{"id":9146,"date":"2012-12-20T03:02:54","date_gmt":"2012-12-20T01:02:54","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9146"},"modified":"2012-12-20T03:02:54","modified_gmt":"2012-12-20T01:02:54","slug":"vi-r-49-09-anwendung-des-par-173-abs-1-nr-1-ao-bei-ermittlungspflichtverletzung-durch-die-finanzbehoerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-49-09-anwendung-des-par-173-abs-1-nr-1-ao-bei-ermittlungspflichtverletzung-durch-die-finanzbehoerde\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;49\/09 &#8211; Anwendung des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO bei Ermittlungspflichtverletzung durch die Finanzbeh&ouml;rde"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 8.12.2011, VI R 49\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Anwendung des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO bei Ermittlungspflichtverletzung durch die Finanzbeh&ouml;rde<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Im Streitjahr 1999 erzielte die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) als Arbeitnehmerin der X-GmbH, einer Tochtergesellschaft der Y-AG (AG), Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 29. Oktober 1999 machte sie von ihrem Wandlungsrecht aus einem am 21. Oktober 1997 mit der AG abgeschlossenen Darlehensvertrag Gebrauch. Die Kl&auml;gerin als Darlehensgeberin hatte der AG als Darlehensnehmerin ein mit 2 % verzinsliches Darlehen in H&ouml;he von 5.000 DM gew&auml;hrt. Das Darlehen war mit einem Wandlungsrecht dahingehend ausgestattet, dass die Darlehensgeberin berechtigt war, erstmalig am 28. Oktober 1999 f&uuml;r maximal 50 % der Darlehenssumme Betr&auml;ge von je 5 DM in Aktien der AG im Nennwert von je 5 DM zu wandeln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die am 17. Dezember 1998 beim Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eingegangene Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 1997 enthielt zun&auml;chst keine Hinweise auf diesen Vorgang. Mit Schreiben vom 14. Mai 1999 zeigte die Kl&auml;gerin an, dass die abgegebene Steuererkl&auml;rung unvollst&auml;ndig gewesen sei. Als Arbeitnehmerin einer Tochtergesellschaft der AG habe sie am 21. Oktober 1997 von der M&ouml;glichkeit der Zeichnung eines Wandeldarlehens Gebrauch gemacht. Der Vorstand der AG habe ihr mitgeteilt, dass sie mit der Zeichnung des Darlehens einen steuerpflichtigen Arbeitslohn in H&ouml;he von 6.736,50 DM erzielt habe. Basis hierf&uuml;r sei eine Berechnung der Z-Bank. Dem Schreiben waren der Darlehensvertrag, ein Schreiben der AG betreffend die steuerliche Behandlung des Wandeldarlehens sowie die Berechnung der Z-Bank beigef&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 30. Juni 1999 &auml;nderte das FA die Einkommensteuerveranlagung der Kl&auml;gerin f&uuml;r 1997 nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) und erfasste den nacherkl&auml;rten Betrag zus&auml;tzlich bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Mantelbogen der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 1999 war hinsichtlich der Anlage KSO angekreuzt, dass die Einnahmen nicht mehr als 6.100 DM betragen h&auml;tten. Zus&auml;tzlich war eine &quot;Erl&auml;uterung zu Zeile 31, Mantelbogen&quot; beigef&uuml;gt. Darin war ausgef&uuml;hrt, dass &quot;aus den 1999 aus Wandeldarlehen bezogenen Y-Aktien noch keine Dividenden zugeflossen seien (vgl. Schreiben vom 14.5.1999 zu Einkommensteuer 1997)&quot;. Beigef&uuml;gt war auch eine &quot;Zinsbest&auml;tigung 1999&quot; &uuml;ber einen im Jahre 1999 ausbezahlten Zinsbetrag in H&ouml;he von 83,05 DM f&uuml;r das &quot;der Y zur Verf&uuml;gung gestellte Darlehen, (Vertrag vom 29.10.97)&quot;. Zus&auml;tzlich war in dem Schreiben ausgef&uuml;hrt, der R&uuml;ckgang der Darlehenssumme resultiere aus der vorgenommenen Wandlung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 1999 vom 9. Mai 2000 erging im Wesentlichen erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 14. Dezember 2000 &uuml;bersandte das