{"id":9261,"date":"2012-12-20T02:57:11","date_gmt":"2012-12-20T00:57:11","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9261"},"modified":"2012-12-20T02:57:11","modified_gmt":"2012-12-20T00:57:11","slug":"viii-r-12-09-personengesellschaft-auseinandersetzung-gewinnzurechnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-12-09-personengesellschaft-auseinandersetzung-gewinnzurechnung\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;12\/09 &#8211; Personengesellschaft &#8211; Auseinandersetzung &#8211; Gewinnzurechnung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.11.2011, VIII R 12\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Personengesellschaft &#8211; Auseinandersetzung &#8211; Gewinnzurechnung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Dem aus einer freiberuflich t&auml;tigen Personengesellschaft ausgeschiedenen Gesellschafter ist der gemeinschaftlich erzielte laufende Gewinn auch dann anteilig pers&ouml;nlich zuzurechnen, wenn die verbleibenden Gesellschafter die Auszahlung verweigern, weil der ausgeschiedene Gesellschafter ihnen Schadenersatz in &uuml;bersteigender H&ouml;he schulde.<\/p>\n<p>2. Etwas anderes gilt auch dann nicht, wenn der Anspruch des ausgeschiedenen Gesellschafters nach der Rechtsprechung des BGH der sog. Durchsetzungssperre unterliegt und deshalb nicht mehr isoliert, sondern nur noch als Abrechnungsposten im Rahmen des Rechtsstreits um den Auseinandersetzungsanspruch geltend gemacht werden kann.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) war bis 1999 mit den Beigeladenen an einer GbR beteiligt. Am nach &sect; 4 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ermittelten laufenden Gewinn der Gesellschaft war der Kl&auml;ger nach Abzug eines als Gehalt bezeichneten Gewinnvorabs zu 15 % beteiligt. Am 19. Oktober 1999 schied der Kl&auml;ger aus der GbR im Streit aus. Die Beigeladenen verweigern seitdem die Auszahlung des dem Kl&auml;ger zustehenden laufenden Gewinns der Veranlagungszeitr&auml;ume 1998 und 1999 (bis zum 30. September 1999) mit der Begr&uuml;ndung, der Kl&auml;ger schulde im Gegenzug Schadenersatz in &uuml;bersteigender H&ouml;he. Dar&uuml;ber ist zwischen den Beteiligten ein Rechtsstreit anh&auml;ngig. Nachdem das Landgericht (LG) die auf Auszahlung des Gewinnanteils gerichtete Klage des Kl&auml;gers abgewiesen hat, weil der Abfindungsanspruch nicht mehr isoliert und nicht vor Aufstellung einer Auseinandersetzungsbilanz geltend gemacht werden k&ouml;nne, streiten der Kl&auml;ger und die Beigeladenen nun in einem weiteren zivilrechtlichen Rechtsstreit vor Gericht um den Auseinandersetzungsanspruch. Unstreitig steht dem Kl&auml;ger im Rahmen der Auseinandersetzung laufender Gewinn f&uuml;r 1998 in H&ouml;he von 70.353,40 DM und f&uuml;r 1999 von 65.376,46 DM zu (vgl. Tatbestandsberichtigungsbeschluss vom 16. M&auml;rz 2009).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) rechnete dem Kl&auml;ger (erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig;) die laufenden Gewinne zu und erlie&szlig; entsprechende Gewinnfeststellungsbescheide. Die ge&auml;nderten Bescheide sind gem&auml;&szlig; &sect; 165 Abs. 1 Satz 1 der Abgabenordnung (AO) vorl&auml;ufig &quot;bis zur endg&uuml;ltigen Kl&auml;rung der Gewinnverteilung aufgrund der derzeitigen Gerichtsverfahren&quot;. Nach Ablauf der Einspruchsfrist beantragte der Kl&auml;ger, die Feststellungsbescheide