{"id":9113,"date":"2012-12-20T06:42:08","date_gmt":"2012-12-20T04:42:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9113"},"modified":"2012-12-20T06:42:08","modified_gmt":"2012-12-20T04:42:08","slug":"iii-r-46-08-kindergeld-fuer-ein-arbeitsloses-behindertes-kind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-46-08-kindergeld-fuer-ein-arbeitsloses-behindertes-kind\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;46\/08 &#8211; Kindergeld f&uuml;r ein arbeitsloses behindertes Kind"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.12.2011, III R 46\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld f&uuml;r ein arbeitsloses behindertes Kind<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die am 30. August 1977 geborene Tochter T der Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist behindert. Laut amtlichem Schwerbehindertenausweis betr&auml;gt der Grad der Behinderung (GdB) 50. F&uuml;r den Zeitraum vom 1. Juli 2004 bis zum 25. Mai 2005 bewilligte ihr die Agentur f&uuml;r Arbeit &Uuml;bergangsgeld gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 97 ff. des Dritten Buches Sozialgesetzbuch i.V.m. &sect; 33, &sect;&sect; 44 ff. des Neunten Buches Sozialgesetzbuch f&uuml;r einen gef&ouml;rderten Ausbildungslehrgang.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) hob die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r T im Hinblick auf deren Vollendung des 27. Lebensjahres ab September 2004 mit Bescheid vom 21. Juli 2004 auf. Der Einspruch der Kl&auml;gerin blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Klageverfahrens setzte die Familienkasse mit &Auml;nderungsbescheid vom 30. Juni 2005 f&uuml;r die Monate September 2004 bis Mai 2005 Kindergeld fest. Den daraufhin von der Kl&auml;gerin gestellten Antrag, ihr Kindergeld auch ab Juni 2005 zu bewilligen, lehnte die Familienkasse mit Bescheid vom 30. August 2006 ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im M&auml;rz 2007 wurde T durch den &auml;rztlichen Dienst der Agentur f&uuml;r Arbeit untersucht. Der untersuchende Arzt kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, T sei &#8211;unter Ber&uuml;cksichtigung von Leistungseinschr&auml;nkungen&#8211; vollschichtig leistungsf&auml;hig f&uuml;r T&auml;tigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes; urs&auml;chlich f&uuml;r die Unf&auml;higkeit zum Selbstunterhalt sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Der Gutachter f&uuml;hrte zudem aus, wegen ihres kleinen Kindes wolle T sich zur Zeit nur drei bis vier Stunden pro Tag zur Verf&uuml;gung stellen. Dieses Ergebnis &uuml;bernahm die Reha\/SB-Stelle der Agentur f&uuml;r Arbeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab, da es nicht habe feststellen k&ouml;nnen, dass T wegen ihrer Behinderung zum Selbstunterhalt au&szlig;erstande sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die fehlerhafte Anwendung des &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitzeitraum geltenden Fassung (EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;, die Familienkasse unter Aufhebung des FG-Urteils und des Ablehnungsbescheids vom 30. August 2006 zu verpflichten, Kindergeld ab Juni 2005 festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Klage ist als ge&auml;nderte Klage (&sect; 67 FGO) -weiter- zul&auml;ssig. Die vom Bundesfinanzhof von Amts wegen auch noch im Revisionsverfahren in jeder Verfahrenslage zu &uuml;berpr&uuml;fenden Sachentscheidungsvoraussetzungen im finanzgerichtlichen Verfahren (vgl. Senatsurteil vom 19. Mai 2004 III R 18\/02, BFHE 206, 201, BStBl II 2004, 980, m.w.N.) liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Gem&auml;&szlig; &sect; 62 Abs. 1, &sect; 63 Abs. 1 S&auml;tze 1 und 2 i.V.m. &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG besteht f&uuml;r ein vollj&auml;hriges Kind unter weiteren &#8211;hier nicht streitigen&#8211; Voraussetzungen ein Anspruch auf Kindergeld, wenn es wegen k&ouml;rperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung au&szlig;erstande ist, sich selbst zu unterhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der