{"id":8329,"date":"2012-12-05T04:29:47","date_gmt":"2012-12-05T02:29:47","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8329"},"modified":"2012-12-05T04:29:47","modified_gmt":"2012-12-05T02:29:47","slug":"vii-r-28-10-haftung-des-eigentuemers-nach-par-74-ao-erfasst-auch-grundstuecksgleiche-rechte-keine-beschraenkung-auf-koerperliche-gegenstaende-haftungsbegruendende-interessenparallelitaet-bei-gemeinsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-28-10-haftung-des-eigentuemers-nach-par-74-ao-erfasst-auch-grundstuecksgleiche-rechte-keine-beschraenkung-auf-koerperliche-gegenstaende-haftungsbegruendende-interessenparallelitaet-bei-gemeinsch\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;28\/10 &#8211; Haftung des Eigent&uuml;mers nach &sect; 74 AO erfasst auch grundst&uuml;cksgleiche Rechte &#8211; Keine Beschr&auml;nkung auf k&ouml;rperliche Gegenst&auml;nde &#8211; Haftungsbegr&uuml;ndende Interessenparallelit&auml;t bei gemeinschaftlicher Verf&uuml;gungsberechtigung &#8211; Zul&auml;ssigkeit des Erlasses eines Haftungsbescheids"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.5.2012, VII R 28\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Haftung des Eigent&uuml;mers nach &sect; 74 AO erfasst auch grundst&uuml;cksgleiche Rechte &#8211; Keine Beschr&auml;nkung auf k&ouml;rperliche Gegenst&auml;nde &#8211; Haftungsbegr&uuml;ndende Interessenparallelit&auml;t bei gemeinschaftlicher Verf&uuml;gungsberechtigung &#8211; Zul&auml;ssigkeit des Erlasses eines Haftungsbescheids<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Haftung des an einem Unternehmen wesentlich beteiligten Eigent&uuml;mers von Gegenst&auml;nden, die er diesem Unternehmen &uuml;berl&auml;sst, erstreckt sich auch auf ein &uuml;berlassenes Erbbaurecht, das dem Unternehmen als Betriebsgrundlage dient. <\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die Haftung nach &sect; 74 AO wird nicht dadurch ausgeschlossen, dass der dem Unternehmen &uuml;berlassene Gegenstand nicht im Eigentum des Haftenden, sondern im Eigentum einer KG steht, wenn Gesellschafter der KG ausschlie&szlig;lich der Haftende und eine andere am Unternehmen wesentlich beteiligte Person sind.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) war mit einem Gesch&auml;ftsanteil von 50&nbsp;% als Kommanditist an der Firma &#8230; KG (KG) beteiligt. Gesch&auml;ftsf&uuml;hrender Komplement&auml;r war die Firma L-GmbH, die u.a. vom Kl&auml;ger vertreten wurde. Die KG betrieb auf einem seit dem 2.&nbsp;Juli 2002 im Eigentum einer anderen GmbH &#038; Co. KG stehenden Grundst&uuml;ck einen Autohandel. Dieses Grundst&uuml;ck ist mit einem Erbbaurecht mit Ver&auml;u&szlig;erungsbeschr&auml;nkung durch Zustimmung des Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mers zugunsten der Firma X belastet, die mit notarieller Vereinbarung vom 24.&nbsp;August 1999 durch Formwechsel in die Firma A-KG umgewandelt wurde. Der Formwechsel wurde am 3.&nbsp;Januar 2000 in das Handelsregister eingetragen. Komplement&auml;r der A-KG ohne Kapitalanteil ist die Firma A-GmbH, an der der Kl&auml;ger und Herr K zu je 50&nbsp;% beteiligt sind. Zudem sind der Kl&auml;ger und K als Kommanditisten zu je 50&nbsp;% an der A-KG mit einer Hafteinlage in H&ouml;he von 1.250.000&nbsp;EUR beteiligt. Die A-KG, deren Gesamthandsverm&ouml;gen nur aus dem Erbbaurecht bestand, &uuml;berlie&szlig; das Grundst&uuml;ck mit Geb&auml;ude pachtweise der KG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Oktober 2001 wurde die KG zahlungsunf&auml;hig. Am 16.