{"id":8618,"date":"2012-12-05T04:16:02","date_gmt":"2012-12-05T02:16:02","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=8618"},"modified":"2012-12-05T04:16:02","modified_gmt":"2012-12-05T02:16:02","slug":"i-b-97-11-abziehbarkeit-von-nachzahlungszinsen-und-steuerpflicht-von-erstattungszinsen-bei-kapitalgesellschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-97-11-abziehbarkeit-von-nachzahlungszinsen-und-steuerpflicht-von-erstattungszinsen-bei-kapitalgesellschaften\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;97\/11 &#8211; Abziehbarkeit von Nachzahlungszinsen und Steuerpflicht von Erstattungszinsen bei Kapitalgesellschaften"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.2.2012, I B 97\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Abziehbarkeit von Nachzahlungszinsen und Steuerpflicht von Erstattungszinsen bei Kapitalgesellschaften<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Nachzahlungs- und Aussetzungszinsen geh&ouml;ren nach &sect; 10 Nr. 2 KStG 2002 zu den nicht abziehbaren Aufwendungen und mindern deshalb auch nicht die Bemessungsgrundlage der K&ouml;rperschaftsteuer.<\/p>\n<p>2. Zinsen auf erstattete K&ouml;rperschaftsteuerzahlungen (sog. Erstattungszinsen) erh&ouml;hen das Einkommen der Kapitalgesellschaften. Die ge&auml;nderte Rechtsprechung des BFH (Urteil vom 15. Juni 2010 VIII R 33\/07, BFHE 230, 109, BStBl II 2011, 503), nach der &#8211;f&uuml;r die Rechtslage vor Inkrafttreten des JStG 2010 vom 8. Dezember 2010 (BGBl I 2010, 1768)&#8211; auf die Festsetzung von Einkommensteuer entfallende Erstattungszinsen nicht der Einkommensteuer unterliegen, ist auf die Einkommensermittlung von Kapitalgesellschaften, die &uuml;ber keine au&szlig;erbetriebliche Sph&auml;re verf&uuml;gen, nicht &uuml;bertragbar.<\/p>\n<p>3. Aus dem Folgerichtigkeitsgrundsatz ist kein verfassungsrechtliches Gebot der symmetrischen steuerlichen Behandlung der Nichtabziehbarkeit von Nachzahlungszinsen einerseits und des Verbots der Besteuerung von Erstattungszinsen andererseits abzuleiten.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), einer GmbH, f&uuml;r die Streitjahre (2002 und 2004) Nachforderungs- und Aussetzungszinsen gem&auml;&szlig; den &sect;&sect; 233a, 237 der Abgabenordnung (AO) in H&ouml;he von 72.098 EUR (2002) und 70.612,44 EUR (2004) fest und rechnete die Zinsen als nicht abziehbare Aufwendungen gem&auml;&szlig; &sect; 10 Nr. 2 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG 2002) dem Einkommen der Kl&auml;gerin wieder hinzu. Nach den Erl&auml;uterungen der Kl&auml;gerin im Klageverfahren betreffen die Zinsen im Wesentlichen die K&ouml;rperschaftsteueranspr&uuml;che 1981 bis 1986. F&uuml;r das Streitjahr 2002 ergaben sich zudem Erstattungszinsen in H&ouml;he von 3.590,49 EUR, die nach Ansicht des FA gleichfalls das Einkommen der Kl&auml;gerin erh&ouml;hen. Die Einspr&uuml;che gegen die auf dieser rechtlichen Beurteilung f&uuml;r die Streitjahre ergangenen Bescheide zur Festsetzung der K&ouml;rperschaftsteuer, des Solidarit&auml;tszuschlags sowie des Gewerbesteuermessbetrags blieben ohne Erfolg. Die Klage wurde vom Finanzgericht D&uuml;sseldorf mit Urteil vom 17. Mai 2011&nbsp;&nbsp;6 K 703\/08 K,G abgewiesen und die Revision nicht zugelassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die gegen die Nichtzulassung der Revision erhobene Beschwerde bleibt ohne Erfolg. Die Rechtsfragen, ob Zinsen auf erstattete K&ouml;rperschaftsteuerzahlungen das Einkommen der Kapitalgesellschaft