{"id":9138,"date":"2012-12-20T03:01:58","date_gmt":"2012-12-20T01:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9138"},"modified":"2012-12-20T03:01:58","modified_gmt":"2012-12-20T01:01:58","slug":"i-r-30-08-unionsrechtmaessigkeit-der-gewerbesteuerlichen-hinzurechnung-von-zinsen-aus-darlehen-einer-niederlaendischen-muttergesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-30-08-unionsrechtmaessigkeit-der-gewerbesteuerlichen-hinzurechnung-von-zinsen-aus-darlehen-einer-niederlaendischen-muttergesellschaft\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;30\/08 &#8211; Unionsrechtm&auml;&szlig;igkeit der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Zinsen aus Darlehen einer niederl&auml;ndischen Muttergesellschaft"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 7.12.2011, I R 30\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Unionsrechtm&auml;&szlig;igkeit der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Zinsen aus Darlehen einer niederl&auml;ndischen Muttergesellschaft<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die h&auml;lftige Hinzurechnung der Zinsen aus Darlehen der in den Niederlanden ans&auml;ssigen Muttergesellschaft zum Gewinn einer Kapitalgesellschaft gem&auml;&szlig; &sect; 8 Nr. 1 GewStG 2002 verst&ouml;&szlig;t weder gegen die Richtlinie 2003\/49\/EG des Rates vom 3. Juni 2003 &uuml;ber eine gemeinsame Steuerregelung f&uuml;r Zahlungen von Zinsen und Lizenzgeb&uuml;hren zwischen verbundenen Unternehmen verschiedener Mitgliedstaaten (ABlEU 2003, Nr. L 157, 49) &#8211;Anschluss an das EuGH-Urteil vom 21. Juli 2011 C-397\/09 &quot;Scheuten Solar Technology&quot; (IStR 2011, 590)&#8211; noch gegen die unionsrechtliche Niederlassungsfreiheitund auch nicht gegen die Diskriminierungsverbote des Art. 24 DBA-Niederlande.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I.&nbsp;&nbsp;Es handelt sich um jenes Klageverfahren, das dem Vorabentscheidungsersuchen des Senats an den Gerichtshof der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (ab 1. Dezember 2009 Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union) &#8211;EuGH&#8211; vom 27. Mai 2009 I R 30\/08 (BFHE 226, 357) sowie dem anschlie&szlig;enden Urteil des EuGH vom 21. Juli 2011 C-397\/09 &quot;Scheuten Solar Technology&quot; (Internationales Steuerrecht &#8211;IStR&#8211; 2011, 590) zugrunde lag:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist eine GmbH, deren alleinige Anteilseignerin seit dem 8. August 2003 die S-B.V. mit Sitz in den Niederlanden ist. Die S-B.V. gew&auml;hrte der Kl&auml;gerin mit elf weitgehend gleichlautenden Vertr&auml;gen, die in der Zeit zwischen dem 27. August 2003 und dem 1. Dezember 2004 abgeschlossen wurden, Darlehen &uuml;ber insgesamt 5.180.000 EUR zu einem Zinssatz von 5 %. Die R&uuml;ckzahlung sollte auf Abruf der S-B.V. erfolgen. Die Kl&auml;gerin zahlte im Streitjahr 2004 Zinsen in H&ouml;he von 154.584 EUR an die S-B.V.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt -FA-) rechnete im Gewerbesteuermessbescheid f&uuml;r das Streitjahr unter Berufung auf &sect; 8 Nr. 1 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG 2002) die H&auml;lfte dieses Zinsbetrags dem Gewinn aus Gewerbebetrieb hinzu. Die deswegen erhobene Klage hatte keinen Erfolg; das Finanzgericht (FG) M&uuml;nster hat sie mit Urteil vom 22. Februar 2008&nbsp;&nbsp;9 K 5143\/06 G (abgedruckt in Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2008, 968) als unbegr&uuml;ndet abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung materiellen Rechts. W&auml;hrend des Revisionsverfahrens ist der angefochtene Gewerbesteuermessbescheid durch Bescheid des FA vom 20. November 2009 in zwischen den Beteiligten nicht streitigen Punkten ge&auml;ndert worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der erkennende Senat hat dem EuGH mit Beschluss in BFHE 226, 357 die folgenden Rechtsfragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Steht Art. 1 Abs. 1 der Richtlinie 2003\/49\/EG des Rates vom 3. Juni 2003 &uuml;ber eine gemeinsame Steuerregelung f&uuml;r Zahlungen von Zinsen und Lizenzgeb&uuml;hren zwischen verbundenen Unternehmen verschiedener Mitgliedstaaten (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union &#8211;ABlEU&#8211; 2003, Nr. L 157, 49) &#8211;EU-Zins- und Lizenzrichtlinie (ZLR)&#8211; einer Regelung entgegen, wonach die von einem Unternehmen eines Mitgliedstaates an ein verbundenes Unternehmen eines anderen Mitgliedstaates gezahlten Darlehenszinsen bei dem erstgenannten Unternehmen der Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Gewerbesteuer hinzugerechnet werden?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Falls die erste Frage bejaht wird: Ist Art. 1 Abs. 10 ZLR dahin auszulegen, dass es den Mitgliedstaaten auch dann freisteht, die Richtlinie nicht anzuwenden, wenn die in Art. 3 Buchst. b ZLR genannten Voraussetzungen f&uuml;r das Vorliegen eines verbundenen Unternehmens zum Zeitpunkt der Zinszahlung noch nicht w&auml;hrend eines ununterbrochenen Zeitraums von mindestens zwei Jahren erf&uuml;llt waren? K&ouml;nnen sich die Mitgliedstaaten in diesem Fall gegen&uuml;ber dem zahlenden Unternehmen unmittelbar auf Art. 1 Abs. 10 ZLR berufen?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Durch sein Urteil in IStR 2011, 590 hat der EuGH entschieden, Art. 1 Abs. 1 ZLR sei dahin auszulegen, dass er einer Bestimmung des nationalen Steuerrechts nicht entgegensteht, wonach die Darlehenszinsen, die ein Unternehmen mit Sitz in einem Mitgliedstaat an ein in einem anderen Mitgliedstaat belegenes verbundenes Unternehmen zahlt, der Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Gewerbesteuer hinzugerechnet werden, der das erstgenannte Unternehmen unterliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dem daraufhin fortgef&uuml;hrten Revisionsverfahren beantragt die Kl&auml;gerin, das FG-Urteil aufzuheben und den Bescheid des FA vom 20. November 2009 dahingehend zu &auml;ndern, dass der Gewerbesteuermessbetrag unter Ber&uuml;cksichtigung eines Gewerbeertrags vor Verlustabzug in H&ouml;he von 3.187 EUR und eines verbleibenden Verlustvortrags in H&ouml;he von 5.313 EUR auf 0 EUR festgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Das FG-Urteil ist aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden aufzuheben. An die Stelle des urspr&uuml;nglich angefochtenen Gewerbesteuermessbescheids ist w&auml;hrend des Revisionsverfahrens der &Auml;nderungsbescheid vom 20. November 2009 getreten. Der &Auml;nderungsbescheid ist gem&auml;&szlig; &sect; 68 Satz 1 i.V.m. &sect; 121 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) Gegenstand des Revisionsverfahrens geworden. Soweit einem FG-Urteil ein nicht mehr existierender Bescheid zugrunde liegt, kann es keinen Bestand haben (vgl. z.B. Senatsurteil vom 3. August 2005 I R 94\/03, BFHE 210, 398, BStBl II 2006, 20, m.w.N.). Dennoch bedarf es keiner Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG gem&auml;&szlig; &sect; 127 FGO. Die vom FG getroffenen tats&auml;chlichen Feststellungen bilden unver&auml;ndert