigungsunsch\u00e4dlich, wenn sie der Verwaltung und Nutzung eigenen Grundbesitzes im engeren Sinn dienen und als zwingend notwendiger Teil einer wirtschaftlich sinnvoll gestalteten eigenen Grundst\u00fccksverwaltung und -nutzung angesehen werden k\u00f6nnen (st\u00e4ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteil vom 22.10.2020&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;4\/19, BFHE 270, 529, BStBl II 2022, 87, Rz&nbsp;23, m.w.N.; Senatsurteile vom 11.04.2019&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;6\/18, BFH\/NV 2019, 1250, Rz&nbsp;20; vom 23.03.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;49\/20, BFHE 280, 293, BStBl II 2024, 126, Rz&nbsp;12). Die daneben erlaubten und somit gleichfalls nicht beg\u00fcnstigungssch\u00e4dlichen, selbst jedoch nicht beg\u00fcnstigten T\u00e4tigkeiten sind in \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 und 3 GewStG abschlie\u00dfend aufgez\u00e4hlt (vgl. Senatsurteile vom 23.03.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;49\/20, BFHE 280, 293, BStBl II 2024, 126, Rz&nbsp;12, und vom 18.12.2019&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;36\/17, BFHE 267, 406, BStBl II 2020, 405, Rz&nbsp;16, m.w.N.). Es ist h\u00f6chstrichterlich gekl\u00e4rt, dass der Begriff der Ausschlie\u00dflichkeit gleicherma\u00dfen qualitativ, quantitativ wie zeitlich zu verstehen ist (BFH-Urteil vom 26.02.2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;47\/13, BFH\/NV 2014, 1395, Rz&nbsp;18, m.w.N.). Ein Versto\u00df gegen das Ausschlie\u00dflichkeitsgebot f\u00fchrt zur vollst\u00e4ndigen Versagung der erweiterten K\u00fcrzung (BFH-Urteil vom 15.06.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;6\/20, BFH\/NV 2023, 1190, Rz&nbsp;27).<\/li><li>c) Anders als die Kl\u00e4gerin meint, hat das FG zu Recht entschieden, dass es dabei auf die Entgeltlichkeit beziehungsweise Unentgeltlichkeit der T\u00e4tigkeit nicht ankommt (so auch G\u00fcroff in Glanegger\/G\u00fcroff, GewStG, 11.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Rz&nbsp;23b; Brandis\/Heuermann\/Gosch, \u00a7&nbsp;9 GewStG Rz&nbsp;70; BeckOK GewStG\/Jahndorf, 15.&nbsp;Ed. 01.09.2025, GewStG \u00a7&nbsp;9 Rz&nbsp;300; a.A. Roser in Lenski\/Steinberg, Gewerbesteuergesetz, \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Rz&nbsp;126; Wagner in Wendt\/Suchanek\/M\u00f6llmann\/Heinemann, GewStG, 3.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Rz&nbsp;40&nbsp;f.; Cremers, FinanzRundschau 2019, 443; offenlassend BFH-Urteil vom 17.01.2006&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;60\/02, BFHE 213, 5, BStBl II 2006, 434, unter II.1.c&nbsp;dd).<\/li><li>aa) Daf\u00fcr, dass auch eine unentgeltliche T\u00e4tigkeit f\u00fcr die erweiterte K\u00fcrzung sch\u00e4dlich sein kann, spricht, wie das FG zutreffend entschieden hat, bereits der Wortlaut des \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GewStG. Auch Normsystematik, -zweck und -historie sprechen f\u00fcr diese Auslegung.<\/li><li>(1) \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GewStG benennt die Entgeltlichkeit nicht als zus\u00e4tzliches Tatbestandsmerkmal, sondern kn\u00fcpft in seinem Wortlaut nur an die dort ausdr\u00fccklich genannten T\u00e4tigkeiten an. Der Gro\u00dfe Senat des BFH hat hierzu entschieden, dass die erweiterte K\u00fcrzung durch das Erfordernis der Ausschlie\u00dflichkeit tatbestandlich zweifach begrenzt ist: Zum einen ist die unternehmerische T\u00e4tigkeit gegenst\u00e4ndlich begrenzt, n\u00e4mlich ausschlie\u00dflich auf eigenen Grundbesitz oder daneben auch auf eigenes Kapitalverm\u00f6gen, zum anderen sind Art, Umfang und Intensit\u00e4t der T\u00e4tigkeit in dem Sinne begrenzt, dass die Unternehmen dieses Verm\u00f6gen ausschlie\u00dflich verwalten und nutzen (vgl. Beschluss des Gro\u00dfen Senats des BFH vom 25.09.2018&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/16, BFHE 263, 225, BStBl II 2019, 262, Rz&nbsp;73).<\/li><li>Hiervon zu unterscheiden ist die Rechtsfolge der erweiterten K\u00fcrzung. Danach sind die Ertr\u00e4ge, soweit sie aus der Verwaltung und Nutzung eigenen Grundbesitzes resultieren, zu k\u00fcrzen. Entstehen aus einer T\u00e4tigkeit keine Ertr\u00e4ge, k\u00f6nnen diese auch nicht gek\u00fcrzt werden.