{"id":7836,"date":"2012-12-02T16:07:18","date_gmt":"2012-12-02T14:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=7836"},"modified":"2012-12-02T16:07:18","modified_gmt":"2012-12-02T14:07:18","slug":"vi-r-36-08-bewertung-unentgeltlich-eingeraeumter-genussrechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-36-08-bewertung-unentgeltlich-eingeraeumter-genussrechte\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;36\/08 &#8211; Bewertung unentgeltlich einger&auml;umter Genussrechte"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.3.2010, VI R 36\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Bewertung unentgeltlich einger&auml;umter Genussrechte<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob f&uuml;r unentgeltlich einger&auml;umte Genussrechte die in &sect; 8 Abs. 2 Satz 9 des Einkommensteuergesetzes in der im streitigen Zeitraum 2005 geltenden Fassung (EStG) normierte Freigrenze in H&ouml;he von 44 EUR im Kalendermonat Anwendung findet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) betreibt in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft einen Buchverlag mit etwa 300 Arbeitnehmern. Sie r&auml;umte im Oktober 2005 ihren Arbeitnehmern jeweils mit bis Ende 2007 befristeten Individualvertr&auml;gen das Recht ein, monatlich unentgeltlich ein unverbrieftes Genussrecht im Wert von 44 EUR zu erwerben, das einem Kapitalkonto (Kapitalstock) gutgeschrieben wurde. Der Genussrechtsvertrag endete regul&auml;r mit dem Renteneintrittsalter oder bei anderweitiger Beendigung des Arbeitsverh&auml;ltnisses. Dann sollte der Arbeitnehmer den Nennbetrag des Kapitalstocks sowie den Saldo seines Guthabenkontos erhalten. Im Monat Oktober 2005 machten 174 Arbeitnehmer davon Gebrauch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin lie&szlig; die unentgeltlich gew&auml;hrten Genussrechte in der Auffassung unbesteuert, dass diese unterhalb der Freigrenze des &sect; 8 Abs. 2 Satz 9 EStG nicht der Lohnsteuer unterl&auml;gen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erfasste dagegen im Anschluss an eine Lohnsteuer-Au&szlig;enpr&uuml;fung die Genussrechte mit einem durchschnittlichen, der H&ouml;he nach unstreitigen Lohnsteuersatz von 45,1 % und setzte die sich daraus ergebenden Steuern mit dem hier streitigen Nachforderungsbescheid vom 14. Dezember 2005 gegen die Kl&auml;gerin fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf die nach erfolglosem Einspruch erhobene Klage hob das Finanzgericht (FG) den Nachforderungsbescheid aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 1869 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ersatzlos auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die unzutreffende Anwendung des &sect; 8 Abs. 2 Satz 9 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher nach &sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Das FG hat im Ergebnis zutreffend entschieden, dass die von der Kl&auml;gerin an deren Mitarbeiter gew&auml;hrten Genussrechte wegen der in &sect; 8 Abs. 2 Satz 9 EStG f&uuml;r unentgeltliche Sachbez&uuml;ge normierten Freigrenze nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Zwischen den Beteiligten besteht zu Recht kein Streit dar&uuml;ber, dass die kostenlos &uuml;berlassenen Genussrechte Vorteile darstellen, die sich aus dem Arbeitsverh&auml;ltnis ergeben und daher grunds&auml;tzlich zu Arbeitslohn i.S. des &sect; 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG f&uuml;hren. Ebenso besteht kein Streit dar&uuml;ber, dass die Genussrechte als Verm&ouml;gensbeteiligungen i.S. des &sect; 2 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 bis 5 des F&uuml;nften Verm&ouml;gensbildungsgesetzes i.d.F. vom 19. Dezember 2000 gelten, die nach &sect; 19a Abs. 1 EStG steuerfrei sind, soweit der Vorteil nicht h&ouml;her als der halbe Wert der Verm&ouml;gensbeteiligung ist und insgesamt 135 EUR im Kalenderjahr nicht &uuml;bersteigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der erkennende Senat hatte schon mit Urteil vom 4. April 2001 VI R 96\/00 (BFHE 195, 540, BStBl II 2001, 813) zu &sect; 19a Abs. 8 Satz 2 EStG in der im Jahr 1990 geltenden Fassung