die Grundlage f&uuml;r die Entscheidung des erkennenden Senats (vgl. Senatsurteil in BFHE 210, 398, BStBl II 2006, 20). Diese kann in der Sache selbst ergehen (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die sonach gegen den &Auml;nderungsbescheid vom 20. November 2009 gerichtete Klage ist als unbegr&uuml;ndet abzuweisen. Das FA hat die Zinszahlungen an die S-B.V. zu Recht zur H&auml;lfte dem Gewinn der Kl&auml;gerin hinzugerechnet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect; 8 Nr. 1 GewStG 2002 wird dem Gewinn aus Gewerbebetrieb die H&auml;lfte der bei seiner Ermittlung abgezogenen Entgelte f&uuml;r Schulden hinzugerechnet, die (u.a.) der nicht nur vor&uuml;bergehenden Verst&auml;rkung des Betriebskapitals dienen. Eine Schuld dient nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) grunds&auml;tzlich der nicht nur vor&uuml;bergehenden Verst&auml;rkung des Betriebskapitals, wenn ihr Gegenwert das Betriebskapital l&auml;nger als ein Jahr verst&auml;rkt (z.B. Senatsurteil vom 31. Mai 2005 I R 73\/03, BFHE 211, 43, BStBl II 2006, 134; BFH-Urteil vom 16. Dezember 2009 IV R 48\/07, BFHE 228, 408, BStBl II 2010, 799).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach den den Senat gem&auml;&szlig; &sect; 118 Abs. 2 FGO bindenden Feststellungen des FG hat die S-B.V. der Kl&auml;gerin im Zeitraum vom 27. August 2003 bis zum 1. Dezember 2004 Darlehen &uuml;ber insgesamt 5.180.000 EUR zu einem Zinssatz von 5 % gew&auml;hrt, deren R&uuml;ckzahlung auf Abruf der S-B.V. erfolgen sollte. Die tats&auml;chliche Laufzeit der Darlehen hat nach dem &uuml;bereinstimmenden Vortrag der Beteiligten mehr als zw&ouml;lf Monate betragen. Dass es sich folglich um Darlehen handelt, die nach den zuvor geschilderten Ma&szlig;gaben der nicht nur vor&uuml;bergehenden Verst&auml;rkung des Betriebskapitals dienten und die deshalb den Tatbestand des &sect; 8 Nr. 1 GewStG 2002 erf&uuml;llen, wird auch von der Kl&auml;gerin nicht in Zweifel gezogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Hinzurechnung gem&auml;&szlig; &sect; 8 Nr. 1 GewStG 2002 verst&ouml;&szlig;t nicht gegen Art. 1 Abs. 1 ZLR. Das ergibt sich aus der f&uuml;r den Senat verbindlichen Auslegung dieser Vorschrift durch das EuGH-Urteil in IStR 2011, 590 und wird nach Ergehen dieses EuGH-Urteils von der Kl&auml;gerin nicht in Abrede gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin verletzt die Hinzurechnung gem&auml;&szlig; &sect; 8 Nr. 1 GewStG 2002 nicht das unionsrechtliche Prim&auml;rrecht in Gestalt der Niederlassungsfreiheit (Art. 43 i.V.m. Art. 48 des Vertrags zur Gr&uuml;ndung der Europ&auml;ischen Gemeinschaft i.d.F. des Vertrags von Nizza zur &Auml;nderung des Vertrags &uuml;ber die Europ&auml;ische Union, der Vertr&auml;ge zur Gr&uuml;ndung der Europ&auml;ischen Gemeinschaften sowie einiger damit zusammenh&auml;ngender Rechtsakte, Amtsblatt der Europ&auml;ischen Gemeinschaften 2002, Nr. C 325, 1, jetzt Art. 49 i.V.m. Art. 54 des Vertrags &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union i.d.F. des Vertrags von Lissabon zur &Auml;nderung des Vertrags &uuml;ber die Europ&auml;ische Union und des Vertrags zur Gr&uuml;ndung der Europ&auml;ischen Gemeinschaft, ABlEU 2007, Nr. C 306, 1).