{"id":9263,"date":"2012-12-06T04:35:45","date_gmt":"2012-12-06T02:35:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9263"},"modified":"2012-12-06T04:35:45","modified_gmt":"2012-12-06T02:35:45","slug":"viii-r-12-08-bemessung-des-veraeusserungsgewinns-aus-der-einbringung-einer-freiberuflichen-einzelpraxis-in-eine-personengesellschaft-nach-deren-bilanzansaetzen-ereignis-is-des-par-175-abs-1-satz-1-nr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-12-08-bemessung-des-veraeusserungsgewinns-aus-der-einbringung-einer-freiberuflichen-einzelpraxis-in-eine-personengesellschaft-nach-deren-bilanzansaetzen-ereignis-is-des-par-175-abs-1-satz-1-nr\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;12\/08 &#8211; Bemessung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns aus der Einbringung einer freiberuflichen Einzelpraxis in eine Personengesellschaft nach deren Bilanzans&auml;tzen &#8211; Ereignis i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.10.2011, VIII R 12\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Bemessung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns aus der Einbringung einer freiberuflichen Einzelpraxis in eine Personengesellschaft nach deren Bilanzans&auml;tzen &#8211; Ereignis i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Wird die Einzelpraxis eines Arztes in eine GbR eingebracht und werden deren Wirtschaftsg&uuml;ter erst in einem sp&auml;teren Veranlagungszeitraum als dem der Einbringung in der Er&ouml;ffnungsbilanz der GbR erfasst, stellt die Erstellung und Einreichung der Er&ouml;ffnungsbilanz ein Ereignis mit steuerlicher Wirkung f&uuml;r die Vergangenheit i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO f&uuml;r die Bemessung des Einbringungsgewinns dar.<\/p>\n<p>2. Der Wert, mit dem das eingebrachte Betriebsverm&ouml;gen in der Bilanz der GbR einschlie&szlig;lich der Erg&auml;nzungsbilanzen angesetzt wird, gilt gem&auml;&szlig; &sect; 24 Abs. 3 Satz 1 UmwStG &#8211;zwingend&#8211; als Ver&auml;u&szlig;erungspreis des Einbringenden. Das Wahlrecht i.S. des &sect; 24 Abs. 3 Satz 1 UmwStG wird ausschlie&szlig;lich durch die aufnehmende Personengesellschaft ausge&uuml;bt.<\/p>\n<p>3. Ein Veto- oder Mitspracherecht des Einbringenden besteht nicht (Anschluss an BFH-Urteil vom 25. April 2006 VIII R 52\/04, BFHE 214, 40, BStBl II 2006, 847, m.w.N.). Eventuelle Abweichungen von einer vorherigen einvernehmlichen Festlegung der Bilanzans&auml;tze zwischen dem Einbringenden und der aufnehmenden Gesellschaft sind damit steuerrechtlich ohne Bedeutung (Anschluss an BFH-Urteil vom 26. Januar 1994 III R 39\/91, BFHE 173, 338, BStBl II 1994, 458).<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den Einkommensteuerbescheid der Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) und ihres verstorbenen Ehemannes f&uuml;r 1998 gem&auml;&szlig; &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 der Abgabenordnung (AO) mit der Begr&uuml;ndung &auml;ndern durfte, die GbR, in die der Ehemann seine Arztpraxis eingebracht hatte, habe in ihrer Er&ouml;ffnungsbilanz das eingebrachte Betriebsverm&ouml;gen mit einem h&ouml;heren als dem von der Kl&auml;gerin und ihrem verstorbenen Ehemann erkl&auml;rten Einbringungswert angesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Ehemann der Kl&auml;gerin war Arzt. Er wurde bis zu seinem Tod zusammen mit seiner Ehefrau zur Einkommensteuer veranlagt. Die Kl&auml;gerin ist Gesamtrechtsnachfolgerin ihres verstorbenen Mannes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Vertrag