{"id":78214,"date":"2025-12-27T13:25:54","date_gmt":"2025-12-27T11:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=78214"},"modified":"2025-12-27T13:25:54","modified_gmt":"2025-12-27T11:25:54","slug":"bfh-beschluss-vom-10-november-2025-v-b-70-24-einzelrichteruebertragung-recht-auf-akteneinsicht-aktenbeiziehung-antrag-auf-terminverlegung-ueberpruefung-durch-den-bfh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-10-november-2025-v-b-70-24-einzelrichteruebertragung-recht-auf-akteneinsicht-aktenbeiziehung-antrag-auf-terminverlegung-ueberpruefung-durch-den-bfh\/","title":{"rendered":"BFH-Beschluss vom 10. November 2025, V B 70\/24: Einzelrichter\u00fcbertragung; Recht auf Akteneinsicht; Aktenbeiziehung; Antrag auf Terminverlegung; \u00dcberpr\u00fcfung durch den BFH"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.101125.VB70.24.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH V. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>ZPO \u00a7 227, FGO \u00a7 6, FGO \u00a7 76 Abs 1 S 1, FGO \u00a7 78, FGO \u00a7 86 Abs 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3, FGO \u00a7 155<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht , 29. August 2024, Az: 4 K 70\/24<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Eine Besetzungsr\u00fcge mit der Begr\u00fcndung, die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung f\u00fcr eine \u00dcbertragung auf den Einzelrichter h\u00e4tten nicht vorgelegen, kann nur Erfolg haben, wenn die \u00dcbertragung objektiv willk\u00fcrlich ist oder sich als greifbar gesetzwidrig erweist.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Es besteht kein Anspruch auf Einsichtnahme in Akten, die dem Gericht von der Finanzbeh\u00f6rde nicht zur Verf\u00fcgung gestellt worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>3. NV: Da die Sachaufkl\u00e4rungspflicht dazu dient, die Spruchreife herbeizuf\u00fchren, hat das Finanzgericht (FG) nur das aufzukl\u00e4ren, was aus seiner materiell-rechtlichen Sicht entscheidungserheblich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>4. NV: Das FG verf\u00fcgt \u00fcber eine Einsch\u00e4tzungspr\u00e4rogative hinsichtlich der Frage, welche Akten es beizieht, weil es sie f\u00fcr entscheidungserheblich h\u00e4lt. Die Einsch\u00e4tzung des FG bindet den Bundesfinanzhof allerdings nicht, wenn die Rechtsauffassung des FG offenkundig fehlerhaft ist.<\/p>\n\n\n\n<p>5. NV: Ein gerichtlicher Termin muss nur aus erheblichen Gr\u00fcnden aufgehoben oder verlegt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 29.08.2024&nbsp;&#8211; 4&nbsp;K&nbsp;70\/24 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) ist unbegr\u00fcndet und daher durch Beschluss zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Die geltend gemachten Zulassungsgr\u00fcnde liegen \u2011\u2011soweit sie \u00fcberhaupt im Sinne des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO hinreichend dargelegt wurden\u2011\u2011 nicht vor.<\/li><li>1. Der als Verfahrensfehler im Sinne des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO geltend gemachte Besetzungsmangel liegt nicht vor, da die \u00dcbertragung auf den Einzelrichter gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;6 FGO nicht verfahrensfehlerhaft erfolgt ist.<\/li><li>a) Die \u00dcbertragung des Rechtsstreits durch den Senat auf eines seiner Mitglieder als Einzelrichter (\u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 FGO) ist nach \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 FGO unanfechtbar und unterliegt nach \u00a7&nbsp;124 Abs.