{"id":8242,"date":"2012-12-05T04:46:19","date_gmt":"2012-12-05T02:46:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8242"},"modified":"2012-12-05T04:46:19","modified_gmt":"2012-12-05T02:46:19","slug":"xi-r-28-08-zum-anspruch-auf-vorsteuerabzug-aus-den-bauerrichtungskosten-einer-klaeranlage-fuer-den-rechtsnachfolger-eines-abwasserzweckverbandes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-r-28-08-zum-anspruch-auf-vorsteuerabzug-aus-den-bauerrichtungskosten-einer-klaeranlage-fuer-den-rechtsnachfolger-eines-abwasserzweckverbandes\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;R&nbsp;28\/08 &#8211; Zum Anspruch auf Vorsteuerabzug aus den Bauerrichtungskosten einer Kl&auml;ranlage f&uuml;r den Rechtsnachfolger eines Abwasserzweckverbandes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.12.2010, XI R 28\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Zum Anspruch auf Vorsteuerabzug aus den Bauerrichtungskosten einer Kl&auml;ranlage f&uuml;r den Rechtsnachfolger eines Abwasserzweckverbandes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Der Vorsteuerabzug ist von einem Unternehmer f&uuml;r den Besteuerungszeitraum geltend zu machen, in dem die Berechtigung zum Vorsteuerabzug entstanden ist.<\/p>\n<p>2. War der Leistungsempf&auml;nger zu dem danach ma&szlig;geblichen Zeitpunkt nicht Unternehmer, kann der Vorsteuerabzug seinem Rechtsnachfolger nicht nachtr&auml;glich gem&auml;&szlig; &sect; 15a UStG gew&auml;hrt werden.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine GmbH, die mit Vertrag vom 18. August 1997 r&uuml;ckwirkend auf den 1. Januar 1997 notariell gegr&uuml;ndet wurde. Sie ist durch Ausgliederung des vom Abwasserzweckverband &quot;G&quot; (Abwasserzweckverband) betriebenen Abwasserentsorgungsbetriebes entstanden. Unternehmensgegenstand der Kl&auml;gerin ist u.a. die Entsorgung von Abwasser sowie die Errichtung, der Erwerb, die Erweiterung und der Betrieb der diesem Zweck dienenden Anlagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Jahr 2000 reichte die Kl&auml;gerin ihre Umsatzsteuererkl&auml;rung f&uuml;r 1998 ein. Von den darin geltend gemachten Vorsteuerbetr&auml;gen bezog sich ein Teil auf Werkvertr&auml;ge, die der Abwasserzweckverband mit verschiedenen Bauunternehmen f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung von Bauma&szlig;nahmen an einem Kl&auml;rwerk geschlossen hatte. Die Kl&auml;gerin war nach der Ausgliederung in diese Vertr&auml;ge eingetreten. Der Abwasserzweckverband hatte im Rahmen dieser Werkvertr&auml;ge auf ihn als Leistungsempf&auml;nger ausgestellte Abschlagsrechnungen erhalten und diese beglichen. Die in den Rechnungsbetr&auml;gen enthaltene Umsatzsteuer hatte er mangels Unternehmereigenschaft nicht als Vorsteuer geltend gemacht. Die Abnahme der Werkleistungen fand im Jahr 1998 statt. Die Kl&auml;gerin machte sowohl die in der Schlussrechnung ausgewiesene Umsatzsteuer als auch die Umsatzsteuer aus an den Abwasserzweckverband gerichteten und von ihm bezahlten Abschlagsrechnungen aus den Jahren 1995, 1996 und 1997 als Vorsteuer in der Umsatzsteuerjahreserkl&auml;rung 1998 geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f&uuml;hrte in den Jahren 2002 und 2003 bei der Kl&auml;gerin eine Betriebspr&uuml;fung durch. Dabei vertrat der Pr&uuml;fer die Auffassung, dass die Kl&auml;gerin hinsichtlich der an den Abwasserzweckverband adressierten Abschlagsrechnungen weder als &quot;Gesamtrechtsnachfolgerin&quot; noch aus eigenem Recht einen Anspruch auf Vorsteuerabzug habe. Das FA folgte den Feststellungen der Betriebspr&uuml;fung und &auml;nderte mit Bescheid vom 20. April 2004 die Umsatzsteuerfestsetzung 1998 entsprechend. Der Einspruch der Kl&auml;gerin blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt und f&uuml;hrte im Wesentlichen aus:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin habe einen Anspruch auf Vorsteuerabzug aus den streitgegenst&auml;ndlichen Rechnungen gem&auml;&szlig; &sect; 15 Abs. 1 des Umsatzsteuergesetzes 1993 (UStG). Durch die Gesamtrechtsnachfolge sei eine &Auml;nderung der f&uuml;r den Vorsteuerabzug ma&szlig;geblichen Verh&auml;ltnisse eingetreten. Dies f&uuml;hre zur entsprechenden Anwendung des &sect; 15a Abs. 1 Satz 1 UStG, der nach Sinn und Zweck nicht nur &Auml;nderungen der Verwendungsverh&auml;ltnisse erfasse, sondern s&auml;mtliche &Auml;nderungen der Verh&auml;ltnisse, die f&uuml;r den Vorsteuerabzug ma&szlig;gebend seien (Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 17. Juni 2004 V R 31\/02, BFHE 205, 549, BStBl II 2004, 858, und vom 16. Mai 2002 V R 56\/00, BFHE 199, 37, BStBl II 2006, 725; BFH-Beschluss vom 12. Mai 2003 V B 211\/02, BFHE 202, 88, BStBl II 2003, 784).