vom 22. Oktober 1998 vereinbarte der Ehemann der Kl&auml;gerin mit den Gesellschaftern der GbR, dass er unter Einbringung seiner bisherigen &auml;rztlichen Einzelpraxis mit Wirkung zum 15. Dezember 1998 in die GbR eintrete. Die Vertragspartner bewerteten die Einzelpraxis des Ehemannes der Kl&auml;gerin mit 25.000 DM f&uuml;r ihren immateriellen Wert und 100.000 DM f&uuml;r ihren materiellen Wert, insgesamt 125.000 DM. Dem Ehemann der Kl&auml;gerin wurde als Gegenleistung eine Beteiligung in H&ouml;he von 50\/10 000 einger&auml;umt. Der Ehemann der Kl&auml;gerin &quot;verzichtete zu Gunsten&quot; der GbR auf die ab dem 15. Dezember 1998 eingehenden und vor dem Einbringungszeitpunkt erwirtschafteten Honorare aus seiner privat- und vertrags&auml;rztlichen T&auml;tigkeit in H&ouml;he von 93.809,81 DM.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Zeit vom 1. Januar 1998 bis 15. Dezember 1998 ermittelte der Ehemann seinen Gewinn aus der Arztpraxis gem&auml;&szlig; &sect; 4 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) und f&uuml;r die Folgezeit im Zusammenhang mit der Einbringung der Praxis f&uuml;r den Zeitraum bis zum 31. Dezember 1998 durch Bestandsvergleich (&sect; 4 Abs. 1 EStG). In ihrer Steuererkl&auml;rung f&uuml;r 1998 erkl&auml;rten die Kl&auml;gerin und ihr Ehemann Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit des Ehemannes als Arzt in H&ouml;he von 132.330 DM (einschlie&szlig;lich der Honorarforderungen in H&ouml;he von 93.809,81 DM) und einen Ver&auml;u&szlig;erungsverlust in H&ouml;he von 17.682 DM. Die Honorarforderungen in H&ouml;he von 93.809,81 DM erfassten sie bei ihrer Ver&auml;u&szlig;erungsgewinnermittlung nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA setzte die Einkommensteuer der Kl&auml;gerin und ihres Ehemannes unter Ber&uuml;cksichtigung von Eink&uuml;nften des Ehemannes aus freiberuflicher T&auml;tigkeit unter Abzug des erkl&auml;rten Ver&auml;u&szlig;erungsverlustes (17.682 DM) von dem erkl&auml;rten Gewinn (132.330 DM) fest und &auml;nderte diese Festsetzung in der Folgezeit mehrmals nach &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO aus Gr&uuml;nden, die mit dem Klageverfahren in keinem Zusammenhang stehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit gem&auml;&szlig; &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO ge&auml;ndertem Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 1998 vom 13. Mai 2005 ber&uuml;cksichtigte das FA neben dem laufenden Gewinn aus freiberuflicher T&auml;tigkeit nunmehr einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn in H&ouml;he von 76.127 DM. Die &Auml;nderung des Einkommensteuerbescheides beruhte auf der Mitteilung des Finanzamtes f&uuml;r Gro&szlig;- und Konzernbetriebspr&uuml;fung A-Stadt an das FA, der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn des verstorbenen Ehemannes der Kl&auml;gerin erh&ouml;he sich um Forderungen in H&ouml;he von 93.809,81 DM, weil diese bei der GbR im Rahmen der Einbringung der Einzelpraxis aktiviert worden seien. Infolgedessen sei der Einkommensteuerbescheid nach &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO zu &auml;ndern, da im Rahmen der Pr&uuml;fung der GbR im November 2004 erstmals Bilanzen vorgelegt worden seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 910 ver&ouml;ffentlichten Urteil als unbegr&uuml;ndet ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin Verletzung des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO. Entgegen der Auffassung des FA stelle