{"id":8424,"date":"2012-12-05T04:07:26","date_gmt":"2012-12-05T02:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8424"},"modified":"2012-12-05T04:07:26","modified_gmt":"2012-12-05T02:07:26","slug":"vi-r-47-10-aufwendungen-fuer-die-asbestsanierung-des-daches-eines-wohnhauses-als-aussergewoehnliche-belastung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-47-10-aufwendungen-fuer-die-asbestsanierung-des-daches-eines-wohnhauses-als-aussergewoehnliche-belastung\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;47\/10 &#8211; Aufwendungen f&uuml;r die Asbestsanierung des Daches eines Wohnhauses als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.3.2012, VI R 47\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Aufwendungen f&uuml;r die Asbestsanierung des Daches eines Wohnhauses als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die tats&auml;chliche Zwangsl&auml;ufigkeit von Aufwendungen f&uuml;r Sanierungsarbeiten an Asbestprodukten ist nicht anhand der abstrakten Gef&auml;hrlichkeit von Asbestfasern zu beurteilen; erforderlich sind zumindest konkret zu bef&uuml;rchtende Gesundheitsgef&auml;hrdungen.<\/p>\n<p>2. Sind die von einem Gegenstand des existenznotwendigen Bedarfs ausgehenden konkreten Gesundheitsgef&auml;hrdungen auf einen Dritten zur&uuml;ckzuf&uuml;hren und unterl&auml;sst der Steuerpflichtige die Durchsetzung realisierbarer zivilrechtlicher Abwehranspr&uuml;che, sind die Aufwendungen zur Beseitigung konkreter Gesundheitsgef&auml;hrdungen nicht abziehbar.<\/p>\n<p>3. Bei der Beseitigung konkreter von einem Gegenstand des existenznotwendigen Bedarfs ausgehender Gesundheitsgefahren ist ein vor Durchf&uuml;hrung dieser Ma&szlig;nahmen erstelltes amtliches technisches Gutachten nicht erforderlich. Gleichwohl hat der Steuerpflichtige nachzuweisen, dass er sich den Aufwendungen aus tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen konnte.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob Kosten einer Asbestsanierung auch ohne Einholung eines Gutachtens &uuml;ber gesundheitliche Gefahren als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) bewohnt ein im Jahr 1976 errichtetes Reihenhaus. Das Dach besteht aus Asbestzement-Wellplatten, die &uuml;berlappend von Haus zu Haus gelegt sind. Nachdem sich die Nachbarn der Kl&auml;gerin zum Austausch der Asbestzement-Wellplatten entschieden haben, wurde im Streitjahr 2005 auch das Dach des der Kl&auml;gerin geh&ouml;renden Reihenhauses durch eine Eindeckung mit Ziegeln ersetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin machte die von ihr im Kalenderjahr 2005 gezahlten Aufwendungen im Rahmen ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 2005 als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung geltend. Die Sanierung sei unabwendbar gewesen, da das Dach Korrosionserscheinungen aufgewiesen h&auml;tte. &Uuml;berdies h&auml;tten die Asbestzement-Wellplatten zerschnitten werden m&uuml;ssen, wenn die Kl&auml;gerin keine Sanierung h&auml;tte durchf&uuml;hren lassen. Eine Gesundheitsgef&auml;hrdung sei durch die damit verbundene Freisetzung von Asbest unausweichlich gewesen. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte eine entsprechende Ber&uuml;cksichtigung ab. