{"id":9157,"date":"2012-12-20T06:41:53","date_gmt":"2012-12-20T04:41:53","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9157"},"modified":"2012-12-20T06:41:53","modified_gmt":"2012-12-20T04:41:53","slug":"iii-b-14-10-verlust-des-inlandswohnsitzes-bei-laengerfristigem-schulbesuch-im-ausland-keine-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-bei-unterlassener-persoenlicher-ladung-des-durch-prozessbevollmaechtigten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-14-10-verlust-des-inlandswohnsitzes-bei-laengerfristigem-schulbesuch-im-ausland-keine-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-bei-unterlassener-persoenlicher-ladung-des-durch-prozessbevollmaechtigten\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;14\/10 &#8211; Verlust des Inlandswohnsitzes bei l&auml;ngerfristigem Schulbesuch im Ausland; Keine Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs bei unterlassener pers&ouml;nlicher Ladung des durch Prozessbevollm&auml;chtigten vertretenen Kl&auml;gers"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.12.2011, III B 14\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Verlust des Inlandswohnsitzes bei l&auml;ngerfristigem Schulbesuch im Ausland; Keine Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs bei unterlassener pers&ouml;nlicher Ladung des durch Prozessbevollm&auml;chtigten vertretenen Kl&auml;gers<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) beantragte f&uuml;r seine Kinder X (geboren Januar 1994), Y (geboren Juni 1995) und Z (geboren November 1997) mit Schreiben vom 24. Juli 2008 Kindergeld. Er gab an, dass sich alle drei Kinder seit 5. September 2007 in der T&uuml;rkei aufhalten. Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) setzte mit Bescheid vom 20. Januar 2009 nach dem deutsch-t&uuml;rkischen Abkommen &uuml;ber soziale Sicherheit Kindergeld f&uuml;r das erste Kind in H&ouml;he von 5,11 EUR, f&uuml;r das zweite Kind in H&ouml;he von 12,78 EUR und f&uuml;r das dritte Kind in H&ouml;he von 30,68 EUR fest. Der auf die Gew&auml;hrung des vollen Kindergeldes nach &sect; 66 Abs. 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes gerichtete Einspruch wurde mit Einspruchsentscheidung vom 29. Januar 2009 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die hiergegen erhobene Klage mit Urteil vom 11. Dezember 2009 als unbegr&uuml;ndet ab. Es entschied, dass die Kinder mit dem auf einen l&auml;ngerfristigen Zeitraum angelegten Besuch einer Schule in der T&uuml;rkei ihren inl&auml;ndischen Wohnsitz aufgegeben h&auml;tten. Insbesondere h&auml;tten die Inlandsaufenthalte der Kinder w&auml;hrend der Sommerferien 2008 und 2009 nur Besuchscharakter gehabt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde macht der Kl&auml;ger die Zulassungsgr&uuml;nde des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 und Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) geltend. Zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung sei die Zulassung der Revision erforderlich, weil das FG von dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 23. November 2000 VI R 107\/99 (BFHE 193, 558, BStBl II 2001, 294) abgewichen sei. Ein Verfahrensfehler ergebe sich daraus, dass der Kl&auml;ger zu dem anberaumten Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht geladen worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 FGO). Soweit ihre Begr&uuml;ndung den Anforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO entspricht, rechtfertigen die vorgebrachten Gr&uuml;nde nicht die Zulassung der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Eine Zulassung der Revision kann nicht unter dem Gesichtspunkt der Divergenz (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO) erfolgen. Der Kl&auml;ger hat nicht &#8211;wie erforderlich&#8211; die behauptete Abweichung durch das Gegen&uuml;berstellen einander widersprechender abstrakter Rechtss&auml;tze aus der Entscheidung der Vorinstanz einerseits und der Divergenzentscheidung andererseits i.S. des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO dargelegt (vgl. dazu z.B. BFH-Beschluss vom 5. Oktober 2010 X B 72\/10, BFH\/NV 2011, 273).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;berdies l&auml;sst sich dem BFH-Urteil in BFHE 193, 558, BStBl II 2001, 294 auch nicht entnehmen, dass es f&uuml;r die Verneinung eines Besuchscharakters der Inlandsaufenthalte und f&uuml;r die Beibehaltung eines Inlandswohnsitzes gem&auml;&szlig; &sect; 8 der Abgabenordnung in der elterlichen Wohnung stets ausreicht, wenn sich das Kind dort mehr als zwei bis drei Wochen pro Jahr aufh&auml;lt. Vielmehr hat der BFH in dieser Entscheidung ausgef&uuml;hrt, dass bei von vornherein auf mehr als ein Jahr angelegten Auslandsaufenthalten kurzzeitige Besuche und sonstige kurzfristige Aufenthalte zu Urlaubs-, Berufs- oder famili&auml;ren Zwecken, die nicht einem Aufenthalt mit Wohncharakter gleichkommen und daher