{"id":7969,"date":"2012-12-03T17:25:20","date_gmt":"2012-12-03T15:25:20","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=7969"},"modified":"2012-12-03T17:25:20","modified_gmt":"2012-12-03T15:25:20","slug":"viii-b-228-09-klagefrist-fehlerhafte-rechtsbehelfsbelehrung-bekanntgabe-datum-der-einspruchsentscheidung-und-aufgabe-zur-post","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-228-09-klagefrist-fehlerhafte-rechtsbehelfsbelehrung-bekanntgabe-datum-der-einspruchsentscheidung-und-aufgabe-zur-post\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;228\/09 &#8211; Klagefrist &#8211; fehlerhafte Rechtsbehelfsbelehrung &#8211; Bekanntgabe &#8211; Datum der Einspruchsentscheidung und Aufgabe zur Post"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.5.2010, VIII B 228\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Klagefrist &#8211; fehlerhafte Rechtsbehelfsbelehrung &#8211; Bekanntgabe &#8211; Datum der Einspruchsentscheidung und Aufgabe zur Post<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Das Finanzgericht (FG) hat die Klage zu Unrecht wegen Vers&auml;umung der Klagefrist als unzul&auml;ssig abgewiesen. Die Rechtsbehelfsbelehrung in der Einspruchsentscheidung enth&auml;lt einen irref&uuml;hrenden Zusatz. Die Klagefrist begann deshalb nicht mit der Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung zu laufen und war bei Klageerhebung noch nicht abgelaufen. Dies hat das FG verkannt. Der darin liegende Verfahrensfehler (Versto&szlig; gegen &sect; 55 Abs. 2 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG (&sect; 116 Abs. 6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Beschwerde ist zul&auml;ssig. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) haben das Vorliegen eines Verfahrensmangels geltend gemacht (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) und ausreichend dargelegt (&sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Mit der Behauptung, die Rechtsbehelfsbelehrung sei irref&uuml;hrend und die Klagefrist sei deshalb bei Erhebung der Klage noch nicht abgelaufen gewesen, haben die Kl&auml;ger einen Verfahrensmangel geltend gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Weist das FG die Klage zu Unrecht durch Prozessurteil als unzul&auml;ssig ab, anstatt zur Sache zu entscheiden, liegt nach der Rechtsprechung ein Verfahrensmangel (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) vor. Ein Verfahrensmangel liegt insbesondere vor, wenn das Gericht deshalb nicht zur Sache entscheidet, weil es zu Unrecht davon ausgeht, dass die Klagefrist vers&auml;umt ist (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 24. September 1985 IX R 47\/83, BFHE 145, 299, BStBl II 1986, 268; BFH-Beschl&uuml;sse vom 21. Dezember 2001 VIII B 132\/00, BFH\/NV 2002, 661; vom 8. April 2004 VII B 181\/03, BFH\/NV 2004, 1284; vom 26. Juni 2006 II B 99\/05, BFH\/NV 2006, 1860; vgl. Lange in H&uuml;bschmann\/ Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect; 115 FGO Rz 234; Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 115 Rz 80, m.w.N.; evtl. a.A.: BFH-Beschluss vom 9. November 2009 IV B 54\/09, BFH\/NV 2010, 448).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall hat das FG die Klage wegen Vers&auml;umung der Klagefrist als unzul&auml;ssig abgewiesen. Mit der Behauptung, die Klagefrist sei bei Klageerhebung nicht abgelaufen gewesen und das FG habe &sect; 55 Abs. 2 Satz 1 FGO unrichtig angewandt, wird mithin ein Verfahrensfehler geltend gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Kl&auml;ger haben den Verfahrensmangel auch ausreichend dargelegt (&sect; 116 Abs. 3 FGO). Die Rechtsbehelfsbelehrung enth&auml;lt den Satz: &quot;Der Tag der Aufgabe zur Post ist das Datum der Einspruchsentscheidung&quot;. Nach hinreichend begr&uuml;ndeter und in der Beschwerdebegr&uuml;ndung mitgeteilter Auffassung der Kl&auml;ger ist diese Aussage unrichtig und irref&uuml;hrend. Die Kl&auml;ger meinen deshalb, dass die Klage gem&auml;&szlig; &sect; 55 Abs. 2 Satz 1 FGO innerhalb eines Jahres seit Bekanntgabe eingelegt werden konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unerheblich ist insbesondere, ob die unrichtige Belehrung f&uuml;r die Fristvers&auml;umnis urs&auml;chlich war (vgl. Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect; 55 Rz 27, m.w.N.); dazu bedarf es deshalb auch keiner Darlegungen. Soweit Darlegungen auch zu der Frage erforderlich sind, ob die Entscheidung auf dem Verfahrensfehler beruhen kann, gen&uuml;gt der Hinweis, dass das FG die Klage bei &#8211;nach Ansicht der Kl&auml;ger&#8211; zutreffender Anwendung von &sect; 55 Abs. 2 Satz 1 FGO nicht als unzul&auml;ssig abgewiesen h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Der geltend gemachte Verfahrensmangel (Versto&szlig; gegen &sect; 55 Abs. 2 Satz 1 FGO) liegt vor. Auf ihm kann das Urteil des FG auch beruhen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat insbesondere ausgef&uuml;hrt, die Belehrung gen&uuml;ge den Anforderungen und sei insgesamt nicht zu beanstanden. Die Belehrung m&uuml;sse nicht alle Angaben enthalten, die zur Berechnung der Klagefrist im Einzelfall erforderlich seien. Angaben, die dar&uuml;ber hinaus gingen, seien unsch&auml;dlich, solange sie nicht irref&uuml;hrend seien. Die Aussage &quot;Der Tag der Aufgabe zur Post ist das Datum der Einspruchsentscheidung&quot; stelle eine zul&auml;ssige Erleichterung f&uuml;r die Fristberechnung bei regul&auml;rer Bekanntgabe dar. Nach dem Wegfall des Postmonopols k&ouml;nne dem Datum des Poststempels keine eindeutig verbindliche Aussagekraft mehr beigemessen werden, weil es keine f&uuml;r alle Post- und Zustelldienste einheitlich verbindlichen Regelungen f&uuml;r Postsendungen mehr gebe. Vor diesem Hintergrund erleichtere die Aussage die Fristberechnung, da es andere Anhaltspunkte f&uuml;r den Tag der Aufgabe zur Post nicht mehr gebe und der Tag der Aufgabe zur Post ansonsten nur durch R&uuml;ckfrage beim Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) gekl&auml;rt werden k&ouml;nne. Darin liege auch keine unzul&auml;ssige Konkretisierung in Form einer Fixierung auf das Datum des Bescheids, weil in der Rechtsbehelfsbelehrung auf die Regelung zur Ma&szlig;geblichkeit der sp&auml;teren Bekanntgabe hingewiesen werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Diese Ausf&uuml;hrungen halten rechtlicher Nachpr&uuml;fung nicht stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) &Uuml;ber das Vorliegen eines ordnungsgem&auml;&szlig; geltend gemachten Verfahrensmangels entscheidet der BFH &#8211;auch im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde&#8211; grunds&auml;tzlich ohne sachliche Einschr&auml;nkungen in der Sache selbst (vgl. Lange in HHSp, &sect; 115 FGO Rz 228; Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 115 Rz 94). Dem entsprechend hat der BFH in der Vergangenheit auch &uuml;ber die Frage, ob eine Rechtsbehelfsbelehrung unrichtig oder irref&uuml;hrend ist, selbst entschieden (vgl. Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect; 55 Rz 26, m.w.N.). Daran h&auml;lt der Senat fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach &sect; 55 Abs. 2 Satz 1 FGO ist die Einlegung der Anfechtungsklage &#8211;abweichend von &sect; 47 Abs. 1 Satz 1 FGO&#8211; innerhalb eines Jahres (seit Bekanntgabe) zul&auml;ssig, wenn die Rechtsbehelfsbelehrung unterblieben oder unrichtig erteilt ist. Unrichtig ist eine Rechtsbehelfsbelehrung, wenn sie die ihr nach dem Gesetz zugedachte Funktion verfehlt, &uuml;ber die Formerfordernisse des Rechtsmittels hinreichend genau und sachlich zutreffend aufzukl&auml;ren (ausf&uuml;hrlich zu den dabei zu ber&uuml;cksichtigenden Gesichtspunkten BFH-Urteil vom 7. M&auml;rz 2006 X R 18\/05, BFHE 212, 407, BStBl II 2006, 455).