mit der Ma&szlig;gabe (nach &sect; 165 AO) zu &auml;ndern, dass der ihm zuzurechnende Gewinn um die bisher nicht an ihn ausgezahlten Gewinnanteile gek&uuml;rzt werde. Das FA lehnte den Antrag ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen gerichtete Sprungklage, der das FA zugestimmt hat, hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) hat mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 929 ver&ouml;ffentlichten Urteil vom 23. Januar 2009&nbsp;&nbsp;1 K 561\/04 das FA verpflichtet, die Feststellungsbescheide antragsgem&auml;&szlig; zu &auml;ndern. Dagegen richtet sich die Revision des FA, mit der die Verletzung materiellen Rechts (&sect; 5, &sect; 165 Abs. 2 Satz 1 AO) ger&uuml;gt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil der Vorinstanz aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision des FA zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beigeladene zu 1. hat sich in der m&uuml;ndlichen Verhandlung zur Sache ge&auml;u&szlig;ert, aber keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Klageabweisung (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat das FA zu Unrecht verpflichtet, die Feststellungsbescheide vorl&auml;ufig entsprechend dem Antrag des Kl&auml;gers zu &auml;ndern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Zur Begr&uuml;ndung seines Urteils hat das FG u.a. ausgef&uuml;hrt, die laufenden Gewinnanteile der Veranlagungszeitr&auml;ume 1998 und 1999 k&ouml;nnten vor&uuml;bergehend nicht dem Kl&auml;ger zugerechnet werden, weil und solange sie ihm nicht zugeflossen seien. Die Zurechnung von Gewinnanteilen nach (streitiger) Aufl&ouml;sung einer Gesellschaft m&uuml;sse ber&uuml;cksichtigen, wer die Gewinne tats&auml;chlich vereinnahmt habe und dar&uuml;ber verf&uuml;gen k&ouml;nne. Da sich der Gewinnanspruch des Kl&auml;gers in einen einheitlichen Abfindungsanspruch gewandelt habe, k&ouml;nnten die Gewinnanteile bis zum Abschluss des Zivilrechtsstreits nicht bei ihm, sondern allenfalls bei den Beigeladenen besteuert werden, die die Auszahlung verweigern. Das FA h&auml;tte dies bei der Aus&uuml;bung seines Ermessens im Rahmen des &sect; 165 AO ber&uuml;cksichtigen m&uuml;ssen. Das Ermessen sei unter den Umst&auml;nden des Falles auf Null reduziert mit der Folge, dass die begehrte &Auml;nderung vorgenommen werden m&uuml;sse.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Diese Ausf&uuml;hrungen halten revisionsrechtlicher Nachpr&uuml;fung nicht stand. Entgegen der Auffassung des FG ist der laufende Gewinn, soweit er dem Kl&auml;ger unstreitig zusteht, steuerlich dem Kl&auml;ger und nicht, auch nicht vor&uuml;bergehend, den Beigeladenen zuzurechnen. Eine vom grunds&auml;tzlich ma&szlig;geblichen Gewinnverteilungsma&szlig;stab (vor&uuml;bergehend) abweichende pers&ouml;nliche steuerliche Zurechnung kommt unter den Umst&auml;nden des Falles nicht schon deshalb in Betracht, weil der Schuldner die Auszahlung verweigert und auch nicht deshalb, weil die gerichtliche Durchsetzung des Anspruchs nach Ma&szlig;gabe der sog. Durchsetzungssperre im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) beschr&auml;nkt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) werden den Gesellschaftern einer Personengesellschaft, die als Mitunternehmer anzusehen sind, die Ergebnisse, Gewinn und Verlust, der gemeinschaftlichen T&auml;tigkeit anteilig als origin&auml;re eigene Eink&uuml;nfte