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Kl&auml;gerin verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es nicht zu einer Hinzurechnung gekommen w&auml;re, wenn sie (als Organgesellschaft) mit der S-B.V. (als Organtr&auml;gerin) gem&auml;&szlig; &sect; 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 2002 i.V.m. &sect; 14, &sect; 17, &sect; 18 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes 2002 i.d.F. des Gesetzes zum Abbau von Steuerverg&uuml;nstigungen und Ausnahmeregelungen vom 16. Mai 2003 (BGBl I 2003, 660, BStBl I 2003, 321) &#8211;KStG 2002&#8211; eine sog. gewerbesteuerrechtliche Organschaft h&auml;tte bilden k&ouml;nnen. Denn im Organschaftsfall unterbleibe gem&auml;&szlig; Abschn. 41 Abs. 1 S&auml;tze 5 und 6 der Gewerbesteuer-Richtlinien 1998 (GewStR 1998) die Hinzurechnung von Zinsen aus Gesellschafterdarlehen zum Gewerbeertrag der Organgesellschaft. Dass die Bildung einer ertragsteuerlichen Organschaft zwischen der Kl&auml;gerin und der in den Niederlanden ans&auml;ssigen S-B.V. selbst dann nicht steuerlich anerkannt worden w&auml;re, wenn die Gesellschaften einen Gewinnabf&uuml;hrungsvertrag nach Ma&szlig;gabe von &sect; 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3, &sect; 17 KStG 2002 abgeschlossen h&auml;tten, verletze nach den Grunds&auml;tzen des EuGH-Urteils vom 13. Dezember 2005 C-446\/03 &quot;Marks &#038; Spencer&quot; (Slg. 2005, I-10837) die unionsrechtliche Niederlassungsfreiheit mit der Folge, dass der nach nationalem Recht auf inl&auml;ndische Organschaftskreise beschr&auml;nkte Wegfall der Hinzurechnung auch im Streitfall gew&auml;hrt werden m&uuml;sse (vgl. auch Englisch, IStR 2010, 215, 217 a.E.; Rehm\/Nagler, GmbH-Rundschau 2011, 937, 938 f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Senat pflichtet dem nicht bei. Zwar trifft es zu, dass nach Abschn. 41 Abs. 1 S&auml;tze 5 und 6 GewStR 1998 bei Bestehen einer gewerbesteuerlichen Organschaft eine Hinzurechnung von Zinsen aus vom Organtr&auml;ger gew&auml;hrten Darlehen zum Gewinn der Organgesellschaft unterbleibt, um auf der Ebene des Organtr&auml;gers eine doppelte steuerliche Belastung zu verhindern (vgl. auch Senatsurteile vom 23. Oktober 1974 I R 182\/72, BFHE 113, 467, BStBl II 1975, 46; vom 2. Februar 1994 I R 10\/93, BFHE 173, 426, BStBl II 1994, 768). Des Weiteren ist richtig, dass eine ertragsteuerliche Organschaft mit einer K&ouml;rperschaft als Organtr&auml;ger nur gebildet werden kann, wenn diese entweder ihren Sitz im Inland hat (&sect; 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 KStG 2002) oder dort eine im Handelsregister eingetragene Zweigniederlassung unterh&auml;lt (&sect; 18 Satz 1 KStG 2002) und dass aufgrund dieses Inlandsbezugs eine solche Organschaft zwischen der Kl&auml;gerin und der S-B.V. nach innerstaatlichem Recht steuerlich nicht anerkannt worden w&auml;re. Gleichwohl liegt in der gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin vorzunehmenden Hinzurechnung nach &sect; 8 Nr. 1 GewStG 2002 weder eine unionsrechtswidrige Diskriminierung im Vergleich zu einer Kapitalgesellschaft mit im Inland ans&auml;ssiger Muttergesellschaft noch eine unionsrechtswidrige Beschr&auml;nkung der Niederlassungsfreiheit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) In seinem Urteil zur Verlustverrechnung bei der niederl&auml;ndischen Gruppenbesteuerung vom 25. Februar 2010 C-337\/08 &quot;X-Holding&quot; (Slg. 2010, I-1215) hat der EuGH unter dem Aspekt der Wahrung der Aufteilung der Besteuerungsbefugnis zwischen den Mitgliedstaaten eine Regelung eines Mitgliedstaats als gerechtfertigt angesehen, nach der Muttergesellschaften steuerliche Einheiten nur mit gebietsans&auml;ssigen, nicht aber mit gebietsfremden Tochtergesellschaften bilden k&ouml;nnen. Auch wenn dieses EuGH-Urteil mit der Verlustverrechnung nur