{"id":8383,"date":"2012-12-05T04:21:45","date_gmt":"2012-12-05T02:21:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8383"},"modified":"2012-12-05T04:21:45","modified_gmt":"2012-12-05T02:21:45","slug":"iii-b-223-11-keine-genuegende-entschuldigung-eines-im-termin-ausgebliebenen-zeugen-durch-privataerztliches-attest-ueber-arbeitsunfaehigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-223-11-keine-genuegende-entschuldigung-eines-im-termin-ausgebliebenen-zeugen-durch-privataerztliches-attest-ueber-arbeitsunfaehigkeit\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;223\/11 &#8211; Keine gen&uuml;gende Entschuldigung eines im Termin ausgebliebenen Zeugen durch privat&auml;rztliches Attest &uuml;ber Arbeitsunf&auml;higkeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 10.5.2012, III B 223\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine gen&uuml;gende Entschuldigung eines im Termin ausgebliebenen Zeugen durch privat&auml;rztliches Attest &uuml;ber Arbeitsunf&auml;higkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger im Verfahren 15&nbsp;K&nbsp;3954\/10&nbsp;Kg wandte sich gegen die von der beklagten Familienkasse vorgenommene Aufhebung einer Kindergeldfestsetzung und die R&uuml;ckforderung &uuml;berzahlten Kindergeldes. Der Beschwerdef&uuml;hrer, ein Rechtsanwalt, wurde zu der vom Finanzgericht (FG) f&uuml;r den 14.&nbsp;November 2011 anberaumten m&uuml;ndlichen Verhandlung als Zeuge geladen, erschien zu diesem Termin jedoch nicht. Am 15.&nbsp;November 2011 ging beim FG ein Telefax vom 14.&nbsp;November 2011 eines beim Beschwerdef&uuml;hrer t&auml;tigen Assessors ein, in dem mitgeteilt wurde, dass der Beschwerdef&uuml;hrer wegen einer Erkrankung nicht in der Lage gewesen sei, den Zeugentermin wahrzunehmen. Dem Telefax war ein &auml;rztliches Attest beigef&uuml;gt, aus dem sich ergibt, dass beim Beschwerdef&uuml;hrer am 7.&nbsp;November 2011 eine seit 4.&nbsp;November 2011 bestehende und voraussichtlich bis 20.&nbsp;November 2011 andauernde Arbeitsunf&auml;higkeit festgestellt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschluss vom 16.&nbsp;November 2011 legte das FG dem Beschwerdef&uuml;hrer die durch sein Ausbleiben im Termin verursachten Kosten auf und setzte ein Ordnungsgeld in H&ouml;he von 150&nbsp;EUR, ersatzweise Ordnungshaft von drei Tagen fest. Zur Begr&uuml;ndung verwies es u.a. darauf, dass dem Beschwerdef&uuml;hrer seine Verhinderung bereits einige Zeit vor dem Termin bekannt gewesen sei, er diese dem Gericht aber erst nach Durchf&uuml;hrung des Termins mitgeteilt habe und nun eine Vertagung notwendig geworden sei. Mit ebenfalls am 16.&nbsp;November 2011 ergangenem Beschluss vertagte das FG das Verfahren zum Zwecke der Beweisaufnahme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der vorliegenden Beschwerde macht der Beschwerdef&uuml;hrer im Wesentlichen geltend, dass er krankheitsbedingt nicht in der Lage gewesen sei, seine Termine in der Kanzlei zu &uuml;berpr&uuml;fen. Deshalb habe er einen freien Mitarbeiter beauftragt, mit Hilfe des vorliegenden Attestes anstehende Gerichtstermine abzusagen, was auch geschehen sei. Insoweit legte der Beschwerdef&uuml;hrer eine eidesstattliche Versicherung des freien Mitarbeiters vor, wonach vers&auml;umt worden sei, die Terminabsagen f&uuml;r den 14. und 15.&nbsp;November 2011 rechtzeitig zu versenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat der Beschwerde nicht abgeholfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;132 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einem ordnungsgem&auml;&szlig; geladenen Zeugen, der nicht erscheint, werden die durch sein Ausbleiben verursachten Kosten auferlegt, zugleich wird gegen ihn ein Ordnungsgeld und f&uuml;r den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, Ordnungshaft festgesetzt (&sect;&nbsp;82 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;380 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;). Die Festsetzung eines Ordnungsmittels und die Auferlegung der Kosten unterbleiben, wenn der Zeuge sein Ausbleiben rechtzeitig gen&uuml;gend entschuldigt (&sect;&nbsp;82 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;381 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ZPO). Erfolgt die gen&uuml;gende Entschuldigung nachtr&auml;glich, so werden die gegen den Zeugen getroffenen Anordnungen unter den Voraussetzungen des &sect;&nbsp;381 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 ZPO wieder aufgehoben (&sect;&nbsp;82 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;381 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 ZPO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Beschwerdef&uuml;hrer war vom FG ordnungsgem&auml;&szlig; zum Termin geladen worden, da ihm die Ladung rechtzeitig und mit dem in &sect;&nbsp;82 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;377 Abs.