{"id":8416,"date":"2012-12-05T04:10:01","date_gmt":"2012-12-05T02:10:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8416"},"modified":"2012-12-05T04:10:01","modified_gmt":"2012-12-05T02:10:01","slug":"i-r-63-11-eroerterung-im-einspruchsverfahren-fehlendes-rechtsschutzinteresse-einer-verpflichtungsklage-ablehnung-eines-antrags-auf-eroerterung-des-sach-und-rechtsstands-gemaess-par-364a-ao-als-verwalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-63-11-eroerterung-im-einspruchsverfahren-fehlendes-rechtsschutzinteresse-einer-verpflichtungsklage-ablehnung-eines-antrags-auf-eroerterung-des-sach-und-rechtsstands-gemaess-par-364a-ao-als-verwalt\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;63\/11 &#8211; Er&ouml;rterung im Einspruchsverfahren: Fehlendes Rechtsschutzinteresse einer Verpflichtungsklage &#8211; Ablehnung eines Antrags auf Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO als Verwaltungsakt &#8211; unzul&auml;ssige Erweiterung des Klagebegehrens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.4.2012, I R 63\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Er&ouml;rterung im Einspruchsverfahren: Fehlendes Rechtsschutzinteresse einer Verpflichtungsklage &#8211; Ablehnung eines Antrags auf Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO als Verwaltungsakt &#8211; unzul&auml;ssige Erweiterung des Klagebegehrens<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Lehnt das FA eine Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO ab, ist eine hiergegen erhobene Klage wegen fehlenden Rechtsschutzinteresses unzul&auml;ssig.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, hat mit Schreiben vom 23. Dezember 2010 w&auml;hrend des beim Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) anh&auml;ngigen Einspruchsverfahrens um eine Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands nach &sect; 364a der Abgabenordnung (AO) gebeten. Das Gespr&auml;ch sollte &#8211;ggf. in Verbindung mit einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung&#8211; der g&uuml;tlichen Einigung dienen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte den Antrag mit Schreiben vom 13. Januar 2011 ab und verwies hierbei darauf, dass es im Hinblick auf das erfolglos gebliebene gerichtliche Aussetzungsverfahren keine M&ouml;glichkeit einer Verst&auml;ndigung sehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf den Einspruch der Kl&auml;gerin vom 14. Januar 2011 nahm das FA mit Schreiben vom 11. Februar 2011 dahin Stellung, dass die Ablehnung eines Antrags auf Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands Verwaltungsaktcharakter habe, aber als verfahrensleitende Verf&uuml;gung entsprechend dem Ablehnungszweck nicht anfechtbar sei. Insoweit werde das Schreiben vom 14. Januar 2011 nicht als Einspruch behandelt. In der Sache verbleibe es aber bei der Ablehnung des Er&ouml;rterungsantrags. Zwar solle dem Antrag auf Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands gem&auml;&szlig; &sect; 364a Abs. 1 Satz 1 AO grunds&auml;tzlich entsprochen werden; im Streitfall diene er jedoch offensichtlich nur der Verfahrensverschleppung. Das FA hat insofern u.a. darauf hingewiesen, dass die Kl&auml;gerin die Zeit des gerichtlichen Aussetzungsverfahrens (M&auml;rz bis November 2010) f&uuml;r solche Gespr&auml;che nicht genutzt und es nunmehr unterlassen habe, wenigstens einige Punkte aus dem umfangreichen Streitstoff als Gespr&auml;chsgegenstand zu benennen. Eine sinnvolle Vorbereitung des Gespr&auml;chs sei damit nicht