&nbsp;Oktober 2001 bestellte das Amtsgericht (AG) aufgrund eines Insolvenzantrags der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer nach &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 der Insolvenzordnung (InsO) einen vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter mit Zustimmungsvorbehalt. Mit Beschluss vom 1.&nbsp;Januar 2002 wurde &uuml;ber das Verm&ouml;gen der KG das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet. Wegen r&uuml;ckst&auml;ndiger Umsatzsteuer der KG f&uuml;r das Jahr 2000 und f&uuml;r Dezember 2001 erlie&szlig; der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) am 24.&nbsp;Mai 2004 zwei auf &sect;&nbsp;74 der Abgabenordnung (AO) gest&uuml;tzte Haftungsbescheide, in denen die Haftung gegenst&auml;ndlich auf das Erbbaurecht am Grundst&uuml;ck beschr&auml;nkt wurde. In Bezug auf den Haftungsbescheid wegen Umsatzsteuer f&uuml;r das Jahr 2000 erlie&szlig; das FA zugleich gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;219 AO eine Zahlungsaufforderung. Die Umsatzsteuerforderungen f&uuml;r Dezember 2001 beruhen auf den Feststellungen einer im Februar 2002 durchgef&uuml;hrten Umsatzsteuersonderpr&uuml;fung, in deren Rahmen sich aufgrund der Zahlungsunf&auml;higkeit der KG Vorsteuerberichtigungen ergaben. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) urteilte, der Kl&auml;ger sei zu Recht als Haftungsschuldner nach &sect;&nbsp;74 AO in Anspruch genommen worden. Als grundst&uuml;cksgleiches Recht erf&uuml;lle das Erbbaurecht, das gleich einem Grundst&uuml;ck den Regeln der Zwangsvollstreckung unterliege, den Gegenstandsbegriff dieser Vorschrift. Auch Forderungen und Rechte k&ouml;nnten Gegenst&auml;nde sein. Das Erbbaurecht habe der KG als Betriebsgrundst&uuml;ck f&uuml;r den Autohandel gedient. Zudem sei der Kl&auml;ger &#8211;wie von &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 AO gefordert&#8211; zu mehr als einem Viertel am Grund- oder Stammkapital der KG beteiligt gewesen. Seiner haftungsrechtlichen Inanspruchnahme stehe der Umstand nicht entgegen, dass er nicht selbst, sondern die A-KG erbbauberechtigt und damit Eigent&uuml;mer i.S. des &sect;&nbsp;74 AO gewesen sei. Denn an der A-KG seien ausschlie&szlig;lich der Kl&auml;ger und der ebenfalls in Haftung genommene K beteiligt gewesen. Somit liege im Streitfall die erforderliche Interessenparallelit&auml;t zwischen dem steuerschuldenden Unternehmen und dem Eigent&uuml;mer des &uuml;berlassenen Gegenstands vor. Im Streitfall h&auml;tten beide Haftungsschuldner in der A-KG den Willen zur Verwendung des Erbbaurechts als alleinigem Gesamthandsverm&ouml;gen der A-KG bestimmen k&ouml;nnen. Die angefochtenen Verwaltungsakte erwiesen sich zudem frei von Ermessensfehlern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision tritt der Kl&auml;ger der Auffassung des FG entgegen, im Streitfall seien die Voraussetzungen einer haftungsrechtlichen Inanspruchnahme nach &sect;&nbsp;74 AO erf&uuml;llt. Bei einem Erbbaurecht k&ouml;nne es sich nicht um einen dienenden Gegenstand i.S. des &sect;&nbsp;74 AO handeln. Nichtk&ouml;rperliche Wirtschaftsg&uuml;ter fielen nicht in den Anwendungsbereich dieser Vorschrift. Zudem habe das FG nicht beachtet, dass nur der Eigent&uuml;mer des einem Unternehmen &uuml;berlassenen Gegenstands hafte. Wie sich aus dem Grundbuch ergebe, sei Inhaber des Erbbaurechts und Eigent&uuml;mer i.S. von &sect;&nbsp;74 AO jedoch nicht er, der Kl&auml;ger, sondern die A-KG gewesen. Im Rahmen der Eigent&uuml;merhaftung komme es allein auf die zivilrechtliche Zuordnung des Gegenstands an. In Verkennung des Zwecks der in &sect;&nbsp;74 AO normierten Ausfallhaftung habe das FG dennoch eine Haftung des Kl&auml;gers angenommen. Die vom Bundesfinanzhof (BFH) in seiner Entscheidung vom 10.