{"id":9133,"date":"2012-12-20T06:39:36","date_gmt":"2012-12-20T04:39:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9133"},"modified":"2012-12-20T06:39:36","modified_gmt":"2012-12-20T04:39:36","slug":"iii-b-34-11-au-pair-aufenthalt-als-berufsausbildung-beweiserhebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-34-11-au-pair-aufenthalt-als-berufsausbildung-beweiserhebung\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;34\/11 &#8211; Au-Pair-Aufenthalt als Berufsausbildung &#8211; Beweiserhebung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.12.2011, III B 34\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Au-Pair-Aufenthalt als Berufsausbildung &#8211; Beweiserhebung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) bezog f&uuml;r ihre im Jahr 1990 geborene Tochter J Kindergeld. J legte im Sommer 2009 das Abitur ab. Im September 2009 begab sie sich f&uuml;r ein Jahr in die USA zu einem Au-Pair-Aufenthalt. Sie besuchte im Herbstsemester 2009 den Kurs &quot;Journey through North America&quot;, im Fr&uuml;hjahrsemester einen Kurs &uuml;ber Entwicklungspsychologie und Verhalten sowie einen Kurs &uuml;ber Sozialpsychologie.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) hob die Festsetzung des Kindergeldes ab August 2009 auf, weil J ab diesem Monat nicht mehr ausbildungswillig gewesen sei. Der dagegen gerichtete Einspruch hatte keinen Erfolg, ebenso wenig die anschlie&szlig;end erhobene Klage. Das Finanzgericht (FG) war der Ansicht, der landeskundliche Kurs sowie die Psychologiekurse seien nicht als Berufsausbildung anzusehen. Sie seien ihrem Inhalt nach auch nicht darauf ausgerichtet gewesen, die landessprachlichen Kenntnisse der Teilnehmer systematisch und theoretisch fundiert zu vertiefen. Der Besuch einzelner Kurse, die zudem keine zehn Wochenstunden umfasst h&auml;tten, sei mit dem Besuch einer allgemeinbildenden Schule oder einer Universit&auml;t nicht zu vergleichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde tr&auml;gt die Kl&auml;gerin vor, das FG habe die Umst&auml;nde des Falles falsch gew&uuml;rdigt. W&auml;hrend des Au-Pair-Aufenthalts habe eine umf&auml;ngliche Ausbildung stattgefunden. Zu einer ordnungsgem&auml;&szlig;en Sachaufkl&auml;rung h&auml;tte es geh&ouml;rt, den Beweisangeboten nachzugehen und die im Schriftsatz vom 15. Oktober 2010 benannten Zeugen zu h&ouml;ren. Im Streitfall habe J w&auml;hrend 45 Wochenstunden in der Gastfamilie gearbeitet, dar&uuml;ber hinaus habe sie auch eine Schule besucht, und zwar montags und donnerstags in der Zeit von 9:50 Uhr bis 12:20 Uhr das A College, dar&uuml;ber hinaus montags von 19:45 Uhr bis 21:30 Uhr einen Kurs der B University, Extension School. Weiterhin habe J am C University College einen Kurs &uuml;ber nordamerikanische Kultur besucht. Diese Kurse h&auml;tten nicht lediglich die Sprachausbildung zum Ziel gehabt, sondern h&auml;tten dar&uuml;ber hinaus ein hohes Ma&szlig; an Sprachfertigkeit vorausgesetzt. Die Gewichtung des FG, das den Sachverhalt nicht ordnungsgem&auml;&szlig; aufgekl&auml;rt habe, f&uuml;hre dazu, dass J daf&uuml;r bestraft werde, dass sie &uuml;ber weit bessere Englischkenntnisse verf&uuml;gt habe als durchschnittliche Au-Pair-M&auml;dchen. Von grunds&auml;tzlicher Bedeutung sei die Frage, ob die vom Bundesfinanzhof (BFH) festgelegten Kriterien hinsichtlich einer Mindestzahl von zehn Wochenstunden eines theoretisch-systematischen Sprachunterrichts auch dann g&auml;lten, wenn ein Teilnehmer &uuml;ber solche Sprachkenntnisse verf&uuml;ge, dass ein klassischer bausteinhafter Sprachunterricht nicht erforderlich sei. Die Entscheidung der Frage habe auch Verfassungsrang. Eine strenge Anwendung der Rechtsprechung w&uuml;rde zu einer Ungleichbehandlung von Teilnehmern f&uuml;hren, die schon bei Beginn des Au-Pair-Aufenthalts &uuml;ber so umfangreiche Sprachkenntnisse verf&uuml;gten, dass sie direkt in den Familien t&auml;tig werden und dar&uuml;ber hinaus Fachkurse in der Fremdsprache belegen k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und daher durch Beschluss zu verwerfen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Beschwerdebegr&uuml;ndung gen&uuml;gt nicht den Darlegungserfordernissen nach &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Darlegung