entschieden, dass der Anwendungsbereich dieser Norm zu beschr&auml;nken sei. Denn &sect; 19a Abs. 8 Satz 2 EStG sei von der allgemeinen Bewertungsregelung in &sect; 8 Abs. 2 EStG abgewichen, die auf den objektiven Wert im Zeitpunkt des Zuflusses abstelle. Diese Abweichung von der allgemeinen Bewertungsregelung in &sect; 8 Abs. 2 EStG sei nur insoweit gerechtfertigt, als es der Regelungszweck des &sect; 19a Abs. 8 Satz 2 EStG erfordere. Danach sei die Vorschrift nur in den F&auml;llen anzuwenden, in denen der aus der Annahme des &Uuml;berlassungsangebots entstehende Vorteil bis zur &Uuml;berlassung Ver&auml;nderungen unterliegen k&ouml;nne. Beziffere der Arbeitgeber jedoch in seinem &Uuml;berlassungsangebot den Vorteil mit einem feststehenden Betrag, bed&uuml;rfe es f&uuml;r die Ermittlung des geldwerten Vorteils nicht der Heranziehung des &sect; 19a Abs. 8 Satz 2 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Grunds&auml;tze der Senatsentscheidung in BFHE 195, 540, BStBl II 2001, 813 gelten auch f&uuml;r die Anwendung des &sect; 19a Abs. 2 Satz 2 EStG in der im Streitjahr 2005 geltenden Fassung, der insoweit nicht nur nach dem Wortlaut weitestgehend der damaligen Fassung entspricht, sondern sich insbesondere auch in seinem Regelungszweck, n&auml;mlich dem Arbeitgeber zu erm&ouml;glichen, schon zum Zeitpunkt des &Uuml;berlassungsangebots dem Arbeitnehmer die steuerlichen Auswirkungen der Beteiligungs&uuml;berlassung mitteilen zu k&ouml;nnen (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; in BFHE 195, 540, BStBl II 2001, 813), nicht von der zuvor geltenden Fassung unterscheidet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach Ma&szlig;gabe der vorgenannten Grunds&auml;tze hat das FG im Ergebnis zutreffend &sect; 19a Abs. 2 Satz 2 EStG nicht angewandt. Denn auch im hier zu entscheidenden Streitfall bedurfte es nicht der Anwendung der Sonderregelung des &sect; 19a Abs. 2 Satz 2 EStG, nachdem der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern jeweils wertm&auml;&szlig;ig konkret bezifferbare und bezifferte Genussrechte im Wert von jeweils 44 EUR einger&auml;umt hatte und der Vorteil dadurch der H&ouml;he nach unab&auml;nderlich festgeschrieben war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Angesichts dessen kommt es nicht mehr entscheidend darauf an, dass wenig daf&uuml;r spricht, dass die f&uuml;r lohnsteuerrechtliche Sachbez&uuml;ge nach &sect; 8 Abs. 2 Satz 9 EStG geltende Freigrenze durch die f&uuml;r Verm&ouml;gensbeteiligungen geltende und nach ihrer Regelungstendenz grunds&auml;tzlich beg&uuml;nstigende Norm des &sect; 19a EStG verdr&auml;ngt werden sollte. Zutreffend verweist insoweit die Kl&auml;gerin auf die Rechtsprechung des BFH (Urteil vom 18. Mai 1988 II R 1\/85, BFHE 154, 134, BStBl II 1988, 822), wonach eine verg&uuml;nstigende Norm nicht dazu f&uuml;hren d&uuml;rfe, dass der Steuerpflichtige ung&uuml;nstiger behandelt werde, als wenn es diese Verg&uuml;nstigung nicht g&auml;be.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.3.2010, VI R 36\/08 Bewertung unentgeltlich einger&auml;umter Genussrechte Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Streitig ist, ob f&uuml;r unentgeltlich einger&auml;umte Genussrechte die in &sect; 8 Abs. 2 Satz 9 des Einkommensteuergesetzes in der im streitigen Zeitraum 2005 geltenden Fassung (EStG) normierte Freigrenze in H&ouml;he von 44 EUR im Kalendermonat Anwendung findet. 2&nbsp; Die Kl&auml;gerin &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-36-08-bewertung-unentgeltlich-eingeraeumter-genussrechte\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;36\/08 &#8211; Bewertung unentgeltlich einger&auml;umter Genussrechte<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-7836","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7836","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7836"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7836\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7836"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7836"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7836"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}