m&ouml;glich. Auch sei angesichts des bisherigen Verhaltens der Kl&auml;gerin zu besorgen gewesen, dass es bei einem Er&ouml;rterungstermin nicht bleiben w&uuml;rde. Bei Abw&auml;gung des Rechtsschutzinteresses der Kl&auml;gerin mit dem Interesse der Verwaltung an einem raschen Abschluss des Einspruchsverfahrens sei Letzterem der Vorrang einzur&auml;umen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage, mit der die Kl&auml;gerin beantragte, das von ihr als Einspruchsentscheidung aufgefasste Schreiben vom 11. Februar 2011 aufzuheben und das FA zu verpflichten, &uuml;ber den Einspruch vom 14. Januar 2011 in der Sache zu entscheiden, ist vom Finanzgericht (FG) abgewiesen worden (FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 17. August 2011&nbsp;&nbsp;12 K 12033\/11, Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 2122).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der vom FG zugelassenen Revision beantragt die Kl&auml;gerin sinngem&auml;&szlig;, das vorinstanzliche Urteil sowie die Ablehnung des Antrags vom 13. Januar 2011 und die Einspruchsentscheidung vom 11. Februar 2011 aufzuheben und das FA zu verpflichten, einen Termin zur Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands anzuberaumen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision bleibt ohne Erfolg. Sie ist zum Teil unzul&auml;ssig, im &Uuml;brigen unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Revision ist unzul&auml;ssig, soweit die Kl&auml;gerin den Revisionsantrag &uuml;ber den Inhalt ihres Klageantrags hinaus erweitert hat. Eine Erweiterung des Klagebegehrens ist im Revisionsverfahren ausgeschlossen, weil es hinsichtlich des hinzugekommenen Teils an einer vorinstanzlichen Entscheidung und damit zugleich an einer formellen Beschwer des Revisionskl&auml;gers fehlt (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect; 123 Rz 2).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Kl&auml;gerin hatte im erstinstanzlichen Verfahren beantragt, die Einspruchsentscheidung vom 11. Februar 2011 aufzuheben und das FA zu verpflichten, &uuml;ber ihren Einspruch vom 14. Januar 2011 in der Sache zu entscheiden. Mit dem Antrag, der vom Revisionsgericht eigenst&auml;ndig ausgelegt werden kann (Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect; 118 FGO Rz 190; Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 118 Rz 48, jeweils m.w.N.), wollte die Kl&auml;gerin erkennbar einen sog. Bescheidungsausspruch des Inhalts erreichen, dass das FA sein in &sect; 364a AO einger&auml;umtes Ermessen unter Beachtung der Rechtsauffassung des FG erneut aus&uuml;bt und die Kl&auml;gerin auf dieser rechtlichen Grundlage erneut bescheidet (&sect; 101 Satz 2 i.V.m. &sect; 102 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Hiergegen l&auml;sst sich nicht einwenden, dass nach dem Wortlaut des Klageantrags nur die Einspruchsentscheidung, nicht hingegen der zun&auml;chst ergangene ablehnende Bescheid vom 13. Januar 2011 aufgehoben werden sollte. Dem ist &#8211;bei der gebotenen Auslegung des Antrags&#8211; nicht nur im Hinblick auf die erkennbare Interessenlage der Kl&auml;gerin, sondern auch mit R&uuml;cksicht darauf keine Bedeutung beizumessen, dass das Verpflichtungsbegehren (hier: Bescheidungsbegehren) die Aufhebung des Ablehnungs- und Rechtsbehelfsbescheids umfasst und Letzteres damit auch nicht beantragt werden muss, sondern im Falle eines Klageerfolgs von Amts wegen auszusprechen ist (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 12. M&auml;rz 1970 IV 7\/65, BFHE 99, 172, BStBl II 1970, 625; Gr&auml;ber\/von Groll, a.a.O., &sect; 40 Rz 21).