{"id":78194,"date":"2025-12-27T12:55:01","date_gmt":"2025-12-27T10:55:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=78194"},"modified":"2025-12-27T12:55:01","modified_gmt":"2025-12-27T10:55:01","slug":"bfh-beschluss-vom-05-juni-2019-ix-b-114-18-verstoss-gegen-%c2%a7-104-abs-2-fgo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-05-juni-2019-ix-b-114-18-verstoss-gegen-%c2%a7-104-abs-2-fgo\/","title":{"rendered":"BFH-Beschluss vom 05. Juni 2019, IX B 114\/18: Versto\u00df gegen \u00a7\u00a0104 Abs.\u00a02 FGO"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2019:B.050619.IXB114.18.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 74, FGO \u00a7 104 Abs 2, FGO \u00a7 116 Abs 6<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 05. Juni 2019, Az: 5 K 5185\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Kann der Bundesfinanzhof nicht feststellen, wann das erstinstanzliche Urteil an die Gesch\u00e4ftsstelle \u00fcbermittelt worden ist, weil das Finanzgericht die Gerichtsakte unvollst\u00e4ndig \u00fcbermittelt hat, ist das Urteil wegen Versto\u00dfes gegen \u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung aufzuheben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 28.05.2018&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;5185\/17 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem wird die Entscheidung \u00fcber die Kosten des Beschwerdeverfahrens \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das Finanzgericht (FG) nach \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/li><li>1. Der Einzelrichter hat das Urteil verfahrensfehlerhaft nicht binnen zwei Wochen nach der m\u00fcndlichen Verhandlung der Gesch\u00e4ftsstelle \u00fcbermittelt (Versto\u00df gegen \u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;2 FGO). Sein Urteil kann deshalb keinen Bestand haben (Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 3.&nbsp;Februar 2016&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;67\/15, BFH\/NV 2016, 773). Zwar kann der Senat nicht feststellen, wann das Urteil an die Gesch\u00e4ftsstelle \u00fcbermittelt worden ist, weil das FG die Gerichtsakte unvollst\u00e4ndig \u00fcbermittelt hat. Es fehlt die vom Einzelrichter unterzeichnete Urschrift des Urteils, auf der sich der Eingangsvermerk der Gesch\u00e4ftsstelle befinden m\u00fcsste. Der bekannte Akteninhalt (m\u00fcndliche Verhandlung am 28.&nbsp;Mai 2018, Zustellung des vollst\u00e4ndigen Urteils am 24.&nbsp;Oktober 2018) ergibt, dass \u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;2 FGO nicht beachtet worden ist; etwas anderes ist nach Aktenlage nicht festzustellen.<\/li><li>2. F\u00fcr die weitere Sachbehandlung weist der Senat auf \u00a7&nbsp;74 FGO hin. \u00dcber die zwischen den Beteiligten streitige Frage, ob gegen den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2008 Einspruch eingelegt worden ist, wird vorrangig in dem die Einkommensteuer 2008 betreffenden Verfahren entschieden. Solange das betreffende Verfahren nicht rechtskr\u00e4ftig abgeschlossen ist, kommt f\u00fcr das Verfahren wegen erstmaliger Verlustfeststellung auf den 31.&nbsp;Dezember 2008 die Aussetzung des Verfahrens in Betracht. In der Sache muss sich der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) nach Treu und Glauben daran festhalten lassen, dass das Finanzamt X-Stadt den Stundungsantrag als Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2008 behandelt hat. Der Fall ist so zu beurteilen, als ob ein Zust\u00e4ndigkeitswechsel nicht stattgefunden h\u00e4tte. Die Umdeutung eines vordergr\u00fcndig eindeutig formulierten Stundungsantrags in einen Einspruch ist nicht per se ausgeschlossen, auch nicht, wenn an seiner Formulierung ein Bevollm\u00e4chtigter mitgewirkt hat. Es kommt auf die Umst\u00e4nde des Einzelfalls an. Dass die Umdeutung und die Gr\u00fcnde daf\u00fcr nicht aktenkundig geworden sind, \u00e4ndert nichts. Denn das Finanzamt X-Stadt hat dem Kl\u00e4ger anstelle der Verl\u00e4ngerung der Stundungsfrist Aussetzung der Vollziehung gew\u00e4hrt. Dies setzt voraus, dass der Fall rechtlich offen ist. Diese (inzident getroffene) Entscheidung war nicht unrichtig, sondern vertretbar. Sie darf deshalb nicht ohne Weiteres wieder kassiert werden, insbesondere nicht allein deshalb, weil das nachfolgend zust\u00e4ndig gewordene Finanzamt sie anders entscheiden w\u00fcrde.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2019:B.050619.IXB114.18.0 BFH IX. Senat FGO \u00a7 74, FGO \u00a7 104 Abs 2, FGO \u00a7 116 Abs 6 vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 05. Juni 2019, Az: 5 K 5185\/17 Leits\u00e4tze NV: Kann der Bundesfinanzhof nicht feststellen, wann das erstinstanzliche Urteil an die Gesch\u00e4ftsstelle \u00fcbermittelt worden ist, weil das Finanzgericht die Gerichtsakte unvollst\u00e4ndig \u00fcbermittelt hat, ist das &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-05-juni-2019-ix-b-114-18-verstoss-gegen-%c2%a7-104-abs-2-fgo\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Beschluss vom 05. 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