{"id":9193,"date":"2012-12-20T06:42:06","date_gmt":"2012-12-20T04:42:06","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9193"},"modified":"2012-12-20T06:42:06","modified_gmt":"2012-12-20T04:42:06","slug":"iv-b-101-10-notwendige-beiladung-bei-streit-um-gewinnfeststellung-bei-atypisch-stiller-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-b-101-10-notwendige-beiladung-bei-streit-um-gewinnfeststellung-bei-atypisch-stiller-gesellschaft\/","title":{"rendered":"IV&nbsp;B&nbsp;101\/10 &#8211; Notwendige Beiladung bei Streit um Gewinnfeststellung bei atypisch stiller Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.12.2011, IV B 101\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Notwendige Beiladung bei Streit um Gewinnfeststellung bei atypisch stiller Gesellschaft<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das Finanzgericht (FG) zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect; 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das Urteil der Vorinstanz beruht auf einem Verfahrensmangel (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO), weil das FG rechtsfehlerhaft die Voraussetzungen einer notwendigen Beiladung mit dem Hinweis verneint hat, dass &#8211;wie sich u.a. aus dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 9. Mai 2000 VIII R 41\/99 (BFHE 192, 273, BStBl II 2000, 686) ergebe&#8211; bei &sect; 17 des Einkommensteuergesetzes (EStG) eine sog. Bruchteilsbetrachtung vorzunehmen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Im Ausgangsverfahren war im Streit, ob der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) verpflichtet ist, f&uuml;r die &quot;X-GmbH und atypisch stille Beteiligung&quot; f&uuml;r die Jahre 1998 und 1999 jeweils einen Verlust gesondert und einheitlich festzustellen und den Kl&auml;gern und Beschwerdef&uuml;hrern (Kl&auml;ger) einen n&auml;her bezifferten Verlustanteil zuzurechnen. Anders als das FG meint, war demnach zu entscheiden, ob f&uuml;r eine atypisch stille Gesellschaft (Mitunternehmerschaft i.S. von &sect; 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG) eine gesonderte und einheitliche Gewinnfeststellung nach den &sect;&sect; 179 Abs. 2 Satz 2, 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a der Abgabenordnung durchzuf&uuml;hren ist. F&uuml;r derartige Gewinnfeststellungen kommt es auf die vom FG zitierte h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung zu &sect; 17 EStG nicht an. Daran &auml;ndert nichts, dass das FG zu der Einsch&auml;tzung gelangt ist, dass den Kl&auml;gern nicht schon in den Streitjahren (1998 und 1999), sondern fr&uuml;hestens im Jahr 2003 ein Verlust entstanden sei, auf den dann die f&uuml;r eine wesentliche Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft i.S. des &sect; 17 EStG geltenden Grunds&auml;tze anzuwenden seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach &sect; 60 Abs. 3 FGO sind Dritte, die an dem streitigen Rechtsverh&auml;ltnis derart beteiligt sind, dass die Entscheidung auch ihnen gegen&uuml;ber nur einheitlich ergehen kann, notwendig beizuladen. Dies gilt f&uuml;r Mitberechtigte, die nach &sect; 48 FGO klagebefugt sind, aber nicht selbst Klage erhoben haben. Gem&auml;&szlig; &sect; 48 Abs. 1 Nr. 1 Alternative 1 FGO ist eine Personengesellschaft befugt, als Prozessstandschafterin f&uuml;r ihre Gesellschafter und ihrerseits vertreten durch ihre(n) Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Klage gegen den Gewinnfeststellungsbescheid zu erheben, der sich inhaltlich nicht an die Gesellschaft, sondern an die Gesellschafter als Subjekte der Einkommensteuer richtet. Dies gilt allerdings nicht f&uuml;r die atypisch stille Gesellschaft, denn diese kann als Innengesellschaft nicht Beteiligte eines finanzgerichtlichen Verfahrens sein, das die einheitliche Feststellung der Eink&uuml;nfte betrifft. Vielmehr &uuml;bernimmt die Rolle des nicht vorhandenen vertretungsberechtigten Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers bei einer atypisch stillen Gesellschaft gem&auml;&szlig; &sect; 48 Abs. 1 Nr. 1 Alternative 2, Abs. 2 FGO der Empfangsbevollm&auml;chtigte (vgl. BFH-Urteil vom 22. September 2011 IV R 8\/09, Der Betrieb 2011, 2640, Volltext in juris; BFH-Beschluss vom 14. November 2008 IV B 136\/07, BFH\/NV 2009, 597). Empfangsbevollm&auml;chtigt kann auch der Inhaber des Handelsgesch&auml;fts sein. Sind Personen nach &sect; 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO nicht vorhanden, so ist gem&auml;&szlig; &sect; 