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Revisionsverfahren begehrt die Kl&auml;gerin erstmals, das FA zu verpflichten, einen Termin zur Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands anzuberaumen. Der Antrag ist auf den Erlass eines sog. Vornahmeurteils gerichtet (&sect; 101 Satz 1 FGO); ihm liegt offensichtlich die Erw&auml;gung zugrunde, dass das FA sein Ermessen rechtm&auml;&szlig;ig nur im Sinne einer Er&ouml;rterung gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO aus&uuml;ben k&ouml;nne (sog. Ermessensreduzierung auf Null). Da die Vorinstanz lediglich &uuml;ber das erstinstanzliche Bescheidungsbegehren entschieden hatte, kann der Vornahmeantrag &#8211;obgleich er den n&auml;mlichen Streitgegenstand betrifft&#8211; im Revisionsverfahren nicht mehr gestellt werden. Eine unzul&auml;ssige Erweiterung des Klagebegehrens hat der BFH beispielsweise darin gesehen, dass der Kl&auml;ger im finanzgerichtlichen Verfahren nur die Verpflichtung des FA zur Durchf&uuml;hrung einer Einkommensteuerveranlagung, in der Revisionsinstanz hingegen die Festsetzung der Einkommensteuer auf einen bestimmten Betrag beantragt hatte (BFH-Urteil vom 22. Mai 2006 VI R 61\/05, BFH\/NV 2007, 45; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 123 FGO Rz 4 a.E.). Nichts anderes kann gelten, wenn im Rahmen einer Verpflichtungsklage die Kl&auml;gerin erstmals mit ihrem Revisionsantrag einen Vornahmeausspruch begehrt. Unber&uuml;hrt hiervon bleibt allerdings, dass das Vornahmebegehren regelm&auml;&szlig;ig auch den Bescheidungsantrag umfasst (Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts &#8211;BVerwG&#8211; vom 24. Oktober 2006&nbsp;&nbsp;6 B 47\/06, Neue Zeitschrift f&uuml;r Verwaltungsrecht 2007, 104; Braun in HHSp, &sect; 40 FGO Rz 78) und deshalb auch im Streitfall die Revision insofern zul&auml;ssig ist, als sie darauf zielt, die Entscheidung der Vorinstanz zum bisherigen Bescheidungsbegehren zu &uuml;berpr&uuml;fen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Insoweit ist die Revision jedoch unbegr&uuml;ndet, weil die Klage (Bescheidungsbegehren) durch Prozessurteil abzuweisen war. Zwar l&auml;sst sich dem vorinstanzlichen Urteil nicht mit hinreichender Sicherheit entnehmen, ob das FG die Klage als unzul&auml;ssig oder unbegr&uuml;ndet angesehen hat. Dies kann jedoch dahinstehen, da auch im Falle eines Sachurteils der Tenor der Entscheidung des FG richtig und dessen Urteil im Ergebnis zu best&auml;tigen w&auml;re (Senatsurteil vom 20. April 1988 I R 67\/84, BFHE 154, 5, BStBl II 1988, 927; Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 126 Rz 8, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Im Schrifttum ist umstritten, ob ein Rechtsbehelf gegen die Ablehnung eines Antrags auf Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands nach &sect; 364a Abs. 1 AO zul&auml;ssig ist. Der BFH hat hierzu noch nicht Stellung genommen. Die im Schrifttum herrschende Ansicht geht davon aus, dass der Bescheid, mit dem ein Antrag auf Er&ouml;rterung gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO abgelehnt wird, nicht angefochten werden kann. Zum Teil wird dies darauf gest&uuml;tzt, dass es an einem Verwaltungsakt fehle (z.B. M. S&ouml;ffing, Deutsches Steuerrecht 1995, 1489, 1493; Harder, Deutsche Steuer-Zeitung 1996, 397). &Uuml;berwiegend wird jedoch darauf abgestellt, dass die Ablehnung des Antrags zwar als Verwaltungsakt zu