{"id":8384,"date":"2012-12-05T04:04:28","date_gmt":"2012-12-05T02:04:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8384"},"modified":"2012-12-05T04:04:28","modified_gmt":"2012-12-05T02:04:28","slug":"vii-b-191-11-wirksamkeit-eines-bescheids-trotz-unrichtiger-adressierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-191-11-wirksamkeit-eines-bescheids-trotz-unrichtiger-adressierung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;191\/11 &#8211; Wirksamkeit eines Bescheids trotz unrichtiger Adressierung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.3.2012, VII B 191\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Wirksamkeit eines Bescheids trotz unrichtiger Adressierung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Bei den Veranlagungen des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) zur Einkommensteuer f&uuml;r die Jahre 1988 bis 1990 wurden vom Kl&auml;ger aus einer Beteiligung an einer KG erzielte Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb ber&uuml;cksichtigt. Aufgrund einer Betriebspr&uuml;fung bei der KG ergaben sich h&ouml;here Gewinne des Kl&auml;gers, die im November 1993 zu &Auml;nderungsbescheiden f&uuml;hrten, gegen die der Kl&auml;ger jeweils Einspruch einlegte. In einem daraufhin an den Kl&auml;ger gerichteten Schreiben des seinerzeit zust&auml;ndigen Finanzamts vom 23.&nbsp;Dezember 1993 hie&szlig; es: &quot;F&uuml;r die Abschlusszahlung Einkommensteuer 1988 bis 1990 wurde Aussetzung der Vollziehung (AdV), f&uuml;r Einkommensteuer 1991 Stundung bis zum 31.12.1993 gew&auml;hrt.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Klage gegen die gesonderte und einheitliche Feststellung der Eink&uuml;nfte der KG f&uuml;r die Jahre 1988 bis 1990 abgewiesen worden war, hob der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im April 2007 die AdV der Einkommensteuerbescheide 1988 bis 1990 auf und wies die gegen diese gerichteten Einspr&uuml;che im Juni 2007 zur&uuml;ck. Auf den Einwand des Kl&auml;gers, die Anspr&uuml;che seien verj&auml;hrt, erlie&szlig; das FA einen Abrechnungsbescheid, der die Steueranspr&uuml;che 1988 bis 1990 zuz&uuml;glich Zinsen als nicht verj&auml;hrt auswies.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) ab. Der angefochtene Abrechnungsbescheid sei nicht wegen des unzutreffend wiedergegebenen Nachnamens des Kl&auml;gers nichtig, weil es sich insoweit um ein blo&szlig;es Versehen handele und sich der Inhaltsadressat des Bescheids im Wege der Auslegung zweifelsfrei bestimmen lasse. Der Bescheid sei auch rechtm&auml;&szlig;ig, denn die Steueranspr&uuml;che seien nicht verj&auml;hrt. Die Verj&auml;hrungsfrist sei durch die gew&auml;hrte AdV bis zu deren Ende im Jahr 2007 unterbrochen worden. Anders als der Kl&auml;ger meine, ergebe sich aus dem Schreiben vom 23.&nbsp;Dezember 1993 nicht, dass die AdV bis zum 31.&nbsp;Dezember 1993 befristet gewesen sei. Die Steueranspr&uuml;che seien auch nicht verwirkt. Es fehle sowohl an einem Vertrauenstatbestand als auch an einer Vertrauensfolge.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Nichtzulassungsbeschwerde des Kl&auml;gers, welche er auf die Zulassungsgr&uuml;nde der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache, der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung sowie des Verfahrensmangels (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1, 2 und 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) st&uuml;tzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg, weil die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde schon nicht schl&uuml;ssig dargelegt sind, wie es &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO verlangt, jedenfalls aber nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Bei den seitens der Beschwerde bezeichneten Fragen, ob ein an einen anderen Adressaten als den in der Sache betroffenen Steuerschuldner gerichteter Bescheid unwirksam ist und unter welchen Voraussetzungen die Auslegung eines Bescheids hinsichtlich seines Adressaten in Betracht kommt, handelt