zugerechnet (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 3. Mai 1993 GrS 3\/92, BFHE 171, 246, BStBl II 1993, 616). Die Mitunternehmer sind insoweit einem Einzelunternehmer gleichrangig; der Mitunternehmer unterscheidet sich von diesem nur dadurch, dass er seine unternehmerische T&auml;tigkeit nicht alleine, sondern zusammen mit anderen (Mit-)Unternehmern in gesellschaftsrechtlicher Verbundenheit aus&uuml;bt (grundlegend Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 171, 246, BStBl II 1993, 616). Demgem&auml;&szlig; werden die Eink&uuml;nfte nicht von der Personengesellschaft, sondern origin&auml;r von den Mitunternehmern erzielt. Nur der Mitunternehmer ist Subjekt der Eink&uuml;nfteerzielung (BFH-Urteile vom 3. Februar 2010 IV R 26\/07, BFHE 228, 365, BStBl II 2010, 751, und IV R 59\/07, BFH\/NV 2010, 1492). Das gilt gleicherma&szlig;en f&uuml;r die Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb wie f&uuml;r die Eink&uuml;nfte aus freiberuflicher T&auml;tigkeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Gewinn ist den Mitunternehmern in dem Zeitpunkt zuzurechnen, in dem er entsteht. Es bedarf im vorliegenden Zusammenhang keiner Entscheidung, ob dabei auf den einzelnen Gesch&auml;ftsvorfall oder auf den Schluss des Gewinnermittlungszeitraums abzustellen ist (vgl. daf&uuml;r Schmidt\/Wacker, EStG, 30. Aufl., &sect; 15 Rz 441; Tiede in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect; 15 EStG Rz 495). Soweit allerdings im Schrifttum die Auffassung vertreten wird, dass der gemeinschaftlich erzielte Gewinn den Mitunternehmern fr&uuml;hestens im Zeitpunkt der Feststellung des Jahresabschlusses zugerechnet werden k&ouml;nne (Bauschatz, Finanz-Rundschau &#8211;FR&#8211; 2005, 1230), vermag der Senat dem nicht zu folgen. Dies h&auml;tte &#8211;wie der Streitfall zeigt&#8211; eine nicht gerechtfertigte Besserstellung von Mitunternehmern gegen&uuml;ber Einzelunternehmern zur Folge. Mitunternehmer h&auml;tten es in der Hand, den Zeitpunkt der Gewinnzurechnung selbst zu bestimmen. Bis zur Feststellung des Jahresabschlusses w&auml;re der Gewinn niemand zurechenbar, weil die Personengesellschaft insoweit nicht selbst Subjekt der Besteuerung ist. Bei Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern &uuml;ber die Feststellung (z.B. einer Auseinandersetzungsbilanz) k&ouml;nnte die Besteuerung nicht zeitnah durchgef&uuml;hrt werden. Das alles ist mit Grundprinzipien der Besteuerung unvereinbar. Dem kann auch nicht mit &sect; 42 AO begegnet werden (a.A. Bauschatz, FR 2005, 1230).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die in gemeinschaftlicher Verbundenheit erzielten Eink&uuml;nfte sind den Mitunternehmern grunds&auml;tzlich nach dem vertraglichen oder dem gesetzlichen Verteilungsschl&uuml;ssel, also nach einem normativen Ma&szlig;stab zuzurechnen (vgl. nur Schmidt\/Wacker, a.a.O., &sect; 15 Rz 443 ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Ohne Bedeutung ist danach, ob der Gewinn entnahmef&auml;hig ist, ob und gegebenenfalls wann die Gesellschafter eine Gewinnaussch&uuml;ttung beschlie&szlig;en und wann diese den einzelnen Gesellschaftern zuflie&szlig;t (BFH-Urteil vom 24. Februar 1988 I R 95\/84, BFHE 153, 101, BStBl II 1988, 663). Anders als der Kl&auml;ger meint, ist der Zufluss des Gewinns bei dem einzelnen Mitunternehmer danach keine Voraussetzung f&uuml;r die anteilige steuerliche Zurechnung