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) erkannte die Aufwendungen mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 33 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<blockquote>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/blockquote>\n<blockquote>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect; 33 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) wird die Einkommensteuer auf Antrag erm&auml;&szlig;igt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh&auml;ltnisse, gleicher Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und gleichen Familienstands (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung) erwachsen. Zwangsl&auml;ufig erwachsen dem Steuerpflichtigen Aufwendungen dann, wenn er sich ihnen aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umst&auml;nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht &uuml;bersteigen (&sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG). Ziel des &sect; 33 EStG ist es, zwangsl&auml;ufige Mehraufwendungen f&uuml;r den existenznotwendigen Grundbedarf zu ber&uuml;cksichtigen, die sich wegen ihrer Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit einer pauschalen Erfassung in allgemeinen Freibetr&auml;gen entziehen. Aus dem Anwendungsbereich des &sect; 33 EStG ausgeschlossen sind dagegen die &uuml;blichen Aufwendungen der Lebensf&uuml;hrung, die in H&ouml;he des Existenzminimums durch den Grundfreibetrag abgegolten sind (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 11. November 2010 VI R 17\/09, BFHE 232, 40, BStBl II 2011, 969, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gehen von einem Gegenstand des existenznotwendigen Bedarfs konkrete Gesundheitsgef&auml;hrdungen aus, entstehen die Aufwendungen zur Beseitigung dieser Gef&auml;hrdung dem Steuerpflichtigen aus tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden zwangsl&auml;ufig (&sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG) und sind deshalb grunds&auml;tzlich als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung abziehbar (BFH-Urteile vom 9. August 2001 III R 6\/01, BFHE 196, 492, BStBl II 2002, 240, Aufwendungen f&uuml;r die Asbestsanierung der Au&szlig;enfassade eines Wohnhauses; vom 23. Mai 2002 III R 52\/99, BFHE 199, 287, BStBl II 2002, 592, Aufwendungen f&uuml;r den Austausch mit Formaldehyd verseuchter M&ouml;bel, und vom 11. November 2010 VI R 16\/09, BFHE 232, 34, BStBl II 2011, 966, Aufwendungen f&uuml;r die medizinisch indizierte Anschaffung von Schlafzimmerm&ouml;beln und einer Couchgarnitur; zu den Aufwendungen zur Schadstoffbeseitigung vgl. auch Hettler, Der Betrieb &#8211;DB&#8211; 2002, 1848).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die tats&auml;chliche Zwangsl&auml;ufigkeit von Aufwendungen zur Beseitigung von Asbest ist nach der Rechtsprechung des BFH nicht anhand der abstrakten Gef&auml;hrlichkeit von Asbestfasern zu beurteilen; erforderlich sind zumindest konkret zu bef&uuml;rchtende Gesundheitsgef&auml;hrdungen. Denn die Notwendigkeit einer Asbestsanierung h&auml;ngt wesentlich von der verwendeten Asbestart und den baulichen Gegebenheiten ab. So haben Asbestzementprodukte einen vergleichsweise hohen Anteil an mineralischen Bindemitteln, weshalb die Asbestfasern relativ fest gebunden sind. Bei schwach gebundenen Asbestprodukten wie Spritzasbest ist die Gefahr einer Freisetzung aufgrund &auml;u&szlig;erer Einfl&uuml;sse wie Ersch&uuml;tterungen und Alterung der Produkte hingegen h&ouml;her (BFH-Urteil in BFHE 196, 492, BStBl II 2002, 240; vgl. dazu auch Hettler, DB 2002, 1848, 1849). Hieran h&auml;lt der erkennende Senat fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus ist bei Sanierungsarbeiten an Asbestprodukten die gesundheitssch&auml;dliche Freisetzung von Asbestfasern nicht unvermeidlich. Dies zeigen die Technischen Regeln f&uuml;r Gefahrstoffe 519-Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten vom 1. August 2001 (BArbBl 2001, Nr. 9, 64, berichtigt durch Bekanntmachung vom 8. M&auml;rz 2007, GMBl 2007, 398 &#8211;TRGS 519-Asbest&#8211;), die zum Schutz der Besch&auml;ftigten und anderer Personen bei T&auml;tigkeiten mit Asbest und asbesthaltigen Gefahrstoffen bei Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten