{"id":78236,"date":"2025-12-27T13:38:05","date_gmt":"2025-12-27T11:38:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=78236"},"modified":"2025-12-27T13:38:05","modified_gmt":"2025-12-27T11:38:05","slug":"bfh-urteil-vom-25-september-2025-iii-r-20-23-zur-selbstunterhaltsfaehigkeit-eines-volljaehrigen-kindes-mit-behinderung-bei-bezug-von-erwerbsminderungsrenten-und-von-alg-ii-infolge-der-mitgliedschaf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-25-september-2025-iii-r-20-23-zur-selbstunterhaltsfaehigkeit-eines-volljaehrigen-kindes-mit-behinderung-bei-bezug-von-erwerbsminderungsrenten-und-von-alg-ii-infolge-der-mitgliedschaf\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 25. September 2025, III R 20\/23: Zur Selbstunterhaltsf\u00e4higkeit eines vollj\u00e4hrigen Kindes mit Behinderung bei Bezug von Erwerbsminderungsrenten und von ALG II infolge der Mitgliedschaft in einer Bedarfsgemeinschaft"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.250925.IIIR20.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH III. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 32 Abs 4 S 1 Nr 3, EStG \u00a7 62, EStG \u00a7 63, SGB 2 \u00a7\u00a7 19ff, SGB 2 \u00a7 19, EStG \u00a7 33a Abs 1 S 4, EStG VZ 2019 , EStG VZ 2020<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz , 14. Juni 2023, Az: 2 K 1492\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Sozialleistungen, die einem vollj\u00e4hrigen Kind mit Behinderung zuflie\u00dfen, sind grunds\u00e4tzlich als finanzielle Mittel zu erfassen, die seine F\u00e4higkeit zum Selbstunterhalt gem\u00e4\u00df \u00a7 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 des Einkommensteuergesetzes erh\u00f6hen; dies gilt auch f\u00fcr das fr\u00fchere Arbeitslosengeld II (ALG II) und das B\u00fcrgergeld nach \u00a7\u00a7 19 ff. des Sozialgesetzbuchs Zweites Buch (SGB II).<\/p>\n\n\n\n<p>2. Ausnahmsweise sind Sozialleistungen dann nicht zu erfassen, wenn sie zur Deckung des Lebensunterhalts nicht bestimmt oder nicht geeignet sind. Eine fehlende Eignung von in einer Bedarfsgemeinschaft auf das Kind entfallenden ALG II-Leistungen kann gegeben sein, soweit sie daraus resultieren, dass kindergeldrechtlich zu ber\u00fccksichtigende finanzielle Mittel des Kindes (zum Beispiel Erwerbsminderungsrenten) sozialrechtlich gem\u00e4\u00df dem SGB II auf andere Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft umverteilt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 14.06.2023 &#8211; 2 K 1492\/20 wird mit der Ma\u00dfgabe als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen, dass sich das Urteil gegen die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit &#8211; Familienkasse Zentraler Kindergeldservice richtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig sind der Kindergeldanspruch f\u00fcr ein Kind mit Behinderung in den Monaten Januar 2019 bis Mai 2020 (Streitzeitraum) und insbesondere die Ermittlung von Einnahmen und Bez\u00fcgen bei Zusammentreffen einer Erwerbsminderungsrente mit Sozialleistungen aus einer Bedarfsgemeinschaft.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) ist Vater des am xx.xx.1988 geborenen Sohnes (S). Der Kl\u00e4ger war zun\u00e4chst kindergeldberechtigt, weil S sich aufgrund einer vor der Vollendung des 25.&nbsp;Lebensjahres eingetretenen Behinderung (Grad der Behinderung 60) nicht selbst unterhalten konnte.<\/li><li>S bezog eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Im Streitzeitraum flossen ihm folgende Rentenzahlungen zu:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;01\/2019 bis 06\/201907\/2019 bis 05\/2020Rentenbetrag691,92&nbsp;\u20ac713,95&nbsp;\u20ac- Krankenversicherung50,51&nbsp;\u20ac52,12&nbsp;\u20ac- Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung3,11&nbsp;\u20ac3,21&nbsp;\u20ac- Pflegeversicherung21,10&nbsp;\u20ac21,78&nbsp;\u20acAuszahlungsbetrag617,20&nbsp;\u20ac636,84&nbsp;\u20ac<\/li><li>Im Februar 2019 vereinnahmte S aus einer geringf\u00fcgigen Besch\u00e4ftigung einen Betrag von 208,87&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Im gesamten Streitzeitraum geh\u00f6rte S neben seiner Ehefrau (ohne Einkommen) sowie drei minderj\u00e4hrigen gemeinsamen Kindern zu einer Bedarfsgemeinschaft, f\u00fcr