{"id":9175,"date":"2012-12-20T02:57:13","date_gmt":"2012-12-20T00:57:13","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9175"},"modified":"2012-12-20T02:57:13","modified_gmt":"2012-12-20T00:57:13","slug":"vi-r-19-11-offensichtlich-verkehrsguenstigere-strassenverbindung-zwischen-wohnung-und-arbeitsstaette-erfordert-keine-zeitersparnis-von-mindestens-20-minuten-fehlende-aufteilung-des-beruflich-veranlass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-19-11-offensichtlich-verkehrsguenstigere-strassenverbindung-zwischen-wohnung-und-arbeitsstaette-erfordert-keine-zeitersparnis-von-mindestens-20-minuten-fehlende-aufteilung-des-beruflich-veranlass\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;19\/11 &#8211; &quot;Offensichtlich verkehrsg&uuml;nstigere&quot; Stra&szlig;enverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte erfordert keine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten &#8211; Fehlende Aufteilung des beruflich veranlassten Anteils an Reisekosten bei Besuch einer Computermesse"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.11.2011, VI R 19\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">&quot;Offensichtlich verkehrsg&uuml;nstigere&quot; Stra&szlig;enverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte erfordert keine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten &#8211; Fehlende Aufteilung des beruflich veranlassten Anteils an Reisekosten bei Besuch einer Computermesse<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Ob eine Stra&szlig;enverbindung aufgrund einer zu erwartenden Zeitersparnis als &quot;offensichtlich verkehrsg&uuml;nstiger&quot; anzusehen ist, richtet sich nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls. Insbesondere ist nicht in jedem Fall eine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten erforderlich.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute und wurden im Streitjahr 2006 zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Sie wohnten in A.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr machte der Kl&auml;ger bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte f&uuml;r 224 Tage geltend. Die einfache Wegstrecke zu seinem Arbeitsplatz in B setzte er mit 69 km an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin machte Fahrten zu ihrem Arbeitsplatz in C f&uuml;r 212 Tage mit 30 km geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem begehrte der Kl&auml;ger &#8211;neben unstreitigen Werbungskosten in H&ouml;he von 542 EUR&#8211; die Ber&uuml;cksichtigung von Aufwendungen f&uuml;r den Besuch der Computermesse CeBIT in Hannover in H&ouml;he von 255,30 EUR. Dabei handelt es sich um Fahrtkosten in H&ouml;he von 237,30 EUR (791 km x 0,30 EUR), 6 EUR f&uuml;r den Tagesparkschein sowie eine Verpflegungspauschale von 12 EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte bei den Eink&uuml;nften des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit lediglich Fahrtkosten auf der Grundlage einer einfachen Entfernung von 55 km. Bei der Kl&auml;gerin legte er 22 km zugrunde. Aufwendungen f&uuml;r den Besuch der CeBIT erkannte das FA nicht als Werbungskosten an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhoben die Kl&auml;ger Klage, die das Finanzgericht (FG) als unbegr&uuml;ndet abwies. Die Entscheidung ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2011, 1966 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung formellen und materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 15. November 2010&nbsp;&nbsp;5 K 1482\/08 und die Einspruchsentscheidung vom 12. M&auml;rz 2008 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2006 dahingehend abzu&auml;ndern, dass bei den Eink&uuml;nften des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit weitere Werbungskosten in H&ouml;he von 1.196,10 EUR sowie bei den Eink&uuml;nften der Kl&auml;gerin aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit weitere Werbungskosten in H&ouml;he von 50,88 EUR ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. 