gelten. Nach Nr. 7.1 Abs. 1 TRGS 519-Asbest ist bei Sanierungsarbeiten das Arbeitsverfahren so zu gestalten, dass Asbestfasern nicht frei werden und die Ausbreitung von Asbeststaub verhindert wird, soweit dies nach dem Stand der Technik m&ouml;glich ist. Kann das Freiwerden von Asbestfasern nicht unterbunden werden, sind diese nach Nr. 7.1 Abs. 2 TRGS 519-Asbest an der Austritts- oder Entstehungsstelle zu erfassen und anschlie&szlig;end ohne Gefahr f&uuml;r Mensch und Umwelt zu entsorgen. Angesichts dieser Bestimmung erscheint es zumindest nicht ausgeschlossen, dass die Sanierungsma&szlig;nahme an dem Geb&auml;ude der Kl&auml;gerin auch ohne Gesundheitsgef&auml;hrdung m&ouml;glich war. Denn die TRGS 519-Asbest sind die gem&auml;&szlig; des zum Zeitpunkt ihrer Bekanntmachung geltenden &sect; 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 der Gefahrstoffverordnung vom Ausschuss f&uuml;r Gefahrstoffe ermittelten Regeln, die dem Stand von Wissenschaft, Technik und Medizin entsprechen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Aufwendungen zur Beseitigung konkreter Gesundheitsgef&auml;hrdungen sind nur dann abziehbar, wenn den Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mer kein Verschulden an der Belastung trifft, die Belastung f&uuml;r ihn zum Zeitpunkt des Grundst&uuml;ckserwerbs nicht erkennbar war und realisierbare Ersatzanspr&uuml;che gegen Dritte nicht gegeben sind (BFH-Urteile in BFHE 196, 492, BStBl II 2002, 240; vom 20. Dezember 2007 III R 56\/04, BFH\/NV 2008, 937; jeweils m.w.N.). Ein Verschulden des Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mers kann auch dann anzunehmen sein, wenn die von einem Gegenstand des existenznotwendigen Bedarfs ausgehenden konkreten Gesundheitsgef&auml;hrdungen auf einen Dritten zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind und er die Durchsetzung realisierbarer zivilrechtlicher Abwehranspr&uuml;che unterl&auml;sst. Denn dadurch h&auml;tte sich der Steuerpflichtige den Aufwendungen entziehen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) &Uuml;berdies d&uuml;rfen die streitigen Aufwendungen nicht der Beseitigung von Baum&auml;ngeln dienen. Baum&auml;ngel sind keineswegs un&uuml;blich und nicht mit ungew&ouml;hnlichen Ereignissen wie etwa Hochwassersch&auml;den vergleichbar (BFH-Beschluss vom 11. Februar 2009 VI B 140\/08, BFH\/NV 2009, 762, m.w.N.). War der Einsatz schadstoffhaltiger Materialien zum Zeitpunkt der Errichtung des Geb&auml;udes erlaubt, liegt jedenfalls f&uuml;r das Jahr der Errichtung des Geb&auml;udes kein Baumangel vor (BFH-Urteil in BFHE 196, 492, BStBl II 2002, 240).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Bei Aufwendungen zur Beseitigung konkreter von einem Gegenstand des existenznotwendigen Bedarfs ausgehender Gesundheitsgefahren ist ein vor Durchf&uuml;hrung dieser Ma&szlig;nahmen erstelltes amtliches technisches Gutachten nicht erforderlich. Gleichwohl hat der Steuerpflichtige nachzuweisen, dass er sich den Aufwendungen aus tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen konnte. Dies hat der Senat bereits f&uuml;r Krankheitskosten entschieden (BFH-Urteile in BFHE 232, 34, BStBl II 2011, 966; in BFHE 232, 40, BStBl II 2011, 969). Entsprechendes gilt auch f&uuml;r solche Aufwendungen, die durch die Beseitigung konkreter von einem Gegenstand des existenznotwendigen Bedarfs ausgehender Gesundheitsgefahren veranlasst sind. Denn auch insoweit ergeben sich gesteigerte Nachweispflichten nicht aus dem Gesetz und widersprechen dem in &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO geregelten Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Als Nachweisverpflichteter tr&auml;gt der Steuerpflichtige das Risiko, dass ein gerichtlich bestellter