&nbsp;November 1983 V&nbsp;R&nbsp;18\/79 (BFHE 139, 242, BStBl II 1984, 127) entwickelten Grunds&auml;tze lie&szlig;en sich nicht auf den Streitfall &uuml;bertragen, da im Streitfall nicht alle Gesellschafter der A-KG auch an der KG beteiligt gewesen seien. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen habe das FG den Umstand nicht gew&uuml;rdigt, dass die verfahrensgegenst&auml;ndliche Umsatzsteuerschuld aus Dezember 2001 allein durch das wirtschaftliche Handeln des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters entstanden sei. Nach Bestellung des schwachen vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters habe der Kl&auml;ger keine M&ouml;glichkeit gehabt, die Nutzung des Grundst&uuml;cks zu verhindern. Einen objektiven Beitrag zur Unternehmensfortf&uuml;hrung habe er deshalb nicht leisten k&ouml;nnen. Deshalb fehle im Monat Dezember 2001 der Zurechnungszusammenhang zwischen der &Uuml;berlassung des Erbbaurechts und der entstandenen Umsatzsteuer. Im &Uuml;brigen k&ouml;nne im Streitfall in den haftenden Gegenstand nicht vollstreckt werden, da hierzu ein Vollstreckungstitel und ein Haftungsbescheid gegen die A-KG erforderlich seien. Nicht ausreichend sei ein Titel gegen die Gesellschafter einer KG. Anders k&ouml;nne die Rechtslage bei einer GbR sein, die im Streitfall jedoch nicht vorliege.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA schlie&szlig;t sich im Wesentlichen der Rechtsauffassung des FG an. Die Haftung nach &sect;&nbsp;74 AO erfasse auch einem Grundst&uuml;ck gleichstehende Rechte. Im Streitfall bestehe die Besonderheit, dass beide in Anspruch genommenen Haftungsschuldner wesentlich an einem Gesamthandsverm&ouml;gen beteiligt seien. Sie seien zu je 50&nbsp;% an der Komplement&auml;r-GmbH, die nicht am Verm&ouml;gen der KG beteiligt und infolgedessen nicht Inhaberin des Erbbaurechts sei, und an der KG beteiligt und k&ouml;nnten Einfluss auf die T&auml;tigkeit der Unternehmen nehmen. Die Bestellung eines vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters mit Zustimmungsvorbehalt hindere die Haftung nicht, denn dem Kl&auml;ger sei die Verf&uuml;gungsbefugnis nicht entzogen worden. Zudem sei die Umsatzsteuerschuld aus Dezember 2001 nicht durch Handlungen des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters entstanden; vielmehr sei sie nach einer Umsatzsteuersonderpr&uuml;fung festgesetzt worden, in deren Rahmen Berichtigungen nach &sect;&nbsp;17 des Umsatzsteuergesetzes vorgenommen worden seien. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des Kl&auml;gers ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die angefochtenen Haftungsbescheide sind rechtm&auml;&szlig;ig. Zu Recht hat das FG das der KG einger&auml;umte Erbbaurecht als einen im Miteigentum des Kl&auml;gers stehenden Gegenstand i.S. des &sect;&nbsp;74 AO angesehen, so dass die Voraussetzungen f&uuml;r eine Haftung nach &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;1 AO erf&uuml;llt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO haftet der Eigent&uuml;mer von Gegenst&auml;nden, die einem Unternehmen dienen, mit den &uuml;berlassenen