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect; 15a Abs. 1 Satz 1 UStG sei nach Sinn und Zweck auf den vorliegenden Fall der Lieferung an eine Unternehmerin, die als Gesamtrechtsnachfolgerin aus einem Nichtunternehmer hervorgegangen sei, der bereits Zahlungen vor der Leistung erbracht habe, entsprechend anzuwenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 445 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts. Das FG habe zu Unrecht im Streitfall die Berichtigungsvorschrift des &sect; 15a UStG entsprechend angewendet. Jedenfalls k&ouml;nne der Vorsteuerabzug f&uuml;r den Fall der Anwendung von &sect; 15a UStG nur &quot;pro rata temporis&quot; j&auml;hrlich mit 1\/10 geltend gemacht werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des FG-Urteils und zur Abweisung der Klage (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Unrecht einen Anspruch der Kl&auml;gerin auf Vorsteuerabzug aus Abschlagsrechnungen bejaht, die an den Abwasserzweckverband gerichtet waren und von ihm auch bezahlt wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect; 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG kann der Unternehmer die in Rechnungen i.S. des &sect; 14 UStG gesondert ausgewiesene Steuer f&uuml;r Lieferungen oder sonstige Leistungen, die von anderen Unternehmern f&uuml;r sein Unternehmen ausgef&uuml;hrt worden sind, als Vorsteuerbetr&auml;ge abziehen. Soweit der gesondert ausgewiesene Steuerbetrag auf eine Zahlung vor Ausf&uuml;hrung dieser Ums&auml;tze entf&auml;llt, ist er nach &sect; 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 UStG bereits abziehbar, wenn die Rechnung vorliegt und die Anzahlung geleistet worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Vorschrift korrespondiert mit der Regelung, wonach die Steuer f&uuml;r vereinnahmte Anzahlungen mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums entsteht, in dem das Entgelt oder das Teilentgelt vereinnahmt worden ist (&sect; 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG &#8211; vgl. BFH-Urteile vom 21. Juni 2001 V R 68\/00, BFHE 195, 446, BStBl II 2002, 255, und vom 11. April 2002 V R 26\/01, BFHE 198, 238, BStBl II 2004, 317). Dies entspricht auch der unionsrechtlichen Vorgabe in Art. 17 Abs. 1 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 Unterabs. 2 der Sechsten Richtlinie 77\/388\/EWG des Rates vom 17. Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern (Richtlinie 77\/388\/EWG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Da im Streitfall die an den Abwasserzweckverband gerichteten Rechnungen &uuml;ber die Anzahlungen nach den den Senat bindenden tats&auml;chlichen Feststellungen des FG (&sect; 118 Abs. 2 FGO) bereits in den Jahren 1995, 1996 und 1997 zugegangen sind und bezahlt wurden, w&auml;re ein Anspruch auf Vorsteuerabzug nach &sect; 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 UStG auch schon in diesen Besteuerungszeitr&auml;umen entstanden, wenn der Abwasserzweckverband Unternehmer i.S. des &sect; 2 UStG gewesen w&auml;re. Dementsprechend h&auml;tten die entsprechenden Vorsteuerbetr&auml;ge nach &sect; 16 Abs. 2 UStG auch f&uuml;r diese Besteuerungszeitr&auml;ume geltend gemacht werden m&uuml;ssen. Ein Anspruch auf Vorsteuerabzug aus diesen Rechnungen erst im Streitjahr 1998 besteht nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dies steht im Einklang mit dem Unionsrecht und der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Art. 18 Abs. 2 Unterabs. 