Sachverst&auml;ndiger im Nachhinein die Zwangsl&auml;ufigkeit m&ouml;glicherweise nicht mehr verl&auml;sslich feststellen kann. Dieser Gefahr kann der Steuerpflichtige entgehen, wenn er vor Beginn der Behandlung auf eigene Initiative ein amts- oder vertrauens&auml;rztliches Zeugnis bzw. ein amtlich technisches Gutachten einholt oder im Rahmen eines selbst&auml;ndigen Beweisverfahrens gem&auml;&szlig; &sect; 155 FGO i.V.m. &sect;&sect; 485 ff. der Zivilprozessordnung die eine tats&auml;chliche Zwangsl&auml;ufigkeit begr&uuml;ndenden Umst&auml;nde feststellen l&auml;sst (vgl. BFH-Urteil in BFHE 232, 40, BStBl II 2011, 969, zur medizinischen Indikation einer Heilbehandlung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus den durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 vom 1. November 2011 (BGBl I 2011, 2131) ge&auml;nderten Anforderungen an den Nachweis au&szlig;ergew&ouml;hnlicher Belastungen (vgl. BFH-Urteil vom 29. M&auml;rz 2012 VI R 21\/11, BFHE).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Vorentscheidung beruht auf einer anderen Rechtsauffassung und ist daher aufzuheben. Der Senat kann jedoch nicht durcherkennen, da die Sache nicht spruchreif ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG wird im zweiten Rechtsgang zu pr&uuml;fen haben, ob sich die Kl&auml;gerin den Aufwendungen f&uuml;r die Sanierung des Daches an ihrem Haus aus tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen konnte. Insoweit ist von Bedeutung, ob der Kl&auml;gerin durch die Sanierungsarbeiten am angrenzenden Dach nachweislich eine konkrete Gesundheitsgef&auml;hrdung drohte. Das FG hat schon keine Feststellungen dazu getroffen, ob das im Eigentum der Kl&auml;gerin stehende Dach tats&auml;chlich h&auml;tte zerschnitten werden m&uuml;ssen oder ob andere Formen der Sanierung ebenso m&ouml;glich gewesen w&auml;ren (etwa dauerhafte Versiegelung der angrenzenden Platten oder eine &uuml;berlappende Verlegung). Selbst wenn eine Dachdurchtrennung erforderlich gewesen sein sollte, war die konkrete Gesundheitsgef&auml;hrdung angesichts der in der TRGS 519-Asbest beschriebenen Schutzma&szlig;nahmen zur Minderung der Gef&auml;hrdungen nicht unumg&auml;nglich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die erforderlichen Feststellungen hat das FG nach dem Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung (&sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) zu treffen. Da weder das FA noch das FG die Sachkunde besitzen, um die Zwangsl&auml;ufigkeit der den Aufwendungen zugrunde liegenden Ma&szlig;nahme zu beurteilen, ist das FG aufgrund seiner Verpflichtung zur Sachaufkl&auml;rung (&sect; 76 FGO) gehalten, gegebenenfalls von Amts wegen ein entsprechendes Gutachten einzuholen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Gleichfalls fehlen Feststellungen dazu, ob der Kl&auml;gerin wegen der Sanierung und einer daraus folgenden Freisetzung von Asbestfasern nach dem Zivilrecht realisierbare Unterlassungs- bzw. Ersatzanspr&uuml;che zugestanden haben. Diese stehen dem Abzug von Aufwendungen zur Beseitigung konkreter und von einem Gegenstand des existenznotwendigen Bedarfs ausgehender Gesundheitsgef&auml;hrdungen entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.3.2012, VI R 47\/10 Aufwendungen f&uuml;r die Asbestsanierung des Daches eines Wohnhauses als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung Leits&auml;tze 1. Die tats&auml;chliche Zwangsl&auml;ufigkeit von Aufwendungen f&uuml;r Sanierungsarbeiten an Asbestprodukten ist nicht anhand der abstrakten Gef&auml;hrlichkeit von Asbestfasern zu beurteilen; erforderlich sind zumindest konkret zu bef&uuml;rchtende Gesundheitsgef&auml;hrdungen. 2. 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