&nbsp;2 FGO nicht der Beurteilung der Revision. Die \u00dcbertragung ist daher grunds\u00e4tzlich auch nicht verfahrensfehlerhaft im Sinne des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 15.04.2014&nbsp;&#8211; V&nbsp;S&nbsp;5\/14&nbsp;(PKH), BFH\/NV 2014, 1381, Rz&nbsp;15) und kann somit auch grunds\u00e4tzlich nicht mit der Nichtzulassungsbeschwerde ger\u00fcgt werden (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 12.10.2006&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;326\/05, BFH\/NV 2007, 519; vom 01.09.2016&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;26\/16, BFH\/NV 2017, 50, Rz&nbsp;4). Die in \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und 2 FGO f\u00fcr eine \u00dcbertragung des Rechtsstreits aufgef\u00fchrten materiellen Voraussetzungen sind dabei nicht als tatbestandliche Voraussetzungen f\u00fcr das \u00dcbertragungsermessen des Finanzgerichts (FG), sondern lediglich als der \u00dcberpr\u00fcfung durch das Rechtsmittelgericht entzogene Leitlinien eines dem FG einger\u00e4umten Ermessens zu verstehen (BFH-Beschluss vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;129\/22, BFH\/NV 2024, 536, Rz&nbsp;25).<\/li><li>Eine Besetzungsr\u00fcge mit der Begr\u00fcndung, die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 FGO f\u00fcr eine \u00dcbertragung auf den Einzelrichter h\u00e4tten nicht vorgelegen, kann nur Erfolg haben, wenn die \u00dcbertragung objektiv willk\u00fcrlich ist (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 27.12.2004&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;16\/03, BFH\/NV 2005, 1078, unter II.II.6.; vom 30.05.2022&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;55\/21, BFH\/NV 2022, 903, Rz&nbsp;17) oder sich als greifbar gesetzwidrig erweist (BFH-Beschl\u00fcsse vom 16.12.1997&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;22\/95, BFH\/NV 1998, 720, unter 2.a&nbsp;aa; vom 01.09.2016&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;26\/16, BFH\/NV 2017, 50, Rz&nbsp;5). In zeitlicher Hinsicht darf der zust\u00e4ndige Senat des FG die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;6 FGO beurteilen (und deshalb \u00fcber die \u00dcbertragung entscheiden), wenn er sich ein hinreichendes Urteil \u00fcber den Fall bilden kann. Daf\u00fcr gen\u00fcgt im Allgemeinen der Eingang von Klagebegr\u00fcndung, der Klageerwiderung und der den Streitfall betreffenden Akten (BFH-Beschluss vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;129\/22, BFH\/NV 2024, 536, Rz&nbsp;25).<\/li><li>b) Danach greift im Streitfall die auf die Einzelrichterbestellung gest\u00fctzte Besetzungsr\u00fcge nicht durch.<\/li><li>aa) Das FG konnte die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 FGO als gegeben ansehen. Anhaltspunkte f\u00fcr die Erkennbarkeit besonderer rechtlicher und tats\u00e4chlicher Schwierigkeiten (vgl. zu diesem Erfordernis BFH-Beschluss vom 28.01.2003&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;75\/02, BFH\/NV 2003, 926, unter 1.b) mussten sich angesichts der \u00fcberschaubaren tats\u00e4chlichen und rechtlichen Schwierigkeiten des Streitfalls, in dem es um den Antrag geht, die Nichtigkeit der Anordnung einer Umsatzsteuer-Sonderpr\u00fcfung festzustellen, dem FG nicht aufdr\u00e4ngen.<\/li><li>bb) Der Beschluss zur \u00dcbertragung auf den Einzelrichter vom 12.07.2024 ist auch nicht vorzeitig erfolgt. Das FG hat die Einzelrichter\u00fcbertragung vorgenommen, als die Klageerwiderung des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) vorlag und die postalische \u00dcbersendung derjenigen Akten, die unmittelbar den Streitgegenstand betrafen, unter Angabe ihres \u00fcberschaubaren Umfangs von ihm angek\u00fcndigt worden war. Sowohl die Beteiligten als auch die grunds\u00e4tzliche Problematik waren dem FG bereits aus einem vorangegangenen Verfahren (4&nbsp;K&nbsp;50\/23) bekannt. Ob weitere Akten zum Zwecke der Sachaufkl\u00e4rung beizuziehen waren (oder gewesen w\u00e4ren, wie die Kl\u00e4gerin meint), ist in diesem Zusammenhang nicht von Bedeutung; denn es entspricht gerade dem Zweck der Einzelrichterbestellung, den Vollsenat von dieser Pr\u00fcfung zu entlasten (vgl. BFH-Beschluss vom 30.05.2022&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;55\/21, BFH\/NV 2022, 903, Rz&nbsp;21).