&nbsp;2 ZPO vorgeschriebenen Inhalt &uuml;bermittelt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Beschwerdef&uuml;hrer hat weder vor dem Termin zur Beweisaufnahme noch nachtr&auml;glich Gr&uuml;nde vorgetragen, die ihn von der Verpflichtung zum Erscheinen entbunden h&auml;tten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung erfordert eine gen&uuml;gende Entschuldigung, die ein Ausbleiben im Beweistermin als nicht pflichtwidrig erscheinen l&auml;sst, schwerwiegende Gr&uuml;nde (vgl. Senatsbeschluss vom 27.&nbsp;Juni 2002 III&nbsp;B&nbsp;162\/01, BFH\/NV 2002, 1335, m.w.N.). Als derartige Entschuldigungsgr&uuml;nde werden nur &auml;u&szlig;ere Ereignisse anerkannt, die den Zeugen ohne sein Zutun von der Wahrnehmung des Termins abgehalten haben, wie z.B. eine Betriebsst&ouml;rung von Verkehrsmitteln, eine eigene Erkrankung oder eine schwere Erkrankung eines n&auml;chsten Angeh&ouml;rigen. Selbst die Dauererkrankung eines Zeugen vermag sein Ausbleiben jedoch nur dann gen&uuml;gend zu entschuldigen, wenn ihm dadurch ein Erscheinen vor Gericht unzumutbar wird (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 14.&nbsp;Januar 1998 II&nbsp;B&nbsp;34\/97, BFH\/NV 1998, 864). Der durch ein privat&auml;rztliches Attest belegte Umstand, der Zeuge sei am Verhandlungstag arbeitsunf&auml;hig gewesen, gen&uuml;gt daf&uuml;r nicht (vgl. BFH-Beschluss vom 16.&nbsp;Dezember 2005 VIII&nbsp;B&nbsp;204\/05, BFH\/NV 2006, 771), denn ein arbeitsunf&auml;higer Zeuge kann gleichwohl verhandlungs- und reisef&auml;hig sein. Es obliegt nicht den Gerichten, dem s&auml;umigen Zeugen die Reise- und Verhandlungsf&auml;higkeit nachzuweisen. Vielmehr muss sich der Zeuge seinerseits hinreichend entschuldigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da der Beschwerdef&uuml;hrer danach sein Ausbleiben im Termin nur durch eine &#8211;insoweit nicht ausreichende&#8211; privat&auml;rztlich bescheinigte Arbeitsunf&auml;higkeit entschuldigt hat, kommt es auf die weiteren Fragen, ob die Bescheinigung noch rechtzeitig oder nur aus nicht zu vertretenden Umst&auml;nden versp&auml;tet vorgelegt wurde, nicht mehr an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Das FG hat die H&ouml;he des Ordnungsgeldes nach pflichtgem&auml;&szlig;em Ermessen zu bestimmen und dabei insbesondere die Bedeutung der Rechtssache, die Bedeutung der Zeugenaussage f&uuml;r die Entscheidung sowie die Schwere der Pflichtverletzung und die wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse des Zeugen zu ber&uuml;cksichtigen (z.B. BFH-Beschluss vom 8.&nbsp;November 2006 VI&nbsp;B&nbsp;62\/06, BFH\/NV 2007, 468).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die H&ouml;he des vom FG festgesetzten Ordnungsgeldes und der ersatzweise angeordneten Ordnungshaft liegt mit 150&nbsp;EUR bzw. drei Tagen jeweils im unteren Bereich des in Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 bzw. Abs.&nbsp;2 des Einf&uuml;hrungsgesetzes zum Strafgesetzbuch vorgegebenen Rahmens von 5&nbsp;EUR bis 1.000&nbsp;EUR bzw. einem Tag bis sechs Wochen. Sie ist angesichts des Umstands, dass das Nichterscheinen des Beschwerdef&uuml;hrers als eines aus der Sicht des FG f&uuml;r die Entscheidung des Verfahrens wesentlichen Zeugen eine Vertagung des Rechtsstreits erforderlich machte, nicht unangemessen (vgl. Senatsbeschluss in BFH\/NV 2002, 1335). Auch der Beschwerdef&uuml;hrer hat keine Umst&auml;nde vorgetragen, die eine Herabsetzung des Ordnungsgeldes rechtfertigen k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 10.5.2012, III B 223\/11 Keine gen&uuml;gende Entschuldigung eines im Termin ausgebliebenen Zeugen durch privat&auml;rztliches Attest &uuml;ber Arbeitsunf&auml;higkeit Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger im Verfahren 15&nbsp;K&nbsp;3954\/10&nbsp;Kg wandte sich gegen die von der beklagten Familienkasse vorgenommene Aufhebung einer Kindergeldfestsetzung und die R&uuml;ckforderung &uuml;berzahlten Kindergeldes. 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