1. Die Revision der Kl&auml;ger ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG) k&ouml;nnen Aufwendungen des Arbeitnehmers f&uuml;r Fahrten zwischen Wohnung und regelm&auml;&szlig;iger Arbeitsst&auml;tte als Werbungskosten bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit abgezogen werden. Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist nach &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 2 EStG in der f&uuml;r das Streitjahr geltenden Fassung f&uuml;r jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die Arbeitsst&auml;tte aufsucht, eine Entfernungspauschale f&uuml;r jeden vollen Kilometer zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte von 0,30 EUR anzusetzen. F&uuml;r die Bestimmung der Entfernung ist die k&uuml;rzeste Stra&szlig;enverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte ma&szlig;gebend; eine andere als die k&uuml;rzeste Stra&szlig;enverbindung kann zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsg&uuml;nstiger ist und vom Arbeitnehmer regelm&auml;&szlig;ig f&uuml;r Wege zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte benutzt wird (&sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 4 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH), der sich die Finanzverwaltung angeschlossen hat, ist eine Stra&szlig;enverbindung dann als verkehrsg&uuml;nstiger als die k&uuml;rzeste Verbindung zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte anzusehen, wenn der Arbeitnehmer eine andere &#8211;l&auml;ngere&#8211; Stra&szlig;enverbindung nutzt und auf diese Weise die Arbeitsst&auml;tte trotz gelegentlicher Verkehrsst&ouml;rungen in der Regel schneller und p&uuml;nktlicher erreicht (BFH-Urteil vom 10. Oktober 1975 VI R 33\/74, BFHE 117, 70, BStBl II 1975, 852; BFH-Beschluss vom 10. April 2007 VI B 134\/06, BFH\/NV 2007, 1309; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 11. Dezember 2001 IV C 5-S 2351-300\/01, BStBl I 2001, 994). &quot;Offensichtlich&quot; verkehrsg&uuml;nstiger ist die vom Arbeitnehmer gew&auml;hlte Stra&szlig;enverbindung dann, wenn ihre Vorteilhaftigkeit so auf der Hand liegt, dass sich auch ein unvoreingenommener, verst&auml;ndiger Verkehrsteilnehmer unter den gegebenen Verkehrsverh&auml;ltnissen f&uuml;r die Benutzung der Strecke entschieden h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der in Streit stehende zweite Halbsatz des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 4 EStG wurde durch Art. 1 Nr. 8 Buchst. b des Steuer&auml;nderungsgesetzes 2001 vom 20. Dezember 2001 (BGBl I 2001, 3794, BStBl I 2002, 4) nachtr&auml;glich angef&uuml;gt. Nach den Gesetzesmaterialien sollte f&uuml;r die Bestimmung der ma&szlig;geblichen Entfernung die k&uuml;rzeste (benutzbare) Stra&szlig;enverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte zugrunde zu legen sein (Gesetzentwurf vom 10. Oktober 2000, BTDrucks 14\/4242, S. 6). Da der Gesetzeswortlaut von der &quot;k&uuml;rzesten Stra&szlig;enverbindung&quot; und nicht mehr wie zuvor von der &quot;k&uuml;rzesten benutzbaren Stra&szlig;enverbindung&quot; sprach, kamen Zweifel auf, ob diese Formulierung eine l&auml;ngere Strecke noch zum Abzug zugelassen h&auml;tte. Da der Gesetzgeber eine solche Verschlechterung f&uuml;r Kraftfahrzeugbenutzer nicht beabsichtigte, stellte er mit der Erg&auml;nzung des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 4 EStG um dessen zweiten Halbsatz klar, dass die bis 2000 geltende Rechtslage weiter fortbestehen sollte (Bericht des Finanzausschusses vom 8. November 2001, BTDrucks 14\/7341, S. 10). Diese Rechtslage wiederum gr&uuml;ndete sich wesentlich auf die Rechtsprechung des erkennenden Senats (BFH-Urteil in BFHE 117, 70, BStBl II 1975, 