<\/li><li>Soweit die Kl\u00e4gerin meint, dass die erweiterte K\u00fcrzung nur auf Ertr\u00e4ge abstelle und deshalb nicht jede weitere T\u00e4tigkeit als solche, sondern nur etwaige Ertr\u00e4ge aus dieser T\u00e4tigkeit k\u00fcrzungssch\u00e4dlich seien, wird die Trennung von Tatbestand und Rechtsfolge nicht beachtet. Dem Gesetzgeber war die Unterscheidung von Tatbestand und Rechtsfolge bewusst. H\u00e4tte er nur entgeltliche T\u00e4tigkeiten ausschlie\u00dfen wollen, h\u00e4tte er dies so regeln und im Tatbestand die Entgeltlichkeit als weitere Voraussetzung normieren k\u00f6nnen. Dies wird durch die nach den Streitjahren erfolgte Einf\u00fcgung von \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Buchst.&nbsp;b und c GewStG best\u00e4tigt, in denen der Gesetzgeber f\u00fcr bestimmte erlaubte T\u00e4tigkeiten ausdr\u00fccklich bereits im Tatbestand auf Einnahmen abstellt.<\/li><li>(2) Sinn- und Zweck\u00fcberlegungen und auch die historische Auslegung st\u00fctzen die sprachlich-systematische Auslegung. \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GewStG will den nur kraft ihrer Rechtsform gewerbliche Eink\u00fcnfte erzielenden Unternehmen die erweiterte K\u00fcrzung gew\u00e4hren, wenn sie ausschlie\u00dflich eigenen Grundbesitz oder neben eigenem Grundbesitz eigenes Kapitalverm\u00f6gen verwalten und nutzen, ihre T\u00e4tigkeit insoweit also \u2011\u2011von unsch\u00e4dlichen und erlaubten T\u00e4tigkeiten abgesehen\u2011\u2011 nicht \u00fcber den Rahmen einer privaten Verm\u00f6gensverwaltung hinausgeht (Beschluss des Gro\u00dfen Senats des BFH vom 25.09.2018&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/16, BFHE 263, 225, BStBl II 2019, 262, Rz&nbsp;91). Der Zweck der erweiterten K\u00fcrzung in \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GewStG bestand schon nach der urspr\u00fcnglichen Fassung des \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 GewStG 1936 darin, die Gewerbesteuerbelastung der kraft ihrer Rechtsform gewerbesteuerpflichtigen Kapitalgesellschaften, die sich nur mit der Verwaltung von Grundverm\u00f6gen befassen und damit nicht per se gewerblich t\u00e4tig sind, der Belastung von in diesem Bereich t\u00e4tigen Einzelunternehmen oder Personengesellschaften anzun\u00e4hern (Beschluss des Gro\u00dfen Senats des BFH vom 25.09.2018&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/16, BFHE 263, 225, BStBl II 2019, 262, Rz&nbsp;93).<\/li><li>bb) Mit der vorgenannten Auslegung weicht der Senat nicht von der Rechtsprechung des Gro\u00dfen Senats des BFH, der anderer Senate oder eigenen fr\u00fcheren Entscheidungen ab.<\/li><li>(1) Aus dem Beschluss des Gro\u00dfen Senats des BFH vom 25.09.2018&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/16 (BFHE 263, 225, BStBl II 2019, 262) folgt kein anderes Ergebnis, insbesondere hat der Gro\u00dfe Senat des BFH nicht entschieden, dass nur solche T\u00e4tigkeiten sch\u00e4dlich sind, die zu Einnahmen gef\u00fchrt haben beziehungsweise entgeltlich erfolgt sind.<\/li><li>(2) Soweit der IV.&nbsp;Senat in seinem Vorlagebeschluss vom 21.07.2016&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;26\/14 (BFHE 254, 371, BStBl II 2017, 202, Rz&nbsp;31, 64, 73) auf die Frage der Unentgeltlichkeit eingeht, kann offenbleiben, ob danach eine K\u00fcrzungssch\u00e4dlichkeit auch in einem Fall wie dem vorliegenden verneint werden sollte. Der Vorlagefall betraf einen anderen Sachverhalt, denn es ging bei der dort streitigen T\u00e4tigkeit um das (unentgeltliche) Halten einer Beteiligung an einer grundst\u00fccksverwaltenden, nicht gewerblich gepr\u00e4gten Personengesellschaft und nicht um die Anschaffung und das Halten von Wirtschaftsg\u00fctern zur Erzielung von Wertsteigerungen. Zudem hat der IV.&nbsp;Senat in zwei neueren Entscheidungen ausdr\u00fccklich offengelassen, ob nur eine entgeltliche T\u00e4tigkeit k\u00fcrzungssch\u00e4dlich sein kann (BFH-Urteile vom 15.06.