qualifizieren, als verfahrensleitende Verf&uuml;gung aber &#8211;entsprechend dem zu verallgemeinernden Rechtsgedanken des &sect; 128 Abs. 2 FGO sowie des &sect; 44a der Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO)&#8211; einer eigenst&auml;ndigen Anfechtung entzogen sei (z.B. Seer in Tipke\/ Kruse, a.a.O., &sect; 364a AO Rz 6; Birkenfeld in HHSp, &sect; 364a AO Rz 72; Pahlke\/Koenig\/Pahlke, Abgabenordnung, 2. Aufl., &sect; 364a Rz 22 f.; Werth in Beermann\/Gosch, AO, &sect; 364a Rz 21; Hardtke in: K&uuml;hn\/v.Wedelst&auml;dt, 20. Aufl., AO, &sect; 364a Rz 4; Tiedchen, Betriebs-Berater 1996, 1033, 1038; anderer Ansicht Szymczak in Koch\/Scholtz, AO, 5. Aufl., &sect; 364a Rz 12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach Ansicht des erkennenden Senats kann es &#8211;ausgehend von der Rechtsprechung des BFH (vgl. z.B. Senatsurteil vom 16. Dezember 1987 I R 66\/84, BFH\/NV 1988, 319; BFH-Beschluss vom 20. Dezember 2011 II S 28\/10, BFH\/NV 2012, 381)&#8211; nicht zweifelhaft sein, dass es sich bei der Ablehnung des Antrags auf Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO um eine gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin getroffene einzelfallbezogene Regelung und damit um einen Verwaltungsakt gehandelt hat (&sect; 118 Satz 1 AO) und der gerichtliche Rechtsschutz gegen einen solchen ablehnenden Bescheid &#8211;auch dann, wenn das eigentliche Klageziel in der Vornahme einer tats&auml;chlichen Handlung besteht&#8211; im Wege einer Verpflichtungsklage verfolgt werden muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Senat schlie&szlig;t sich jedoch der ganz &uuml;berwiegend vertretenen Auffassung an, nach der eine solche Klage, die mit dem Ziel erhoben wird, dass das FA dem Begehren auf Durchf&uuml;hrung einer Er&ouml;rterung gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO entspricht, mit dem Zweck der Vorschrift, den Abschluss des Einspruchsverfahrens zu beschleunigen und damit zugleich Streitf&auml;lle vom Finanzgericht fernzuhalten (so ausdr&uuml;cklich BTDrucks 12\/7427, S. 37), nicht vereinbar w&auml;re und deshalb unzul&auml;ssig ist. Dabei kann unbeantwortet bleiben, ob diese Ansicht auf eine analoge Anwendung des &sect; 44a VwGO gest&uuml;tzt werden k&ouml;nnte, nach dem Rechtsbehelfe gegen beh&ouml;rdliche Verfahrenshandlungen nur gleichzeitig mit den gegen die Sachentscheidung zul&auml;ssigen Rechtsbehelfen geltend gemacht werden k&ouml;nnen (vgl. zur entsprechenden Geltung von &sect; 44a VwGO im sozialgerichtlichen Verfahren z.B. Urteil des Bundessozialgerichts vom 24. November 2004 B 3 KR 16\/03 R, Sozialrecht 4-2500 &sect; 36 Nr 1; zustimmend Kopp\/Schenke, Verwaltungsgerichtsordnung, Kommentar, 17. Aufl., &sect; 44a Rz 3). Jedenfalls enth&auml;lt &sect; 44a VwGO eine Auspr&auml;gung des allgemeinen Grundsatzes, nach dem Verfahrenshandlungen nicht selbst&auml;ndig angefochten werden k&ouml;nnen, solange das Verwaltungsverfahren noch nicht abgeschlossen und deshalb noch offen ist, ob der Betroffene durch das Verfahrensergebnis in seinen Rechten verletzt werden wird (Eyermann\/Geiger, Verwaltungsgerichtsordnung, 13. Aufl., &sect; 44a Rz 1; BVerwG-Urteil vom 12. April 1978 VIII C 7.77, Neue Juristische Wochenschrift 1979, 177, zur Rechtslage vor Inkrafttreten von &sect; 44a VwGO). Einer gleichwohl erhobenen Klage fehlt mithin das Rechtsschutzinteresse (Klein\/ Brockmeyer, AO, 10. Aufl., &sect; 364a Rz 6; Dumke in Schwarz, AO, &sect; 364a Rz 27a). Hiergegen l&auml;sst sich nicht einwenden, dass der