des Zulassungsgrundes der grunds&auml;tzlichen Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) verlangt substantiierte Ausf&uuml;hrungen zur Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit einer hinreichend bestimmten Rechtsfrage, die im konkreten Streitfall voraussichtlich auch kl&auml;rbar ist und deren Beurteilung von der Kl&auml;rung einer zweifelhaften oder umstrittenen Rechtslage abh&auml;ngt. Der Beschwerdef&uuml;hrer muss insbesondere darlegen, aus welchen Gr&uuml;nden, in welchem Umfang und von welcher Seite die Rechtsfrage umstritten ist (z.B. BFH-Beschluss vom 18. April 2005 II B 98\/04, BFH\/NV 2005, 1310, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diesen Darlegungserfordernissen gen&uuml;gt das Vorbringen der Kl&auml;gerin nicht. Auch ist nicht ersichtlich, weshalb die von ihr herausgestellte Rechtsfrage, ob das Erfordernis eines theoretisch-systematischen Fremdsprachenunterrichts mit einer Mindestzahl an Wochenstunden auch dann erf&uuml;llt sein m&uuml;sse, wenn eine Teilnahme wegen guter Fremdsprachenkenntnisse nicht erforderlich sei, von grunds&auml;tzlicher Bedeutung sein sollte. Verf&uuml;gt ein Kind, das einen Au-Pair-Aufenthalt im Ausland absolviert, &uuml;ber ausreichende Fremdsprachenkenntnisse und nimmt es deshalb nicht an einem Fremdsprachenunterricht im Gastland teil, dann befindet es sich insoweit auch nicht in Berufsausbildung i.S. von &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a des Einkommensteuergesetzes. Die Teilnahme am Kurs &quot;Journey through North America&quot; und an den Psychologiekursen waren nach den Feststellungen des FG (&sect; 118 Abs. 2 FGO) nicht als Berufsausbildung zu beurteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Unzul&auml;ssig ist die Beschwerde auch insoweit, als die Kl&auml;gerin vortr&auml;gt, das FG habe einen Verfahrensfehler begangen (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO), weil es zu Unrecht die angebotenen Zeugenbeweise nicht erhoben habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG darf wegen seiner Verpflichtung zur Sachaufkl&auml;rung (&sect; 76 Abs. 1 FGO) substantiierte Beweisantr&auml;ge, die den entscheidungserheblichen Sachverhalt betreffen, grunds&auml;tzlich weder ablehnen noch &uuml;bergehen (Gr&auml;ber\/Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect; 76 Rz 26, m.w.N.). Wird ger&uuml;gt, das FG habe seine Sachaufkl&auml;rungspflicht durch &Uuml;bergehen von Beweisantr&auml;gen verletzt, ist in der Beschwerdebegr&uuml;ndung substantiiert darzulegen, welche Tatfragen aufkl&auml;rungsbed&uuml;rftig sind und welchen Beweis zu welchem Beweisthema das FG nicht erhoben hat. Weiter sind die Fundstelle des Beweisantrags und das voraussichtliche Ergebnis der Beweisaufnahme anzugeben und es ist auszuf&uuml;hren, inwiefern das angefochtene Urteil unter Zugrundelegung der materiell-rechtlichen Rechtsauffassung des Gerichts auf der unterlassenen Beweisaufnahme beruhen kann (z.B. BFH-Beschluss vom 23. September 2009 IV B 133\/08, BFH\/NV 2010, 52). Diesen Voraussetzungen gen&uuml;gt das Vorbringen der Kl&auml;gerin nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unabh&auml;ngig hiervon ist eine Beweiserhebung dann nicht erforderlich, wenn das Beweismittel f&uuml;r die zu treffende Entscheidung unerheblich ist, weil es auf die Beweistatsache nach Auffassung des FG nicht ankommt oder wenn die Beweistatsache als wahr unterstellt werden kann (z.B. BFH-Beschluss vom 12. Februar 2009 VII B 82\/08, BFH\/NV 2009, 970). Die Kl&auml;gerin hat im finanzgerichtlichen Verfahren Beweis durch Zeugeneinvernahme daf&uuml;r angeboten, dass die Mitglieder der Gastfamilie keine Deutschkenntnisse hatten und ausschlie&szlig;lich Englisch sprachen. Dieser Beweis brauchte nicht erhoben zu werden, das Beweisthema war nicht entscheidungserheblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.12.2011, III B 34\/11 Au-Pair-Aufenthalt als Berufsausbildung &#8211; Beweiserhebung Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) bezog f&uuml;r ihre im Jahr 1990 geborene Tochter J Kindergeld. J legte im Sommer 2009 das Abitur ab. Im September 2009 begab sie sich f&uuml;r ein Jahr in die USA zu einem Au-Pair-Aufenthalt. 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