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Unrichtigkeit kann sich zum einen daraus ergeben, dass die Belehrung zu wenige Informationen enth&auml;lt. Nach der Rechtsprechung des BFH ist es insofern allerdings nicht erforderlich, dass die Belehrung alle zur Berechnung der Klagefrist im Einzelfall erforderlichen Informationen enth&auml;lt. Sie muss insbesondere keinen Hinweis darauf enthalten, wann der Bescheid zur Post gegeben worden ist (BFH-Urteile vom 29. Oktober 1974 I R 37\/73, BFHE 114, 5, BStBl II 1975, 155; in BFHE 212, 407, BStBl II 2006, 455). Ausreichend ist vielmehr, wenn die Rechtsbehelfsbelehrung den Gesetzeswortlaut der einschl&auml;gigen Bestimmung wiedergibt und verst&auml;ndlich &uuml;ber die allgemeinen Merkmale des Fristbeginns unterrichtet (BFH-Urteile vom 18. Juli 1986 III R 216\/81, BFH\/NV 1987, 12; vom 29. M&auml;rz 1990 V R 19\/85, BFH\/NV 1992, 783; BFH-Beschluss vom 30. August 1995 V B 72\/95, BFH\/NV 1996, 106, jeweils mit weiteren Nachweisen der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung; Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect; 55 Rz 18).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Unrichtigkeit kann sich aber zum andern auch daraus ergeben, dass die Belehrung Informationen enth&auml;lt, die &uuml;ber den gesetzlich erforderlichen Mindestinhalt hinausgehen, sofern diese Informationen bei objektiver Betrachtung dazu geeignet sind, die M&ouml;glichkeit der Fristwahrung zu gef&auml;hrden (vgl. BFH-Urteil vom 29. Juli 1998 X R 3\/96, BFHE 186, 324, BStBl II 1998, 742; vgl. auch Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Februar 1981 6 B 16\/81, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1982, 181, Die &ouml;ffentliche Verwaltung 1981, 635; Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect; 55 Rz 25, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben war die Rechtsbehelfsbelehrung i.S. von &sect; 55 Abs. 2 Satz 1 FGO unrichtig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Aussage &quot;Der Tag der Aufgabe zur Post ist das Datum der Einspruchsentscheidung&quot; ist sachlich unzutreffend und bei objektivem Verst&auml;ndnis geeignet, die Fristwahrung zu gef&auml;hrden. Aufgabe zur Post bedeutet Einwerfen in einen Postbriefkasten oder Einlieferung (&Uuml;bergabe) bei der Post (vgl. BFH-Beschluss vom 22. August 1996 V B 30\/96, BFH\/NV 1997, 162). Das f&uuml;r die Anwendung von &sect; 122 Abs. 2 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) ma&szlig;gebliche Datum ist der Tag, an dem diese Handlungen vorgenommen worden sind. Demgegen&uuml;ber erh&auml;lt die Einspruchsentscheidung das Datum der abschlie&szlig;enden Zeichnung durch den daf&uuml;r zust&auml;ndigen Beamten. Das Datum der Einspruchsentscheidung und der Tag der Aufgabe zur Post k&ouml;nnen deshalb auseinander fallen (vgl. BFH-Urteile in BFHE 114, 5, BStBl II 1975, 155; vom 3. Mai 2001 III R 56\/98, BFH\/NV 2001, 1365; BFH-Beschl&uuml;sse vom 28. Mai 2002 XI B 176\/01, BFH\/NV 2002, 1280; in BFH\/NV 2006, 1860). Die kategorische Behauptung, der Tag der Aufgabe zur Post sei mit dem Datum der Einspruchsentscheidung identisch, trifft deshalb nicht zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die darin liegende Unrichtigkeit ist bei objektiver Betrachtung auch geeignet, die Fristwahrung zu gef&auml;hrden. Steuerpflichtige, die mit den internen Abl&auml;ufen der Finanzverwaltung nicht vertraut sind, m&uuml;ssen aufgrund der Aussage, auf deren Richtigkeit sie sich verlassen d&uuml;rfen, davon ausgehen, dass entweder Abweichungen zwischen beiden Daten aufgrund organisatorischer Vorkehrungen der Finanz&auml;mter tats&auml;chlich nicht vorkommen k&ouml;nnen oder rechtlich irrelevant sind. Beides ist indes nicht der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem steht nicht entgegen, dass eine einheitliche Bedeutung des Poststempels bei allen Unternehmen, die Briefe bef&ouml;rdern, nicht mehr besteht. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die in der Rechtsprechung aufgestellten Grunds&auml;tze, wonach der Poststempel im Regelfall Auskunft dar&uuml;ber gibt, an welchem Tag ein Brief zur Post gegeben worden ist (vgl. BFH-Beschluss vom 8. Oktober 1985 VIII R 224\/84, BFH\/NV 1986, 226), zumindest f&uuml;r die Bef&ouml;rderung durch die Deutsche Post AG fort gelten. Zumindest bei der Bef&ouml;rderung durch die Deutsche Post AG kann der Steuerpflichtige, wenn der Tag der Aufgabe zur Post nicht dem Datum der Einspruchsentscheidung entspricht, unter Vorlage des Poststempels die zutreffende Berechnung der Frist auch prozessual durchsetzen (vgl. BFH-Urteil vom 27. November 2002 X R 17\/01, BFH\/NV 2003, 586). Dabei wird nicht verkannt, dass der Steuerpflichtige das vom FA angegebene Datum der Aufgabe zur Post substantiiert bestreiten muss, um die Bekanntgabefiktion des &sect; 122 Abs. 2 AO zu entkr&auml;ften und die Beweispflicht der Beh&ouml;rde auszul&ouml;sen (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2003, 586). Eine Glaubhaftmachung durch Vorlage des Poststempels ist daf&uuml;r jedoch nicht vorgeschrieben; Zweifel kann der Steuerpflichtige grunds&auml;tzlich auf jede erdenkliche Art wecken. Aber selbst wenn man mit dem FG davon ausginge, dass es dem Steuerpflichtigen im Regelfall zumindest dann nicht gelingen wird, das vom FA mitgeteilte Datum der Aufgabe zur Post in Zweifel zu ziehen, wenn der Stempel des Postdienstleisters &#8211;wie im Streitfall&#8211; nicht den Tag der Einlieferung bei der &quot;Post&quot; dokumentiert, sondern einen anderen Tag, rechtfertigt dies nicht, die Anforderungen an die Richtigkeit der Rechtsbehelfsbelehrung zu vermindern. Die dann bestehende blo&szlig; faktische Unm&ouml;glichkeit, die dem Gesetz entsprechende Fristberechnung in der Praxis auch durchzusetzen, ist kein Grund, bei der Belehrung &uuml;ber die Berechnung der Frist unrichtige Angaben zu machen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Auf dem Verfahrensfehler beruht das angefochtene Urteil (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO). H&auml;tte das FG bei der Anwendung von &sect; 55 Abs. 2 Satz 1 FGO die Unrichtigkeit der Rechtsbehelfsbelehrung erkannt, so h&auml;tte es die Klage nicht wegen Vers&auml;umung der Klagefrist als unzul&auml;ssig abweisen d&uuml;rfen. Zwar ist im Einzelnen streitig, wann die Einspruchsentscheidung bekannt gegeben worden ist. Sie ist jedoch &#8211;unstreitig&#8211; keinesfalls vor dem 18. Februar 2008 bekannt gegeben worden. Mit der Klage vom 20. M&auml;rz 2008 ist die Frist gem&auml;&szlig; &sect; 55 Abs. 2 Satz 1 FGO deshalb gewahrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r angemessen, von der M&ouml;glichkeit des &sect; 116 Abs. 6 FGO Gebrauch zu machen, die Vorentscheidung aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.5.2010, VIII B 228\/09 Klagefrist &#8211; fehlerhafte Rechtsbehelfsbelehrung &#8211; Bekanntgabe &#8211; Datum der Einspruchsentscheidung und Aufgabe zur Post Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Das Finanzgericht (FG) hat die Klage zu Unrecht wegen Vers&auml;umung der Klagefrist als unzul&auml;ssig abgewiesen. Die Rechtsbehelfsbelehrung in der Einspruchsentscheidung enth&auml;lt einen irref&uuml;hrenden Zusatz. 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