{"id":8589,"date":"2012-12-05T04:18:47","date_gmt":"2012-12-05T02:18:47","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8589"},"modified":"2012-12-05T04:18:47","modified_gmt":"2012-12-05T02:18:47","slug":"vi-r-44-10-fahrtkosten-im-rahmen-eines-vollzeitstudiums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-44-10-fahrtkosten-im-rahmen-eines-vollzeitstudiums\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;44\/10 &#8211; Fahrtkosten im Rahmen eines Vollzeitstudiums"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.2.2012, VI R 44\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Fahrtkosten im Rahmen eines Vollzeitstudiums<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Eine Hochschule (Universit&auml;t) ist nicht als regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte anzusehen, auch wenn diese h&auml;ufig &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum hinweg zum Zwecke eines Vollzeitstudiums aufgesucht wird (&Auml;nderung der Rechtsprechung in BFH-Urteilen vom 10. April 2008 VI R 66\/05, BFHE 221, 35, BStBl II 2008, 825, und vom 22. Juli 2003 VI R 190\/97, BFHE 203, 111, BStBl II 2004, 886).<\/p>\n<p>2. Fahrtkosten von Studentinnen und Studenten zur Hochschule (Universit&auml;t) sind deshalb nicht mit der Entfernungspauschale, sondern in tats&auml;chlicher H&ouml;he als Werbungskosten zu ber&uuml;cksichtigen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Zwischen den Beteiligten ist streitig, ob Kosten der Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) f&uuml;r Fahrten zur Hochschule P mit der Pendlerpauschale oder nach Dienstreisegrunds&auml;tzen als vorab entstandene Werbungskosten zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die im Streitjahr (2006) zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden. Der Kl&auml;ger erzielte im Streitjahr Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit. Die 1968 geborene Kl&auml;gerin hatte im Streitjahr keine Eink&uuml;nfte. Sie beendete im Jahr 1995 ein Hochschulstudium als Diplom-Sozialp&auml;dagogin. Der Studienabschluss qualifizierte sie in Verbindung mit einem weiteren Fach auch f&uuml;r eine Lehramtst&auml;tigkeit an Berufskollegs. Nachdem die Kl&auml;gerin Anfang 2005 arbeitslos geworden war, begann sie im April 2005 ein Studium bei der Hochschule in P, Studiengang Lehramt an Berufkollegs\/Fach H. Ein entsprechendes Grundstudium schloss sie im Oktober 2007 erfolgreich ab. Ihr Studium an der Hochschule beendete sie im Wesentlichen im Sommer 2009. Nach dem Abschluss des Hochschulstudiums wollte die Kl&auml;gerin an einer Berufsschule als Lehrerin f&uuml;r Sozialp&auml;dagogik und H werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr machte die Kl&auml;gerin f&uuml;r ihr Studium Aufwendungen in H&ouml;he von insgesamt 5.787,09 EUR als (vorab entstandene) Werbungskosten geltend. Neben Semesterbeitr&auml;gen (1.586 EUR) und Kosten f&uuml;r B&uuml;romaterial und B&uuml;cher (286,09 EUR) handelte es sich hierbei um Kosten f&uuml;r insgesamt 145 Fahrten zur Hochschule nach P (3.915 EUR). Die Fahrtkosten ermittelte sie nach Dienstreisegrunds&auml;tzen, indem sie pro gefahrenem Kilometer (Entfernung zwischen Wohnung und Hochschule in P 45 km) 0,30 EUR ansetzte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr vom 20. Mai 2008 erkannte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Aufwendungen f&uuml;r das Studium lediglich in H&ouml;he von 3.761 EUR als Sonderausgaben an. Die Kosten f&uuml;r B&uuml;romaterial k&uuml;rzte er dabei um einen Betrag von 68,63 EUR, weil insoweit kein Zusammenhang mit dem Hochschulstudium erkennbar sei. Die Fahrtkosten zur Schule ber&uuml;cksichtigte er lediglich im Rahmen der Entfernungspauschale f&uuml;r Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte in H&ouml;he von 1.957,50 EUR (145 x 45 km x 0,30 EUR).