die das Jobcenter die folgenden Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch \u2011\u2011Grundsicherung f\u00fcr Arbeitsuchende\u2011\u2011 (SGB&nbsp;II) in Form von Arbeitslosengeld II (ALG&nbsp;II) erbrachte:Datum&nbsp;Zeitraum (*&nbsp;Nachzahlung)H\u00f6he&nbsp;&nbsp;&nbsp;davon auf S entfallend18.12.201801\/2019639,82&nbsp;\u20ac215,99&nbsp;\u20ac24.01.201902\/2019605,18&nbsp;\u20ac208,99&nbsp;\u20ac21.02.201903\/2019574,87&nbsp;\u20ac208,99&nbsp;\u20ac12.03.201902\/2019*179,65&nbsp;\u20ac22,06&nbsp;\u20ac12.03.201903\/2019559,98&nbsp;\u20ac115,80 \u20ac22.03.201904\/20191.134,85&nbsp;\u20ac324,79&nbsp;\u20ac01.04.201902\/2019*168,79&nbsp;\u20ac50,02&nbsp;\u20ac23.04.201905\/2019934,84&nbsp;\u20ac302,71&nbsp;\u20ac25.04.201901\/2019*314,98&nbsp;\u20ac106,33&nbsp;\u20ac23.05.201906\/2019934,84&nbsp;\u20ac302,71&nbsp;\u20ac21.06.201907\/2019871,70&nbsp;\u20ac**292,29&nbsp;\u20ac23.07.201907\/201913,16&nbsp;\u20ac(in ** enthalten)monatlich im Voraus08-12\/2019884,86&nbsp;\u20ac292,29&nbsp;\u20acmonatlich im Voraus01-05\/2020914,86&nbsp;\u20ac300,45&nbsp;\u20ac<\/li><li>Bei der Ermittlung der den Mitgliedern der Bedarfsgemeinschaft zustehenden Leistungen wurden die Einnahmen des S gem\u00e4\u00df den Regelungen des Sozialrechts bedarfsbezogen anteilig auf alle Mitglieder verteilt. In den Bewilligungsbescheiden wurden ihm seine Erwerbsminderungsrente sowie sein Erwerbseinkommen des Monats Februar 2019 nicht ganz, sondern lediglich in folgender H\u00f6he zugerechnet:ZeitraumS zugerechneter Betrag01\/2019198,11&nbsp;\u20ac02\/2019217,21&nbsp;\u20ac03\/2019 bis 04\/2019167,95&nbsp;\u20ac05\/2019 bis 06\/2019190,03&nbsp;\u20ac07\/2019 bis 12\/2019200,45&nbsp;\u20ac01\/2020 bis 05\/2020199,29&nbsp;\u20ac<\/li><li>Mit Bescheid vom 26.02.2020 hob die vormalige Beklagte (Familienkasse X) die Kindergeldfestsetzung ab Januar 2019 auf und forderte das f\u00fcr Januar 2019 bis Dezember 2019 gezahlte Kindergeld in H\u00f6he von 2.388&nbsp;\u20ac vom Kl\u00e4ger zur\u00fcck. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte sie aus, S sei aufgrund der verf\u00fcgbaren eigenen finanziellen Mittel (Rente, ALG&nbsp;II-Leistungen) in der Lage, seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Bei der Pr\u00fcfung der F\u00e4higkeit zum Selbstunterhalt ber\u00fccksichtigte die Familienkasse X neben der vollen Erwerbsminderungsrente auch die S anteilig zustehenden ALG&nbsp;II-Leistungen aus der Bedarfsgemeinschaft.<\/li><li>Der Einspruch blieb ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) gab der hiergegen erhobenen Klage mit Urteil vom 14.06.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;K&nbsp;1492\/20 statt und hob den Aufhebungs- und R\u00fcckforderungsbescheid vom 26.02.2020 und die Einspruchsentscheidung vom 29.04.2020 auf.<\/li><li>Mit der vom FG zugelassenen Revision r\u00fcgte urspr\u00fcnglich die Familienkasse X die Verletzung von Bundesrecht in Gestalt einer unzutreffenden Auslegung des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Nach Hinweis auf den schon im Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens eingetretenen gesetzlichen Beteiligtenwechsel (s. dazu unter II.) erkl\u00e4rte die f\u00fcr den Streitfall zust\u00e4ndig gewordene Beklagte und Revisionskl\u00e4gerin (Familienkasse Zentraler Kindergeldservice \u2011\u2011Familienkasse ZKGS\u2011\u2011), dass sie der bisherigen Prozessf\u00fchrung durch die Familienkasse X zustimme und die Prozessf\u00fchrung im Revisionsverfahren \u00fcbernehme.<\/li><li>Die Familienkasse ZKGS beantragt,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Familienkasse ZKGS wurde mit Beschluss des Vorstands der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit Nr.&nbsp;12\/2022 vom 27.01.2022 (Amtliche Nachrichten der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit \u2011\u2011ANBA\u2011\u2011, Nr.&nbsp;5\/2022, S.&nbsp;5&nbsp;ff.) bei der Agentur f\u00fcr Arbeit Sachsen-Anhalt Nord als neue Familienkasse wirksam errichtet und mit diesem Beschluss sowie dem Beschluss Nr.&nbsp;129\/2022 vom 03.11.2022 (ANBA, Nr.&nbsp;12\/2022, S.&nbsp;11&nbsp;ff., ANBA, Nr.&nbsp;4\/2023, S.