Gegenst&auml;nden f&uuml;r diejenigen Steuern des Unternehmens, bei denen sich die Steuerpflicht auf den Betrieb des Unternehmens gr&uuml;ndet. Voraussetzung f&uuml;r die Haftung ist eine wesentliche Beteiligung an dem Unternehmen, die nach &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO dann vorliegt, wenn der Eigent&uuml;mer der Gegenst&auml;nde unmittelbar oder mittelbar zu mehr als einem Viertel am Grund- oder Stammkapital oder am Verm&ouml;gen des Unternehmens beteiligt ist. Diese Haftungsvoraussetzungen sind im Streitfall erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Im Streitfall ist der KG ein Erbbaurecht und somit ein Gegenstand i.S. des &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO &uuml;berlassen worden, der dem Unternehmen f&uuml;r seine wirtschaftliche Bet&auml;tigung gedient hat. Entgegen der Auffassung der Revision ist die Haftung des &sect;&nbsp;74 AO nicht nur auf k&ouml;rperliche Gegenst&auml;nde (Sachen) beschr&auml;nkt. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Frage, ob auch Rechte und Forderungen als Gegenst&auml;nde i.S. von &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO angesehen werden k&ouml;nnen, wird im Schrifttum unterschiedlich beantwortet. Mit der Begr&uuml;ndung, der in der Haftungsvorschrift verwendete Begriff des Eigent&uuml;mers werde regelm&auml;&szlig;ig nur im Zusammenhang mit k&ouml;rperlichen Sachen gebraucht, w&auml;hrend bei Rechten die Verwendung des Begriffs Inhaber &uuml;blich sei, und unter Hinweis auf den umfassenderen Begriff des Wirtschaftsguts in den &sect;&sect;&nbsp;39, 55 Abs.&nbsp;3, &sect;&nbsp;180 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3, &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;2 und &sect;&nbsp;271 AO wird die Auffassung vertreten, die in &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;1 AO normierte Ausfallhaftung beziehe sich nicht auf Forderungen und Rechte (M&ouml;sbauer, Die Haftung des Eigent&uuml;mers von Gegenst&auml;nden f&uuml;r Steuern des Unternehmens bei tats&auml;chlicher oder fiktiver wesentlicher Beteiligung, Deutsche Steuer-Zeitung 1996, 513; Nacke, Haftung im Steuerrecht, Rz&nbsp;457; Jest&auml;dt, Haftung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;74 AO und Betriebsaufspaltung, Deutsches Steuerrecht 1989, 243; Jatzke in Beermann\/Gosch, AO &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;7).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Andererseits wird im Schrifttum die Meinung vertreten, die in &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;1 AO angesprochenen Gegenst&auml;nde k&ouml;nnten nicht nur Sachen, sondern auch Rechte bzw. alle Wirtschaftsg&uuml;ter materieller und immaterieller Art sein (Klein\/R&uuml;sken, AO, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;9; Boeker in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;74 AO Rz 20; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;74 AO Rz&nbsp;5; Schwarz in Schwarz, AO, &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;4; Pahlke\/Koenig\/Intemann, Abgabenordnung, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;4; Blesinger, Haftung und Duldung im Steuerrecht, S.&nbsp;79).