die erstmalige Erstellung der Bilanz durch die GbR im Zeitpunkt der Au&szlig;enpr&uuml;fung kein Ereignis mit steuerlicher R&uuml;ckwirkung i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO dar. Vielmehr k&ouml;nne lediglich eine Bilanzberichtigung oder Bilanz&auml;nderung ein solches r&uuml;ckwirkendes Ereignis sein. Die erstmalige Bilanzaufstellung ber&uuml;hre den bereits kraft Gesetzes &#8211;unabh&auml;ngig von der Bilanz&#8211; entstandenen Steueranspruch nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus sei der angefochtene Bescheid auch materiell-rechtlich fehlerhaft. Der Einbringungsvertrag vom 22. Oktober 1998 sehe ausdr&uuml;cklich einen Einbringungswert von 125.000 DM vor; die streitgegenst&auml;ndlichen Forderungen seien bei Auslegung dieses Vertrages in dem Einbringungswert enthalten, weil der verstorbene Ehemann der Kl&auml;gerin auf die Forderungen ausdr&uuml;cklich im Vertrag verzichtet habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, das angefochtene Urteil sowie den angefochtenen &Auml;nderungsbescheid vom 13. Mai 2005 in Gestalt der Einspruchsentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu Recht ist das FG davon ausgegangen, dass die erstmalige Erfassung der Honorarforderungen in der Bilanz der GbR im Jahre 2004 ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO mit der Folge war, dass der Einkommensteuerbescheid entsprechend &#8211;unter Ansatz eines Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns statt eines vorher angesetzten Ver&auml;u&szlig;erungsverlustes&#8211; ge&auml;ndert werden konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO ist ein Steuerbescheid zu &auml;ndern, soweit ein Ereignis eintritt, das steuerliche Wirkung f&uuml;r die Vergangenheit hat. Die Vorschrift setzt voraus, dass das Ereignis nachtr&auml;glich eintritt, weil nur in diesem Fall die Notwendigkeit besteht, die Bestandskraft zu durchbrechen. Konnte das Ereignis bei Erlass des betreffenden Bescheides bereits ber&uuml;cksichtigt werden, greift die Vorschrift nicht ein (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22. Juli 2008 IX R 79\/06, BFHE 222, 464, BStBl II 2009, 227; vom 10. Juli 2002 I R 69\/00, BFH\/NV 2002, 1545; vom&nbsp;&nbsp;25. Februar 2009 IX R 95\/07, BFH\/NV 2009, 1393).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Begriff &quot;Ereignis&quot; im Sinne dieser Vorschrift erfasst alle rechtlich bedeutsamen Vorg&auml;nge einschlie&szlig;lich tats&auml;chlicher Lebensvorg&auml;nge in der Zeit nach Ergehen des zu &auml;ndernden Steuerbescheides, die sich auf die Vergangenheit auswirken, so dass der nunmehr ver&auml;nderte Lebenssachverhalt nach Ma&szlig;gabe des materiellen Rechts der Besteuerung zu Grunde zu legen ist (vgl. BFH-Urteil vom 6. M&auml;rz 2003 XI R 13\/02, BFHE 201, 421, BStBl II 2003, 554; Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 19. Juli 1993 GrS 2\/92, BFHE 172, 66, BStBl II 1993, 897).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Erstellung und Einreichung der die Einbringung der Praxis des Ehemannes der Kl&auml;gerin in die GbR erfassenden Er&ouml;ffnungsbilanz zum 16. Dezember 1998 bei dem f&uuml;r die GbR zust&auml;ndigen FA im November 2004 stellt ein solches Ereignis (mit steuerlicher Wirkung f&uuml;r die Vergangenheit i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO) dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die vertragliche Verpflichtung des Ehemannes, die wesentlichen Grundlagen seiner Praxis in die GbR einzubringen, war als