<\/li><li>2. Die R\u00fcge, dass das FG zu Unrecht weitere Akten nicht beigezogen und ihr, der Kl\u00e4gerin, darin keine Akteneinsicht gew\u00e4hrt habe, greift nicht durch.<\/li><li>a) Es besteht kein Anspruch auf Einsichtnahme in Akten, die dem Gericht von der Finanzbeh\u00f6rde nicht zur Verf\u00fcgung gestellt worden sind (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 12.12.2012&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;70\/11, BFH\/NV 2013, 705, Rz&nbsp;31, und vom 30.05.2022&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;55\/21, BFH\/NV 2022, 903, Rz&nbsp;10). Ein Versto\u00df gegen \u00a7&nbsp;78 Abs.&nbsp;1 FGO liegt im \u00dcbrigen \u2011\u2011entgegen dem Vorbringen der Kl\u00e4gerin zur Nichtgew\u00e4hrung von Akteneinsicht\u2011\u2011 auch deshalb nicht vor, weil das FG die Kl\u00e4gerin \u00fcber den Eingang der vom FA \u00fcbersendeten Akten informiert und mit demselben Schreiben sogar \u2011\u2011\u00fcberobligatorisch\u2011\u2011 vollst\u00e4ndige Kopien der vorgelegten Akten \u00fcbermittelt hatte.<\/li><li>b) Soweit der Vortrag als R\u00fcge der Verletzung der Sachaufkl\u00e4rungspflicht (\u00a7&nbsp;76 FGO) verstanden werden kann, hat das FG auf Seite&nbsp;6 seines Urteils begr\u00fcndet, warum eine Hinzuziehung weiterer Akten aus seiner Sicht nicht erforderlich war. Da die Sachaufkl\u00e4rungspflicht dazu dient, die Spruchreife herbeizuf\u00fchren, hat das FG nur das aufzukl\u00e4ren, was aus seiner materiell-rechtlichen Sicht entscheidungserheblich ist (vgl. BFH-Beschluss vom 04.03.2020&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;30\/19, BFH\/NV 2020, 611, Rz&nbsp;11, m.w.N.). Dies hat das FG getan. Zu einer Aktenbeiziehung &#8222;ins Blaue hinein&#8220; war das FG nicht verpflichtet (vgl. dazu auch BFH-Beschluss vom 12.02.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;53\/18, BFH\/NV 2019, 568, Rz&nbsp;12 und 13, m.w.N.), was vorliegend insbesondere auf das Vorbringen der Kl\u00e4gerin zutrifft, das FA habe die Pr\u00fcfungsanordnung zu anderen Ausforschungszwecken als gegen die guten Sitten versto\u00dfend und missbr\u00e4uchlich einsetzen wollen.<\/li><li>c) Soweit die Ausf\u00fchrungen au\u00dferdem als R\u00fcge der Verletzung der Grundordnung des Verfahrens verstanden werden k\u00f6nnten, gen\u00fcgen sie nicht den Darlegungsanforderungen (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO).<\/li><li>aa) Zwar kann die fehlende gerichtliche Anforderung, weitere den Streitfall betreffende Akten des Finanzamts zu \u00fcbersenden, der Grundordnung des Verfahrens widersprechen. Dies setzt aber voraus, dass es sich dabei um Akten handelt, die aus der Sicht des FG f\u00fcr die Beurteilung der Sach- und Rechtslage erheblich sind und f\u00fcr die Entscheidung des Rechtsstreits von Bedeutung sein k\u00f6nnen. Dabei verf\u00fcgt das FG \u00fcber eine Einsch\u00e4tzungspr\u00e4rogative hinsichtlich der Frage, welche Akten es f\u00fcr entscheidungserheblich h\u00e4lt, die den BFH allerdings nicht bindet, wenn die Rechtsauffassung des FG offenkundig fehlerhaft ist. Dies ist in einer den Anforderungen des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO gen\u00fcgenden Weise darzulegen (BFH-Beschluss vom 30.05.2022&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;56\/21, BFH\/NV 2022, 905, Rz&nbsp;10 und 11).