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach dem gew&ouml;hnlichen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff &quot;Gegenstand&quot; eine k&ouml;rperliche Sache, an der Eigentum und Besitz erlangt werden k&ouml;nnen. Ein solches &#8211;an zivilrechtlichen Vorgaben ausgerichtetes&#8211; Begriffsverst&auml;ndnis w&uuml;rde jedoch dem Sinn und Zweck des &sect;&nbsp;74 AO nicht gerecht. Im Gegensatz zu &sect;&nbsp;69 AO begr&uuml;ndet die Regelung eine verschuldensunabh&auml;ngige Ausfallhaftung, die auf &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;4 des Gewerbesteuerrahmengesetzes vom 30.&nbsp;Juni 1935 (RGBl I, S.&nbsp;830) zur&uuml;ckgeht und die sp&auml;ter in &sect;&nbsp;115 der Reichsabgabenordnung (RAO) &uuml;bernommen wurde. Anlass f&uuml;r die Einf&uuml;hrung des Haftungstatbestands war die Bef&uuml;rchtung, dass die Beitreibung einer Gewerbesteuerschuld gegen&uuml;ber einem Unternehmer sich deswegen als unm&ouml;glich erweisen k&ouml;nnte, weil alle pf&auml;ndbaren, dem Betrieb dienenden Gegenst&auml;nde einem anderen als dem Unternehmer geh&ouml;ren, insbesondere wenn der Unternehmer mit gepachteten Betriebsmitteln wirtschaftet (BFH-Urteil vom 27.&nbsp;Juni 1957 V&nbsp;298\/56&nbsp;U, BFHE 65, 122, BStBl III 1957, 279). In solchen F&auml;llen sollte eine Beitreibung der Steuerschuld wenigstens dann erm&ouml;glicht werden, wenn der Eigent&uuml;mer der dem Betrieb dienenden Gegenst&auml;nde wesentlich an dem Unternehmen beteiligt ist. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschr&auml;nkung der Haftung auf bestimmte Steuerverbindlichkeiten und auf die &uuml;berlassenen Gegenst&auml;nde deutet darauf hin, dass der eigentliche Grund der Haftung nicht die rechtliche Beteiligung am Unternehmen ist, sondern der objektive Beitrag, den der Gesellschafter durch die Bereitstellung von Gegenst&auml;nden, die dem Unternehmen dienen, f&uuml;r die Weiterf&uuml;hrung des Gewerbes leistet (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 14.&nbsp;Dezember 1966&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;496\/65, BVerfGE 21, 6, BStBl III 1967, 166; Senatsurteil vom 13.&nbsp;November 2007 VII&nbsp;R&nbsp;61\/06, BFHE 220, 289, BStBl II 2008, 790). Entscheidendes Kriterium ist die Parallelit&auml;t des &#8211;durch die wesentliche Beteiligung vermittelten&#8211; Einflusses auf die unternehmerische T&auml;tigkeit des Unternehmens und des Einsatzes des (eigenen) Verm&ouml;gens f&uuml;r diese T&auml;tigkeit (BFH-Urteil in BFHE 139, 242, BStBl II 1984, 127). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Aufgrund dieser Zielsetzung erscheint bei der Bestimmung des Gegenstands der Haftung i.S. des &sect;&nbsp;74 AO eine Differenzierung zwischen k&ouml;rperlichen Sachen und immateriellen Wirtschaftsg&uuml;tern jedenfalls dann nicht sachgerecht, wenn in solches Verm&ouml;gen vollstreckt werden kann. Denn in beiden F&auml;llen wird dem Unternehmen ein Wirtschaftsgut &uuml;berlassen, das die Aufnahme oder die Fortsetzung des Gesch&auml;ftsbetriebs erm&ouml;glicht und das einer Verwertung im Rahmen einer Zwangsvollstreckung zug&auml;nglich ist. Die M&ouml;glichkeit der Vollstreckung in ein Grundst&uuml;ck, z.B. durch die Eintragung einer Zwangshypothek oder durch Zwangsversteigerung, steht au&szlig;er Frage. Auch ein Erbbaurecht, d.h. das Recht auf oder unter der Oberfl&auml;che eines Grundst&uuml;cks ein Bauwerk zu haben, unterliegt als grundst&uuml;cks&auml;hnliche Berechtigung nach &sect;&nbsp;864 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung (ZPO) der Immobiliarvollstreckung. Nach &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 des Gesetzes &uuml;ber das Erbbaurecht (ErbbauRG) finden die sich auf Grundst&uuml;cke beziehenden Vorschriften mit