es sich nicht um grunds&auml;tzlich kl&auml;rungsbed&uuml;rftige Rechtsfragen. Auf den Umstand, dass es im &Uuml;brigen an jeglichen substantiierten Darlegungen der Beschwerde zur Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit dieser Fragen sowie ihrer &uuml;ber den Einzelfall hinausgehenden Bedeutung fehlt, muss daher nicht n&auml;her eingegangen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es kann als in Rechtsprechung und Literatur gekl&auml;rt angesehen werden, dass ein Verwaltungsakt nichtig ist, der an einen falschen oder nicht existierenden Adressaten gerichtet ist, dass jedoch ein lediglich falsch geschriebener Name des Adressaten nicht zur Nichtigkeit des Verwaltungsakts f&uuml;hrt, sofern der Adressat durch Auslegung anhand der den Betroffenen bekannten Umst&auml;nde hinreichend sicher bestimmt werden kann (vgl. z.B. Klein\/Brockmeyer, AO, 10.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;119 Rz&nbsp;18, &sect;&nbsp;125 Rz&nbsp;4; und Urteil des Bundesfinanzhofs vom 13.&nbsp;Dezember 2007 IV&nbsp;R&nbsp;91\/05, BFH\/NV 2008, 1289). Aus den von der Beschwerde angef&uuml;hrten Entscheidungen verschiedener Finanzgerichte ergibt sich nichts anderes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FG im Streitfall die Ansicht vertreten hat, angesichts des dem Abrechnungsbescheid vorangegangenen Schriftverkehrs, in dem stets der richtige Name und die zutreffende Steuernummer des Kl&auml;gers angegeben worden sei, sei die Verwendung der in drei Buchstaben unzutreffenden Namenswiedergabe des Kl&auml;gers im angefochtenen Abrechnungsbescheid ein offensichtliches blo&szlig;es Versehen, welches insbesondere in Anbetracht der Bezugnahme auf den zuvor gestellten Antrag auf Erteilung eines Abrechnungsbescheids sowie des unverz&uuml;glich im Namen des Kl&auml;gers erhobenen Einspruchs gegen diesen Bescheid, zu keinerlei Unklarheit &uuml;ber die Person des Adressaten des Abrechnungsbescheids gef&uuml;hrt habe, handelt es sich um eine tats&auml;chliche W&uuml;rdigung der Umst&auml;nde des Einzelfalls durch das FG, die zu keinen kl&auml;rungsbed&uuml;rftigen Rechtsfragen f&uuml;hrt und auch keine rechtliche Abweichung von Entscheidungen anderer Finanzgerichte darstellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das Gleiche gilt, soweit das FG entschieden hat, das Schreiben des fr&uuml;heren FA vom 23.&nbsp;Dezember 1993 sei nicht mehrdeutig, sondern eindeutig dahin zu verstehen, dass mit diesem Schreiben die AdV unbefristet gew&auml;hrt worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Auch der ger&uuml;gte Verfahrensmangel in Gestalt der Verletzung der dem FG obliegenden Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 FGO) hinsichtlich der seitens des Kl&auml;gers geltend gemachten Verwirkung der Steueranspr&uuml;che liegt nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat insoweit zum einen die Auffassung vertreten, allein das Unt&auml;tigbleiben des FA begr&uuml;nde kein zur Verwirkung des Anspruchs f&uuml;hrendes begr&uuml;ndetes Vertrauen des Steuerschuldners, nicht mehr in Anspruch genommen zu werden, und hat zum anderen das Vorbringen des Kl&auml;gers, im Vertrauen auf die Nichtgeltendmachung des Steueranspruchs nicht mehr r&uuml;ckg&auml;ngig zu machende Ma&szlig;nahmen getroffen zu haben, als zu pauschal angesehen. Vor diesem Hintergrund der &#8211;insoweit ma&szlig;gebenden&#8211; Rechtsauffassung des FG musste sich ihm die Vernehmung des Kl&auml;gers als Partei zu den angeblich getroffenen Verm&ouml;gensdispositionen nicht aufdr&auml;ngen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.3.2012, VII B 191\/11 Wirksamkeit eines Bescheids trotz unrichtiger Adressierung Tatbestand 1&nbsp; I. Bei den Veranlagungen des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) zur Einkommensteuer f&uuml;r die Jahre 1988 bis 1990 wurden vom Kl&auml;ger aus einer Beteiligung an einer KG erzielte Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb ber&uuml;cksichtigt. 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