einen einzelnen Aspekt der laufenden Ergebniskonsolidierung zwischen Konzernunternehmen betrifft, ist daraus nach Daf&uuml;rhalten des Senats auch abzuleiten, dass andere Aspekte der Ergebniskonsolidierung ebenfalls von der Rechtfertigung umfasst sind (vgl. Senatsurteil vom 13. Oktober 2010 I R 79\/09, BFHE 231, 529 &#8211;zum Ausschluss der Ber&uuml;cksichtigung von Gewinnminderungen gem&auml;&szlig; &sect; 8b Abs. 3 KStG 2002&#8211;; anderer Ansicht Englisch, IStR 2010, 215, 217). Die Kl&auml;gerin d&uuml;rfte deshalb gehindert sein, sich den Hinzurechnungsverzicht zur Vermeidung einer steuerlichen Doppelbelastung als einzelnes Element des Konsolidierungsprozesses herauszugreifen und dessen Nichtanwendung au&szlig;erhalb eines Organkreises als Versto&szlig; gegen die Niederlassungsfreiheit zu kritisieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Jedenfalls aber kann sich die Kl&auml;gerin deshalb nicht auf einen etwaigen Versto&szlig; des nach &sect; 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 2002 i.V.m. &sect; 14, &sect; 17, &sect; 18 KStG 2002 f&uuml;r die Bildung einer ertragsteuerlichen Organschaft erforderlichen Inlandsbezugs gegen die unionsrechtliche Niederlassungsfreiheit berufen, weil es au&szlig;er an dem Inlandsbezug noch an einer weiteren Voraussetzung der Organschaft fehlt, n&auml;mlich dem Abschluss und der Durchf&uuml;hrung eines Gewinnabf&uuml;hrungsvertrags i.S. des &sect; 291 Abs. 1 des Aktiengesetzes &#8211;AktG&#8211; (&sect; 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3, &sect; 18 Satz 1 Nr. 1 KStG 2002) und der Vereinbarung einer Verlustausgleichspflicht durch die Muttergesellschaft entsprechend &sect; 302 AktG (&sect; 17 Satz 2 Nr. 2 KStG 2002).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aaa) Ein Gewinnabf&uuml;hrungsvertrag mit einer deutschen Tochter-GmbH kann zivilrechtlich auch mit einem ausl&auml;ndischen Unternehmen als beherrschendem Gesellschafter abgeschlossen werden; denn die Zul&auml;ssigkeit des Abschlusses von Unternehmensvertr&auml;gen richtet sich kollisionsrechtlich nach dem Konzernrecht der abh&auml;ngigen Gesellschaft (vgl. M&uuml;nchKommGmbH\/Liebscher, &sect; 13 Anh. Rz 1096; M&uuml;nchKommBGB\/Kindler, 5. Aufl., IntGesR, Rz 756 ff.; Frotscher, IStR 2011, 697, 701). Nach dem Vorbringen der Kl&auml;gerin h&auml;tten dem Abschluss eines Gewinnabf&uuml;hrungsvertrags auch keine Vorschriften des niederl&auml;ndischen Rechts entgegengestanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bbb) Soweit die Kl&auml;gerin den Abschluss eines Gewinnabf&uuml;hrungsvertrags f&uuml;r nicht zumutbar h&auml;lt, weil die Bildung einer Organschaft wegen des erforderlichen Inlandsbezugs von den Finanzbeh&ouml;rden ohnehin steuerlich nicht anerkannt worden w&auml;re und in diesem Zusammenhang auf das EuGH-Urteil vom 8. M&auml;rz 2001 C-397\/98, C-410\/98 &quot;Metallgesellschaft&quot; (Slg. 2001, I-1727) verweist, ist eine Vergleichbarkeit mit der hier zu beurteilenden Situation nicht gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der EuGH hat in dem genannten Urteil eine britische nationale Regelung als Versto&szlig; gegen die Niederlassungsfreiheit angesehen, nach der Tochtergesellschaften von in einem anderen Mitgliedstaat ans&auml;ssigen Muttergesellschaften verpflichtet werden, bei Aussch&uuml;ttung von Dividenden Vorauszahlungen auf K&ouml;rperschaftsteuern zu entrichten, w&auml;hrend die gebietsans&auml;ssigen Tochtergesellschaften gebietsans&auml;ssiger Muttergesellschaften dieser Verpflichtung