Ausnahme der &sect;&sect;&nbsp;925, 927 und 928 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs sowie die Vorschriften &uuml;ber Anspr&uuml;che aus dem Eigentum grunds&auml;tzlich entsprechende Anwendung. Das auf Grund des Erbbaurechts errichtete Bauwerk gilt als wesentlicher Bestandteil des Erbbaurechts (&sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 ErbbauRG). Diese Vorschriften belegen die Ann&auml;herung des Erbbaurechts an das Recht eines Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mers. Es ist kein hinreichender Grund ersichtlich, warum ein an einem Unternehmen wesentlich Beteiligter, der die Aufnahme des Gesch&auml;ftsbetriebs durch Verpachtung eines Grundst&uuml;cks erm&ouml;glicht, der Haftung des &sect;&nbsp;74 AO unterliegt, w&auml;hrend ein ebenso Beteiligter, der den Bau eines Betriebsgeb&auml;udes und damit ebenfalls die Aufnahme des Gesch&auml;ftsbetriebs durch die Einr&auml;umung eines Erbbaurechts erm&ouml;glicht, nicht dem mit &sect;&nbsp;74 AO verbundenen Haftungsrisiko ausgesetzt sein sollte. Zumindest bei grundst&uuml;cks&auml;hnlichen Berechtigungen, wie z.B. dem Erbbaurecht, dem Bergwerkseigentum oder der Abbaugerechtigkeit, gebieten Sinn und Zweck der Ausfallhaftung eine Auslegung des Gegenstandsbegriffs des &sect;&nbsp;74 AO, die den Anwendungsbereich der Haftungsnorm auch auf solche Rechte erstreckt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Haftung nach &sect;&nbsp;74 AO ist nicht deshalb ausgeschlossen, weil das Erbbaurecht nicht dem Kl&auml;ger selbst, sondern der A-KG zustand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Haftung nach &sect;&nbsp;74 AO setzt voraus, dass der am Unternehmen wesentlich Beteiligte zugleich Eigent&uuml;mer des dem Unternehmen dienenden Gegenstands ist. Im Streitfall war nicht der Kl&auml;ger, sondern die A-KG erbbauberechtigt und als solche im Grundbuch eingetragen. Das Erbbaurecht befand sich somit im Gesamthandsverm&ouml;gen der A-KG. F&uuml;r den Fall der Zugeh&ouml;rigkeit des einem Unternehmen dienenden Gegenstands zu einem Gesamthandsverm&ouml;gen einer GbR hat der BFH zu &sect;&nbsp;115 RAO entschieden, dass dieser Umstand f&uuml;r die Haftung dann ohne Bedeutung ist, wenn Tr&auml;ger dieses Gesamthandsverm&ouml;gens nur die am Unternehmen wesentlich beteiligten Personen sind, weil diese Personen als Personengruppe die Gegenst&auml;nde zu Eigentum haben. Denn die haftungsbegr&uuml;ndende Interessenparallelit&auml;t k&ouml;nne nicht dahinter zur&uuml;ckstehen, dass ein Gegenstand dem Unternehmen diene, &uuml;ber den alle wesentlich beteiligten Gesellschafter des Unternehmens nur gemeinschaftlich verf&uuml;gen k&ouml;nnten (BFH-Urteil in BFHE 139, 242, BStBl II 1984, 127).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei dieser Betrachtung kann es nicht entscheidend auf die Rechtsform der Gesellschaft ankommen, in deren Verm&ouml;gen sich der dem Unternehmen &uuml;berlassene Gegenstand befindet. Ausschlaggebend ist vielmehr der Umstand, dass die Verf&uuml;gungsberechtigung ausschlie&szlig;lich bei Personen liegt, die &uuml;ber ihre jeweiligen Beteiligungen entscheidenden Einfluss auf die Gesellschaft aus&uuml;ben und &uuml;ber deren Wirtschaftsg&uuml;ter verf&uuml;gen k&ouml;nnen, so dass die &Uuml;berlassung eines Gegenstands an ein Unternehmen nur ihnen zugerechnet werden kann. Daher lassen sich die vom BFH f&uuml;r die GbR entwickelten Grunds&auml;tze unter bestimmten Umst&auml;nden auf eine KG &uuml;bertragen. Sind