<\/li><li>bb) Hierzu ergibt sich aus der Beschwerde bereits nicht, weshalb das FG nach seiner insoweit ma\u00dfgeblichen materiell-rechtlichen Auffassung verfahrensfehlerhaft von einer weiteren Aktenanforderung abgesehen hat. Die Beschwerde beschr\u00e4nkt sich insoweit nur darauf, eine weitere Aktenanforderung sei erforderlich gewesen, um beurteilen zu k\u00f6nnen, ob eine Nichtigkeit ausl\u00f6sende Willk\u00fcr auf Seiten des FA vorgelegen habe, ohne dies indes \u2011\u2011bis auf den Vorwurf, die Pr\u00fcfung diene nur missbr\u00e4uchlichen anderen Ausforschungszwecken\u2011\u2011 zu konkretisieren. Dies gen\u00fcgt nicht.<\/li><li>cc) Aus den Ausf\u00fchrungen der Kl\u00e4gerin zu einer angeblichen Beweisvereitelung erschlie\u00dft sich zudem nicht, wodurch das FA eine Beweisvereitelung h\u00e4tte erreichen wollen oder k\u00f6nnen, zumal dar\u00fcber hinaus als Verfahrensm\u00e4ngel im Sinne des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO nur Verfahrensfehler des FG, nicht aber Verfahrensfehler der Finanzbeh\u00f6rden in Betracht kommen (BFH-Beschluss vom 12.01.2023&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;81\/21, BFH\/NV 2023, 380, Rz&nbsp;16).<\/li><li>3. Der Vortrag der Kl\u00e4gerin, das FG habe ihren Antrag, &#8222;den Termin am 29.08.2024 aufzuheben und die Sache zu vertagen&#8220;, verfahrensfehlerhaft abgelehnt, bleibt ebenfalls ohne Erfolg.<\/li><li>a) Nach st\u00e4ndiger BFH-Rechtsprechung wird eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r angenommen, wenn einem Antrag auf Verlegung der m\u00fcndlichen Verhandlung (\u00a7&nbsp;227 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung \u2011\u2011ZPO\u2011\u2011) nicht stattgegeben wird, obwohl erhebliche Gr\u00fcnde vorliegen. Nach \u00a7&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;227 Abs.&nbsp;1 ZPO kann ein gerichtlicher Termin nur aus erheblichen Gr\u00fcnden aufgehoben oder verlegt werden. Liegen erhebliche Gr\u00fcnde im Sinne von \u00a7&nbsp;227 ZPO vor, verdichtet sich das nach dieser Vorschrift einger\u00e4umte Ermessen zu einer Rechtspflicht (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 08.09.2015&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;33\/15, BFH\/NV 2015, 1690, Rz&nbsp;11; vom 16.08.2019&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;57\/18, BFH\/NV 2020, 29, Rz&nbsp;12; vom 07.03.2025&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;11\/24, BFH\/NV 2025, 700, Rz&nbsp;12).<\/li><li>b) Ausgehend davon hat das FG zu Recht den Antrag einige Tage vor der m\u00fcndlichen Verhandlung durch Beschluss (\u00a7&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;227 Abs.&nbsp;5 ZPO) vom 26.08.2024 abgelehnt, weil erhebliche Gr\u00fcnde, die eine Terminverlegung h\u00e4tten erforderlich machen k\u00f6nnen, weder von der Kl\u00e4gerin dargelegt noch sonst ersichtlich seien. Eine Begr\u00fcndung f\u00fcr den Verlegungsantrag enthielt der Schriftsatz der Kl\u00e4gerin vom 23.08.2024 nicht. Vielmehr trug die Kl\u00e4gerin mit diesem Schriftsatz im Wesentlichen nur ihre Auffassung zur Begr\u00fcndetheit der Klage weiter vor. Aus den vorstehend genannten Gr\u00fcnden (s. oben unter 2.) war eine Terminverlegung entgegen der Auffassung der Kl\u00e4gerin auch nicht in Bezug auf dem FG noch nicht vorliegende Akten in Betracht zu ziehen.<\/li><li>4. Mit ihrem weiteren Vorbringen, das Urteil versto\u00dfe gegen die Gesetze der Logik und die allgemeinen Denkgesetze, legt die Kl\u00e4gerin keinen Zulassungsgrund im Sinne des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO hinreichend dar.