nicht &quot;zwischenzeitliches Wohnen&quot; in der bisherigen Wohnung bedeuten, nicht dazu ausreichen, um die Aufrechterhaltung des Inlandswohnsitzes anzunehmen. Vielmehr m&uuml;ssen zum einen die objektiven Wohnverh&auml;ltnisse so geartet sein, dass sie die M&ouml;glichkeit eines l&auml;ngeren Wohnens des Kindes in der Wohnung der Eltern bieten. Zum anderen darf die Anwesenheit des Kindes in der elterlichen Wohnung nicht nur Besuchscharakter haben, wie das bei Aufenthalten von jeweils zwei bis drei Wochen pro Jahr der Fall ist. Hieraus kann nicht der Umkehrschluss gezogen werden, dass Aufenthalte von mehr als zwei bis drei Wochen im Jahr ausreichen, um einen blo&szlig;en Besuchscharakter zu verneinen. Vielmehr behalten Kinder, die sich zu Ausbildungszwecken f&uuml;r mehrere Jahre ins Ausland begeben, ihren Wohnsitz in der inl&auml;ndischen elterlichen Wohnung nur dann bei, wenn sie diese in ausbildungsfreien Zeiten nutzen. Dabei kommt der Dauer der Inlandsaufenthalte erhebliche Bedeutung zu. Insoweit hat der Senat eine Aufenthaltsdauer von j&auml;hrlich f&uuml;nf Monaten in der Wohnung der Eltern gen&uuml;gen lassen, um einen inl&auml;ndischen Wohnsitz beizubehalten, ohne diese Dauer auch stets f&uuml;r erforderlich zu halten (vgl. etwa BFH-Urteil vom 28. April 2010 III R 52\/09, BFHE 229, 270, BStBl II 2010, 1013, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG ist von diesen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen. Es hat die tats&auml;chlichen Umst&auml;nde, wonach der Kl&auml;ger f&uuml;r die drei Kinder in seiner Wohnung nur ein Zimmer vorgehalten hat, die minderj&auml;hrigen Kinder in die Familie ihres Onkels aufgenommen worden sind, mindestens sechs Jahre in der T&uuml;rkei die Schule besuchen sollten und sich nur w&auml;hrend eines Teils der ausbildungsfreien Zeiten in der elterlichen Wohnung aufgehalten haben, in nicht zu beanstandender Weise dahingehend gew&uuml;rdigt, dass die Inlandsaufenthalte nur Besuchscharakter hatten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist auch nicht wegen eines Verfahrensmangels zuzulassen (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes, &sect; 96 Abs. 2 FGO) wegen unterlassener pers&ouml;nlicher Ladung des Kl&auml;gers zur m&uuml;ndlichen Verhandlung ist nicht gegeben. Rechtliches Geh&ouml;r wird den Beteiligten u.a. dadurch gew&auml;hrt, dass sie Gelegenheit erhalten, sich zum Sachverhalt zu &auml;u&szlig;ern, der einer gerichtlichen Entscheidung zugrunde gelegt werden soll (Senatsbeschluss vom 31. Mai 2007 III B 50\/07, BFH\/NV 2007, 1907). Wer davon keinen Gebrauch macht, kann keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r geltend machen (BFH-Beschluss vom 31. M&auml;rz 2006 IV B 138\/04, BFH\/NV 2006, 1490). Die Beteiligten trifft eine prozessuale Mitverantwortung, die ihren Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r begrenzt (BFH-Beschluss vom 19. Januar 2007 VII B 171\/06, BFH\/NV 2007, 947).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger ist ausweislich der Akten (Bl. 51 bis 54 der FG-Akte) &uuml;ber seinen Prozessbevollm&auml;chtigten zu der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 11. Dezember 2009 geladen worden. Den Kl&auml;ger &uuml;ber diesen Termin zu informieren, war allein Aufgabe seines Prozessbevollm&auml;chtigten, dem die Ladung mit Wirkung f&uuml;r und gegen den Kl&auml;ger nach &sect; 62 Abs. 6 Satz 5 FGO ordnungsgem&auml;&szlig; zugestellt worden war (BFH-Beschluss vom 22. M&auml;rz 1994 X R 66\/93, BFH\/NV 1994, 499). Dass das pers&ouml;nliche Erscheinen (&sect; 80 Abs. 1 Satz 1 FGO) des Kl&auml;gers nicht angeordnet wurde, stellt keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r dar (vgl. Senatsbeschluss vom 18. Dezember 2009 III B 118\/08, BFH\/NV 2010, 665). Es stand dem Kl&auml;ger gleichwohl frei, den Termin neben seinem Prozessbevollm&auml;chtigten pers&ouml;nlich wahrzunehmen und im Termin seinen bisherigen Sachvortrag zu erg&auml;nzen. Weder hat jedoch der Kl&auml;ger diese M&ouml;glichkeit wahrgenommen noch ist der Niederschrift &uuml;ber die m&uuml;ndliche Verhandlung zu entnehmen, dass der im Termin anwesende Prozessbevollm&auml;chtigte um die Er&ouml;ffnung der M&ouml;glichkeit zu weiterem schriftlichen oder m&uuml;ndlichen Kl&auml;gervortrag nachgesucht hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Letztlich wendet sich der Kl&auml;ger mit seinen Ausf&uuml;hrungen gegen die materielle Rechtm&auml;&szlig;igkeit des FG-Urteils. Dies rechtfertigt die Zulassung der Revision nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.12.2011, III B 14\/10 Verlust des Inlandswohnsitzes bei l&auml;ngerfristigem Schulbesuch im Ausland; Keine Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs bei unterlassener pers&ouml;nlicher Ladung des durch Prozessbevollm&auml;chtigten vertretenen Kl&auml;gers Tatbestand 1&nbsp; I. 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