&nbsp;10&nbsp;ff.) jedenfalls wirksam mit der Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Bearbeitung von Kindergeldverfahren betraut, bei denen Daten von Kindern mit Behinderung verarbeitet werden (Senatsurteile vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;20; vom 21.05.2025&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/24, BFH\/NV 2025, 1185, Rz&nbsp;18). Aufgrund dieses Organisationsakts trat mit Wirkung vom 01.02.2022 schon w\u00e4hrend des FG-Verfahrens ein gesetzlicher Beteiligtenwechsel ein (vgl. Senatsurteil vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;19).<\/li><li>Das FG-Urteil ist aus diesem Grund gegen die Familienkasse X als falsche Beklagte ergangen. Die fehlende Prozessf\u00fchrungsbefugnis wurde jedoch durch die im Revisionsverfahren erkl\u00e4rte \u00dcbernahme der Prozessf\u00fchrung durch die Familienkasse ZKGS sowie deren Zustimmung zur bisherigen Prozessf\u00fchrung durch die Familienkasse X geheilt (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 03.04.2008&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;54\/04, BFHE 220, 495, BStBl II 2008, 742, unter II.1.d; vom 13.12.2022&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;33\/20, BFHE 278, 422, BStBl II 2023, 663, Rz&nbsp;22).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">III.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und deshalb gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur\u00fcckzuweisen. Das FG hat im Ergebnis zu Recht entschieden, dass S im Streitzeitraum nicht in der Lage war, sich selbst zu unterhalten, weil die ihm zur Verf\u00fcgung stehenden finanziellen Mittel nicht ausreichten, um seinen existenziellen Lebensbedarf abzudecken.<\/li><li>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und 2 i.V.m. \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG besteht f\u00fcr ein Kind, das das 18.&nbsp;Lebensjahr vollendet hat, ein Anspruch auf Kindergeld, wenn es wegen k\u00f6rperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung au\u00dferstande ist, sich selbst zu unterhalten, und die Behinderung vor Vollendung des 25.&nbsp;Lebensjahres eingetreten ist, sofern nicht aufgrund der \u00dcbergangsregelung des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;40 Satz&nbsp;5 EStG i.d.F. des Steuer\u00e4nderungsgesetzes 2007 vom 19.07.2006 (BGBl I 2006, 1652), inzwischen \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;32 Satz&nbsp;1 EStG, weiterhin die vorher geltende Altersgrenze (Vollendung des 27.&nbsp;Lebensjahres) ma\u00dfgeblich geblieben ist.<\/li><li>a) Das Tatbestandsmerkmal &#8222;au\u00dferstande [&#8230;], sich selbst zu unterhalten&#8220; wird im Gesetz nicht n\u00e4her umschrieben. Nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Senats ist ein Kind mit Behinderung dann au\u00dferstande, sich selbst zu unterhalten, wenn es seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten kann. Die F\u00e4higkeit zum Selbstunterhalt ist dabei anhand eines Vergleichs zweier Bezugsgr\u00f6\u00dfen zu pr\u00fcfen, n\u00e4mlich des aus dem Grundbedarf und dem behinderungsbedingten Mehrbedarf bestehenden gesamten existenziellen Lebensbedarfs des Kindes einerseits und seiner finanziellen Mittel andererseits (Senatsurteile vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;14&nbsp;f.; vom 10.07.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;2\/23, BStBl II 2024, 908, Rz&nbsp;18&nbsp;f.). Die Pr\u00fcfung der Selbstunterhaltsf\u00e4higkeit hat f\u00fcr jeden Monat gesondert zu erfolgen (Senatsurteile vom 20.04.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;7\/21, BFHE 280, 223, BStBl II 2023, 911, Rz&nbsp;15; vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;42).<\/li><li>b) Zu den finanziellen Mitteln des vollj\u00e4hrigen Kindes mit Behinderung geh\u00f6ren seine Eink\u00fcnfte und Bez\u00fcge, das hei\u00dft grunds\u00e4tzlich alle Mittel, die zur Deckung seines Lebensunterhalts geeignet und bestimmt sind und ihm im ma\u00dfgeblichen Zeitraum zuflie\u00dfen, nicht jedoch sein Verm\u00f6gen (Senatsurteile vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;16; vom 16.02.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;23\/22, BFHE 280, 48, BStBl II 2023, 714, Rz&nbsp;17; vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;44).