erh&ouml;hen und ob Nachzahlungszinsen sowie Aussetzungszinsen zu den nicht abziehbaren Aufwendungen i.S. von &sect; 10 Nr. 2 KStG 2002 geh&ouml;ren, sind auch mit R&uuml;cksicht auf die von der Kl&auml;gerin vorgetragenen verfassungsrechtlichen Bedenken im Sinne des vorinstanzlichen Urteils zu entscheiden. Der Rechtssache kommt deshalb keine grunds&auml;tzliche Bedeutung zu (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) erh&ouml;hen die sich aus der erstmaligen oder einer ge&auml;nderten Festsetzung der K&ouml;rperschaftsteuer nach &sect; 233a AO ergebenden Zinsanspr&uuml;che der Kapitalgesellschaft (sog. Erstattungszinsen) ihr zu versteuerndes Einkommen (BFH-Urteile vom 6. Oktober 2009 I R 39\/09, BFH\/NV 2010, 470; vom 23. November 1988 I R 180\/85, BFHE 154, 552, BStBl II 1989, 116; vom 25. April 1990 I R 70\/88, BFHE 161, 353, BStBl II 1990, 1086).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der beschlie&szlig;ende Senat hat sich an dieser Beurteilung nicht durch die Regelung des &sect; 10 Nr. 2 erster Halbsatz KStG 2002 gehindert gesehen, nach der die Steuern vom Einkommen nicht zu Aufwendungen geh&ouml;ren, die vom Einkommen abgezogen werden d&uuml;rfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Regelung will &#8211;ebenso wie die Vorg&auml;ngerbestimmungen&#8211; lediglich sicherstellen, dass sich die K&ouml;rperschaftsteuer nicht einkommensmindernd auswirkt und nicht ihre eigene Bemessungsgrundlage reduziert (BFH-Urteil in BFHE 161, 353, BStBl II 1990, 1086; Herrmann\/Heuer\/Raupach\/Hollatz, &sect; 10 KStG Rz 50). Sie muss &#8211;entsprechend dieser Zielsetzung&#8211; zwar auch in der Situation der &Uuml;berzahlung von K&ouml;rperschaftsteuer (sog. actus primus) Beachtung finden mit der Folge, dass die Erstattung der zuviel entrichteten K&ouml;rperschaftsteuer als sog. actus contrarius nicht zu den steuerpflichtigen Einnahmen zu rechnen ist (z.B. BFH-Urteil vom 4. Dezember 1991 I R 26\/91, BFHE 167, 32, BStBl II 1992, 686; BFH-Beschluss vom 20. November 2007 I R 54\/05, BFH\/NV 2008, 617; Gosch\/Heger, KStG, 2. Aufl., &sect; 10 Rz 29). Im &Uuml;brigen hat es die Rechtsprechung aber abgelehnt, &uuml;ber den Bereich gegenl&auml;ufiger K&ouml;rperschaftsteuerzahlungen hinaus sonstige Betriebseinnahmen, die im Zusammenhang mit der K&ouml;rperschaftsteuer stehen, von deren Bemessungsgrundlagen auszunehmen. Demgem&auml;&szlig; geh&ouml;ren beispielweise Schadensersatzforderungen einer GmbH gegen ihren Steuerberater auch insoweit zu den steuerpflichtigen Einnahmen, als sie auf den Ausgleich zu hoher K&ouml;rperschaftsteuerfestsetzungen gerichtet sind (BFH-Urteil in BFHE 167, 32, BStBl II 1992, 686; Senatsbeschluss vom 8. September 2011 I R 78\/10, BFH\/NV 2012, 44; Gosch\/Heger, a.a.O., &sect; 10 Rz 29, jeweils m.w.N.). Gleiches muss &#8211;erst recht&#8211; f&uuml;r Erstattungszinsen gelten; auch sie sind nicht dem unmittelbaren Bereich gegenl&auml;ufiger K&ouml;rperschaftsteuerzahlungen zugeordnet. Vielmehr wollen die Vorschriften zur Gew&auml;hrung von Erstattungszinsen einen Ausgleich daf&uuml;r schaffen, dass dem Steuerschuldner aufgrund der &uuml;berh&ouml;hten Steuerzahlungen die M&ouml;glichkeit zur Kapitalnutzung entzogen ist (vgl. zu Prozesszinsen BFH-Urteil vom 8. April 1986 VIII R 260\/82, BFHE 146, 408, BStBl II 1986, 557; zu &sect; 233a AO s. BFH-Urteil vom 19. M&auml;rz 1997 I R 7\/96, BFHE 182, 293, BStBl II 1997, 446); ihre Steuerpflicht f&uuml;hrt zudem zur Gleichbehandlung mit dem (gedachten) Fall, dass die Kapitalgesellschaft eine &Uuml;berzahlung von K&ouml;rperschaftsteuer vermeidet und das hierdurch frei gewordene Kapital z.B. als verzinsliches Darlehen ausreicht (vgl. BFH-Urteil vom 18. Februar 1975 VIII R 104\/70, BFHE 115, 216, BStBl II 1975, 568).