an einer solchen Gesellschaft als Kommanditisten und Gesellschafter der Komplement&auml;r-Gesellschaft ausschlie&szlig;lich Personen beteiligt, die eine wesentliche Beteiligung an dem Unternehmen halten, dem der Gegenstand &uuml;berlassen worden ist, bedarf es keiner zus&auml;tzlichen Beteiligung der Komplement&auml;r-Gesellschaft, um den Haftungstatbestand des &sect;&nbsp;74 AO zu erf&uuml;llen. Denn aufgrund der gesellschaftsrechtlichen und tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse sind die an der KG beteiligten nat&uuml;rlichen Personen jedenfalls als wirtschaftliche Eigent&uuml;mer des Gegenstands i.S. des &sect;&nbsp;74 AO anzusehen. Dies gilt erst recht, wenn der Gegenstand nicht im Eigentum der Komplement&auml;r-Gesellschaft, sondern im alleinigen Eigentum der Kommanditisten steht. Denn in diesem Fall decken sich die Anteile der Kommanditisten am Gesamthandsverm&ouml;gen mit den Anteilen am &uuml;berlassenen Gegenstand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den Feststellungen des FG war der Kl&auml;ger in mehrfacher Hinsicht an der A-KG beteiligt. Zum einen war er zusammen mit K als Kommanditist zu 50&nbsp;% an ihr beteiligt; zum anderen war er zusammen mit K auch zu 50&nbsp;% an der A-GmbH, der Komplement&auml;rin der A-KG, beteiligt. Das Gesamthandsverm&ouml;gen der A-KG bestand lediglich aus dem Erbbaurecht, das nur den Kommanditisten zustand; die A-GmbH hatte keinen eigenen Kapitalanteil. Wie bereits ausgef&uuml;hrt, sind bei dieser Fallkonstellation die in Haftung genommenen Kommanditisten als Eigent&uuml;mer des Erbbaurechts anzusehen, so dass die Haftungsvoraussetzungen des &sect;&nbsp;74 AO erf&uuml;llt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Erlass des angefochtenen Haftungsbescheids war nicht deshalb unzul&auml;ssig, weil auf dessen Grundlage keine Vollstreckung h&auml;tte erfolgen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie bereits ausgef&uuml;hrt, unterliegt ein Erbbaurecht als grundst&uuml;cks&auml;hnliche Berechtigung nach &sect;&nbsp;864 Abs.&nbsp;1 ZPO der Immobiliarvollstreckung. Im Streitfall ist die A-GmbH am Gegenstand der Vollstreckung nicht beteiligt; das Gesamthandsverm&ouml;gen steht ausschlie&szlig;lich den Kommanditisten der A-KG zu, die beide nach &sect;&nbsp;74 AO in Haftung genommen worden sind. Deren Anteile am Gesamthandsverm&ouml;gen sind pf&auml;ndbar, wobei sich die Haftung auf den Anteil des jeweiligen Haftungsschuldners an dem &uuml;berlassenen Gegenstand beschr&auml;nkt (Boeker in HHSp, &sect;&nbsp;74 AO Rz&nbsp;14). Zu Recht weist das FA darauf hin, dass im Falle einer Liquidation der A-KG das Erbbaurecht auf die beiden Haftungsschuldner aufgeteilt werden m&uuml;sste, so dass weitere Vollstreckungsm&ouml;glichkeiten er&ouml;ffnet w&uuml;rden. Wie der BFH mit Urteil vom 22.&nbsp;November 2011 VII&nbsp;R&nbsp;63\/10 (BFHE 235, 126, BStBl II 2012, 223) entschieden hat, erstreckt sich die Haftung des Eigent&uuml;mers nach &sect;&nbsp;74 AO nicht nur auf den &uuml;berlassenen Gegenstand, sondern sie erfasst auch in F&auml;llen der Weggabe oder des Verlustes von Gegenst&auml;nden nach der Haftungsinanspruchnahme die erlangten Surrogate. Somit w&uuml;rde sich die Haftung auch auf einen Anteil am Liquidationserl&ouml;s erstrecken. Bei diesem Befund ist die von der Revision behauptete Unzul&auml;ssigkeit einer haftungsrechtlichen Inanspruchnahme des Kl&auml;gers infolge einer gegenw&auml;rtigen oder zuk&uuml;nftigen Unm&ouml;glichkeit der Vollstreckung nicht ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Entgegen der Auffassung des Kl&auml;gers ist die Haftung f&uuml;r die Umsatzsteuer Dezember 2001 nicht dadurch entfallen, dass das AG am 16.