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen legten die Kl&auml;ger Einspruch ein und begehrten u.a. die Ber&uuml;cksichtigung der Kosten f&uuml;r die Fahrten zu der Schule in der geltend gemachten H&ouml;he von 3.915 EUR. Das FA erlie&szlig; daraufhin unter dem 17. Oktober 2008 einen &Auml;nderungsbescheid f&uuml;r das Streitjahr, in dem es weitere Kosten der Kl&auml;gerin f&uuml;r B&uuml;romaterial und B&uuml;cher in H&ouml;he von 41 EUR als Berufsausbildungskosten anerkannte. Der Bescheid, in dem nunmehr Berufsausbildungskosten in H&ouml;he von insgesamt 3.802 EUR ber&uuml;cksichtigt sind, wurde zum Gegenstand des Einspruchsverfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Begehren der Kl&auml;ger in Bezug auf die weitergehende Anerkennung von Fahrtkosten blieb jedoch erfolglos. Mit Einspruchsentscheidung vom 29. Juni 2009 wies das FA den Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Die Kosten der Kl&auml;gerin f&uuml;r ihr Zweitstudium an der Hochschule seien zwar als vorab entstandene Werbungskosten anzuerkennen. Bei der Berechnung der abzugsf&auml;higen Aufwendungen seien die Kosten f&uuml;r Fahrten zwischen der Wohnung und der Hochschule jedoch nur eingeschr&auml;nkt gem&auml;&szlig; &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG) anzuerkennen. Danach seien Aufwendungen f&uuml;r Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte bei Benutzung eines Kraftwagens lediglich mit 0,30 EUR f&uuml;r jeden Entfernungskilometer anzusetzen. Diese Begrenzung sei auch bei beruflichen Bildungsma&szlig;nahmen zu beachten, da eine Ausbildungsst&auml;tte regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte im Sinne dieser Vorschriften sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen erhobene Klage blieb weitgehend ohne Erfolg. Das FA habe die Fahrtkosten f&uuml;r die Fahrten der Kl&auml;gerin von ihrer Wohnung zur Hochschule in P zutreffend als Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte behandelt und der Abzugsbeschr&auml;nkung des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG unterworfen. Deshalb sei die Klage nur insoweit begr&uuml;ndet, als das FA in der m&uuml;ndlichen Verhandlung erkl&auml;rt habe, im Streitjahr insgesamt 157 Fahrten der Kl&auml;gerin zur Hochschule als Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte anzuerkennen. Da der Steuerberechnung in dem angefochtenen Einkommensteuerbescheid bisher nur 145 Fahrten zugrunde gelegt worden seien, seien weitere (vorab entstandene) Werbungskosten in H&ouml;he von 162 EUR (12 x 45 km x 0,30 EUR) bei der Einkommensteuerveranlagung 2006 zu ber&uuml;cksichtigen (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2010, 1616).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des Finanzgerichts (FG) K&ouml;ln vom 28. April 2010&nbsp;&nbsp;7 K 2486\/09 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2006 vom 17. Oktober 2008 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 29. Juni 2009 insoweit abzu&auml;ndern, als die von der Kl&auml;gerin geltend gemachten Fahrten zwischen ihrer Wohnung und der Hochschule P nach Reisekostengrunds&auml;tzen ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Das angefochtene Urteil ist aufzuheben und der Klage stattzugeben (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Denn die Aufwendungen der Kl&auml;gerin f&uuml;r die Fahrten zur Hochschule nach P sind gem&auml;&szlig; &sect; 9 Abs. 1 Satz 1 EStG in tats&auml;chlicher H&ouml;he und nicht lediglich mit 0,30 EUR f&uuml;r jeden Entfernungskilometer (&sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG) als vorab entstandene Werbungskosten anzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Werbungskosten, n&auml;mlich Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen i.S. des &sect; 9 Abs. 1 Satz 1 EStG, liegen vor, wenn sie durch den Beruf oder durch die Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen veranlasst sind. Sie sind beruflich