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die K&ouml;rperschaftsteuerpflicht von Erstattungszinsen gr&uuml;ndet aber nicht nur in dem begrenzten Regelungszweck des &sect; 10 Nr. 2 erster Halbsatz KStG 2002 und der hierdurch gebotenen &quot;engen Auslegung&quot; der Vorschrift (vgl. Senatsurteil in BFHE 161, 353, BStBl II 1990, 1086). Sie ist in systematischer Hinsicht dar&uuml;ber hinaus auch dadurch bestimmt, dass nach st&auml;ndiger Rechtsprechung Kapitalgesellschaften k&ouml;rperschaftsteuerrechtlich &uuml;ber keine au&szlig;erbetriebliche Sph&auml;re verf&uuml;gen (z.B. BFH-Urteil vom 22. August 2007 I R 32\/06, BFHE 218, 523, BStBl II 2007, 961) und deshalb nach &sect; 8 Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 KStG 2002 alle Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle Einfluss auf die H&ouml;he ihrer gewerblichen Eink&uuml;nfte nehmen (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 617). Hiernach geh&ouml;rt auch die Belastung mit K&ouml;rperschaftsteuer zu den betrieblich veranlassten Aufwendungen einer Kapitalgesellschaft, die nur deshalb bei der Berechnung des zu versteuernden Einkommens nicht mindernd zu ber&uuml;cksichtigen sind, weil dies durch die Bestimmung des &sect; 10 Nr. 2 KStG 2002 ausdr&uuml;cklich ausgeschlossen ist (BFH-Urteil in BFHE 167, 32, BStBl II 1992, 686; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 617). Im &Uuml;brigen verbleibt es dabei, dass die in dieser Vorschrift nicht geregelten Verm&ouml;genszuw&auml;chse als Teil der von der Kapitalgesellschaft erzielten Eink&uuml;nfte zu erfassen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Hierauf aufbauend hat der beschlie&szlig;ende Senat an der Steuerpflicht von Schadensersatzleistungen f&uuml;r unzutreffende K&ouml;rperschaftsteuerfestsetzungen ungeachtet dessen festgehalten, dass nach dem Urteil des BFH vom 18. Juni 1998 IV R 61\/97 (BFHE 186, 363, BStBl II 1998, 621) Ausgleichszahlungen f&uuml;r eine vom Berater zu vertretene zu hohe Einkommensteuerfestsetzung nicht als Betriebseinnahme zu erfassen sind, weil die Einkommensteuer &#8211;und damit auch ein hierf&uuml;r geleisteter Schadensersatz&#8211; nicht die Erwerbssph&auml;re der einkommensteuerpflichtigen nat&uuml;rlichen Personen, sondern deren Privatsph&auml;re betrifft. Der Senat hat mit Beschluss in BFH\/NV 2008, 617 ausdr&uuml;cklich darauf hingewiesen, dass diese einkommensteuerlichen Grunds&auml;tze f&uuml;r die K&ouml;rperschaftsteuer von Kapitalgesellschaften deshalb ohne Bedeutung sind, weil Kapitalgesellschaften k&ouml;rperschaftsteuerrechtlich keine au&szlig;erbetriebliche Sph&auml;re haben. Dem entspricht, dass dem einkommensteuerlichen Abzugsverbot f&uuml;r Steuern vom Einkommen nach &sect; 12 Nr. 