{"id":8603,"date":"2012-12-05T04:25:15","date_gmt":"2012-12-05T02:25:15","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8603"},"modified":"2012-12-05T04:25:15","modified_gmt":"2012-12-05T02:25:15","slug":"ix-r-27-10-volle-degressive-jahres-afa-bei-rechtsnachfolge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-27-10-volle-degressive-jahres-afa-bei-rechtsnachfolge\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;27\/10 &#8211; Volle degressive Jahres-AfA bei Rechtsnachfolge"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 7.2.2012, IX R 27\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Volle degressive Jahres-AfA bei Rechtsnachfolge<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. 2005 erwarb die Erblasserin von einem Bautr&auml;ger eine (zu erstellende) Eigentumswohnung (ETW) in X, die sie nach Fertigstellung selbst zu nutzen beabsichtigte. Die ETW wurde vertragsgem&auml;&szlig; und bezugsfertig am 15. Dezember 2005 an die Erblasserin &uuml;bergeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 29. Dezember 2005 verstarb die Erblasserin, sie wurde von F und M je zur H&auml;lfte als Rechtsnachfolger und Beteiligte der Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagten (Kl&auml;gerin) beerbt. Die ETW war bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bezogen worden und wurde von der Kl&auml;gerin ab 1. Juli 2006 fremdvermietet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer Feststellungserkl&auml;rung f&uuml;r 2005 (Streitjahr) machte die Kl&auml;gerin gem&auml;&szlig; &sect; 7 Abs. 5 Satz 1 Nr. 3 c des Einkommensteuergesetzes in der f&uuml;r das Streitjahr geltenden Fassung (EStG) f&uuml;r die ETW Absetzungen f&uuml;r Abnutzung (AfA) in H&ouml;he von 9.757 EUR (4 % aus unstreitigen Anschaffungskosten von 243.915,70 EUR) geltend. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) gew&auml;hrte die AfA nur zeitanteilig f&uuml;r die drei Tage des Bestehens der Kl&auml;gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach erfolglosem Einspruchsverfahren gab das Finanzgericht (FG) der Klage statt und f&uuml;hrte zur Begr&uuml;ndung aus: Der Kl&auml;gerin stehe im Fertigstellungsjahr der ETW die degressive AfA gem&auml;&szlig; &sect; 7 Abs. 5 Satz 3 EStG nicht nur zeitanteilig, sondern in H&ouml;he des Jahresbetrags zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts (&sect; 7 Abs. 5 EStG, &sect; 11d Abs. 1 der Einkommensteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung &#8211;EStDV&#8211;). Das FA meint, dass die degressive AfA nach &sect; 7 Abs. 5 EStG den Rechtsnachfolgern der Erblasserin nur zeitanteilig zustehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>unter Aufhebung des FG-Urteils die Klage als unbegr&uuml;ndet abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt unter Verweis auf die Begr&uuml;ndung des FG, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zu Recht hat das FG der Kl&auml;gerin die degressive AfA nach &sect; 7 Abs. 5 EStG in H&ouml;he des Jahresbetrags zuerkannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen sind als Werbungskosten i.S. des &sect; 9 Abs. 1 Satz 1 EStG nach &sect; 9 Abs. 1 Satz 2 EStG bei der Einkunftsart Vermietung und Verpachtung abzuziehen, wenn sie bei ihr erwachsen, also durch sie veranlasst sind. Sie m&uuml;ssen also mit der auf Vermietung und Verpachtung gerichteten T&auml;tigkeit zusammenh&auml;ngen und zur F&ouml;rderung der Nutzungs&uuml;berlassung gemacht werden (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 20. Dezember 1994 IX R 122\/92, BFHE 177, 50, BStBl II 1995, 534, und vom 18. Dezember 2001 IX R 24\/98, BFH\/NV 2002, 904, m.w.N.). Unter diesen Voraussetzungen k&ouml;nnen auch Anschaffungs- oder Herstellungskosten (des Vermietungsobjekts) als Werbungskosten im Rahmen der AfA zu ber&uuml;cksichtigen sein (&sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 i.V.m. &sect; 7 EStG; BFH-Urteil vom 26. Januar 2011 IX R 24\/10, BFH\/NV 2011, 1480).