{"id":8281,"date":"2012-12-05T04:46:18","date_gmt":"2012-12-05T02:46:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8281"},"modified":"2012-12-05T04:46:18","modified_gmt":"2012-12-05T02:46:18","slug":"vii-r-3-10-keine-aenderung-der-anrechnungsverfuegung-nach-zahlungsverjaehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-3-10-keine-aenderung-der-anrechnungsverfuegung-nach-zahlungsverjaehrung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;3\/10 &#8211; Keine &Auml;nderung der Anrechnungsverf&uuml;gung nach Zahlungsverj&auml;hrung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.12.2010, VII R 3\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine &Auml;nderung der Anrechnungsverf&uuml;gung nach Zahlungsverj&auml;hrung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind vom Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) aufgrund ihrer Steuererkl&auml;rungen von 1990 und 1991 zur Einkommensteuer 1989 und 1990 veranlagt worden. Auf die dabei f&uuml;r 1989 festgesetzte Steuer von rund 450.000 DM sind neben Einkommensteuervorauszahlungen durch entsprechende Steuerbescheinigungen nachgewiesene Kapitalertragsteuer und K&ouml;rperschaftsteuer, welche angeblich auf vom Kl&auml;ger im Wege des Dividenden-Stripping erworbene Aktien entrichtet worden waren, angerechnet worden, so dass es zu ei-nem Guthaben von rund 6.000 DM kam, das in der vorgenannten Verf&uuml;gung ausgewiesen wurde. Als das FA aufgrund von Ermitt-lungen der Steuerfahndung Ende des Jahres 2000 zu der Auffas-sung gelangte, es habe sich bei den betreffenden Aktienge-sch&auml;ften um Luftgesch&auml;fte mit weder im rechtlichen noch im wirtschaftlichen Eigentum des Verk&auml;ufers stehenden Aktien ge-handelt, &auml;nderte es mit Bescheid vom 27. Dezember 2000 die An-rechnungsverf&uuml;gung zur Einkommensteuer 1989, ebenso die angeb-lich in gleicher Weise fehlerhafte Anrechnungsverf&uuml;gung zur Einkommensteuer 1990, was jedoch insoweit nach dem Urteil des Finanzgerichts (FG), das der Klage gegen diese &Auml;nderung stattgegeben hat, nicht mehr Streitgegenstand ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Als es wegen der Rechtm&auml;&szlig;igkeit der zu den Anrechnungsverf&uuml;gungen f&uuml;r 1989 und 1990 ergangenen &Auml;nderungsbescheide mit den Kl&auml;gern zum Streit kam, erlie&szlig; das FA den Abrechnungsbescheid vom 21. Oktober 2005, den es am 25. November 2009 berichtigte, und die gegen den vorgenannten Abrechnungsbescheid von den Kl&auml;gern erhobenen Einspruch zur&uuml;ckweisende Einspruchsentscheidung vom 19. Dezember 2005.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen gerichtete Klage hat das FG &#8211;unter Aufhebung der f&uuml;r 1990 ergangenen Bescheide&#8211; abgewiesen. Es sah als er-wiesen an, dass die angerechneten Steuerbetr&auml;ge tats&auml;chlich nicht entrichtet worden sind, und war der Auffassung, dass die Anrechnung dieser Betr&auml;ge zugunsten der Kl&auml;ger in der Anrechnungsverf&uuml;gung zum Einkommensteuerbescheid 1989 i.S. des &sect; 130 Abs. 2 Nr. 3 der Abgabenordnung (AO) auf deren Angaben beruhte. Da der deshalb gerechtfertigten R&uuml;cknahme der Anrechnungsverf&uuml;gung &sect; 130 Abs. 3 AO nicht entgegenstehe &#8211;die dort geregelte Frist sei gewahrt worden&#8211; und die Entscheidung des FA in der Fassung des Bescheides vom 29. November 2009 auch frei von Ermessensfehlern sei &#8211;sie werde durch die Erw&auml;gung ausreichend begr&uuml;ndet, dass die Kl&auml;ger Nutznie&szlig;er der fehlerhaften Anrechnung seien&#8211;, sei die Klage insoweit abzuweisen. Zahlungsverj&auml;hrung sei nicht eingetreten. Denn da sich aus der urspr&uuml;nglichen Anrechnung ein Erstattungsanspruch zugunsten der Kl&auml;ger ergeben habe, sei eine Abschlusszahlung i.S. des &sect; 36 Abs. 4 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zun&auml;chst nicht, vielmehr erst durch den Wegfall des anzurechnenden Be-trages von 97.500 DM