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) nach der Rechtsprechung des BFH im Kern nur deklaratorische Bedeutung zukommt (BFH-Beschluss vom 21. Oktober 2010 IV R 6\/08, BFH\/NV 2011, 430), w&auml;hrend &sect; 10 Nr. 2 KStG 2002 als Sonderbestimmung zu verstehen ist, die rechtsbegr&uuml;ndend die allgemeinen Regeln zur Einkommensermittlung nach &sect; 8 KStG 2002 durchbricht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Rechtsprechungsgrunds&auml;tze kann der mit der Beschwerde aufgeworfenen Frage, ob das Urteil des BFH vom 15. Juni 2010 VIII R 33\/07 (BFHE 230, 109, BStBl II 2011, 503), nach dem Erstattungszinsen f&uuml;r &uuml;berh&ouml;hte Einkommensteuerzahlungen nicht der Einkommensbesteuerung unterliegen, dazu f&uuml;hren m&uuml;sse, dass auch &sect; 10 Nr. 2 KStG 2002 eine au&szlig;erbetriebliche Sph&auml;re begr&uuml;nde und deshalb auch f&uuml;r &uuml;berh&ouml;hte K&ouml;rperschaftsteuerzahlungen angefallene Erstattungszinsen nicht in das Einkommen der Kapitalgesellschaft gem&auml;&szlig; &sect; 8 Abs. 1 KStG 2002 eingingen, keine grunds&auml;tzliche Bedeutung zugemessen werden. Demgem&auml;&szlig; er&uuml;brigen sich im Rahmen des anh&auml;ngigen Beschwerdeverfahrens auch Ausf&uuml;hrungen dazu, ob &#8211;wie von der Kl&auml;gerin weiterhin vorgetragen&#8211; die durch das Jahressteuergesetz (JStG) 2010 vom 8. Dezember 2010 (BGBl I 2010, 1768) getroffene Neuregelung des &sect; 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 3 EStG &quot;rechtstechnisch&quot; &uuml;berhaupt die Steuerpflicht von Erstattungszinsen anordne (vgl. hierzu z.B. Panzer\/Gebert, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2011, 741) und ob die in &sect; 52a Abs. 8 Satz 2 EStG 2009 i.d.F. des JStG 2010 bestimmte echte R&uuml;ckwirkung verfassungsgem&auml;&szlig; ist (s. Rublack, Finanz-Rundschau 2011, 173).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das Urteil des VIII. Senats des BFH in BFHE 230, 109, BStBl II 2011, 503 fu&szlig;t zum einen auf der Erw&auml;gung, dass &sect; 12 Nr. 3 EStG f&uuml;r bestimmte Steuern (z.B. Einkommensteuern) nicht lediglich ein gesetzliches Abzugsverbot regele, sondern die Norm diese Steuern &quot;schlechthin dem nichtsteuerbaren Bereich&quot; zuweise. Diese Ausf&uuml;hrungen sind bereits in ihrem Ausgangspunkt auf die K&ouml;rperschaftsteuerbelastung von Kapitalgesellschaften nicht &uuml;bertragbar, da diese &#8211;wie ausgef&uuml;hrt&#8211; &uuml;ber keine au&szlig;erbetriebliche Sph&auml;re und damit auch &uuml;ber keinen schlechthin nichtsteuerbaren Bereich verf&uuml;gen; demgem&auml;&szlig; erh&ouml;ht &#8211;vorbehaltlich einer entgegenstehenden Sonderbestimmung&#8211; jeder Verm&ouml;genszuwachs der Kapitalgesellschaft zugleich auch ihr Einkommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nichts anderes ergibt sich aus der weiteren Erw&auml;gung des Urteils in BFHE 230, 109, BStBl II 2011, 503, nach der Erstattungszinsen angesichts ihres akzessorischen Charakters das Schicksal der gem&auml;&szlig; &sect; 12 Nr. 3 EStG nicht steuerbaren Hauptforderung teilten. Zwar f&uuml;hrt auch die Erstattung von K&ouml;rperschaftsteuer nicht zum Ansatz einer steuerpflichtigen Betriebseinnahme. Unber&uuml;hrt hiervon bleibt jedoch, dass die K&ouml;rperschaftsteuer &#8211;im Gegensatz zur einkommensteuerrechtlichen Wertung&#8211; als betrieblich veranlasster Aufwand zu qualifizieren ist und deshalb die im Zusammenhang mit der K&ouml;rperschaftsteuer anfallenden Einnahmen nur nach Ma&szlig;gabe der Regelungen des &sect; 10 Nr. 2 KStG 2002 aus dem von der Kapitalgesellschaft zu versteuernden Einkommen ausgeklammert werden k&ouml;nnen. Wenn hiernach aber &#8211;trotz der abweichenden einkommensteuerrechtlichen Beurteilung&#8211; Schadensersatzzahlungen f&uuml;r &uuml;berh&ouml;hte K&ouml;rperschaftsteuerfestsetzungen nicht unter die Bestimmung des &sect; 10 Nr. 2 KStG 2002 zu fassen, sondern als Betriebseinnahmen anzusetzen sind, so ist nicht erkennbar, weshalb das Urteil in BFHE 230, 109, BStBl II 2011, 503 zur einkommensteuerrechtlichen Behandlung von Erstattungszinsen Anlass geben k&ouml;nnte, die st&auml;ndige Rechtsprechung des BFH in Frage zu stellen, nach der solche Zinsen das Einkommen von Kapitalgesellschaften erh&ouml;hen (gl.A. Oberfinanzdirektion M&uuml;nster, Verf&uuml;gung vom 13. Dezember 2010, DStR 2011, 222; C. Korn, Steuerrecht kurzgefasst 2011, 187; a.A. z.B. Heuel\/Felten, Betriebs-Berater 2011, 1126).