<\/li><li>aa) Der Begriff der Eink\u00fcnfte ist in \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 EStG gesetzlich definiert. Er umfasst den Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbstst\u00e4ndiger Arbeit sowie den \u00dcberschuss der Einnahmen \u00fcber die Werbungskosten aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit, Kapitalverm\u00f6gen, Vermietung und Verpachtung und sonstigen Eink\u00fcnften (Senatsurteile vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;17; vom 16.02.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;23\/22, BFHE 280, 48, BStBl II 2023, 714, Rz&nbsp;18; vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;45).<\/li><li>Abgesehen von Betriebsausgaben und Werbungskosten in Abzug zu bringen sind Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge und Steuern, da sie f\u00fcr den Lebensunterhalt nicht zur Verf\u00fcgung stehen (vgl. Senatsurteile vom 19.10.2006&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;55\/06, BFH\/NV 2007, 420, unter II.1.; vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;21; vom 20.10.2022&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;13\/21, BFHE 278, 444, BStBl II 2023, 655, Rz&nbsp;25). Nicht als die Eink\u00fcnfte mindernd zu ber\u00fccksichtigen sind demgegen\u00fcber Unterhaltsleistungen des Kindes mit Behinderung an seinen Ehepartner oder seine eigenen Kinder (vgl. Senatsurteile vom 07.04.2011&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;72\/07, BFHE 233, 449, BStBl II 2011, 974; vom 09.02.2012&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;73\/09, BFHE 236, 407, BStBl II 2012, 463; vom 20.10.2022&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;13\/21, BFHE 278, 444, BStBl II 2023, 655, Rz&nbsp;27).<\/li><li>bb) Bez\u00fcge sind alle Zufl\u00fcsse in Geld oder Naturalleistungen, die nicht im Rahmen der einkommensteuerrechtlichen Eink\u00fcnfteermittlung erfasst werden (Senatsurteile vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;18; vom 16.02.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;23\/22, BFHE 280, 48, BStBl II 2023, 714, Rz&nbsp;19; vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;46&nbsp;f., vgl. dort auch zu vom Kind mit Behinderung empfangenen Unterhaltsleistungen). Zu den Bez\u00fcgen, mit deren Hilfe ein vollj\u00e4hriges Kind mit Behinderung seinen existenziellen Grundbedarf abdecken kann, z\u00e4hlen grunds\u00e4tzlich auch Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts und f\u00fcr die Kosten f\u00fcr Unterkunft und Heizung nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (vgl. Senatsurteile vom 08.08.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/12, BFH\/NV 2014, 498, Rz&nbsp;17; vom 05.02.2015&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;31\/13, BFHE 249, 144, BStBl II 2015, 1017, Rz&nbsp;15; vom 19.01.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;44\/14, BFH\/NV 2017, 735, Rz&nbsp;29).<\/li><li>Von den Bez\u00fcgen in Abzug zu bringen sind eine Kostenpauschale von 180&nbsp;\u20ac pro Jahr oder 15&nbsp;\u20ac pro Monat (Senatsurteil vom 08.08.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/12, BFH\/NV 2014, 498, Rz&nbsp;22), sofern nicht h\u00f6here mit ihrem Zufluss im Zusammenhang stehende Aufwendungen glaubhaft gemacht werden (Wendl in Herrmann\/Heuer\/Raupach \u2011\u2011HHR\u2011\u2011, \u00a7&nbsp;32 EStG Rz&nbsp;118 mit Verweis auf die Dienstanweisung zum Kindergeld nach dem Einkommensteuergesetz).<\/li><li>2. Nach diesen Grunds\u00e4tzen sind die Zufl\u00fcsse aus der geringf\u00fcgigen Besch\u00e4ftigung (a) und den Erwerbsminderungsrenten (b) als zum Selbstunterhalt des S geeignete und bestimmte finanzielle Mittel zu ber\u00fccksichtigen (c). Hingegen gilt dies unter den Umst\u00e4nden des Streitfalls nicht f\u00fcr die auf S entfallenden ALG&nbsp;II-Leistungen gem\u00e4\u00df den Bewilligungsbescheiden des Jobcenters f\u00fcr die Bedarfsgemeinschaft (d). Das FG hat deshalb im Ergebnis zutreffend in allen Monaten des Streitzeitraums die Selbstunterhaltsf\u00e4higkeit des S verneint und infolgedessen den Aufhebungs- und R\u00fcckforderungsbescheid vom 26.02.2020 sowie die Einspruchsentscheidung vom 29.04.2020 zu Recht aufgehoben (e).