{"id":8510,"date":"2012-12-05T04:04:30","date_gmt":"2012-12-05T02:04:30","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8510"},"modified":"2012-12-05T04:04:30","modified_gmt":"2012-12-05T02:04:30","slug":"i-b-109-11-unzulaessige-entscheidung-durch-den-einzelrichter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-109-11-unzulaessige-entscheidung-durch-den-einzelrichter\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;109\/11 &#8211; Unzul&auml;ssige Entscheidung durch den Einzelrichter"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.3.2012, I B 109\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Unzul&auml;ssige Entscheidung durch den Einzelrichter<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten stritten vor dem Finanzgericht (FG) dar&uuml;ber, ob &sect; 50 Abs. 1 Satz 4 des Einkommensteuergesetzes in der f&uuml;r das Streitjahr 2002 geltenden Fassung unionsrechtskonform ist. Am 14. Oktober 2009 fand deshalb vor dem mit drei Berufsrichtern und zwei Laienrichtern besetzten FG eine m&uuml;ndliche Verhandlung statt. Der Senat verk&uuml;ndete am Ende der m&uuml;ndlichen Verhandlung den Beschluss, dass dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (jetzt: Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union &#8211;EuGH&#8211;) die Frage vorgelegt werden solle, ob es die Kapitalverkehrsfreiheit verletze, wenn ein im Inland beschr&auml;nkt steuerpflichtiger Angeh&ouml;riger anders als ein unbeschr&auml;nkt Steuerpflichtiger im Zusammenhang mit Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung stehende Renten nicht als Sonderausgaben geltend machen k&ouml;nne. Das Verfahren wurde gem&auml;&szlig; &sect; 74 der Finanzgerichtsordnung (FGO) bis zur Entscheidung des EuGH &uuml;ber die vorgelegte Frage ausgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem der EuGH hier&uuml;ber durch Urteil vom 31. M&auml;rz 2011 C-450\/09 (Deutsches Steuerrecht 2011, 664) entschieden hatte, beraumte der Berichterstatter eine m&uuml;ndliche Verhandlung an. In der m&uuml;ndlichen Verhandlung erkl&auml;rten die Verfahrensbeteiligten ihr Einverst&auml;ndnis mit einer Entscheidung durch den Berichterstatter f&uuml;r die Fortsetzung des Verfahrens. Der Einzelrichter gab der Klage durch Urteil vom 30. Mai 2011 statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Beschwerdef&uuml;hrer (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) macht mit seiner Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision u.a. geltend, das FG sei bei seiner Entscheidung durch Urteil nicht zutreffend besetzt gewesen (&sect; 119 Nr. 1 FGO i.V.m. &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 6 FGO zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das erkennende FG war nicht vorschriftsm&auml;&szlig;ig besetzt (&sect; 119 Nr. 1 FGO), weil die Entscheidung durch den Einzelrichter statt den Vollsenat getroffen wurde. Eine &Uuml;bertragung auf den Einzelrichter war gem&auml;&szlig; &sect; 6 Abs. 2 FGO ausgeschlossen. Denn eine &Uuml;bertragung auf den Einzelrichter ist unzul&auml;ssig, wenn bereits vor dem Senat m&uuml;ndlich verhandelt worden und inzwischen kein Vorbehalts-, Teil- oder Zwischenurteil ergangen ist. Im Streitfall ist im Anschluss an die m&uuml;ndliche Verhandlung vom 14. Oktober 2009 weder ein Vorbehalts-, Teil- noch Zwischenurteil ergangen, sodass eine &Uuml;bertragung auf den Einzelrichter ausgeschlossen war. Die Vorschrift l&auml;sst nur die in ihr genannten Ausnahmen zu. War das Verfahren &#8211;wie hier&#8211; gem&auml;&szlig; &sect; 