des gemeinschaftlich erzielten Gewinns. Voraussetzung daf&uuml;r ist lediglich, dass die Gesellschafter den Gewinn in gemeinschaftlicher Verbundenheit &quot;erzielt&quot; haben (vgl. &sect; 2 Abs. 1 EStG). Das ist grunds&auml;tzlich der Fall, sobald er bei der Gesellschaft nach Ma&szlig;gabe der handels- und steuerrechtlichen Gewinnermittlungsvorschriften entstanden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ermittelt die Gesellschaft ihren Gewinn nach &sect; 4 Abs. 3 EStG, kommt es f&uuml;r den Zufluss (&sect; 11 Abs. 1 EStG) allein auf die Gesellschaft an. Nach der st&auml;ndigen Rechtsprechung des BFH ist die Personengesellschaft f&uuml;r die Einkommensteuer u.a. Subjekt der Gewinnermittlung (vgl. Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 171, 246, BStBl II 1993, 616, 622). Das bedeutet, dass sie und nicht der einzelne Gesellschafter den Gewinn nach Ma&szlig;gabe der daf&uuml;r anwendbaren Vorschriften zu ermitteln hat. Der Gewinn ist folglich entstanden, sobald er bei der Gesellschaft zu erfassen ist. Dem kann der Kl&auml;ger nicht mit Erfolg entgegenhalten, dass eine Besteuerung des Mitunternehmers vor dem Zufluss von Liquidit&auml;t bei diesem wegen Versto&szlig;es gegen grundlegende Besteuerungsprinzipien unzul&auml;ssig sei. Der die Besteuerung rechtfertigende Zuwachs an finanzieller Leistungsf&auml;higkeit liegt hier &#8211;unabh&auml;ngig vom Zufluss verf&uuml;gbarer Zahlungsmittel&#8211; bereits in der rechtlichen Zuweisung des anteiligen Gewinns.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Von der Aufteilung und anteiligen Zurechnung des Gewinns nach normativen Ma&szlig;st&auml;ben hat die Rechtsprechung bisher nur dann eine Ausnahme gemacht, wenn ein Gesellschafter durch strafbare Handlungen (z.B. Unterschlagung oder Untreue) die tats&auml;chliche Verteilung des Gewinns, abweichend vom Vereinbarten, zu seinen Gunsten und zum Schaden der anderen Gesellschafter beeinflusst hat (vgl. dazu BFH-Urteile vom 8. Juni 2000 IV R 39\/99, BFHE 192, 494, BStBl II 2000, 670, und vom 14. Dezember 2000 IV R 16\/00, BFHE 194, 151, BStBl II 2001, 238 betr. unberechtigte Entnahme aus dem Gesellschaftsverm&ouml;gen). Hintergrund dieser Rechtsprechung ist der Grundsatz, dass kein Steuerpflichtiger ein Einkommen versteuern muss, das tats&auml;chlich einem anderen zugeflossen ist, sofern es dort endg&uuml;ltig verbleibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Bei Anwendung der vorstehend beschriebenen Grunds&auml;tze ist der laufende Gewinn der Jahre 1998 und 1999 dem Kl&auml;ger zuzurechnen, soweit er auf ihn entf&auml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Unstreitig war der Kl&auml;ger bis zu seinem Ausscheiden aus der Gesellschaft als Mitunternehmer anzusehen. Auf ihn entf&auml;llt deshalb der laufende Gewinn entsprechend seinem Anteil an der Gesellschaft und der Zeit seiner Zugeh&ouml;rigkeit zu der Gesellschaft. Dar&uuml;ber besteht zwischen den Beteiligten im Grundsatz auch kein Streit. Steuerlich unerheblich ist, dass der Anteil des Kl&auml;gers am Gesellschaftsverm&ouml;gen mit seinem Ausscheiden den &uuml;brigen Gesellschaftern zuw&auml;chst (&sect; 738 Abs. 1 Satz 1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs). Dieser Vorgang hat keine Bedeutung f&uuml;r die anteilige pers&ouml;nliche Zurechnung des in der Vergangenheit gemeinschaftlich erzielten Ergebnisses.