veranlasst, wenn ein objektiver Zusammenhang mit dem Beruf besteht und die Aufwendungen subjektiv zur F&ouml;rderung des Berufs get&auml;tigt werden. Dies gilt grunds&auml;tzlich auch dann, wenn der Steuerpflichtige gegenw&auml;rtig noch keine Einnahmen erzielt. Dann sind die Aufwendungen als vorab entstandene Werbungskosten abziehbar, wenn &#8211;wie zwischen den Beteiligten vorliegend zu Recht nicht in Streit steht&#8211; sie in einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Veranlassungszusammenhang mit sp&auml;teren Einnahmen stehen. Diese Voraussetzungen k&ouml;nnen auch bei berufsbezogenen Bildungsma&szlig;nahmen erf&uuml;llt sein (zuletzt Senatsurteil vom 27. Oktober 2011 VI R 52\/10, BFHE 235, 444, BFH\/NV 2012, 323). &sect; 4 Abs. 9, &sect; 9 Abs. 6 und &sect; 12 Nr. 5 EStG i.d.F. des Beitreibungsrichtlinie-Umsetzungsgesetzes (BeitrRLUmsG) vom 7. Dezember 2011 (BGBl I 2011, 2592), die nach &sect; 52 Abs. 12, 23d und 30a EStG i.d.F. des BeitrRLUmsG r&uuml;ckwirkend ab dem Veranlagungszeitraum 2004 gelten sollen, stehen dem im Streitfall schon deshalb nicht entgegen, weil die Kl&auml;gerin vor Beginn ihres Studiums an der Hochschule P ein Hochschulstudium als Diplom-Sozialp&auml;dagogin und damit unstreitig eine (erste) Berufsausbildung im Sinne dieser Vorschriften absolviert hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Als Werbungskosten abziehbar sind s&auml;mtliche Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der beruflichen Bildungsma&szlig;nahme stehen. Hierzu geh&ouml;ren auch Fahrt- bzw. Mobilit&auml;tskosten. Sie sind grunds&auml;tzlich gem&auml;&szlig; &sect; 9 Abs. 1 Satz 1 EStG in tats&auml;chlicher H&ouml;he zu ber&uuml;cksichtigen (Vorlagebeschluss des Senats vom 10. Januar 2008 VI R 17\/07, BFHE 219, 358, BStBl II 2008, 234 ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Im Interesse der verfassungsrechtlich gebotenen steuerlichen Lastengleichheit hat sich der Gesetzgeber daf&uuml;r entschieden, im Einkommensteuerrecht die objektive finanzielle Leistungsf&auml;higkeit nach dem Saldo aus den Erwerbseinnahmen einerseits und den beruflichen Erwerbsaufwendungen andererseits zu bemessen (objektives Nettoprinzip). Auch Kosten f&uuml;r die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte sind nach Auffassung des Senats beruflich veranlasst und damit Erwerbsaufwendungen (Beschluss in BFHE 219, 358, BStBl II 2008, 234, 244 f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das objektive Nettoprinzip erf&auml;hrt allerdings durch &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG insoweit eine Einschr&auml;nkung, als die Fahrtkosten zwischen Wohnung und (regelm&auml;&szlig;iger) Arbeitsst&auml;tte nicht im tats&auml;chlichen Umfang, sondern nur nach Ma&szlig;gabe einer Entfernungspauschale steuerlich abziehbar sind. Diese Begrenzung ist nach Ansicht des Senats im Grundsatz sachlich gerechtfertigt (Urteil vom 11. Mai 2005 VI R 7\/02, BFHE 209, 502, BStBl II 2005, 782). Denn liegt eine auf Dauer und Nachhaltigkeit angelegte (regelm&auml;&szlig;ige) Arbeitsst&auml;tte vor, so kann sich der Arbeitnehmer in unterschiedlicher Weise auf die immer gleichen Wege einstellen und so auf eine Minderung der Wegekosten hinwirken. Dies kann etwa durch Bildung von Fahrgemeinschaften und Nutzung &ouml;ffentlicher Verkehrsmittel und ggf. durch eine entsprechende Wohnsitznahme geschehen. F&uuml;r diesen Grundfall erweist sich die Regelung des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG als sachgerechte und folgerichtige Ausnahme vom objektiven Nettoprinzip (z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 11. Mai 2005 VI R 25\/04, BFHE 209, 523, BStBl II 2005, 791).