durch Optierung f&uuml;r eine Besteuerung des Gruppeneinkommens (&quot;group income election&quot;) entgehen konnten (Tz. 35 ff.). Des Weiteren hat der EuGH in dem Urteil entschieden, dass der gebietsans&auml;ssigen Tochtergesellschaft und ihrer gebietsfremden Muttergesellschaft ein Anspruch auf Erstattung oder Entsch&auml;digung f&uuml;r die finanzielle Einbu&szlig;e, die sie wegen der K&ouml;rperschaftsteuer-Vorauszahlung der Tochtergesellschaft erlitten haben, nicht allein deshalb verwehrt werden darf, weil diese Gesellschaften bei den Steuerbeh&ouml;rden die Anwendung der group income election nicht beantragt und somit die ihnen zur Verf&uuml;gung stehenden Rechtsschutzm&ouml;glichkeiten nicht ausgesch&ouml;pft haben (Tz. 98 ff.). Denn die Aus&uuml;bung der Rechte, die den Einzelnen aus den unmittelbar anwendbaren Vorschriften des Gemeinschaftsrechts erwachsen, w&uuml;rde unm&ouml;glich gemacht oder &uuml;berm&auml;&szlig;ig erschwert, wenn ihre auf den Versto&szlig; gegen das Gemeinschaftsrecht gest&uuml;tzten Erstattungs- oder Schadensersatzklagen bereits deswegen abgewiesen oder die erhobenen Anspr&uuml;che gek&uuml;rzt werden m&uuml;ssten, weil die Betroffenen es unterlassen hatten, einen ihnen nach nationalem Recht nicht zustehenden Steuervorteil zu beantragen, um mittels Rechtsbehelfen unter Berufung auf den Vorrang und die unmittelbare Wirkung des Gemeinschaftsrechts gegen die Ablehnung durch die Steuerbeh&ouml;rden vorzugehen (Tz. 106).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der f&uuml;r die Organschaft erforderlichen Vereinbarung und Durchf&uuml;hrung einer mindestens f&uuml;nf Jahre andauernden Ergebnisabf&uuml;hrung nach Ma&szlig;gabe der &sect;&sect; 14 ff. KStG 2002 handelt es sich indes nicht &#8211;wie bei dem Antrag auf Anwendung der britischen group income election (dazu EuGH-Urteil in Slg. 2001, I-1727, Tz. 21 ff.)&#8211; um eine formelle steuerverfahrensrechtliche Willenserkl&auml;rung gegen&uuml;ber der Finanzverwaltung. Vielmehr sind damit einschneidende Eingriffe in die gesellschaftsrechtliche Organisation der beteiligten Unternehmen verbunden, die sich &uuml;ber den Bereich des Steuerrechts hinaus auswirken. Die steuerliche Anerkennung einer Organschaft erfordert die exakte Befolgung aller formellen und materiellen Voraussetzungen w&auml;hrend der gesamten Laufzeit des Gewinnabf&uuml;hrungsvertrags (vgl. etwa Senatsurteile vom 12. Januar 2011 I R 3\/10, BFHE 232, 426, BStBl II 2011, 727; vom 3. M&auml;rz 2010 I R 68\/09, BFH\/NV 2010, 1132).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vor diesem Hintergrund erscheint es f&uuml;r den Senat ausgeschlossen, dass Unternehmen eines grenz&uuml;berschreitenden Verbunds unter Berufung auf die unionsrechtlichen Grundfreiheiten nachtr&auml;glich einzelne f&uuml;r sie vorteilhafte Elemente der Organschaftsbesteuerung f&uuml;r sich in Anspruch nehmen k&ouml;nnen, ohne dass sie im relevanten Zeitraum zumindest den Willen bekundet haben, eine Organschaft bilden zu wollen, und ohne dass sie zumindest versucht haben, die f&uuml;r die steuerliche Anerkennung der Organschaft im Inlandsfall erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen (vgl. Senatsurteil in BFHE 231, 529). Die Kl&auml;gerin wird letztlich nicht anders besteuert als eine abh&auml;ngige Kapitalgesellschaft mit im Inland ans&auml;ssiger Muttergesellschaft, mit der eine Ergebnisabf&uuml;hrung nicht vereinbart worden ist, weshalb es an einer Ungleichbehandlung fehlt. Das erscheint dem Senat in einer Weise offenkundig und zweifelsfrei, dass es einer erneuten Anrufung des EuGH im Streitfall nicht bedarf (EuGH-Urteil vom 6. Oktober 1982&nbsp;&nbsp;283\/81 &quot;C.I.L.F.I.T.