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;6\/20, BFH\/NV 2023, 1190, Rz&nbsp;31, und vom 11.01.2024&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;24\/21, BFH\/NV 2024, 769, Rz&nbsp;47). Im \u00dcbrigen w\u00e4re selbst bei einer Abweichung von einem Vorlagebeschluss eines anderen Senats die Sache nicht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;3 FGO dem Gro\u00dfen Senat des BFH vorzulegen, weil eine solche Abweichung nicht zu einer Divergenz im Sinne dieser Vorschrift f\u00fchrt (BFH-Beschluss vom 02.09.1985&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;51\/85, BFHE 144, 432, BStBl II 1986, 10, unter 1.; Brandis in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;11 FGO Rz&nbsp;4, m.w.N.).<\/li><li>(3) Auch aus dem Senatsurteil vom 28.11.2019&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;34\/17 (BFHE 267, 398, BStBl II 2020, 409) folgt kein anderes Ergebnis. Der Senat hatte hier das Urteil des FG aufgehoben und die Streitsache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen, weil er anhand der vom FG getroffenen Feststellungen nicht beurteilen konnte, wer wirtschaftlicher Eigent\u00fcmer der Betriebsvorrichtungen war und ob die Betriebsvorrichtungen vermietet wurden.<\/li><li>Anders als bei dem Senatsurteil vom 11.04.2019&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;6\/18 (BFH\/NV 2019, 1250) handelt es sich im Streitfall nicht um Betriebsvorrichtungen oder andere Wirtschaftsg\u00fcter, die dem Grundst\u00fccksbetrieb selbst dienten, sondern um Anlageobjekte, die zu dem Zweck der Erzielung von Wertsteigerungen angeschafft und gehalten wurden.<\/li><li>2. Bei Anwendung dieser Grunds\u00e4tze ist das FG auf der Grundlage seiner f\u00fcr den Senat nach \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindenden Sachverhaltsfeststellungen zu Recht davon ausgegangen, dass der Kl\u00e4gerin die erweiterte K\u00fcrzung zu versagen ist.<\/li><li>Wegen des Erwerbs und des Haltens der Oldtimer mit der Absicht, Wertsteigerungen zu erzielen, hat die Kl\u00e4gerin in den Streitjahren nicht ausschlie\u00dflich erlaubte T\u00e4tigkeiten im Sinne der in \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 und 3 GewStG abschlie\u00dfend aufgez\u00e4hlten T\u00e4tigkeiten entfaltet. Ausweislich des Gesellschaftsvertrags ist der Gegenstand des Unternehmens der Kl\u00e4gerin das Verwalten und Nutzen von eigenem Grundbesitz und eigenem Kapitalverm\u00f6gen sowie das Halten von Beteiligungen an anderen Gesellschaften und anderen Wertanlagen. Sie hatte die beiden Oldtimer nach den Feststellungen des FG \u2011\u2011dem Gesellschaftszweck entsprechend\u2011\u2011 ohne Zusammenhang mit der Verwaltung und Nutzung eigenen Grundbesitzes als (andere) Wertanlage erworben und hielt sie, um damit Wertsteigerungen zu erzielen. Das unterscheidet sie von Wirtschaftsg\u00fctern, die \u2011\u2011wie zum Beispiel die B\u00fcro- und Gesch\u00e4ftsausstattung\u2011\u2011 zur Verwaltung und Nutzung des eigenen Grundbesitzes verwendet werden. Der Erwerb und das Halten von im Gesetz nicht genannten Wirtschaftsg\u00fctern allein zum Zwecke der Wertanlage ist keine ausdr\u00fccklich erlaubte T\u00e4tigkeit. Die Oldtimer dienten im Streitfall weder der Verwaltung und Nutzung eigenen Grundbesitzes der Kl\u00e4gerin noch geh\u00f6rten sie zu deren Kapitalverm\u00f6gen. Denn &#8222;Kapitalverm\u00f6gen&#8220; im Sinne des \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GewStG sind nur solche Wirtschaftsg\u00fcter, deren Nutzung zu Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 des Einkommensteuergesetzes f\u00fchren kann (vgl. BFH-Urteil vom 30.11.2005&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;54\/04, BFH\/NV 2006, 1148, unter II.5.).<\/li><li>Das Halten der Fahrzeuge war nach den Feststellungen des FG auch nicht zwingend notwendiger Teil einer wirtschaftlich sinnvoll gestalteten eigenen Grundst\u00fccksverwaltung und -nutzung der Kl\u00e4gerin und somit keine innerhalb des von dem Ausschlie\u00dflichkeitsgebot gezogenen Rahmens liegende beg\u00fcnstigungsunsch\u00e4dliche Nebent\u00e4tigkeit.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.240725.IIIR23.23.0 BFH III. 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