1 der Richtlinie 77\/388\/EWG wird der Vorsteuerabzug vom Steuerpflichtigen global vorgenommen, indem er von dem Steuerbetrag, den er in einem Erkl&auml;rungszeitraum schuldet, den Betrag der Steuer absetzt, f&uuml;r die das Abzugsrecht entstanden ist; der Vorsteuerabzug wird nach Abs. 1 w&auml;hrend des gleichen Zeitraums ausge&uuml;bt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der EuGH hat mit Urteil vom 29. April 2004 in der Rechtssache C-152\/02 &#8211;Terra Baubedarf&#8211; (Slg. 2004, I-5583, BFH\/NV Beilage 2004, 229) entschieden, diese Bestimmung sei f&uuml;r den Vorsteuerabzug nach Art. 17 Abs. 2 Buchst. a der Richtlinie 77\/388\/EWG dahin auszulegen, dass das Vorsteuerabzugsrecht f&uuml;r den Erkl&auml;rungszeitraum auszu&uuml;ben ist, in dem die beiden nach dieser Bestimmung erforderlichen Voraussetzungen erf&uuml;llt sind, also die Lieferung der Gegenst&auml;nde oder die Dienstleistung bewirkt wurde und der Steuerpflichtige die Rechnung oder das Dokument besitzt, das nach den von den Mitgliedstaaten festgelegten Kriterien als Rechnung betrachtet werden kann (Rz 34 f. des Urteils, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei sinngem&auml;&szlig;er &Uuml;bertragung dieser Grunds&auml;tze auf den Streitfall bedeutet dies, dass das Recht auf Vorsteuerabzug aus den Rechnungen &uuml;ber die Abschlagszahlungen in dem Besteuerungszeitraum auszu&uuml;ben gewesen w&auml;re, in dem das Recht auf Vorsteuerabzug im Fall der Unternehmereigenschaft des Abwasserzweckverbandes entstanden w&auml;re &#8211; also mit dem Zugang und der Bezahlung der Abschlagsrechnungen in den Besteuerungszeitr&auml;umen 1995, 1996 und 1997.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Korrektur des Vorsteuerabzugs nach &sect; 15a UStG zugunsten der Kl&auml;gerin im Streitjahr 1998 kommt nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect; 15a Abs. 1 S&auml;tze 1 und 2 UStG ist der Vorsteuerabzug zu berichtigen, wenn sich bei einem Wirtschaftsgut oder bei Grundst&uuml;cken einschlie&szlig;lich ihrer wesentlichen Bestandteile die Verh&auml;ltnisse, die im Kalenderjahr der erstmaligen Verwendung f&uuml;r den Vorsteuerabzug ma&szlig;gebend waren, innerhalb eines bestimmten Zeitraums &#8211;f&uuml;nf Jahre bei einem Wirtschaftsgut und zehn Jahre bei einem Grundst&uuml;ck&#8211; seit dem Beginn der Verwendung &auml;ndern. Die Bestimmung beruht auf Art. 20 der Richtlinie 77\/388\/EWG. Gem&auml;&szlig; Art. 20 Abs. 1 der Richtlinie 77\/388\/EWG wird der urspr&uuml;ngliche Vorsteuerabzug nach den von den Mitgliedstaaten festgelegten Einzelheiten insbesondere berichtigt, wenn der Vorsteuerabzug h&ouml;her oder niedriger ist als der, zu dessen Vornahme der Steuerpflichtige berechtigt war, oder wenn sich die Faktoren, die bei der Festsetzung des Vorsteuerabzugs ber&uuml;cksichtigt werden, nach Abgabe der Erkl&auml;rung ge&auml;ndert haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect; 15a UStG erfasst nach der Rechtsprechung des BFH unter Ber&uuml;cksichtigung von Art. 20 der Richtlinie 77\/388\/EWG nicht nur &Auml;nderungen der Verwendungsverh&auml;ltnisse (vgl. BFH-Urteil vom 11. November 1993 XI R 51\/90, BFHE 174, 253, BStBl II 1994, 582), sondern s&auml;mtliche &Auml;nderungen &quot;der Verh&auml;ltnisse, die &#8230; f&uuml;r den Vorsteuerabzug ma&szlig;gebend waren&quot; (BFH-Urteil in BFHE 205, 549, BStBl II 2004, 858, m.w.N.). Der BFH hat daher entschieden, dass der Wechsel von der Besteuerung als Kleinunternehmer nach &sect; 19 UStG zur Besteuerung nach den allgemeinen Vorschriften des UStG eine &Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse i.S. des &sect; 15a UStG ist (BFH-Urteil in BFHE 205, 549, BStBl II 2004, 858).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Streitfall ist damit nicht vergleichbar. Die im Wege der Ausgliederung nach &sect; 123 Abs. 3 i.V.m. &sect;&sect; 168 ff. des Umwandlungsgesetzes gegr&uuml;ndete Kl&auml;gerin ist zwar Rechtsnachfolgerin des Abwasserzweckverbandes. Dieser war aber bei Erhalt und Begleichung der Abschlagsrechnungen kein Unternehmer.