Finanzamt A dem FA eine Auswertung von Anzeigen des Arbeitgebers gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 38 Abs. 4, 41c Abs. 4 des Einkommensteuergesetzes. Aus den Angaben in einer dem Schreiben beigef&uuml;gten tabellarischen Aufstellung mit Stand 11. April 2000 ergab sich, dass die Kl&auml;gerin am 29. Oktober 1999 einen Teilbetrag ihres Wandeldarlehens in H&ouml;he von 2.500 DM in 25 000 Aktien gewandelt hatte. Die Kursspanne war mit 45,03 bis 47,20 EUR angegeben. Als Anschaffungskosten waren 18.702,35 DM vermerkt. Unter Ber&uuml;cksichtigung des niedrigsten Kurswerts errechnete das FA hieraus einen geldwerten Vorteil in H&ouml;he von 2.183.048 DM. Mit Bescheid vom 25. Februar 2002 &auml;nderte es die Einkommensteuerfestsetzung f&uuml;r das Streitjahr gem&auml;&szlig; &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO und erh&ouml;hte die Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit entsprechend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach erfolglosem Einspruchsverfahren wandte sich die Kl&auml;gerin mit der Klage gegen den Ansatz eines geldwerten Vorteils aufgrund der Wandlung. Sie vertrat die Auffassung, die Voraussetzung f&uuml;r eine &Auml;nderung nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO l&auml;gen nicht vor. Die Klage hatte Erfolg. Die Entscheidung des Finanzgerichts (FG) ist in den Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 1995 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen und formellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG M&uuml;nchen vom 26. Juni 2009&nbsp;&nbsp;8 K 1338\/07 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. 1. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet. Die Entscheidung des FG, das FA sei im Streitfall nicht berechtigt gewesen, die Steuerfestsetzung f&uuml;r das Streitjahr 1999 nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO zu &auml;ndern, h&auml;lt einer revisionsgerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO sind Steuerbescheide aufzuheben oder zu &auml;ndern, soweit Tatsachen oder Beweismittel nachtr&auml;glich bekannt werden, die zu einer h&ouml;heren Steuer f&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Da &sect; 173 AO nach seinem rechtlichen Gehalt keine Fehlerberichtigungsvorschrift ist, rechtfertigt nur das nachtr&auml;gliche Bekanntwerden von Tatsachen und Beweismitteln eine &Auml;nderung nach dieser Vorschrift, nicht hingegen ein nachtr&auml;glich erkannter Rechtsfehler (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 23. November 1987 GrS 1\/86, BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180). Nachtr&auml;glich bekannt gewordene Tatsachen, nicht hingegen rechtliche Erw&auml;gungen, m&uuml;ssen f&uuml;r eine auf &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO gest&uuml;tzte Korrektur ma&szlig;geblich sein (BFH-Urteil vom 11. Juni 1997 X R 117\/95, BFH\/NV 1997, 853). Allerdings steht der Grundsatz von Treu und Glauben einer &Auml;nderung nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO dann entgegen, wenn dem FA Tatsachen aufgrund einer Verletzung seiner Ermittlungspflichten unbekannt geblieben sind, der Steuerpflichtige seinerseits aber die ihm obliegenden Mitwirkungspflichten in zumutbarer Weise erf&uuml;llt hat. Im Falle einer beiderseitigen Pflichtverletzung ist nach st&auml;ndiger Rechtsprechung eine Abw&auml;gung vorzunehmen (z.B. BFH-Urteile vom 16. Juni 2004 X R 56\/01, BFH\/NV 2004, 1502, und vom 26. Februar 2009 II R 4\/08, BFH\/NV 2009, 1599, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall kann offenbleiben, ob bereits die Rechtserheblichkeit nachtr&auml;glich bekanntgewordener Umst&auml;nde zu verneinen ist. Denn das FG ist auf der Grundlage seiner Feststellungen zu dem Ergebnis gekommen, das FA habe seine Ermittlungspflichten verletzt, weil es aufgrund der vorliegenden Unterlagen sich aufdr&auml;ngende Ermittlungen nicht vorgenommen habe, w&auml;hrend die Kl&auml;gerin &#8211;ausgehend von der von ihr vertretenen Rechtsauffassung hinsichtlich des Zeitpunkts der Versteuerung eines geldwerten Vorteils&#8211; ihrer Mitwirkungspflicht in zumutbarer Weise nachgekommen sei. Hieran sieht sich der Senat revisionsrechtlich gebunden. Denn diese in erster Linie der Tatsacheninstanz obliegende Tatsachenw&uuml;rdigung ist verfahrensrechtlich ordnungsgem&auml;&szlig; durchgef&uuml;hrt worden und verst&ouml;&szlig;t weder gegen Denkgesetze noch gegen Erfahrungss&auml;tze (vgl. &sect; 118 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;; vgl. BFH-Urteil vom 30. September 1997 VII R 76\/97, BFH\/NV 1998, 423).