Einspruchsf&uuml;hrer schutzlos gestellt w&uuml;rde. Denn die fehlende Anfechtungsm&ouml;glichkeit l&auml;sst unber&uuml;hrt, dass entweder das FG im Rahmen einer Klage gegen den Steuerbescheid gem&auml;&szlig; &sect; 100 Abs. 3 Satz 1 FGO nur die Einspruchsentscheidung zum Zwecke der weiteren Sachaufkl&auml;rung durch die Beh&ouml;rde aufheben oder der Kl&auml;ger isoliert nur die Einspruchsentscheidung anfechten kann (&sect; 100 Abs. 1 FGO), sofern er hierf&uuml;r ein berechtigtes Interesse hat (Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect; 364a AO Rz 6, unter Hinweis auf BFH-Beschl&uuml;sse vom 6. September 2005 IV B 14\/04, BFH\/NV 2005, 2166, und vom 26. September 2008 VIII B 23\/08, juris; Birkenfeld in HHSp, &sect; 364a AO Rz 27, 75; Dumke in Schwarz, a.a.O., &sect; 364a AO Rz 29; Szymczak, Der Betrieb 1994, 2254, 2261).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Im &Uuml;brigen w&auml;re &#8211;ohne dass dem nach den vorstehenden Erw&auml;gungen noch entscheidungserhebliche Bedeutung zuk&auml;me&#8211; die Klage auch deshalb als unzul&auml;ssig abzuweisen gewesen, weil die Kl&auml;gerin nicht geltend gemacht hat, durch die Ablehnung ihres Antrags auf Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands nach &sect; 364a AO in ihren Rechten verletzt zu sein (&sect; 40 Abs. 2 FGO; vgl. hierzu allgemein Senatsurteil vom 15. Dezember 2004 I R 42\/04, BFH\/NV 2005, 1073; Braun in HHSp, &sect; 40 FGO Rz 176, m.w.N.). Auch insoweit w&auml;ren &#8211;woran es vorliegend fehlt&#8211; zumindest Darlegungen dazu erforderlich gewesen, welche Umst&auml;nde sie bis zum Zeitpunkt der letzten Verwaltungsentscheidung (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 7. Februar 1992 III R 61\/91, BFHE 167, 279, BStBl II 1992, 592) gegen&uuml;ber dem FA vorgetragen hat und weshalb dieser Vortrag dem FA h&auml;tte Veranlassung geben k&ouml;nnen, eine Er&ouml;rterung nach &sect; 364a AO als der beschleunigten Verfahrenserledigung (vgl. BTDrucks 12\/7427, S. 37) dienlich zu erachten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das FG hat hiernach die Klage zu Recht abgewiesen. Die Revision bleibt deshalb &#8211;auch soweit sie in zul&auml;ssiger Weise erhoben wurde&#8211; ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.4.2012, I R 63\/11 Er&ouml;rterung im Einspruchsverfahren: Fehlendes Rechtsschutzinteresse einer Verpflichtungsklage &#8211; Ablehnung eines Antrags auf Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO als Verwaltungsakt &#8211; unzul&auml;ssige Erweiterung des Klagebegehrens Leits&auml;tze Lehnt das FA eine Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO ab, ist eine hiergegen erhobene Klage &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-63-11-eroerterung-im-einspruchsverfahren-fehlendes-rechtsschutzinteresse-einer-verpflichtungsklage-ablehnung-eines-antrags-auf-eroerterung-des-sach-und-rechtsstands-gemaess-par-364a-ao-als-verwalt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;63\/11 &#8211; Er&ouml;rterung im Einspruchsverfahren: Fehlendes Rechtsschutzinteresse einer Verpflichtungsklage &#8211; Ablehnung eines Antrags auf Er&ouml;rterung des Sach- und Rechtsstands gem&auml;&szlig; &sect; 364a AO als Verwaltungsakt &#8211; unzul&auml;ssige Erweiterung des Klagebegehrens<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-8416","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8416"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8416\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}