852), die in F&auml;llen, in denen zur Ableitung der Verkehrsstr&ouml;me l&auml;ngere, aber zeitlich g&uuml;nstigere Verkehrsverbindungen durch Schnell- oder Ringstra&szlig;en geschaffen worden waren, denjenigen Arbeitnehmern, die solche Verkehrsadern auch tats&auml;chlich regelm&auml;&szlig;ig nutzten, den Abzug der hierdurch entstehenden h&ouml;heren Aufwendungen erm&ouml;glichen wollte. Diese Auslegung des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 4 zweiter Halbsatz EStG ist mithin auch f&uuml;r die neu gefasste Regelung ma&szlig;geblich (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2007, 1309).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Konkrete zeitliche Vorgaben, die erf&uuml;llt sein m&uuml;ssen, um eine Stra&szlig;enverbindung als &quot;offensichtlich verkehrsg&uuml;nstiger&quot; als die k&uuml;rzeste Fahrtroute anzusehen, gibt die h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit in der Rechtsprechung der Finanzgerichte (vgl. FG D&uuml;sseldorf, Urteil vom 18. Juli 2005&nbsp;&nbsp;10 K 514\/05 E, EFG 2005, 1852; Hessisches FG, Urteil vom 25. September 2006&nbsp;&nbsp;1 K 1310\/04, juris) eine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten f&uuml;r erforderlich gehalten wird, ist dem in dieser Allgemeinheit nicht zu folgen. Insbesondere kann nicht in jedem Fall eine Zeitersparnis von 20 Minuten gefordert werden, weil &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 4 EStG f&uuml;r jeglichen Arbeitsweg anzuwenden ist und bei einer solchen Auslegung f&uuml;r k&uuml;rzere Strecken, beispielsweise wenn die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte auf der k&uuml;rzesten Strecke regelm&auml;&szlig;ig nur etwa 20 Minuten dauert, praktisch keinen Anwendungsbereich mehr h&auml;tte, weil in diesem Fall eine zeitliche Verk&uuml;rzung auf der schnellsten Strecke nicht mehr als 20 Minuten ergeben k&ouml;nnte. Hieraus ist ersichtlich, dass zeitliche Erfordernisse ins Verh&auml;ltnis zur Gesamtdauer der Fahrten gesetzt werden m&uuml;ssen. Entsprechend ist die Frage, ob eine Stra&szlig;enverbindung als &quot;offensichtlich verkehrsg&uuml;nstiger&quot; als die k&uuml;rzeste Route angesehen werden kann, nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls zu bestimmen. Ist allenfalls eine geringf&uuml;gige Verk&uuml;rzung von unter 10 % der f&uuml;r die k&uuml;rzeste Verbindung ben&ouml;tigten Fahrzeit zu erwarten, so spricht viel daf&uuml;r, dass diese minimale Zeitersparnis allein f&uuml;r einen verst&auml;ndigen Verkehrsteilnehmer keinen ausschlaggebenden Anreiz darstellen d&uuml;rfte, eine von der k&uuml;rzesten Verbindung abweichende Route zu w&auml;hlen. Umgekehrt ist eine relativ gro&szlig;e zu erwartende Zeitersparnis ein Indiz daf&uuml;r, eine Verbindung als &quot;offensichtlich verkehrsg&uuml;nstiger&quot; i.S. des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 4 zweiter Halbsatz EStG anzusehen. Schlie&szlig;lich ist auch zu ber&uuml;cksichtigen, dass das Merkmal der Verkehrsg&uuml;nstigkeit auch andere Umst&auml;nde als eine Zeitersparnis beinhaltet. So kann eine Stra&szlig;enverbindung auch dann &quot;offensichtlich verkehrsg&uuml;nstiger&quot; sein als die k&uuml;rzeste Verbindung, wenn sich dies aus Umst&auml;nden wie Streckenf&uuml;hrung, Schaltung von Ampeln o.&Auml;. ergibt. Deshalb kann eine &quot;offensichtlich verkehrsg&uuml;nstigere&quot; Stra&szlig;enverbindung auch vorliegen, wenn nur eine relativ geringe oder gar keine Zeitersparnis zu erwarten ist, sich die Strecke jedoch aufgrund anderer Umst&auml;nde als verkehrsg&uuml;nstiger erweist als die k&uuml;rzeste Verbindung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Auch die Ausf&uuml;hrungen in der Vorentscheidung, mit denen eine Ber&uuml;cksichtigung der Aufwendungen f&uuml;r den Besuch der CeBIT abgelehnt wurde, halten einer revisionsgerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung nicht stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 21. September 2009 GrS 1\/06 (BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672) ist der beruflich veranlasste Anteil an Reisekosten als Werbungskosten abziehbar, wenn eine Reise berufliche und private Veranlassungsbeitr&auml;ge enth&auml;lt, die jeweils nicht von untergeordneter Bedeutung sind. Notfalls sind beruflich und privat veranlasster Anteil im Wege der Sch&auml;tzung zu ermitteln. Im Streitfall hat das FG seine Entscheidung, die geltend gemachten Aufwendungen f&uuml;r den Besuch des Kl&auml;gers auf der CeBIT seien nicht als Werbungskosten zu ber&uuml;cksichtigen, lediglich damit begr&uuml;ndet, dass ihre ausschlie&szlig;lich berufliche Veranlassung nicht belegt sei. Damit hat es die im Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672 niedergelegten Grunds&auml;tze nicht angewandt, obwohl hierzu aufgrund der Gesamtumst&auml;nde des Streitfalls Veranlassung bestanden h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Vorentscheidung war aufzuheben. Die Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckverwiesen. Die Feststellungen des FG erm&ouml;glichen keine abschlie&szlig;ende Entscheidung des Streitfalls. Im zweiten Rechtsgang wird das FG, ggf. im Wege einer Beweisaufnahme, feststellen, ob die von den Kl&auml;gern f&uuml;r Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte regelm&auml;&szlig;ig benutzten Stra&szlig;enverbindungen &quot;offensichtlich verkehrsg&uuml;nstiger&quot; waren als die jeweils k&uuml;rzeste Route.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hinsichtlich der Aufwendungen f&uuml;r den Besuch der CeBIT wird das FG feststellen, ob und ggf. inwieweit die geltend gemachten Aufwendungen beruflich veranlasst sind. Werden &#8211;wie im Streitfall&#8211; Kosten von Dritten &uuml;bernommen, liegt eine berufliche Veranlassung nahe. Sollte nach den im zweiten Rechtsgang zu treffenden Feststellungen des FG keine &uuml;berwiegende Veranlassung durch die berufliche T&auml;tigkeit des Kl&auml;gers vorliegen, wird das FG pr&uuml;fen, ob eine Aufteilung anhand privater bzw. beruflicher Veranlassungsbeitr&auml;ge m&ouml;glich ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Angesichts dessen braucht der Senat nicht zu entscheiden, ob dem FG die von der Revision ger&uuml;gten Verfahrensfehler unterlaufen sind (Senatsurteil vom 11. Februar 2010 VI R 65\/08, BFHE 228, 421, BStBl II 2010, 628, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.11.2011, VI R 19\/11 &quot;Offensichtlich verkehrsg&uuml;nstigere&quot; Stra&szlig;enverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte erfordert keine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten &#8211; Fehlende Aufteilung des beruflich veranlassten Anteils an Reisekosten bei Besuch einer Computermesse Leits&auml;tze Ob eine Stra&szlig;enverbindung aufgrund einer zu erwartenden Zeitersparnis als &quot;offensichtlich verkehrsg&uuml;nstiger&quot; anzusehen ist, richtet sich nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-19-11-offensichtlich-verkehrsguenstigere-strassenverbindung-zwischen-wohnung-und-arbeitsstaette-erfordert-keine-zeitersparnis-von-mindestens-20-minuten-fehlende-aufteilung-des-beruflich-veranlass\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;19\/11 &#8211; &quot;Offensichtlich verkehrsg&uuml;nstigere&quot; Stra&szlig;enverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte erfordert keine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten &#8211; Fehlende Aufteilung des beruflich veranlassten Anteils an Reisekosten bei Besuch einer Computermesse<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9175","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9175"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9175\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}