{"id":8407,"date":"2012-12-05T04:18:52","date_gmt":"2012-12-05T02:18:52","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8407"},"modified":"2012-12-05T04:18:52","modified_gmt":"2012-12-05T02:18:52","slug":"vii-b-3-12-verschiebung-eines-verhandlungstermins-um-einige-stunden-keine-terminsaufhebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-3-12-verschiebung-eines-verhandlungstermins-um-einige-stunden-keine-terminsaufhebung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;3\/12 &#8211; Verschiebung eines Verhandlungstermins um einige Stunden keine Terminsaufhebung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.5.2012, VII B 3\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Verschiebung eines Verhandlungstermins um einige Stunden keine Terminsaufhebung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Nach mehreren erfolglosen Vollstreckungsversuchen forderte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) den Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) aufgrund erheblicher Steuerschulden zur Vorlage eines Verm&ouml;gensverzeichnisses und zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung auf. Nach erfolglosem Einspruch erhob der Kl&auml;ger Klage, die er mit der krankheitsbedingten Unzumutbarkeit der Abgabe der eidesstattlichen Versicherung begr&uuml;ndete. Wie aus der Bescheinigung einer Augenklinik hervorgehe, sei er an einer rezidivierenden Hornhautentz&uuml;ndung erkrankt. Diese Erkrankung trete bei akuten Stresssituationen auf und k&ouml;nne zur Erblindung f&uuml;hren. Das Finanzgericht (FG) bestimmte den 16. November 2011 als Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung. Mit Fax vom 10. November 2011 bat der Kl&auml;ger unter Hinweis auf einen Termin vor dem Arbeitsgericht am 16. November ab 9 Uhr um Aufhebung des Termins. Mit Schreiben vom 11. November 2011 verlegte das FG den anberaumten Termin von 10 Uhr auf 12:30 Uhr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am Tag der m&uuml;ndlichen Verhandlung ging ein Schreiben des Sozius des Kl&auml;gers vom 15. November 2011 beim beschlie&szlig;enden Senat des FG ein, in dem dieser ebenfalls die Aufhebung des Termins beantragte. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte der Prozessbevollm&auml;chtigte an, dass sich der Kl&auml;ger noch am 15. November 2011 in die Augenklinik begeben habe und bis zum 22. November 2011 arbeitsunf&auml;hig sei. Er, der Sozius, selbst sei aufgrund eines anderen Gerichtstermins an der Teilnahme an der m&uuml;ndlichen Verhandlung verhindert. Das FG entsprach dem Antrag auf Terminsaufhebung nicht, sondern wies die Klage als unbegr&uuml;ndet ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde wendet sich der Kl&auml;ger gegen die Nichtzulassung der Revision. Zur Begr&uuml;ndung beruft er sich auf eine Verletzung des in &sect; 76 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) festgelegten Amtsermittlungsgrundsatzes sowie des Anspruchs auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs. Die Verlegung des Termins zur m&uuml;ndlichen Verhandlung von urspr&uuml;nglich 10 Uhr auf 12:30 Uhr stelle eine Terminsaufhebung dar. Somit h&auml;tte das FG die in &sect; 91 FGO festgelegte Ladungsfrist von mindestens zwei Wochen erneut einhalten m&uuml;ssen. Dies sei jedoch nicht geschehen. Zudem h&auml;tte das FG ein Gutachten &uuml;ber den Gesundheitszustand des Kl&auml;gers einholen m&uuml;ssen und nicht ohne seine Anwesenheit verhandeln d&uuml;rfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Ungeachtet der M&auml;ngel in der nach &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO erforderlichen Darlegung der Gr&uuml;nde f&uuml;r die Zulassung der Revision liegen die von der Beschwerde geltend gemachten Verfahrensfehler jedenfalls nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Entgegen der Auffassung der Beschwerde stellt die Verschiebung des Verhandlungstermins