{"id":8557,"date":"2012-12-05T04:32:59","date_gmt":"2012-12-05T02:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8557"},"modified":"2012-12-05T04:32:59","modified_gmt":"2012-12-05T02:32:59","slug":"x-b-37-10-festsetzung-eines-ordnungsgeldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-37-10-festsetzung-eines-ordnungsgeldes\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;37\/10 &#8211; Festsetzung eines Ordnungsgeldes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.1.2012, X B 37\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Festsetzung eines Ordnungsgeldes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger im Verfahren 15 K 4063\/06 wandte sich mit seiner Klage gegen mehrere Steuerbescheide. F&uuml;r ihn handelte als Bevollm&auml;chtigte die in Belgien und den Niederlanden ans&auml;ssige X-Ltd. Die X-Ltd. wurde durch den Beschwerdef&uuml;hrer (Z) vertreten. Bei diesem handelt es sich um einen ehemaligen Steuerberater, dem durch einen rechtskr&auml;ftig gewordenen Verwaltungsakt die Steuerberaterbestellung entzogen worden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In diesem Klageverfahren machte der Kl&auml;ger geltend, die Betriebsausgaben seien in der in den Steuererkl&auml;rungen angegebenen H&ouml;he anzusetzen. Hierzu bot er Beweis durch Vernehmung des Zeugen Z an. Am 5. Oktober 2009 beschloss das Finanzgericht (FG), &uuml;ber das vom Kl&auml;ger benannte Beweisthema Beweis zu erheben durch Vernehmung des Zeugen Z. Die Ladung wurde dem Zeugen per Einschreiben gegen R&uuml;ckschein am 19. Oktober 2009 zugestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 28. Oktober 2009 beantragte der Kl&auml;ger in einem von Z verfassten Schriftsatz die Aufhebung des auf den 6. November 2009 anberaumten Verhandlungs- und Beweisaufnahmetermins. Der Antrag wurde damit begr&uuml;ndet, das Finanzamt f&uuml;r Steuerstrafsachen und Steuerfahndung Y (Steufa Y) habe eine Steuerfahndungspr&uuml;fung wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der unerlaubten Hilfe in Steuersachen durch Z durchgef&uuml;hrt. Die Steufa Y habe hierbei auch den terminierten Prozess betreffende Unterlagen weggenommen. Es liege &quot;ein Komplott unter Beteiligung des FG vor, um die durch Z vertretene X-Ltd. wehrlos zu machen&quot;. Auch weil die Sitzung &quot;eine Farce&quot; sei, werde die Kl&auml;gerseite hierzu nicht erscheinen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG lehnte die Terminsverlegung ab. In zwei am 5. November 2009 beim FG eingegangenen Schrifts&auml;tzen, die von Z verfasst waren, wurde erneut angek&uuml;ndigt, f&uuml;r die Kl&auml;gerseite w&uuml;rde niemand zur Sitzung erscheinen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 6. November 2009 hob das FG den Beweisbeschluss vom 5. Oktober 2009 auf. Zudem wies es gem&auml;&szlig; &sect; 62 Abs. 3 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) die X-Ltd. als Prozessbevollm&auml;chtigte zur&uuml;ck. Im Anschluss an diese m&uuml;ndliche Verhandlung wies das FG die Klage ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ebenfalls an diesem Tag erging gegen&uuml;ber Z in seiner Eigenschaft als Zeuge der Beschluss, wonach ihm die durch sein Ausbleiben in der m&uuml;ndlichen Verhandlung verursachten Kosten auferlegt werden und gegen ihn ein Ordnungsgeld von 100 EUR festgesetzt wird. Mit seiner hiergegen gerichteten Beschwerde macht Z geltend, der Beschluss sei aufzuheben. Das FG habe das Klageverfahren haupts&auml;chlich dazu benutzt, auf ihn, der direkt bzw. &uuml;ber die X-Ltd. Prozessvertreter des Kl&auml;gers gewesen sei, Druck auszu&uuml;ben. Es sei dem FG darum gegangen, sein pers&ouml;nliches Erscheinen zu erzwingen, um ihn dann &quot;geplant und konzeptionell-theatralisch vorbereitet&quot; zur&uuml;ckweisen zu k&ouml;nnen. Auch stehe das Verfahren in untrennbarem Zusammenhang mit der Verfolgung der X-Ltd. und deren Berater durch die Steufa Y.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Die Festsetzung des Ordnungsgelds durch das FG ist weder dem Grunde noch der H&ouml;he nach zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect; 82 FGO sind, soweit &sect;&sect; 83 bis 89 FGO nichts Abweichendes bestimmen, im finanzgerichtlichen Verfahren u.a. &sect;&sect; 380 ff. der Zivilprozessordnung (ZPO) anwendbar. Nach &sect; 380 Abs. 1 ZPO werden einem ordnungsgem&auml;&szlig; geladenen Zeugen, der nicht erscheint, die durch das Ausbleiben verursachten Kosten auferlegt. Auch wird gegen ihn ein Ordnungsgeld festgesetzt. Ist das Ausbleiben rechtzeitig gen&uuml;gend entschuldigt, unterbleiben diese Anordnungen bzw. sie werden nachtr&auml;glich wieder aufgehoben (&sect; 381 Abs. 1 ZPO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Anordnung der in &sect; 380 