tausch&auml;hnlicher Vorgang (&Uuml;bertragung seiner Praxis gegen Einr&auml;umung einer Beteiligung an der GbR) eine Betriebsver&auml;u&szlig;erung gem&auml;&szlig; &sect; 16 EStG (vgl. BFH-Urteil vom 26. Januar 1994 III R 39\/91, BFHE 173, 338, BStBl II 1994, 458, m.w.N.). Der Wert, mit dem das eingebrachte Betriebsverm&ouml;gen in der Bilanz der Personengesellschaft einschlie&szlig;lich der Erg&auml;nzungsbilanzen angesetzt wird, gilt gem&auml;&szlig; &sect; 24 Abs. 3 Satz 1 des Umwandlungssteuergesetzes (UmwStG) &#8211;zwingend&#8211; als Ver&auml;u&szlig;erungspreis des Einbringenden. Das Wahlrecht i.S. des &sect; 24 Abs. 3 Satz 1 UmwStG wird ausschlie&szlig;lich durch die aufnehmende Personengesellschaft ausge&uuml;bt. Nach der Gesetzeslage besteht weder ein Veto- noch ein Mitspracherecht des Einbringenden, obwohl der Wertansatz durch die Personengesellschaft unmittelbar seinen steuerlichen Gewinn beeinflussen kann (vgl. BFH-Urteil vom 25. April 2006 VIII R 52\/04, BFHE 214, 40, BStBl II 2006, 847, m.w.N.). Eventuelle Abweichungen von einer vorherigen einvernehmlichen Festlegung der Bilanzans&auml;tze zwischen dem Einbringenden und der aufnehmenden Gesellschaft sind damit steuerrechtlich ohne Bedeutung (vgl. BFH-Urteil in BFHE 173, 338, BStBl II 1994, 458).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auf dieser Grundlage hat der Ansatz des Wertes f&uuml;r die &uuml;bernommene Praxis (einschlie&szlig;lich der abgetretenen Honorarforderungen) in der Bilanz der aufnehmenden GbR im November 2004 r&uuml;ckwirkend auf den Streitzeitraum den f&uuml;r die Einbringung der Praxis anzusetzenden Ver&auml;u&szlig;erungspreis ge&auml;ndert. Denn anders als der Ehemann der Kl&auml;gerin, der als Ver&auml;u&szlig;erungspreis lediglich 125.000 DM angesetzt und damit die &uuml;berlassenen Honorarforderungen in H&ouml;he von 93.809,81 DM au&szlig;er Ansatz gelassen hatte, hat die GbR sowohl den Wert der eingebrachten Praxis mit 125.000 DM wie auch die Honorarforderungen mit 93.809 DM aktiviert. Diese Wertans&auml;tze f&uuml;r das eingebrachte Betriebsverm&ouml;gen in der Bilanz der aufnehmenden GbR gelten gem&auml;&szlig; &sect; 24 Abs. 3 Satz 1 UmwStG zwingend als Ver&auml;u&szlig;erungspreis. Dieser Wertansatz in der Er&ouml;ffnungsbilanz der aufnehmenden GbR ist &#8211;soweit er von dem bei der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinnermittlung des Einbringenden abweicht&#8211; ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO (vgl. Patt in D&ouml;tsch\/Patt\/ Pung\/M&ouml;hlenbrock, Umwandlungssteuerrecht, 6. Aufl., &sect; 24 UmwStG Rz 116; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 25. M&auml;rz 1998 IV B 7 -S 1978- 21\/98, BStBl I 1998, 268, Tz. 24.04 i.V.m. Tz. 20.32; Frotscher in Schwarz, AO, &sect; 175 Rz 67 zu &sect; 20 UmwStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Ber&uuml;cksichtigung dieses Wertansatzes in der Er&ouml;ffnungsbilanz der GbR als nachtr&auml;gliches Ereignis i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO stehen die zuvor im Anschluss an den Einkommensteuerbescheid vom 3. Juli 2000 aus anderen Gr&uuml;nden ergangenen &Auml;nderungsbescheide nicht entgegen. Diese &Auml;nderungsbescheide setzten n&auml;mlich mit Blick auf die Verpflichtung des FA, Feststellungen von Grundlagenbescheiden ohne eigene Sachpr&uuml;fung im Wege der &Auml;nderungsfestsetzung zu &uuml;bernehmen, nicht eine weitergehende Pr&uuml;fung voraus, ob dar&uuml;ber hinaus eine Anpassung aufgrund anderer zwischenzeitlich eingetretener nachtr&auml;glicher Ereignisse erforderlich waren (so bereits BFH-Urteile vom 12. Januar 1989 IV R 8\/88, BFHE 156, 4, BStBl II 1989, 438; vom 4. Juli 1989 VIII R 217\/84, BFHE 157, 427, BStBl II 1989, 792; BFH-Beschl&uuml;sse vom 23. M&auml;rz 1994 VIII B 50\/93, BFH\/NV 1994, 786; vom 9. Dezember 2009 X R 4\/09, BFH\/NV 2010, 596).