von 10 Uhr auf 12:30 Uhr keine Terminsaufhebung dar, die eine erneute Ladung unter Beachtung der Ladungsfrist des &sect; 91 FGO erforderlich gemacht h&auml;tte. Denn der Zweck der Ladungsfrist, den Beteiligten ausreichend Zeit zur Vorbereitung der Verhandlung einzur&auml;umen, wird durch die blo&szlig;e &Auml;nderung der Uhrzeit nicht beeintr&auml;chtigt (St&ouml;cker in Beermann\/Gosch, FGO, &sect; 91 Rz 63, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Verletzung des Geh&ouml;rsanspruchs aus Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes liegt nicht deshalb vor, weil das FG das vorgelegte Attest nicht zum Anlass einer Terminsaufhebung genommen hat. Die Arbeitsunf&auml;higkeitsbescheinigung enth&auml;lt als Diagnose lediglich die Angabe &quot;V.a. H 16.0&quot;. Ein konkretes Krankheitsbild l&auml;sst sich daraus nicht ersehen. Zumindest bei unmittelbar vor dem Termin eingereichten &auml;rztlichen Attesten ist zu verlangen, dass diese die Diagnose unverschl&uuml;sselt ausweisen (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29. September 2011 IV B 122\/09, BFH\/NV 2012, 419). Aufgrund der im Streitfall gemachten Angaben war es dem FG nicht m&ouml;glich, die Art und Schwere der Erkrankung nachzuvollziehen. Nach st&auml;ndiger BFH-Rechtsprechung m&uuml;ssen die Ausf&uuml;hrungen in einem &auml;rztlichen Attest das Gericht in die Lage versetzen, selbst zu beurteilen, ob aufgrund der Schwere der Erkrankung ein erheblicher Grund vorliegt, der zur Verhandlungsunf&auml;higkeit f&uuml;hrt (BFH-Beschl&uuml;sse vom 3. August 2005 II B 47\/04, BFH\/NV 2005, 2041, und vom 23. Oktober 2002 III B 167\/01, BFH\/NV 2003, 80). Diesen Anforderungen gen&uuml;gt die vom Kl&auml;ger vorgelegte Bescheinigung nicht. Im &Uuml;brigen &uuml;bersieht er, dass das FG die Terminsverlegung &#8211;abgesehen vom Inhalt des vorgelegten Attests&#8211; zus&auml;tzlich damit begr&uuml;ndet hat, er habe angesichts der seit geraumer Zeit bestehenden chronischen Erkrankung Vorsorge f&uuml;r die Wahrnehmung des Termins durch Bestellung eines Bevollm&auml;chtigten treffen m&uuml;ssen, was er aber nicht dargelegt habe. Dem zus&auml;tzlichen Verlegungsantrag des Sozius hat das FG insoweit keine Bedeutung beigemessen. Diese schl&uuml;ssige Begr&uuml;ndung des FG hat der Kl&auml;ger mit seiner Beschwerde nicht angegriffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Soweit der Kl&auml;ger beanstandet, das FG habe keinen sachverst&auml;ndigen Gutachter mit der Bewertung der vorgelegten Unterlagen beauftragt, legt die Beschwerde nicht hinreichend dar, warum sich die Notwendigkeit der Begutachtung durch einen Sachverst&auml;ndigen dem FG h&auml;tte von Amts wegen aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen. Denn die Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens liegt im pflichtgem&auml;&szlig;en Ermessen des Gerichts (BFH-Beschluss vom 16. Juni 2005 IV B 187\/03, BFH\/NV 2005, 2015). Ausweislich der Urteilsbegr&uuml;ndung hat das FG das vom Kl&auml;ger als ausf&uuml;hrlich bezeichnete Gutachten zur Kenntnis genommen und dahingehend gew&uuml;rdigt, die darin getroffenen Feststellungen seien zu pauschal, um feststellen zu k&ouml;nnen, dass gerade die Abgabe der eidesstattlichen Versicherung zu einer konkreten und unmittelbar vorliegenden Gesundheitsgef&auml;hrdung f&uuml;hren kann. Auch hat das FG darauf hingewiesen, dass der Kl&auml;ger seine T&auml;tigkeit als Rechtsanwalt &#8211;einschlie&szlig;lich der Wahrnehmung von Gerichtsterminen&#8211; weiterhin auszu&uuml;ben in der Lage ist. Aus der Sicht des FG musste es keinen Sachverst&auml;ndigen mit der Bewertung der als unzureichend empfundenen Feststellungen beauftragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.5.2012, VII B 3\/12 Verschiebung eines Verhandlungstermins um einige Stunden keine Terminsaufhebung Tatbestand 1&nbsp; I. 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