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu ber&uuml;cksichtigen ist au&szlig;erdem, dass der Gewinnanspruch des Kl&auml;gers sowohl dem Grunde als auch der H&ouml;he nach zwischen den ehemaligen Gesellschaftern unstreitig ist. An den insofern berichtigten Tatbestand des FG-Urteils ist der Senat in tats&auml;chlicher Hinsicht gebunden (&sect; 118 Abs. 2 FGO). Entsprechendes ergibt sich ebenfalls aus der vom Beigeladenen zu 1. aufgestellten Auseinandersetzungsbilanz, die zwar noch nicht von den Gesellschaftern festgestellt ist, in der die Anspr&uuml;che des Kl&auml;gers jedoch in zutreffender H&ouml;he aufgef&uuml;hrt sind. Danach steht fest, dass der Kl&auml;ger gegen die Gesellschaft restliche Gewinnanspr&uuml;che in bestimmter H&ouml;he hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Entgegen der Auffassung des Kl&auml;gers kann der laufende Gewinn auch nicht vor&uuml;bergehend den Beigeladenen zugerechnet werden. Eine der Veruntreuung oder Unterschlagung von Einnahmen durch einen Gesellschafter vergleichbare Situation liegt ersichtlich nicht vor. Zum einen ist nicht zu bef&uuml;rchten, dass der Kl&auml;ger den Gewinn endg&uuml;ltig nicht erhalten wird. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der unstreitige Anspruch des Kl&auml;gers bei der Ermittlung des Auseinandersetzungsanspruchs erf&uuml;llt werden wird oder bereits im Wege der Aufrechnung erf&uuml;llt worden ist. Zum anderen fehlt es im Hinblick auf die Zahlungsverweigerung der Beigeladenen an einer kriminellen Handlung. Die Aus&uuml;bung eines Zur&uuml;ckbehaltungsrechts entspricht in ihrem Gewicht auch dann nicht einer verbotenen Eigenmacht, wenn das Zur&uuml;ckbehaltungsrecht nicht bestehen sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Nichts anderes ergibt sich daraus, dass der Kl&auml;ger als ausgeschiedener Gesellschafter seinen Gewinnanspruch nicht mehr isoliert gerichtlich durchsetzen kann. Die dadurch bewirkte l&auml;ngere Vorenthaltung des dem Kl&auml;ger zustehenden Geldbetrags rechtfertigt ebenfalls keine (vor&uuml;bergehende) abweichende steuerliche Zurechnung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der st&auml;ndigen, wenn auch durch zahlreiche Ausnahmen durchbrochenen Rechtsprechung des BGH f&uuml;hrt die Aufl&ouml;sung einer GbR dazu, dass die Gesellschafter die ihnen gegen die gesamte Hand (und gegen die Mitgesellschafter) zustehenden Anspr&uuml;che nicht mehr selbst&auml;ndig auf dem Wege der Leistungsklage durchsetzen k&ouml;nnen (sog. Durchsetzungssperre). Diese sind vielmehr als unselbst&auml;ndige Rechnungsposten in die Schlussrechnung (Auseinandersetzungsbilanz) aufzunehmen, deren Saldo dann ergibt, wer von wem noch etwas zu fordern hat (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. nur BGH-Urteil vom 3. April 2006 II ZR 40\/05, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2006, 1238, m.w.N.). Der wesentliche rechtfertigende Grund hierf&uuml;r ist, dass der Gefahr von Hin- und Herzahlungen begegnet werden soll (BGH-Urteile vom 2. Juli 1962 II ZR 204\/60, BGHZ 37, 299, und vom 24. Oktober 1994 II ZR 231\/93, DStR 1994, 1858). Unter Bezugnahme auf diese Rechtsprechung hat das LG im Streitfall die Leistungsklage des Kl&auml;gers auf Auszahlung der Gewinnanteile f&uuml;r 1998 und 1999 rechtskr&auml;ftig abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es kann dahinstehen, ob der Gewinnanspruch, wie der Kl&auml;ger