<\/li><li>a) Arbeitsentgelt aus geringf\u00fcgiger Besch\u00e4ftigung ist als Einnahme aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit (\u00a7&nbsp;19 EStG) zu qualifizieren und f\u00fchrt damit zu Eink\u00fcnften gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG (zur Pauschalierung der Lohnsteuer bei geringf\u00fcgiger Besch\u00e4ftigung vgl. \u00a7&nbsp;40a EStG).<\/li><li>S erzielte im Februar 2019 eine Verg\u00fctung aus geringf\u00fcgiger Besch\u00e4ftigung in H\u00f6he von 208,87&nbsp;\u20ac. Diesen Betrag hat das FG im Rahmen der Vergleichsrechnung im Monat des Zuflusses zutreffend als finanzielle Mittel des S f\u00fcr dessen Unterhaltszwecke ber\u00fccksichtigt.<\/li><li>b) Erwerbsminderungsrenten sind hinsichtlich des Besteuerungsanteils als sonstige Eink\u00fcnfte zu qualifizieren, im \u00dcbrigen z\u00e4hlen sie zu den Bez\u00fcgen (vgl. Senatsurteil vom 27.11.2019&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;28\/17, BFHE 268, 13, BStBl II 2021, 807, Rz&nbsp;22).<\/li><li>S erzielte im Streitzeitraum monatliche Erwerbsminderungsrenten in H\u00f6he von 691,92&nbsp;\u20ac (Januar 2019 bis Juni 2019) und ab dem Monat Juli 2019 in H\u00f6he von 713,95&nbsp;\u20ac. Vermindert um die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge (im 1.&nbsp;Halbjahr 2019 insgesamt 74,72&nbsp;\u20ac pro Monat, danach 77,11&nbsp;\u20ac), den Werbungskosten-Pauschbetrag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9a Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG in H\u00f6he von monatlich 8,50&nbsp;\u20ac (vgl. Senatsurteil vom 27.11.2019&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;28\/17, BFHE 268, 13, BStBl II 2021, 807, Rz&nbsp;22) und die monatliche Kostenpauschale von 15&nbsp;\u20ac sind die vereinnahmten Erwerbsminderungsrenten als f\u00fcr den Selbstunterhalt des S geeignete und bestimmte finanzielle Mittel zu ber\u00fccksichtigen.<\/li><li>c) Entgegen der im angegriffenen Urteil (S.&nbsp;8&nbsp;f.) beschriebenen Variante&nbsp;1 (vgl. Nieders\u00e4chsisches FG, Urteil vom 22.08.2018&nbsp;&#8211; 7&nbsp;K&nbsp;67\/18, Rz&nbsp;32&nbsp;ff.) sind die Erwerbsminderungsrenten nicht aus im Sozialrecht wurzelnden Wertungsgesichtspunkten zu k\u00fcrzen. Bei teleologischer Auslegung des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG sind stattdessen gem\u00e4\u00df der Variante&nbsp;2 des FG-Urteils (S.&nbsp;9) die auf S entfallenden ALG&nbsp;II-Leistungen nicht als zus\u00e4tzliche finanzielle Mittel zu erfassen, weil sie unter den Umst\u00e4nden des Streitfalls nicht zur Deckung seines Lebensunterhalts geeignet sind (s. dazu d).<\/li><li>aa) Eine sozialrechtliche &#8222;Umverteilung&#8220; von Erwerbsminderungsrenten auf andere Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft (vergleiche die Bewilligungsbescheide des Jobcenters) f\u00fchrt nicht dazu, dass diese Renten auch bei der Frage der Selbstunterhaltsf\u00e4higkeit des Rentenempf\u00e4ngers au\u00dferhalb des Sozialrechts nur in entsprechend gek\u00fcrztem Umfang zu ber\u00fccksichtigen w\u00e4ren. Vielmehr sind tats\u00e4chlich zugeflossene Erwerbsminderungsrenten im Rahmen des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG ungek\u00fcrzt zu erfassen, soweit sie \u2011\u2011wie im Streitfall\u2011\u2011 kindergeldrechtlich zur Deckung des Lebensunterhalts sowohl geeignet als auch bestimmt sind. Insbesondere fehlt es \u2011\u2011wie unter III.1.b&nbsp;aa ausgef\u00fchrt\u2011\u2011 bei der Pr\u00fcfung der Selbstunterhaltsf\u00e4higkeit eines Kindes mit Behinderung im Kindergeldrecht an der Abzugsf\u00e4higkeit von Unterhaltsleistungen, die das Kind mit Behinderung aus den ihm zugeflossenen finanziellen Mitteln an ihm gegen\u00fcber unterhaltsberechtigte Familienmitglieder erbringt. Die Erw\u00e4gungen aus dem zu \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG ergangenen Senatsurteil vom 19.06.2002&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;28\/99 (BFHE 199, 355, BStBl II 2002, 753) sind daher nicht auf die Vorschrift des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG zu erstrecken.