&nbsp;Oktober 2001 nach &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 InsO einen vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter bestellt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Behauptung der Revision, infolge des Wegfalls der unternehmerischen Handlungsm&ouml;glichkeiten durch Bestellung des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters habe eine haftungsbegr&uuml;ndende Interessenparallelit&auml;t nicht mehr bestanden, trifft nicht zu. Nach wie vor hat der Kl&auml;ger durch die Einr&auml;umung des Erbbaurechts einen objektiven Beitrag zur Fortf&uuml;hrung der Gesch&auml;fte der KG erbracht, an der er auch weiterhin wesentlich beteiligt war. Aufgrund seiner Beteiligung bestanden auch weiterhin Einflussm&ouml;glichkeiten auf die T&auml;tigkeit der KG. Denn im Fall der Bestellung eines vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters ohne Anordnung eines allgemeinen Verf&uuml;gungsverbots (vgl. &sect;&nbsp;22 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 InsO) verbleibt die Verwaltungs- und Verf&uuml;gungsbefugnis wie auch die Prozessf&uuml;hrungsbefugnis beim Schuldner (Haarmeyer in M&uuml;nchener Kommentar zur Insolvenzordnung, Bd.&nbsp;1, &sect;&nbsp;22 Rz&nbsp;133, 184). Daran vermag auch der Zustimmungsvorbehalt nichts zu &auml;ndern. Denn der vorl&auml;ufige Insolvenzverwalter mit allgemeinem Zustimmungsvorbehalt kann nicht als Verm&ouml;gensverwalter i.S. von &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;3 AO angesehen werden (BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;Mai 2009 VII&nbsp;B&nbsp;156\/08, BFH\/NV 2009, 1591). Deshalb wird der Schuldner auch nicht aus seiner Pflichtenstellung verdr&auml;ngt, so dass die ihm obliegenden steuerlichen Pflichten nunmehr ausschlie&szlig;lich vom Insolvenzverwalter zu erf&uuml;llen w&auml;ren (vgl. Maus in Uhlenbruck, Insolvenzordnung, 12.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;22 Rz&nbsp;188, m.w.N.). Nach den Feststellungen des FG, gegen die der Kl&auml;ger keine Verfahrensr&uuml;gen erhoben hat und die infolgedessen nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO f&uuml;r den Senat bindend sind, sind s&auml;mtliche haftungsrelevanten Steueranspr&uuml;che vor der Insolvenzer&ouml;ffnung am 1.&nbsp;Januar 2002 entstanden. Zudem beruhen die Umsatzsteuernachforderungen f&uuml;r Dezember 2001 auf Vorsteuerberichtigungen wegen Zahlungsunf&auml;higkeit, die sich aufgrund einer im Februar 2002 durchgef&uuml;hrten Umsatzsteuersonderpr&uuml;fung ergaben. Die Behauptung des Kl&auml;gers, die Umsatzsteuerschuld aus Dezember 2001 habe der vorl&auml;ufige Insolvenzverwalter durch eigenes wirtschaftliches Handeln zur Entstehung gebracht, findet damit keine St&uuml;tze in den tatrichterlichen Feststellungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.5.2012, VII R 28\/10 Haftung des Eigent&uuml;mers nach &sect; 74 AO erfasst auch grundst&uuml;cksgleiche Rechte &#8211; Keine Beschr&auml;nkung auf k&ouml;rperliche Gegenst&auml;nde &#8211; Haftungsbegr&uuml;ndende Interessenparallelit&auml;t bei gemeinschaftlicher Verf&uuml;gungsberechtigung &#8211; Zul&auml;ssigkeit des Erlasses eines Haftungsbescheids Leits&auml;tze 1. 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