Rechtsprechung des Senats (Urteil vom 19. November 2008 III R 105\/07, BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057, unter II.1.a, m.w.N.) ist ein behindertes Kind au&szlig;erstande, sich selbst zu unterhalten, wenn es seinen gesamten notwendigen Lebensunterhalt nicht mit den ihm zur Verf&uuml;gung stehenden finanziellen Mitteln bestreiten kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ein behindertes Kind kann sowohl wegen der Behinderung als auch wegen der allgemein ung&uuml;nstigen Situation auf dem Arbeitsmarkt oder wegen anderer Umst&auml;nde (z.B. mangelnder Mitwirkung bei der Arbeitsvermittlung, Ablehnung von Stellenangeboten) arbeitslos und damit au&szlig;erstande sein, sich selbst zu unterhalten. Ein Anspruch auf Kindergeld besteht nur dann, wenn die Behinderung nach den Gesamtumst&auml;nden des Einzelfalles in erheblichem Umfang miturs&auml;chlich daf&uuml;r ist, dass das Kind nicht seinen (gesamten) Lebensunterhalt durch eigene Erwerbst&auml;tigkeit bestreiten kann (Senatsurteil in BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057, unter II.1.b und c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nicht urs&auml;chlich ist die Behinderung in der Regel bei einem GdB von weniger als 50. Bei einem GdB von 50 &#8211;wie im Streitfall&#8211; oder mehr m&uuml;ssen besondere Umst&auml;nde hinzutreten, aufgrund derer eine Erwerbst&auml;tigkeit unter den &uuml;blichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes ausgeschlossen erscheint (Senatsurteil in BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057, unter II.1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ein Indiz f&uuml;r die F&auml;higkeit des behinderten Kindes zum Selbstunterhalt kann zwar die Feststellung in &auml;rztlichen Gutachten &#8211;z.B. von der Reha\/SB-Stelle der Agentur f&uuml;r Arbeit oder eines vom Gericht beauftragten &auml;rztlichen Sachverst&auml;ndigen&#8211; sein, das Kind sei nach Art und Umfang seiner Behinderung in der Lage, eine arbeitslosenversicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden w&ouml;chentlich umfassende Besch&auml;ftigung unter den &uuml;blichen Bedingungen des f&uuml;r das Kind in Betracht kommenden Arbeitsmarktes auszu&uuml;ben. Selbst wenn nach den Gutachten eine &quot;vollschichtige T&auml;tigkeit&quot; f&uuml;r m&ouml;glich gehalten wird, ist die theoretische M&ouml;glichkeit, das behinderte Kind am allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln, aber allein nicht geeignet, die (Mit-)Urs&auml;chlichkeit der Behinderung auszuschlie&szlig;en. Entscheidend kann nur die konkrete Bewertung der jeweiligen Situation des behinderten Kindes sein (Senatsurteil in BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057, unter II.2.a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Auch dem GdB kommt eine wichtige indizielle Bedeutung f&uuml;r die Pr&uuml;fung der Urs&auml;chlichkeit der Behinderung f&uuml;r die mangelnde F&auml;higkeit zum Selbstunterhalt zu. Je h&ouml;her der GdB ist, desto st&auml;rker wird die Vermutung, dass die Behinderung der erhebliche Grund f&uuml;r die fehlende Erwerbst&auml;tigkeit ist. Dagegen spricht ein GdB unter 50 eher gegen eine Kausalit&auml;t der Behinderung (vgl. Senatsurteil in BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057, unter II.2.c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Ein Indiz f&uuml;r eine Vermittelbarkeit des behinderten Kindes auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kann z.B. auch eine &#8211;nicht behinderungsspezifische&#8211; Berufsausbildung sein. Andererseits gilt auch hier, dass noch weitere Umst&auml;nde hinzukommen m&uuml;ssen, bis eine Teilnahme am Erwerbsleben als m&ouml;glich angesehen werden kann. Behinderungsspezifische Ausbildungen und Praktika sprechen eher gegen eine Vermittelbarkeit am allgemeinen Arbeitsmarkt, da sie m&ouml;glicherweise den Schluss auf nur bedingte Einsatzm&ouml;glichkeiten zulassen (Senatsurteil in BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057, unter II.2.d).