<\/li><li>a) Beide Verst\u00f6\u00dfe w\u00e4ren, so sie denn vorl\u00e4gen, dem materiellen Recht zuzuordnen und deshalb der Pr\u00fcfung im Rahmen einer Nichtzulassungsbeschwerde unter dem Gesichtspunkt des Vorliegens eines Verfahrensfehlers entzogen (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 31.01.2019&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;99\/16, BFH\/NV 2019, 409, Rz&nbsp;23; vom 26.11.2020&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;29\/20, BFH\/NV 2021, 443, Rz&nbsp;13; vom 07.03.2025&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;25\/24, BFH\/NV 2025, 529, Rz&nbsp;12).<\/li><li>b) Mit ihrem Vortrag, das FG habe den Rechtsstreit falsch entschieden, stellt die Kl\u00e4gerin die materielle Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Vorentscheidung in Frage. Ein dahin gehendes Vorbringen vermag die Zulassung der Revision aber grunds\u00e4tzlich nicht zu rechtfertigen (vgl. allgemein BFH-Beschl\u00fcsse vom 29.04.2020&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;113\/19, BFHE 268, 480, BStBl II 2020, 476, Rz&nbsp;20; vom 07.04.2021&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;53\/20, BFH\/NV 2021, 1062, Rz&nbsp;23). Dabei kann mangels einer hierauf bezogenen Beschwerdebegr\u00fcndung offenbleiben, ob ein \u2011\u2011ebenfalls zur Zulassung der Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO) f\u00fchrender\u2011\u2011 qualifizierter Rechtsfehler auch dann vorliegt, wenn dargelegt wird (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO), dass eine nicht auf einen Verfahrensmangel bezogene Rechtsverletzung (Sachr\u00fcge) zu einer begr\u00fcndeten Revision (\u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 und Abs.&nbsp;4 FGO) f\u00fchrt, wobei ohne weiteres erkennbar \u2011\u2011und damit ohne Befassung mit einer nach ihrer sachlichen Tiefe dem Revisionsverfahren vorbehaltenen Argumentation\u2011\u2011 mit einem Erfolg der Revision zu rechnen ist (Senatsbeschluss vom 07.04.2025&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;7\/24, BFH\/NV 2025, 710, Rz&nbsp;35). Denn im Streitfall macht die Kl\u00e4gerin keine in diesem Sinne eindeutige Rechtsverletzung geltend, sondern beschr\u00e4nkt sich inhaltlich auf die Geltendmachung von Verfahrensfehlern.<\/li><li>5. Soweit die Kl\u00e4gerin eingangs ihrer Beschwerdebegr\u00fcndung pauschal geltend macht, &#8222;neben vielen einzelnen Verfahrensm\u00e4ngeln, Widerstreit zu Entscheidungen anderer Gerichte und z.T. auch grunds\u00e4tzlicher Bedeutung einzelner Fragen liegen absolute Revisionsgr\u00fcnde vor, die die Zulassung der Revision ebenso zwingend machen&#8220;, fehlt es an jedweder Darlegung eines Zulassungsgrundes, die den Anforderungen des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO entspricht.<\/li><li>6. Der Senat sieht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO von einer weiteren Begr\u00fcndung sowie von der Darstellung des Sachverhalts ab.<\/li><li>7. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.101125.VB70.24.0 BFH V. Senat ZPO \u00a7 227, FGO \u00a7 6, FGO \u00a7 76 Abs 1 S 1, FGO \u00a7 78, FGO \u00a7 86 Abs 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3, FGO \u00a7 155 vorgehend Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht , 29. August 2024, Az: 4 K 70\/24 Leits\u00e4tze 1. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-10-november-2025-v-b-70-24-einzelrichteruebertragung-recht-auf-akteneinsicht-aktenbeiziehung-antrag-auf-terminverlegung-ueberpruefung-durch-den-bfh\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Beschluss vom 10. 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