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Rechtsstreit der Beteiligten ist schlie&szlig;lich nicht deshalb von grunds&auml;tzlicher Bedeutung, weil es der Kl&auml;rung bed&uuml;rfte, ob die unterschiedliche Behandlung von &#8211;nicht abziehbaren&#8211; Nachzahlungszinsen einerseits sowie &#8211;steuerpflichtigen&#8211; Erstattungszinsen andererseits gegen das aus dem Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes abzuleitende Folgerichtigkeitsgebot versto&szlig;e.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zwar kann im Ausgangspunkt nicht fraglich sein, dass nach dem unmissverst&auml;ndlichen Wortlaut des &sect; 10 Nr. 2 zweiter Halbsatz KStG 2002 auch die auf die K&ouml;rperschaftsteuer entfallenen Nebenleistungen (&sect; 3 Abs. 4 AO) und somit sowohl die Nachzahlungszinsen gem&auml;&szlig; &sect; 233a AO als auch die Aussetzungszinsen gem&auml;&szlig; &sect; 237 AO zu den nicht abziehbaren Aufwendungen geh&ouml;ren, die die Bemessungsgrundlage der K&ouml;rperschaftsteuer nicht mindern. Auch ist es zutreffend, dass der Senat die mit &sect; 10 Nr. 2 zweiter Halbsatz KStG 2002 verbundene Durchbrechung des Nettoprinzips damit gerechtfertigt hat, dass die Vorschrift nach ihrer Entstehungsgeschichte eine Gleichbehandlung mit Personenunternehmern bezwecke, die nach &sect; 12 Nr. 3 zweiter Halbsatz EStG einem inhaltsgleichen Abzugsverbot f&uuml;r steuerliche Nebenleistungen unterworfen sind (Senatsurteil in BFH\/NV 2010, 470); dar&uuml;ber hinaus hat der Senat darauf hingewiesen, dass im Rahmen der allgemeinen Zielsetzung einer m&ouml;glichst rechtsformneutralen Besteuerung auch zu ber&uuml;cksichtigen sei, dass nicht nur Kapitalgesellschaften Zinsen f&uuml;r die R&uuml;ckerstattung von K&ouml;rperschaftsteuern, sondern &#8211;so die fr&uuml;here Rechtsprechung des BFH&#8211; auch nat&uuml;rliche Personen die auf die Erstattung von Einkommensteuern entfallenen Guthabenzinsen zu versteuern h&auml;tten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ob an dieser Begr&uuml;ndung vor dem Hintergrund der zwischenzeitlichen Rechtsentwicklung uneingeschr&auml;nkt festzuhalten ist, kann der Senat im Rahmen des vorliegenden Verfahrens offenlassen. Jedenfalls hat der Senat in dem zuletzt genannten Urteil (in BFH\/NV 2010, 470) unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) betont, dass der Gesetzgeber von Verfassungs wegen nicht zu einer rechtsformneutralen Ausgestaltung der Besteuerungsvorschriften verpflichtet ist (BVerfG-Beschluss vom 21. Juni 2006&nbsp;&nbsp;2 BvL 2\/99, BVerfGE 116, 164). Demgem&auml;&szlig; kann es keinem Zweifel unterliegen, dass &#8211;angesichts der bestehenden systematischen Unterschiede in der Besteuerung von Kapitalgesellschaften und nat&uuml;rlichen Personen&#8211; Zinsen f&uuml;r r&uuml;ckerstattete K&ouml;rperschaftsteuerzahlungen unabh&auml;ngig davon der einheitlichen Erwerbssph&auml;re der Kapitalgesellschaft zuzuordnen sind, ob solche Zinsen, wenn sie durch &uuml;berh&ouml;hte Einkommensteuerzahlungen