<\/li><li>bb) Eine (teilweise) fehlende Bestimmung oder Eignung der Erwerbsminderungsrente zum Selbstunterhalt l\u00e4sst sich \u2011\u2011anders als beispielsweise bei einer Schmerzensgeldrente\u2011\u2011 nicht mit deren Zweck begr\u00fcnden (zur Sonderfunktion des Schmerzensgelds, immaterielle Sch\u00e4den abzumildern, und zu dessen fehlender Funktion, einen Beitrag zur materiellen Existenzsicherung zu leisten, vgl. Senatsurteile vom 13.04.2016&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;28\/15, BFHE 253, 249, BStBl II 2016, 648, Rz&nbsp;16&nbsp;ff.; vom 20.04.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;7\/21, BFHE 280, 223, BStBl II 2023, 911, Rz&nbsp;18). Im Gegensatz zu Schmerzensgeldrenten dienen Erwerbsminderungsrenten als Entgeltersatz (Rennella in Keck\/Michaelis, Die Rentenversicherung im SGB, \u00a7&nbsp;43 SGB&nbsp;VI Rz&nbsp;1); durch sie werden wirtschaftliche Einbu\u00dfen ausgeglichen, soweit Versicherte aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nur noch eingeschr\u00e4nkt am Erwerbsleben teilnehmen k\u00f6nnen (vgl. Ringkamp in Hauck\/Noftz, \u00a7&nbsp;43 SGB&nbsp;VI Rz&nbsp;1).<\/li><li>d) Die in den Bewilligungsbescheiden dem S zugeordneten ALG&nbsp;II-Leistungen sind in den Streitmonaten nicht als weitere finanzielle Mittel des S zu ber\u00fccksichtigen, weil sie zwar sozialrechtlich Unterhaltszwecken dienen, kindergeldrechtlich aber nicht zum Selbstunterhalt des S geeignet sind. Soweit das FG-Urteil im Ergebnis auch hierauf gest\u00fctzt ist (s. Variante&nbsp;2), enth\u00e4lt die Entscheidung keinen Rechtsfehler.<\/li><li>Obgleich Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts und f\u00fcr die Kosten f\u00fcr Unterkunft und Heizung nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch grunds\u00e4tzlich als Eink\u00fcnfte und Bez\u00fcge eines Kindes mit Behinderung dessen F\u00e4higkeit zum Selbstunterhalt erh\u00f6hen (vgl. oben III.1.b&nbsp;bb), gilt dies unter den Umst\u00e4nden des Streitfalls ausnahmsweise nicht. Denn auf ein Kind mit Behinderung entfallende ALG&nbsp;II-Leistungen aus einer Bedarfsgemeinschaft sind zwar sozialrechtlich zur Sicherung des Lebensunterhalts bestimmt (aa). Sie k\u00f6nnen kindergeldrechtlich aber ausnahmsweise dann keinen Beitrag zur Selbstunterhaltsf\u00e4higkeit leisten, wenn und soweit kindergeldrechtlich zu erfassende finanzielle Mittel des Kindes mit Behinderung (hier die Erwerbsminderungsrenten des S) im Rahmen der Bedarfsgemeinschaft auf andere Mitglieder umverteilt werden und nur dies dazu f\u00fchrt, dass sich ein auf das Kind entfallender ALG&nbsp;II-Bedarfsanteil errechnet. Unter diesen Voraussetzungen sind die ALG&nbsp;II-Leistungen aus der Bedarfsgemeinschaft nicht geeignet, das Kind zum Selbstunterhalt zu bef\u00e4higen (bb). In einem solchen Fall hat die Addition von ALG&nbsp;II-Leistungen bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte und Bez\u00fcge des Kindes auf der Ebene des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG zu unterbleiben, weil sich die F\u00e4higkeit des Kindes mit Behinderung zum Selbstunterhalt durch die auf diese Weise zustande kommenden ALG&nbsp;II-Leistungen tats\u00e4chlich nicht erh\u00f6ht (cc).<\/li><li>aa) Zu den finanziellen Mitteln eines vollj\u00e4hrigen Kindes mit Behinderung geh\u00f6ren grunds\u00e4tzlich alle Mittel, die zur Deckung seines Lebensunterhalts bestimmt und geeignet sind (vgl. Senatsurteil vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;16). Wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die kindergeldrechtliche Ber\u00fccksichtigung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG ist, dass das Kind behinderungsbedingt zum Selbstunterhalt au\u00dferstande ist. Die Vorschrift bringt typisierend zum Ausdruck, dass der Anspruch auf Kindergeld f\u00fcr ein vollj\u00e4hriges Kind mit Behinderung nur solange bestehen bleiben soll, wie es auf elterliche Unterst\u00fctzung angewiesen ist (HHR\/Wendl, \u00a7&nbsp;32 EStG Rz&nbsp;118). Es gilt festzustellen, ob das Kind sich aus eigenen Mitteln unterhalten kann oder ob es auf Mittel des Kindergeldberechtigten angewiesen ist (Senatsurteil vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;19). Eine Ber\u00fccksichtigungsf\u00e4higkeit ist nicht gegeben, wenn das Kind mit Behinderung trotz seiner Behinderung imstande ist, sich selbst zu unterhalten. Dies ist dann der Fall, wenn es \u00fcber eine wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit verf\u00fcgt, die zur Bestreitung seines gesamten notwendigen Lebensbedarfs ausreicht (Senatsurteil vom 08.08.