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ee) Steht das behinderte Kind der Arbeitsvermittlung der Agentur f&uuml;r Arbeit zur Verf&uuml;gung und kann die Agentur f&uuml;r Arbeit in einem mittelfristigen Zeitraum keine Stellenangebote benennen oder hat sich das behinderte Kind mittelfristig mehrfach erfolglos beworben, wird dies in der Regel gegen dessen Vermittelbarkeit sprechen und somit daf&uuml;r, dass die Behinderung in erheblichem Umfang miturs&auml;chlich war f&uuml;r die mangelnde F&auml;higkeit zum Selbstunterhalt durch eigene Erwerbst&auml;tigkeit (Senatsurteil in BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057, unter II.2.e).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ist keine erhebliche Miturs&auml;chlichkeit f&uuml;r die Arbeitslosigkeit anzunehmen, besteht ein Anspruch auf Kindergeld auch dann, wenn die Eink&uuml;nfte, die das Kind aus einer &#8211;trotz der Behinderung m&ouml;glichen&#8211; Erwerbst&auml;tigkeit erzielen k&ouml;nnte, nicht ausreichen w&uuml;rden, seinen gesamten Lebensbedarf (existenziellen Grundbedarf und behinderungsbedingten Mehrbedarf) zu decken (Senatsurteil vom 22. Oktober 2009 III R 50\/07, BFHE 228, 17, BStBl II 2011, 38).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Entscheidung &uuml;ber die Miturs&auml;chlichkeit hat das FG als Tatsacheninstanz unter Ber&uuml;cksichtigung aller Umst&auml;nde des einzelnen Falles und unter Abw&auml;gung der f&uuml;r und gegen eine Miturs&auml;chlichkeit sprechenden Indizien zu treffen. Das Urteil des FG, das vor den Grundsatzurteilen des Senats in BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057 und in BFHE 228, 17, BStBl II 2011, 38 ergangen ist, war aufzuheben, weil das FG bei seiner Entscheidung nicht alle zu ber&uuml;cksichtigenden Umst&auml;nde und Indizien in seine W&uuml;rdigung einbezogen hat. Es hat daher nicht in der gebotenen Gesamtw&uuml;rdigung gepr&uuml;ft, ob die Behinderung in erheblichem Umfang miturs&auml;chlich daf&uuml;r war, dass T keinen Arbeitsplatz gefunden hat. Insbesondere reicht die pauschale Feststellung nicht, T sei unter Ber&uuml;cksichtigung der verschiedenen Leistungseinschr&auml;nkungen f&uuml;r T&auml;tigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes vollschichtig leistungsf&auml;hig. Das FG hat insoweit ersichtlich weder gepr&uuml;ft noch bedacht, ob und ggf. inwieweit sich die offensichtlich vorhandenen Einschr&auml;nkungen auf eine konkrete Besch&auml;ftigungsm&ouml;glichkeit in dem von T erlernten Beruf bzw. auf ihre Vermittelbarkeit in eine entsprechende Arbeitsstelle auswirken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im zweiten Rechtsgang wird das FG deshalb insbesondere auch zu ber&uuml;cksichtigen haben, warum sich T noch bis Mai 2005 in Ausbildung befand, um welche Ausbildung es sich handelte und wie ihr Abschluss ggf. im Hinblick auf den allgemeinen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einzuordnen ist. In seine Entscheidung wird das FG weiter einzubeziehen haben, warum T trotz einer offenbar abgeschlossenen Ausbildung keinen Arbeitsplatz gefunden hat und ob es insoweit eine Rolle gespielt hat, dass sie nur zu einer T&auml;tigkeit im Umfang von 15 bis 20 Wochenstunden bereit war. Dabei wird das FG auch Feststellungen dazu zu treffen haben, wie T sich um eine entsprechende Arbeit bem&uuml;ht hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Kommt das FG bei erneuter W&uuml;rdigung des Sachverhalts nach den Kriterien des Senatsurteils in BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057 zu dem Ergebnis, die Behinderung sei nicht in erheblichem Umfang miturs&auml;chlich daf&uuml;r gewesen, dass T keine Arbeit gefunden hat, hat es zu ermitteln, wie hoch ihr tats&auml;chlicher Lebensbedarf (Grundbedarf und behinderungsbedingter Mehrbedarf) gewesen ist und ob der in der Regel f&uuml;r eine von ihr aus&uuml;bbare T&auml;tigkeit gezahlte Arbeitslohn ausgereicht h&auml;tte, um ihren gesamten Lebensbedarf zu finanzieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.12.2011, III R 46\/08 Kindergeld f&uuml;r ein arbeitsloses behindertes Kind Tatbestand 1&nbsp; I. 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