74 FGO im Anschluss an eine m&uuml;ndliche Verhandlung vor dem Vollsenat ausgesetzt worden und wird es nach Wegfall des Aussetzungsgrundes wieder aufgenommen, ist eine &Uuml;bertragung auf den Einzelrichter gem&auml;&szlig; &sect; 6 Abs. 2 FGO nicht m&ouml;glich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ungeachtet der Frage, ob &sect; 6 Abs. 2 FGO angesichts seines Wortlauts einer erweiternden Auslegung zug&auml;nglich ist, ist eine solche sachlich nicht gerechtfertigt. Der Vorschrift liegt die Auffassung zugrunde, dass eine nennenswerte Entlastung des Senats und eine sp&uuml;rbare Verfahrensbeschleunigung nicht mehr erreichbar sind, wenn sich bereits der gesamte Senat mit dem Fall besch&auml;ftigt hat (Sunder-Plassmann in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 6 FGO Rz 45; Buciek in Beermann\/ Gosch, FGO &sect; 6 Rz 113; Gr&auml;ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect; 6 Rz 13). &sect; 6 Abs. 2 FGO soll &uuml;berdies verhindern, dass der Senat den Einzelrichter als &quot;ausf&uuml;hrendes Organ&quot; einsetzt, nachdem der Senat die Weichen f&uuml;r die Entscheidung des Falls bereits gestellt hat. Die in &sect; 6 Abs. 2 FGO genannte Ausnahme f&uuml;r das &Uuml;bertragungsverbot rechtfertigt sich dadurch, dass nach Erlass eines Vorbehalts-, Teil- oder Zwischenurteils das Verfahren in eine neue Phase getreten ist und der Senat den nunmehr anstehenden Prozessstoff in der Regel noch nicht intensiv behandelt haben wird. Deshalb kann insoweit eine eigenst&auml;ndige Bearbeitung durch den Einzelrichter sinnvoll sein; zugleich ist eine unzul&auml;ssige Beeinflussung durch Vorgaben des Senats nicht zu bef&uuml;rchten (Buciek in Beermann\/Gosch, FGO &sect; 6 Rz 120; Gr&auml;ber\/Koch, a.a.O., &sect; 6 Rz 14).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wird das Verfahren durch den Senat ausgesetzt, weil er die Sache entweder dem Bundesverfassungsgericht oder dem EuGH vorlegen will, haben sich s&auml;mtliche Senatsmitglieder bereits eingehend mit den dem Rechtsstreit zugrunde gelegten Fragen besch&auml;ftigt und durch die Vorlage die Entscheidung zum Teil vorgepr&auml;gt. Vor dem Hintergrund des Ziels des &sect; 6 Abs. 2 FGO erscheint es daher auch in diesen F&auml;llen angezeigt, dass sich der Vollsenat weiterhin mit der Sache befasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Umstand, dass sich das FA mit der &Uuml;bertragung der Rechtssache auf den Einzelrichter einverstanden erkl&auml;rt hat, steht der Verfahrensr&uuml;ge nicht entgegen. Denn auf die Beachtung der Vorschriften &uuml;ber die Besetzung des Gerichts kann nicht nach &sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 295 der Zivilprozessordnung verzichtet werden (Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 119 Rz 8). Davon abgesehen k&ouml;nnte darin nur dann ein R&uuml;geverzicht gesehen werden, wenn sicher davon auszugehen w&auml;re, dass dem FA bereits in der m&uuml;ndlichen Verhandlung bekannt war, dass &sect; 6 Abs. 2 FGO eine &Uuml;bertragung der Rechtssache auf den Einzelrichter in diesem Verfahrensstadium ausschlie&szlig;t.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.3.2012, I B 109\/11 Unzul&auml;ssige Entscheidung durch den Einzelrichter Tatbestand 1&nbsp; I. Die Beteiligten stritten vor dem Finanzgericht (FG) dar&uuml;ber, ob &sect; 50 Abs. 1 Satz 4 des Einkommensteuergesetzes in der f&uuml;r das Streitjahr 2002 geltenden Fassung unionsrechtskonform ist. Am 14. 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