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/12, BFH\/NV 2014, 498, Rz&nbsp;15; vgl. BFH-Urteile vom 15.10.1999&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;182\/98, BFHE 189, 457, BStBl II 2000, 79, unter II.2.c, und vom 30.04.2014&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;24\/13, BFHE 245, 66, BStBl II 2014, 1014, Rz&nbsp;27). Ob dem vollj\u00e4hrigen Kind mit Behinderung zuflie\u00dfende finanzielle Mittel f\u00fcr Unterhaltszwecke bestimmt sind, muss sich regelm\u00e4\u00dfig aus den Umst\u00e4nden objektiv nachvollziehbar ableiten lassen (Senatsurteil vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;21).<\/li><li>Die Aufgabe und das Ziel der Grundsicherung f\u00fcr Arbeitsuchende sind in \u00a7&nbsp;1 SGB&nbsp;II geregelt. Sie soll es Leistungsberechtigten erm\u00f6glichen, ein Leben zu f\u00fchren, das der W\u00fcrde des Menschen entspricht (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 SGB&nbsp;II), sowie die Eigenverantwortung von erwerbsf\u00e4higen Leistungsberechtigten und Personen, die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft leben, st\u00e4rken und dazu beitragen, dass sie ihren Lebensunterhalt unabh\u00e4ngig von der Grundsicherung aus eigenen Mitteln und Kr\u00e4ften bestreiten k\u00f6nnen (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 SGB&nbsp;II). Sie umfasst insbesondere Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 i.V.m. \u00a7\u00a7&nbsp;19&nbsp;ff. SGB&nbsp;II). Schon aus dieser Zweckbestimmung des Sozialgesetzbuchs Zweites Buch geht hervor, dass Grundsicherungsleistungen wie das ALG&nbsp;II (oder das seit 01.01.2023 eingef\u00fchrte B\u00fcrgergeld) sozialrechtlich zur Deckung des Lebensunterhalts bestimmt sind (vgl. Senatsurteile vom 05.02.2015&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;31\/13, BFHE 249, 144, BStBl II 2015, 1017, Rz&nbsp;15; vom 19.01.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;44\/14, BFH\/NV 2017, 735, Rz&nbsp;29; s.a. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 27.07.2016&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;371\/11, BVerfGE 142, 353, Rz&nbsp;5, wonach die Grundsicherung f\u00fcr Arbeitsuchende dazu dient, zur Sicherung des Lebensunterhalts unterschiedliche Bedarfe durch staatliche Leistungen zu decken).<\/li><li>bb) Zwar handelt es sich bei den Grundsicherungsleistungen wie dem ALG&nbsp;II grunds\u00e4tzlich auch um Mittel, die zur Deckung des Lebensunterhalts geeignet sind. F\u00fcr die Eignung gen\u00fcgt es, dass der Zufluss entsprechend verwendet werden kann (Senatsurteil vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;20, 29). Ungeachtet der generellen Eignung und der sozialrechtlichen Bestimmung von Grundsicherungsleistungen f\u00fcr die Deckung des Lebensunterhalts sind die ALG&nbsp;II-Leistungen f\u00fcr S vorliegend jedoch keine zus\u00e4tzlichen finanziellen Mittel, die zu den kindergeldrechtlich bereits voll erfassten Erwerbsminderungsrenten des S hinzuzurechnen sind. Denn die ALG&nbsp;II-Leistungen f\u00fcr S sind im Streitfall nicht geeignet, S \u00fcber die bereits erfassten Erwerbsminderungsrenten hinaus zum Selbstunterhalt zu bef\u00e4higen.<\/li><li>Durch die Hinzurechnung der \u2011\u2011nur aus der abweichenden sozialrechtlichen Berechnung resultierenden\u2011\u2011 ALG&nbsp;II-Leistungen erg\u00e4be sich in der Summe n\u00e4mlich eine nicht mehr realit\u00e4tsgerechte Leistungsf\u00e4higkeit, die S tats\u00e4chlich in den Streitmonaten nicht hatte. Bei konsequenter Fortf\u00fchrung der einkommensteuerrechtlichen Betrachtung der Erwerbsminderungsrente als dem S zugeordnete finanzielle Mittel erg\u00e4be sich f\u00fcr ihn kein ALG&nbsp;II-Bedarfsanteil. Aus den Bewilligungsbescheiden geht hervor, dass der f\u00fcr S ausgewiesene sozialrechtliche Bedarfsanteil geringer war als seine Erwerbsminderungsrente. Der f\u00fcr S errechnete ALG&nbsp;II-Bedarfsanteil beruht auf der sozialrechtlichen Umverteilung seines Einkommens auf die zur Bedarfsgemeinschaft z\u00e4hlenden Familienangeh\u00f6rigen. Im Zuge dieser aus den Bewilligungsbescheiden ersichtlichen Umverteilung des Einkommens des S auf seine Ehefrau und die gemeinsamen minderj\u00e4hrigen Kinder, die kindergeldrechtlich als solche nicht zu ber\u00fccksichtigen ist (keine einkommensmindernde Ber\u00fccksichtigung von Unterhaltsleistungen des Kindes mit Behinderung an seinen Ehegatten und seine eigenen Kinder), wird beim Einkommen des S mehr in Abzug gebracht, als ihm im Gegenzug durch die so ermittelten ALG&nbsp;II-Leistungen zugerechnet wird.