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Begrenzung der Steuererheblichkeit von Wegekosten ist nach bisheriger Rechtsprechung des Senats auch bei Fahrten im Rahmen beruflicher Bildungsma&szlig;nahmen zu beachten. Denn danach ist eine Bildungseinrichtung regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte i.S. des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG, wenn diese h&auml;ufig &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum hinweg zum Zwecke eines Vollzeitunterrichts aufgesucht wird (BFH-Urteile vom 29. April 2003 VI R 86\/99, BFHE 202, 299, BStBl II 2003, 749; vom 22. Juli 2003 VI R 190\/97, BFHE 203, 111, BStBl II 2004, 886, und vom 10. April 2008 VI R 66\/05, BFHE 221, 35, BStBl II 2008, 825; vgl. auch FG M&uuml;nster, Urteil vom 27. August 2002&nbsp;&nbsp;1 K 5930\/01 E, EFG 2002, 1588, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Hieran h&auml;lt der erkennende Senat nicht l&auml;nger fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Denn auch wenn die berufliche Fort- oder Ausbildung die volle Arbeitszeit des Steuerpflichtigen in Anspruch nimmt, ist eine Bildungsma&szlig;nahme, auch wenn sie sich &#8211;wie vorliegend das von der Kl&auml;gerin zu Erwerbszwecken durchgef&uuml;hrte Vollzeitstudium&#8211; &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum erstreckt, regelm&auml;&szlig;ig vor&uuml;bergehend und nicht auf Dauer angelegt. Wie bei einer Ausw&auml;rtst&auml;tigkeit (vgl. bereits BFH-Urteile in BFHE 209, 502, BStBl II 2005, 782; vom 11. Mai 2005 VI R 70\/03, BFHE 209, 508, BStBl II 2005, 785) hat in einem solchen Fall der Steuerpflichtige typischerweise nicht die vorbezeichneten M&ouml;glichkeiten, seine Wegekosten gering zu halten (vgl. Bergkemper, Finanz-Rundschau 2008, 1072 &lt;1074&gt;). Damit ist eine Ausnahme von dem sonst geltenden Grundsatz der unbeschr&auml;nkten Abzugsf&auml;higkeit von Werbungskosten in den F&auml;llen der vollzeitigen Aus- und Fortbildung nicht gerechtfertigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im &Uuml;brigen kommt eine regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte i.S. des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG nur im Rahmen bezahlter Arbeit in Betracht (vgl. bereits BFH-Urteil vom 23. August 1979 VI R 87\/78, BFHE 128, 472, BStBl II 1979, 773). Nach neuerer Rechtsprechung versteht der BFH unter regelm&auml;&szlig;iger Arbeitsst&auml;tte nur eine ortsfeste dauerhafte betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, der der Arbeitnehmer zugeordnet ist und die er nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit, das hei&szlig;t fortdauernd und immer wieder aufsucht; dies ist regelm&auml;&szlig;ig der Betrieb des Arbeitgebers oder ein Zweigbetrieb (Urteile vom 10. Juli 2008 VI R 21\/07, BFHE 222, 391, BStBl II 2009, 818; vom 9. Juli 2009 VI R 21\/08, BFHE 225, 449, BStBl II 2009, 822; VI R 42\/08, BFH\/NV 2009, 1806, und vom 17. Juni 2010 VI R 35\/08, BFHE 230, 147, BStBl II 2010, 852). &quot;Regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte&quot; ist damit typischerweise der T&auml;tigkeitsmittelpunkt eines Arbeitnehmers, der in einem Arbeitsverh&auml;ltnis steht; die Beschr&auml;nkung des objektiven Nettoprinzips durch &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG ist auch nur insoweit gerechtfertigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Vorentscheidung beruht auf einer anderen Rechtsauffassung und ist daher aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Der Senat kann durcherkennen. Denn die Kl&auml;gerin hat unstreitig 157 Fahrten nach der Hochschule in P (Entfernung 45 km) mit dem eigenen PKW unternommen, so dass weitere Werbungskosten in H&ouml;he von (157 x 45 km x 0,30 EUR =) 2.119,50 EUR zu ber&uuml;cksichtigen sind und die Einkommensteuer 2006 entsprechend herabzusetzen ist. Die Berechnung der Steuer wird gem&auml;&szlig; &sect; 100 Abs. 2 FGO dem FA &uuml;bertragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.2.2012, VI R 44\/10 Fahrtkosten im Rahmen eines Vollzeitstudiums Leits&auml;tze 1. 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