48 Abs. 1 Nr. 2 FGO klagebefugt jeder Gesellschafter, gegen den der Feststellungsbescheid ergangen ist oder zu ergehen h&auml;tte. Nach &sect;&sect; 60 Abs. 3, 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO sind ausgeschiedene Gesellschafter im Verfahren &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Gewinnfeststellung immer beizuladen, und zwar auch dann, wenn es um Fragen geht, f&uuml;r die an sich nur Personen nach &sect; 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO klagebefugt sind (BFH-Beschluss vom 8. Mai 2008 IV B 138\/07, BFH\/NV 2008, 1499, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben kommt vorliegend eine notwendige Beiladung nach &sect; 60 Abs. 3 FGO in Betracht. Der erkennende Senat vermag indes aufgrund der vom FG getroffenen Feststellungen nicht zu beurteilen, welche der Alternativen des &sect; 48 Abs. 1 FGO &#8211;vorliegend insbesondere die Nrn. 1 und 2 der Vorschrift&#8211; einschl&auml;gig ist bzw. sind. Das FG hat keine Feststellungen zur Existenz eines Empfangsbevollm&auml;chtigten der atypisch stillen Gesellschaft, an der sich die Kl&auml;ger beteiligt haben, getroffen. Bei einer atypisch stillen Gesellschaft ist der Empfangsbevollm&auml;chtigte auch dann notwendig beizuladen, wenn der Rechtsstreit wegen gesonderter und einheitlicher Gewinnfeststellung keine Auswirkungen f&uuml;r ihn hat (z.B. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2009, 597). Sollte als Empfangsbevollm&auml;chtigter die an der atypisch stillen Gesellschaft beteiligte GmbH als Inhaberin des Handelsgesch&auml;fts in Betracht kommen, so wird das FG der Frage nachzugehen haben, ob diese GmbH, deren Schicksal die Kl&auml;ger im Ausgangsverfahren als &quot;unklar&quot; bezeichnet haben, zwischenzeitlich vollbeendet ist. So h&auml;tte die L&ouml;schung der GmbH nach &sect; 60 Abs. 1 Nr. 7 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschr&auml;nkter Haftung im Handelsregister wegen Verm&ouml;genslosigkeit die Aufl&ouml;sung und die Vollbeendigung der Gesellschaft zur Folge (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 21. Januar 2004 VIII R 2\/02, BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551, unter II.3.c aa). L&auml;gen die Voraussetzungen des &sect; 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO nicht vor, k&auml;me hinsichtlich der von den Kl&auml;gern begehrten Beiladung der nicht klagenden atypisch stillen Gesellschafter jedenfalls die Vorschrift des &sect; 48 Abs. 1 Nr. 2 FGO zum Tragen. F&uuml;r den Fall des Ausscheidens von Gesellschaftern k&ouml;nnte deren notwendige Beiladung auf die &sect;&sect; 60 Abs. 3, 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO gest&uuml;tzt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die unterbliebene notwendige Beiladung stellt trotz der Regelung in &sect; 123 Abs. 1 FGO einen Versto&szlig; gegen die Grundordnung des Verfahrens dar, denn die Vorschriften &uuml;ber die notwendige Beiladung regeln eine unverzichtbare Sachentscheidungsvoraussetzung (z.B. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2009, 597). Die angefochtene Entscheidung kann deshalb auf dem Verfahrensmangel beruhen (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 1499, m.w.N.). &sect; 123 Abs. 1 Satz 2 FGO er&ouml;ffnet dem BFH lediglich die M&ouml;glichkeit, eine notwendige Beiladung im Revisionsverfahren nachzuholen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach alledem kommt es auf die weiteren von den Kl&auml;gern vorgebrachten Revisionszulassungsgr&uuml;nde nicht mehr an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.12.2011, IV B 101\/10 Notwendige Beiladung bei Streit um Gewinnfeststellung bei atypisch stiller Gesellschaft Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das Finanzgericht (FG) zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect; 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). 2&nbsp; 1. Das Urteil der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-b-101-10-notwendige-beiladung-bei-streit-um-gewinnfeststellung-bei-atypisch-stiller-gesellschaft\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IV&nbsp;B&nbsp;101\/10 &#8211; Notwendige Beiladung bei Streit um Gewinnfeststellung bei atypisch stiller Gesellschaft<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9193","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9193"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9193\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}