ZPO vorgesehenen Ma&szlig;nahmen ist bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen zwingend. Dabei kann der Umstand, dass das FG trotz des Ausbleibens des Zeugen im Termin zur Beweisaufnahme und zur m&uuml;ndlichen Verhandlung &#8211;ohne diese vertagen zu m&uuml;ssen&#8211; zu einem Endurteil gelangt, jedenfalls bei Vorliegen eines nicht nur geringen Verschuldens grunds&auml;tzlich nicht ber&uuml;cksichtigt werden (gefestigte Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211;; vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 4. August 1993 II B 25\/93, BFH\/NV 1994, 640; vom 9. Juli 2007 I B 55\/07, BFHE 218, 17, BStBl II 2009, 605, und vom 27. August 2010 III B 104\/09, BFH\/NV 2010, 2291).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Streitfall ist Z, wie von ihm angek&uuml;ndigt, dem Beweisaufnahmetermin ferngeblieben. Er war ordnungsgem&auml;&szlig; nach Ma&szlig;gabe von &sect; 377 ZPO geladen worden. Da seine Verpflichtung als Zeuge zu erscheinen, nicht nach &sect; 386 Abs. 2 ZPO entfallen war und auch keine Gr&uuml;nde i.S. des &sect; 381 Abs. 1 ZPO vorlagen, die sein Ausbleiben gen&uuml;gend rechtfertigen konnten, sind gegen ihn zu Recht die in &sect; 380 Abs. 1 ZPO angesprochenen Ma&szlig;nahmen angeordnet worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ob Z als ehemaliger Steuerberater oder als Gehilfe eines solchen (&sect; 386 ZPO i.V.m. &sect; 84 Abs. 1 FGO und i.V.m. &sect; 102 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. b, Abs. 2 der Abgabenordnung) berechtigt gewesen w&auml;re, das Zeugnis zu verweigern, kann dahinstehen. Denn eine Befreiung von der Pflicht, vor Gericht zu erscheinen, tritt nur ein, wenn der Zeuge seine Zeugnisverweigerung ordnungsgem&auml;&szlig; nach &sect; 386 Abs. 1 ZPO vor dem Termin schriftlich oder zu Protokoll erkl&auml;rt, was im Streitfall nicht geschehen ist (BFH-Beschluss vom 18. August 2010 I B 110\/10, BFH\/NV 2011, 5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Sein Ausbleiben ist auch nicht gen&uuml;gend gerechtfertigt. Eine gen&uuml;gende Entschuldigung, die ein Ausbleiben im Beweistermin als nicht pflichtwidrig erscheinen l&auml;sst, erfordert das Vorliegen schwerwiegender Gr&uuml;nde, die den Zeugen ohne sein Zutun von der Wahrnehmung des Termins abgehalten haben (BFH-Beschl&uuml;sse vom 27. Juni 2002 III B 162\/01, BFH\/NV 2002, 1335, und vom 17. M&auml;rz 2011 III B 46\/11, BFH\/NV 2011, 1004).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Solche triftigen Gr&uuml;nde werden von Z nicht dargetan. Sein Vorbringen, das FG habe das gerichtliche Verfahren, in dem seine Zeugenvernehmung angeordnet worden sei, verfahrensfehlerhaft gef&uuml;hrt und sich von sachfremden Erw&auml;gungen leiten lassen, rechtfertigen unabh&auml;ngig davon, ob diese Vorw&uuml;rfe zutreffen, sein Ausbleiben im Beweisaufnahmetermin nicht. Ein Zeuge ist eine Person, die kraft &ouml;ffentlich-rechtlicher Verpflichtung in einem fremden Rechtsstreit Auskunft &uuml;ber bestimmte Tatsachen oder tats&auml;chliche Vorg&auml;nge geben soll. Da der Zeuge in dem Verfahren, in dem er aussagen soll, nicht selbst Beteiligter oder dessen gesetzlicher Vertreter ist, kann er aus der Art und Weise wie das FG den f&uuml;r ihn fremden Prozess f&uuml;hrt, keine Befugnis zum Fernbleiben von dem Beweisaufnahmetermin herleiten. Dass Z in dem Verfahren zugleich im Auftrag der als Prozessbevollm&auml;chtigten des Kl&auml;gers aufgetretenen X-Ltd. gehandelt hat, &auml;ndert hieran nichts, weil hierdurch die gesetzlichen Zeugenpflichten nicht eingeschr&auml;nkt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Erg&auml;nzend weist der beschlie&szlig;ende Senat darauf hin, dass das Vorbringen von Z, das FG habe ihn allein deshalb als Zeugen geladen, um ihn zu zwingen, bei der Verk&uuml;ndung des Beschlusses &uuml;ber die Zur&uuml;ckweisung der X-Ltd. als Prozessbevollm&auml;chtigte anwesend zu sein, fernliegend und unplausibel ist. Der Kl&auml;ger selbst hat in einem von Z verfassten Schriftsatz dessen Zeugenvernehmung beantragt. Diesem Antrag ist das FG in dem daraufhin ergangenen Beweisbeschluss gefolgt. Dieser Beschluss ist erst aufgehoben worden, nachdem der kl&auml;gerische Zeuge Z nicht zum Beweisaufnahmetermin erschienen ist. Ob diese Aufhebung zu Recht erfolgt ist, ist in Bezug auf den hier zu beurteilenden Ordnungsgeldbeschluss ohne Belang.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Gegen die H&ouml;he des angeordneten Ordnungsgelds hat Z keine Einwendungen erhoben. Auch nach Lage der Akten besteht kein Grund zur Beanstandung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.1.2012, X B 37\/10 Festsetzung eines Ordnungsgeldes Tatbestand 1&nbsp; I. 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