&quot;, EuGHE 1982, 3415).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Hinzurechnung gem&auml;&szlig; &sect; 8 Nr. 1 GewStG 2002 verst&ouml;&szlig;t ebenfalls nicht gegen die Diskriminierungsverbote des Art. 24 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem K&ouml;nigreich der Niederlande zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen sowie verschiedener sonstiger Steuern und zur Regelung anderer Fragen auf steuerlichem Gebiete vom 16. Juni 1959 (BGBl II 1960, 1781, BStBl I 1960, 381) &#8211;DBA-Niederlande&#8211;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Auch insoweit kn&uuml;pft die Kl&auml;gerin f&uuml;r ihre gegenteilige Sichtweise an den geschilderten Inlandsbezug der ertragsteuerlichen Organschaft an, den sie f&uuml;r diskriminierend h&auml;lt. Sie beruft sich insoweit auf das Senatsurteil vom 9. Februar 2011 I R 54, 55\/10 (BFHE 232, 476) zum Diskriminierungsverbot des Art. XX Abs. 4 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Vereinigten K&ouml;nigreich Gro&szlig;britannien und Nordirland zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und zur Verhinderung der Steuerverk&uuml;rzung vom 26. November 1964 (BGBl II 1966, 359, BStBl I 1966, 730) i.d.F. des Revisionsprotokolls vom 23. M&auml;rz 1970 (BGBl II 1971, 46, BStBl I 1971, 140) &#8211;DBA-Gro&szlig;britannien 1964\/1970&#8211;. In diesem Urteil hat es der Senat als Versto&szlig; gegen Art. XX Abs. 4 und Abs. 5 DBA-Gro&szlig;britannien 1964\/1970 angesehen, dass nach Ma&szlig;gabe der Rechtslage des Jahres 1999 eine Kapitalgesellschaft mit Gesch&auml;ftsleitung und Sitz im Inland im Rahmen einer gewerbesteuerlichen Organschaft nicht Organgesellschaft eines in Gro&szlig;britannien ans&auml;ssigen gewerblichen Unternehmens als Organtr&auml;ger sein konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die von der Kl&auml;gerin aufgrund des erforderlichen Inlandsbezugs des Organtr&auml;gers ger&uuml;gte Ungleichbehandlung von Unternehmensgruppen mit im Ausland ans&auml;ssigen Muttergesellschaften wird jedoch von den in Art. 24 DBA-Niederlande geregelten Diskriminierungsverboten nicht erfasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Gem&auml;&szlig; Art. 24 Abs. 1 Satz 1 DBA-Niederlande d&uuml;rfen Staatsangeh&ouml;rigen eines der Vertragsstaaten in dem anderen Staate nicht andere oder h&ouml;here Steuern auferlegt werden als den Staatsangeh&ouml;rigen dieses anderen Staates unter gleichen Verh&auml;ltnissen. Der Kl&auml;gerin ist zwar insoweit Recht zu geben, als &quot;Staatsangeh&ouml;rige&quot; i.S. dieser Vorschrift auch juristische Personen sein k&ouml;nnen, die nach dem in dem einen oder anderen Vertragsstaate geltenden Recht errichtet sind (Art. 2 Abs. 1 Nr. 4 Halbsatz 2 DBA-Niederlande). Die Vorschrift greift aber hier nicht, weil es im Streitfall nicht um die Besteuerung der niederl&auml;ndischen S-B.V., sondern um die der Kl&auml;gerin &#8211;mithin einer inl&auml;ndischen Person&#8211; geht. Die S-B.V. mag davon als Muttergesellschaft indirekt wirtschaftlich betroffen sein; ihr werden aber keine Steuern auferlegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach Art. 24 Abs. 2 DBA-Niederlande sollen von einer Person mit Wohnsitz in einem der Vertragsstaaten betriebene Unternehmen grunds&auml;tzlich hinsichtlich ihrer Betriebsst&auml;tten in dem anderen Vertragsstaate keinen Steuern unterworfen