<\/li><li>cc) Kindergeldrechtlich erbringen unter diesen Umst\u00e4nden die auf S entfallenden ALG&nbsp;II-Leistungen keinen (weiteren) Beitrag zu seiner F\u00e4higkeit, sich selbst zu unterhalten, sind hierzu also nicht geeignet. Die Selbstunterhaltsf\u00e4higkeit eines Kindes mit Behinderung erh\u00f6ht sich nicht, soweit kindergeldrechtlich voll zu erfassende finanzielle Mittel wie die Erwerbsminderungsrenten sozialrechtlich im Rahmen einer Bedarfsgemeinschaft auf andere Mitglieder umverteilt werden und sich allein dadurch auf das Kind mit Behinderung entfallende ALG&nbsp;II-Leistungen errechnen. In einem solchen Fall hat die Addition der ALG&nbsp;II-Leistungen bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte und Bez\u00fcge des Kindes mit Behinderung auf der Ebene des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG zu unterbleiben, weil sich seine F\u00e4higkeit zum Selbstunterhalt durch die auf diese Weise zustande kommenden ALG&nbsp;II-Leistungen tats\u00e4chlich nicht (beziehungsweise nur scheinbar) erh\u00f6ht.<\/li><li>e) Nach der zutreffenden Berechnung des FG standen dem S danach im Februar 2019 finanzielle Mittel von 802,57&nbsp;\u20ac, in den weiteren Monaten des ersten Halbjahrs 2019 von jeweils 593,70&nbsp;\u20ac und im \u00fcbrigen Streitzeitraum (Juli 2019 bis Mai 2020) von monatlich 613,34&nbsp;\u20ac zum Selbstunterhalt zur Verf\u00fcgung. Mit diesen Eink\u00fcnften und Bez\u00fcgen war S im gesamten Streitzeitraum au\u00dferstande, sich selbst zu unterhalten, weil der sich aus dem Grundbedarf (Grundfreibetrag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG) und dem behinderungsbedingten Mehrbedarf (Behindertenpauschbetrag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;33b Abs.&nbsp;1 bis 3 EStG) zusammensetzende existenzielle Lebensbedarf des S mit 824&nbsp;\u20ac (2019) und 844&nbsp;\u20ac (2020) in allen Streitmonaten h\u00f6her war als die ihn zum Selbstunterhalt bef\u00e4higenden finanziellen Mittel. Da auch die \u00fcbrigen Tatbestandsvoraussetzungen erf\u00fcllt waren, war S gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG im gesamten Streitzeitraum zu ber\u00fccksichtigen. Das FG hat daher im Ergebnis zu Recht den Aufhebungs- und R\u00fcckforderungsbescheid sowie die Einspruchsentscheidung der Familienkasse X aufgehoben.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.250925.IIIR20.23.0 BFH III. Senat EStG \u00a7 32 Abs 4 S 1 Nr 3, EStG \u00a7 62, EStG \u00a7 63, SGB 2 \u00a7\u00a7 19ff, SGB 2 \u00a7 19, EStG \u00a7 33a Abs 1 S 4, EStG VZ 2019 , EStG VZ 2020 vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz , 14. Juni 2023, Az: 2 K 1492\/20 Leits\u00e4tze 1. Sozialleistungen, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-25-september-2025-iii-r-20-23-zur-selbstunterhaltsfaehigkeit-eines-volljaehrigen-kindes-mit-behinderung-bei-bezug-von-erwerbsminderungsrenten-und-von-alg-ii-infolge-der-mitgliedschaf\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 25. September 2025, III R 20\/23: Zur Selbstunterhaltsf\u00e4higkeit eines vollj\u00e4hrigen Kindes mit Behinderung bei Bezug von Erwerbsminderungsrenten und von ALG II infolge der Mitgliedschaft in einer Bedarfsgemeinschaft<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-78236","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78236","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78236"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78236\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78236"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78236"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78236"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}