veranlasst sind, in die Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer eingehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ebenfalls bedarf es keiner weiteren Kl&auml;rung in einem Revisionsverfahren, dass der Gesetzgeber nicht gehalten ist, Erstattungszinsen nach dem Grundsatz der Folgerichtigkeit von der K&ouml;rperschaftsteuerpflicht auszunehmen, weil er in &sect; 10 Nr. 2 zweiter Halbsatz KStG 2002 Nachzahlungszinsen einem Abzugsverbot unterworfen hat. Soweit die Kl&auml;gerin insoweit darauf verweist, dass im Schrifttum aus dem Folgerichtigkeitsgrundsatz das Prinzip der symmetrischen (&auml;quivalenten) Behandlung von Betriebsausgaben und Betriebseinnahmen abgeleitet werde, ist dem nicht weiter nachzugehen. Der Vortrag l&auml;sst nicht nur au&szlig;er Acht, dass es nach st&auml;ndiger Rechtsprechung keinen allgemeinen Grundsatz gibt, nach dem R&uuml;ckzahlungen deshalb nicht zu steuerpflichtigen Einnahmen f&uuml;hren d&uuml;rfen, weil die zugrunde liegenden (zu erstattenden) Zahlungen vom Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzug ausgeschlossen waren (z.B. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 617; BFH-Urteil in BFHE 115, 216, BStBl II 1975, 568). Hinzu kommt vor allem, dass Erstattungszinsen den vor&uuml;bergehenden Entzug von Kapital ausgleichen wollen und ihre Steuerpflicht der Versteuerung beispielsweise von aufgrund der Ausreichung von Kapital erzielten Darlehenszinsen entspricht. Das Abzugsverbot f&uuml;r Nachzahlungszinsen nach &sect; 10 Nr. 2 zweiter Halbsatz KStG 2002 zielt demgegen&uuml;ber auf eine Gleichbehandlung mit der Steuerbelastung nat&uuml;rlicher Personen, die solche Nebenleistungen nicht abziehen k&ouml;nnen. Erstattungszinsen und Nachzahlungszinsen nach &sect; 233a AO oder &sect; 237 AO betreffen mithin weder die R&uuml;ckabwicklung des n&auml;mlichen Zahlungsvorgangs noch wirtschaftlich vergleichbare Sachverhalte. Demgem&auml;&szlig; besteht auch kein tragf&auml;higer Grund daf&uuml;r, aus dem Folgerichtigkeitsgrundsatz ein Gebot der symmetrischen Behandlung des Inhalts abzuleiten, dass der Nichtabziehbarkeit von Nachzahlungszinsen ein Verbot der Besteuerung von Erstattungszinsen entsprechen m&uuml;sse (offen BFH-Urteil in BFHE 230, 109, BStBl II 2011, 503).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Im &Uuml;brigen sieht der Senat von einer Begr&uuml;ndung dieses Beschlusses ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.2.2012, I B 97\/11 Abziehbarkeit von Nachzahlungszinsen und Steuerpflicht von Erstattungszinsen bei Kapitalgesellschaften Leits&auml;tze 1. Nachzahlungs- und Aussetzungszinsen geh&ouml;ren nach &sect; 10 Nr. 2 KStG 2002 zu den nicht abziehbaren Aufwendungen und mindern deshalb auch nicht die Bemessungsgrundlage der K&ouml;rperschaftsteuer. 2. Zinsen auf erstattete K&ouml;rperschaftsteuerzahlungen (sog. Erstattungszinsen) erh&ouml;hen das Einkommen der Kapitalgesellschaften. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-97-11-abziehbarkeit-von-nachzahlungszinsen-und-steuerpflicht-von-erstattungszinsen-bei-kapitalgesellschaften\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;B&nbsp;97\/11 &#8211; Abziehbarkeit von Nachzahlungszinsen und Steuerpflicht von Erstattungszinsen bei Kapitalgesellschaften<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-8618","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8618"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8618\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}