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die vom FA erhobenen Verfahrensr&uuml;gen greifen nicht durch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Vortrag des FA, das FG habe seine Pflicht zur Sachverhaltsermittlung (&sect; 76 FGO) verletzt, weil es den zust&auml;ndigen Veranlagungsbeamten nicht vernommen habe, kann bereits deshalb nicht zum Erfolg der Revision f&uuml;hren, weil das mutma&szlig;liche Verhalten des einzelnen Sachbearbeiters und seine individuellen Rechtskenntnisse f&uuml;r die Frage, ob die Ver&auml;nderung im Tats&auml;chlichen oder in der rechtlichen Beurteilung liegt, aus gleichheitsrechtlichen Erw&auml;gungen ohne Bedeutung ist (BFH-Urteil vom 22. April 2010 VI R 40\/08, BFHE 229, 57, BStBl II 2010, 951, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FA mit seinem Vorbringen, das FG habe sein Urteil auf bisher nicht er&ouml;rterte Gesichtspunkte gest&uuml;tzt, die Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs in Form einer sog. &Uuml;berraschungsentscheidung geltend macht, liegt der behauptete Versto&szlig; gegen Art. 103 des Grundgesetzes i.V.m. &sect; 96 Abs. 2 FGO nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Urteil darf zwar nur auf Tatsachen und Beweisergebnisse gest&uuml;tzt werden, zu denen sich die Beteiligten &auml;u&szlig;ern konnten. Ein bisher nicht er&ouml;rterter Umstand, der dem Rechtsstreit eine Wendung gibt, darf daher nicht zur Grundlage einer gerichtlichen Entscheidung gemacht werden. Dies bedeutet allerdings nicht, dass das Gericht die f&uuml;r seine Entscheidung ma&szlig;geblichen Gesichtspunkte mit den Beteiligten umfassend er&ouml;rtern und den Beteiligten seine Rechtsauffassung im Einzelnen mitteilen m&uuml;sste. Entsprechend muss ein Verfahrensbeteiligter grunds&auml;tzlich alle Gesichtspunkte von sich aus in Betracht ziehen und ggf. prozessuale Antr&auml;ge stellen. Eine Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs liegt erst dann vor, wenn das Gericht auf Gesichtspunkte abstellt, mit denen auch ein gewissenhafter und kundiger Prozessbeteiligter nicht zu rechnen brauchte, so dass dies im Ergebnis der Verhinderung eines Vortrags gleichkommt (BFH-Urteil vom 29. April 2008 VIII R 28\/07, BFHE 220, 332, BStBl II 2009, 842). Die in der &Ouml;ffentlichkeit bekannten Umst&auml;nde, insbesondere auch die Kursentwicklung der Y-Aktie, h&auml;ngen so eng mit dem verwirklichten Besteuerungssachverhalt zusammen, dass ein kundiger Verfahrensbeteiligter damit rechnen musste, sie k&ouml;nnten in der W&uuml;rdigung des FG &#8211;hier im Bereich der Anforderungen an die Ermittlungspflichten des FA&#8211; eine Rolle spielen. Eine Verletzung des Anspruchs des FA auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs liegt danach nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen sieht der Senat gem&auml;&szlig; &sect; 126 Abs. 6 FGO von einer weiteren Begr&uuml;ndung ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 8.12.2011, VI R 49\/09 Anwendung des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO bei Ermittlungspflichtverletzung durch die Finanzbeh&ouml;rde Tatbestand 1&nbsp; I. Im Streitjahr 1999 erzielte die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) als Arbeitnehmerin der X-GmbH, einer Tochtergesellschaft der Y-AG (AG), Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit. 2&nbsp; Am 29. 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