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die H&ouml;he des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns (76.127 DM) ist ebenfalls aus Rechtsgr&uuml;nden nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gem&auml;&szlig; &sect; 16 Abs. 2 EStG ist Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn der Betrag, um den der Ver&auml;u&szlig;erungspreis nach Abzug der Ver&auml;u&szlig;erungskosten den Buchwert des Betriebsverm&ouml;gens &uuml;bersteigt. Wird ein Betrieb in eine Personengesellschaft eingebracht und wird der Einbringende Mitunternehmer der Gesellschaft, so gilt gem&auml;&szlig; &sect; 24 Abs. 3 Satz 1 UmwStG der Wert, mit dem das eingebrachte Betriebsverm&ouml;gen in der Bilanz der Personengesellschaft einschlie&szlig;lich der Erg&auml;nzungsbilanzen f&uuml;r ihre Gesellschafter angesetzt wird, f&uuml;r den Einbringenden als Ver&auml;u&szlig;erungspreis. Die H&ouml;he des angesetzten Wertes des eingebrachten Betriebsverm&ouml;gens bei der &uuml;bernehmenden Gesellschaft wird somit als Ver&auml;u&szlig;erungspreis und zugleich als Anschaffungskosten der neuen Anteile fingiert. Da der Gesetzgeber eine Fiktion gew&auml;hlt hat, liegt darin die Anordnung, einen bestimmten Sachverhalt ohne weitere Pr&uuml;fung zu unterstellen, auch wenn tats&auml;chlich der Sachverhalt unklar ist oder m&ouml;glicherweise entgegen der gesetzlichen Fiktion nicht vorliegt. Der Wertansatz des &uuml;bernehmenden Unternehmens ist daher im Besteuerungsverfahren des Einbringenden zu &uuml;bernehmen und kann grunds&auml;tzlich nicht auf seine Richtigkeit hin &uuml;berpr&uuml;ft werden (vgl. BFH-Beschluss vom 19. Dezember 2007 I R 111\/05, BFHE 220, 152, BStBl II 2008, 536, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.10.2011, VIII R 12\/08 Bemessung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns aus der Einbringung einer freiberuflichen Einzelpraxis in eine Personengesellschaft nach deren Bilanzans&auml;tzen &#8211; Ereignis i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO Leits&auml;tze 1. Wird die Einzelpraxis eines Arztes in eine GbR eingebracht und werden deren Wirtschaftsg&uuml;ter erst in einem sp&auml;teren Veranlagungszeitraum &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-12-08-bemessung-des-veraeusserungsgewinns-aus-der-einbringung-einer-freiberuflichen-einzelpraxis-in-eine-personengesellschaft-nach-deren-bilanzansaetzen-ereignis-is-des-par-175-abs-1-satz-1-nr\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;R&nbsp;12\/08 &#8211; Bemessung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns aus der Einbringung einer freiberuflichen Einzelpraxis in eine Personengesellschaft nach deren Bilanzans&auml;tzen &#8211; Ereignis i.S. des &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9263","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9263","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9263"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9263\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9263"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9263"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9263"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}