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect; 7 Abs. 5 i.V.m. &sect; 7 Abs. 5a EStG k&ouml;nnen bei im Inland belegenen Eigentumswohnungen, die vom Steuerpflichtigen hergestellt oder bis zum Ende des Jahres der Fertigstellung angeschafft worden sind, abweichend von Abs. 4 als AfA im Jahr der Fertigstellung und in den folgenden Jahren in degressiv gestaffelten S&auml;tzen abgezogen werden. Nach &sect; 7 Abs. 5 Satz 3 EStG gilt aber &sect; 7 Abs. 1 Satz 4 EStG, der eine Minderung um jeweils ein Zw&ouml;lftel f&uuml;r jeden vollen Monat vor Anschaffung oder Herstellung vorsieht, nicht, so dass im Jahr der Anschaffung oder Herstellung die volle degressive Jahres-AfA zu gew&auml;hren ist (vgl. auch BFH-Urteil vom 13. Dezember 2005 IX R 42\/04, BFH\/NV 2006, 1452).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei unentgeltlich erworbenen Wirtschaftsg&uuml;tern (des Privatverm&ouml;gens) bemessen sich die AfA &#8211;soweit hier von Bedeutung&#8211; nach den Anschaffungs- und Herstellungskosten des Rechtsvorg&auml;ngers und nach dem Hundertsatz, der f&uuml;r den Rechtsvorg&auml;nger ma&szlig;gebend sein w&uuml;rde, wenn er noch Eigent&uuml;mer des Wirtschaftsguts w&auml;re, und zwar nur bis zur H&ouml;he des vom Rechtsvorg&auml;nger noch nicht ausgesch&ouml;pften AfA-Volumens (&sect; 11d Abs. 1 S&auml;tze 1 und 2 EStDV). Die Vorschrift regelt lediglich die Bemessungsgrundlage und &uuml;ber den Hundertsatz den Abzugszeitraum, setzt aber, weil keine selbst&auml;ndige Anspruchsgrundlage f&uuml;r den Abzug von AfA, die Berechtigung des Rechtsnachfolgers zum Abzug der AfA voraus (vgl. BFH-Urteile vom 4. Dezember 1991 X R 89\/90, BFHE 166, 346, BStBl II 1992, 295; vom 5. November 1996 IX R 105\/93, BFH\/NV 1997, 339; vom 20. M&auml;rz 2001 IX R 91\/97, BFH\/NV 2001, 1114). F&uuml;r die Inanspruchnahme muss der Rechtsnachfolger in seiner Person &#8211;und entgegen der Ansicht des FA nicht auch der Rechtsvorg&auml;nger&#8211; den objektiven und subjektiven Tatbestand der Einkunftsart Vermietung und Verpachtung verwirklichen (vgl. auch BFH-Urteile vom 4. September 1990 IX R 197\/87, BFHE 162, 404, BStBl II 1992, 69; vom 7. August 1991 X R 116\/89, BFHE 165, 267, BStBl II 1992, 736; jeweils zu &sect; 7b EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben hat das FG der aus den Rechtsnachfolgern der Erblasserin bestehenden Kl&auml;gerin zutreffend die AfA nach &sect; 7 Abs. 5 EStG in H&ouml;he des (vollen) Jahresbetrags gew&auml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den tats&auml;chlichen Feststellungen des FG (&sect; 118 Abs. 2 FGO) war die Kl&auml;gerin bereits im Streitjahr unstreitig zur Inanspruchnahme der AfA berechtigt. Denn sie hat mit Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht den Tatbestand der Einkunftsart Vermietung und Verpachtung durch Vermietung der geerbten ETW (ab Juli 2006) verwirklicht. Die AfA bemisst sich mithin nach den der Erblasserin entstandenen Anschaffungskosten. Unerheblich ist, dass die Erblasserin die ETW nicht vermieten, sondern selbst bewohnen wollte. Da die degressive AfA nach &sect; 7 Abs. 5 EStG keine zeitanteilige, sondern eine Jahres-AfA ist (&sect; 7 Abs. 5 Satz 3 i.V.m. Abs. 1 Satz 4 EStG), die Erblasserin keine AfA in Anspruch genommen hat und die Rechtsnachfolge im Jahr der Fertigstellung &#8211;wenn auch erst kurz vor dessen Ende&#8211; eingetreten ist, steht der Kl&auml;gerin die (volle) Jahres-AfA zu. Auch R 7.4 Abs. 2 der Einkommensteuer-Richtlinien 2005 steht im Streitfall &#8211;wie aus den Gr&uuml;nden des FG-Urteils ersichtlich&#8211; der Gew&auml;hrung der vollen Jahres-AfA nicht entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 7.2.2012, IX R 27\/10 Volle degressive Jahres-AfA bei Rechtsnachfolge Tatbestand 1&nbsp; I. 2005 erwarb die Erblasserin von einem Bautr&auml;ger eine (zu erstellende) Eigentumswohnung (ETW) in X, die sie nach Fertigstellung selbst zu nutzen beabsichtigte. Die ETW wurde vertragsgem&auml;&szlig; und bezugsfertig am 15. Dezember 2005 an die Erblasserin &uuml;bergeben. 2&nbsp; Am 29. 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