f&auml;llig geworden. Den Zahlungsanspruch ha-be das FA auch nicht verwirkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FG wegen der Anrechnungsverf&uuml;gung zur Einkommensteuer 1989 dementsprechend die Klage abgewiesen hat, haben die Kl&auml;ger Revision eingelegt. Sie berufen sich u.a. auf das Urteil des Senats vom 18. Juli 2000 VII R 32, 33\/99 (BFHE 192, 405, BStBl II 2001, 133) und insbesondere das Urteil vom 27. Oktober 2009 VII R 51\/08 (BFHE 227, 327, BStBl II 2010, 382), nach welchem im Streitfall die Voraussetzungen der Zahlungsverj&auml;hrung zweifelsfrei seien. Denn die &#8211;hier zun&auml;chst unterbliebene&#8211; Ausweisung einer Abschlusszahlung gem&auml;&szlig; &sect; 36 Abs. 4 Satz 1 Alternative 2 EStG sei nach dieser Entscheidung f&uuml;r die Dauer der Zahlungsverj&auml;hrung ohne Bedeutung, welche vielmehr durch die Steuerfestsetzung in Lauf gesetzt werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen, das Urteil des FG aufzuheben, soweit darin die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Abrechnungsbescheides zur Einkommensteuer 1989 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 19. Dezember 2005 sowie die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des ge&auml;nderten Abrechnungsbescheides vom 25. November 2009 und der vorangegangenen Anrechnungsverf&uuml;gung vom 27. Dezember 2000 bejaht wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es hat sich zu vorgenanntem Vorbringen der Kl&auml;ger nicht ge&auml;u&szlig;ert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die zul&auml;ssige Revision der Kl&auml;ger ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt zur Aufhebung der angegriffenen Entscheidungen des FA (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das Urteil des FG verletzt Bundesrecht (&sect; 118 Abs. 1 FGO), weil das FG verkannt hat, dass die &Auml;nderung der zur Einkommensteuer 1989 ergangenen Anrechnungsverf&uuml;gung im Jahre 2000 wegen Zahlungsverj&auml;hrung aus den gleichen Gr&uuml;nden rechtswidrig ist und die Kl&auml;ger in ihren Rechten verletzt, wie dies das FG f&uuml;r die Anrechnungsverf&uuml;gung zur Einkommensteuer 1990 angenommen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem Urteil des erkennenden Senats in BFHE 227, 327, BStBl II 2010, 382 wird die Frist f&uuml;r die Zahlungsverj&auml;hrung (&sect; 228 AO) durch die Bekanntgabe der Steuerfestsetzung in Lauf gesetzt, und zwar ungeachtet dessen, ob diese Festsetzung mit der Ausweisung eines Erstattungsanspruchs oder gem&auml;&szlig; &sect; 36 Abs. 4 Satz 1 EStG einer Abschlusszahlung verbunden wird. Die Anrechnung kann daher nach Ablauf der in &sect; 228 Satz 2, &sect; 229 Abs. 1 AO geregelten Frist weder zugunsten (so schon Urteil des Senats in BFHE 192, 405, BStBl II 2001, 133) noch zu Lasten des Steuerpflichtigen ge&auml;ndert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da der Einkommensteuerbescheid 1989, wie sich aus der vom FG stillschweigend in Bezug genommenen Sachakte des FA ergibt, den Kl&auml;gern bereits im September 1990 bekanntgegeben worden ist, war die Frist der Zahlungsverj&auml;hrung mithin im Dezember 2000 abgelaufen. Hemmungs- und Unterbrechungstatbest&auml;nde sind weder geltend gemacht noch ersichtlich. Die im Dezember 2000 vom FA verf&uuml;gte &Auml;nderung der Anrechnungsverf&uuml;gung ist folglich rechtswidrig und verletzt die Kl&auml;ger in ihren Rechten. Sie ist zusammen mit den dazu ergangenen Abrechnungs-, &Auml;nderungs- und Einspruchsentscheidungen aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.12.2010, VII R 3\/10 Keine &Auml;nderung der Anrechnungsverf&uuml;gung nach Zahlungsverj&auml;hrung Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind vom Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) aufgrund ihrer Steuererkl&auml;rungen von 1990 und 1991 zur Einkommensteuer 1989 und 1990 veranlagt worden. 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