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Berichtigung eines unterbliebenen Vorsteuerabzugs setzt voraus, dass ein Vorsteuerabzug urspr&uuml;nglich m&ouml;glich gewesen w&auml;re. War der Vorsteuerabzug unabh&auml;ngig von der beabsichtigten Verwendung schon deshalb nicht zul&auml;ssig, weil der Leistungsempf&auml;nger erst sp&auml;ter Unternehmer wurde, ist die Berichtigung sowohl nach der Rechtsprechung des BFH als auch des EuGH ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den BFH-Urteilen vom 19. Mai 1988 V R 115\/83 (BFHE 154, 173, BStBl II 1988, 916) und vom 11. April 2008 V R 10\/07 (BFHE 221, 456, BStBl II 2009, 741, unter II.4.) ist die &Uuml;berf&uuml;hrung von Gegenst&auml;nden des Privatverm&ouml;gens oder eines anderen nichtunternehmerischen Verm&ouml;gens in den unternehmerischen Bereich keine &Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse i.S. des &sect; 15a UStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies steht im Einklang mit der Rechtsprechung des EuGH, wonach eine Einrichtung des &ouml;ffentlichen Rechts, die im Rahmen der &ouml;ffentlichen Gewalt i.S. von Art. 4 Abs. 5 Unterabs. 1 der Richtlinie 77\/388\/EWG und infolgedessen als Nichtsteuerpflichtiger Investitionsg&uuml;ter erwirbt und diese sp&auml;ter als Steuerpflichtiger ver&auml;u&szlig;ert, im Rahmen des Verkaufs kein Recht auf Berichtigung gem&auml;&szlig; Art. 20 der Richtlinie 77\/388\/EWG hat, um die bei Erwerb dieser G&uuml;ter entrichtete Mehrwertsteuer in Abzug zu bringen (Urteil vom 2. Juni 2005 Rs. C-378\/02 &#8211;Waterschap Zeeuws Vlaanderen&#8211;, Slg. 2005, I-4685, BFH\/NV Beilage 2005, 323). Denn die Eigenschaft als Steuerpflichtiger muss zum f&uuml;r den Vorsteuerabzug ma&szlig;geblichen Zeitpunkt vorgelegen haben (vgl. Rz 41 des Urteils). Der EuGH hat einger&auml;umt, dass die Versagung des Vorsteuerabzugs in diesem Fall bis zu einem gewissen Grad mit der Anwendung der Grunds&auml;tze der Neutralit&auml;t und der Gleichbehandlung kollidieren k&ouml;nne; diese Auswirkung sei aber der Existenz von Ausnahmen im Mehrwertsteuersystem eigen (Rz 43 des Urteils).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;gerin als der Rechtsnachfolgerin des Abwasserzweckverbandes k&ouml;nnen f&uuml;r die Berichtigung eines unterbliebenen Vorsteuerabzugs keine weitergehenden Rechte zustehen als ihrem Rechtsvorg&auml;nger, wenn dieser sp&auml;ter selbst Unternehmer geworden w&auml;re. Deshalb scheidet eine Berichtigung nach &sect; 15a UStG aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Angesichts der zitierten Rechtsprechung des EuGH vermag der Senat auch keine Regelungsl&uuml;cke zu erkennen, die eine analoge Anwendung des &sect; 15a UStG auf den im Streitfall verwirklichten Sachverhalt rechtfertigen k&ouml;nnte. Aus dem gleichen Grund f&uuml;hrt auch eine unmittelbare Anwendung von Art. 20 Abs. 2 der Richtlinie 77\/388\/EWG nicht zum Erfolg der Klage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.12.2010, XI R 28\/08 Zum Anspruch auf Vorsteuerabzug aus den Bauerrichtungskosten einer Kl&auml;ranlage f&uuml;r den Rechtsnachfolger eines Abwasserzweckverbandes Leits&auml;tze 1. Der Vorsteuerabzug ist von einem Unternehmer f&uuml;r den Besteuerungszeitraum geltend zu machen, in dem die Berechtigung zum Vorsteuerabzug entstanden ist. 2. War der Leistungsempf&auml;nger zu dem danach ma&szlig;geblichen Zeitpunkt nicht Unternehmer, kann &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-r-28-08-zum-anspruch-auf-vorsteuerabzug-aus-den-bauerrichtungskosten-einer-klaeranlage-fuer-den-rechtsnachfolger-eines-abwasserzweckverbandes\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;R&nbsp;28\/08 &#8211; Zum Anspruch auf Vorsteuerabzug aus den Bauerrichtungskosten einer Kl&auml;ranlage f&uuml;r den Rechtsnachfolger eines Abwasserzweckverbandes<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-8242","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8242"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8242\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8242"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8242"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}