meint, infolge der zivilrechtlichen Durchsetzungssperre als Anspruch untergeht und durch einen anderen, einheitlichen Auseinandersetzungsanspruch ersetzt wird. Dies &auml;ndert nichts daran, dass der im Auseinandersetzungsanspruch enthaltene laufende Gewinn dem Kl&auml;ger steuerlich zugerechnet wird, weil der Kl&auml;ger insofern den Besteuerungstatbestand verwirklicht hat. Zu ber&uuml;cksichtigen ist dabei auch, dass der streitige Geldbetrag dem Kl&auml;ger nicht endg&uuml;ltig vorenthalten bleibt, sondern lediglich bis zur rechtskr&auml;ftigen Entscheidung &uuml;ber den Auseinandersetzungsanspruch. Die vor&uuml;bergehende Ber&uuml;cksichtigung der Besitzverh&auml;ltnisse kann auch deshalb bei der steuerlichen Zurechnung nicht ber&uuml;cksichtigt werden, weil sie einen unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igen administrativen Aufwand verursachen w&uuml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Besondere pers&ouml;nliche H&auml;rten, die sich im Einzelfall bei einer Besteuerung ohne vorangegangenen Zufluss an Liquidit&auml;t ergeben k&ouml;nnen, sind erforderlichenfalls im Billigkeitswege zu mildern. Durch die Gewinnzurechnung entsteht dem Kl&auml;ger auch kein endg&uuml;ltiger Nachteil. Nachtr&auml;gliche &Auml;nderungen in den tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnissen, die sich z.B. aufgrund eines gerichtlichen Vergleichs ergeben k&ouml;nnen, werden gegebenenfalls als r&uuml;ckwirkendes Ereignis zur &Auml;nderung der Feststellungsbescheide und der Einkommensteuerbescheide f&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Welche Anforderungen an die Aus&uuml;bung des Ermessens bei der Entscheidung &uuml;ber einen auf &sect; 165 AO gest&uuml;tzten &Auml;nderungsantrag gestellt werden m&uuml;ssen, kann bei dieser Sachlage offenbleiben. Das FA hat das auf &sect; 165 AO gest&uuml;tzte &Auml;nderungsbegehren des Kl&auml;gers im Ergebnis schon deshalb zu Recht als unbegr&uuml;ndet abgelehnt, weil die bestandskr&auml;ftigen Gewinnfeststellungsbescheide, deren &Auml;nderung begehrt wird, im Hinblick auf die Zurechnung des Gewinns zum Kl&auml;ger nach den vorstehenden Ausf&uuml;hrungen rechtm&auml;&szlig;ig sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.11.2011, VIII R 12\/09 Personengesellschaft &#8211; Auseinandersetzung &#8211; Gewinnzurechnung Leits&auml;tze 1. Dem aus einer freiberuflich t&auml;tigen Personengesellschaft ausgeschiedenen Gesellschafter ist der gemeinschaftlich erzielte laufende Gewinn auch dann anteilig pers&ouml;nlich zuzurechnen, wenn die verbleibenden Gesellschafter die Auszahlung verweigern, weil der ausgeschiedene Gesellschafter ihnen Schadenersatz in &uuml;bersteigender H&ouml;he schulde. 2. Etwas anderes gilt auch &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-12-09-personengesellschaft-auseinandersetzung-gewinnzurechnung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;R&nbsp;12\/09 &#8211; Personengesellschaft &#8211; Auseinandersetzung &#8211; Gewinnzurechnung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9261","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9261","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9261"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9261\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9261"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9261"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}