werden, die anders, h&ouml;her oder belastender sind als die Steuern, denen Unternehmen unterworfen sind, die von einer Person mit Wohnsitz in dem anderen Vertragsstaate betrieben werden. Die Regelung entspricht Art. 24 Abs. 3 Satz 1 des Musterabkommens der Organisation for Economic Cooperation and Development &#8211;OECD-Musterabkommen (OECD-MustAbk)&#8211;. Wie diese ist sie jedoch nur auf Betriebsst&auml;tten in dem anderen Staat, nicht aber auf den hier vorliegenden Fall der selbst&auml;ndigen Tochtergesellschaft anwendbar (Wassermeyer in Debatin\/Wassermeyer, MA Art. 24 Rz 42; Hageb&ouml;ke in Strunk\/Kaminski\/K&ouml;hler, AStG\/DBA, Art. 24 OECD-MA Rz 63).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Ein Diskriminierungsverbot wie Art. 24 Abs. 5 OECD-MustAbk (und Art. XX Abs. 4 DBA-Gro&szlig;britannien 1964\/1970), welches an eine unterschiedliche steuerliche Behandlung von Unternehmen aufgrund der Ans&auml;ssigkeit des jeweiligen Anteilseigners ankn&uuml;pft, existiert im DBA-Niederlande nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im &Uuml;brigen liegt aus den oben zu II.4.b bb ausgef&uuml;hrten Gr&uuml;nden mangels Vereinbarung eines Gewinnabf&uuml;hrungsvertrags zwischen Kl&auml;gerin und S-B.V. der Sache nach eine Diskriminierung nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Schlie&szlig;lich muss ein Verzicht auf die h&auml;lftige Hinzurechnung der in Rede stehenden Zinsen nach Ma&szlig;gabe der Regelung in Abschn. 41 Abs. 1 S&auml;tze 5 und 6 GewStR 1998 unter den Gegebenheiten des Streitfalls auch deswegen ausscheiden, weil die Gefahr einer doppelten Ber&uuml;cksichtigung der Zinsen, wie nach jener Regelung vorausgesetzt (vgl. dazu Senatsurteil in BFHE 113, 467, BStBl II 1975, 46), hier nicht besteht. Denn die Muttergesellschaft der Kl&auml;gerin ist in den Niederlanden ans&auml;ssig und nach dorthin sind die Zinsen abgeflossen. Insofern ist der Sachverhalt des Streitfalls nicht mit jenem Sachverhalt vergleichbar, &uuml;ber welchen der Senat in seinem Urteil in BFHE 232, 476 zu entscheiden hatte: Dort wurden Zinsen an eine in Deutschland ans&auml;ssige, als Zwischenholding fungierende GmbH gezahlt. Diese GmbH war verm&ouml;gensverwaltend und schied deswegen als taugliche Organtr&auml;gerin aus; Abschn. 41 Abs. 1 S&auml;tze 5 und 6 GewStR 1998 konnte lediglich deswegen zum Zuge kommen, weil der Senat ein gewerbesteuerrechtliches Organschaftsverh&auml;ltnis aus Gr&uuml;nden des abkommensrechtlichen Diskriminierungsverbots zu der ausl&auml;ndischen Obergesellschaft als m&ouml;glich erachtete (unzutreffend insoweit wohl L&uuml;dicke, IStR 2012, 79). Gleichwohl wurden die Zinsen aber bei der Zwischenholding-GmbH im Gewerbeertrag erfasst (&sect; 2 Abs. 2 Satz 1 GewStG 2002), wohingegen die Muttergesellschaft der hiesigen Kl&auml;gerin in Deutschland nicht der Gewerbesteuer unterf&auml;llt (vgl. &sect; 2 Abs. 1 Satz 1 GewStG 2002) und die Zinsen bei ihr mithin nicht steuerpflichtig sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 7.12.2011, I R 30\/08 Unionsrechtm&auml;&szlig;igkeit der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Zinsen aus Darlehen einer niederl&auml;ndischen Muttergesellschaft Leits&auml;tze Die h&auml;lftige Hinzurechnung der Zinsen aus Darlehen der in den Niederlanden ans&auml;ssigen Muttergesellschaft zum Gewinn einer Kapitalgesellschaft gem&auml;&szlig; &sect; 8 Nr. 1 GewStG 2002 verst&ouml;&szlig;t weder gegen die Richtlinie 2003\/49\/EG des Rates vom 3. 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