{"id":9265,"date":"2012-12-06T17:27:48","date_gmt":"2012-12-06T15:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9265"},"modified":"2012-12-06T17:27:48","modified_gmt":"2012-12-06T15:27:48","slug":"iii-r-14-08-zum-erhalt-von-arbeitslosengeld-is-des-art-28-abs-1-satz-2-sozsichabk-yug-auslegung-des-abkommenstextes-zweck-des-sozsichabk-yug-keine-verfassungsrechtlichen-bedenken-gegen-die-neuregelung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-14-08-zum-erhalt-von-arbeitslosengeld-is-des-art-28-abs-1-satz-2-sozsichabk-yug-auslegung-des-abkommenstextes-zweck-des-sozsichabk-yug-keine-verfassungsrechtlichen-bedenken-gegen-die-neuregelung\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;14\/08 &#8211; Zum Erhalt von Arbeitslosengeld i.S. des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG &#8211; Auslegung des Abkommenstextes &#8211; Zweck des SozSichAbk YUG &#8211; Keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Neuregelung der Kindergeldberechtigung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.10.2011, III R 14\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Zum Erhalt von Arbeitslosengeld i.S. des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG &#8211; Auslegung des Abkommenstextes &#8211; Zweck des SozSichAbk YUG &#8211; Keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Neuregelung der Kindergeldberechtigung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>W&auml;hrend der Dauer einer Sperrzeit nach &sect; 144 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB III erh&auml;lt der Arbeitslose mangels tats&auml;chlichen Leistungsbezugs kein Arbeitslosengeld i.S. des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) ist serbischer Staatsb&uuml;rger. Sein Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) war lediglich geduldet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger war in Deutschland zun&auml;chst sozialversicherungspflichtig besch&auml;ftigt. Er bezog nach dem Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen F&ouml;derativen Republik Jugoslawien &uuml;ber Soziale Sicherheit vom 12. Oktober 1968 (BGBl II 1969, 1438) in der Fassung des &Auml;nderungsabkommens vom 30. September 1974 (BGBl II 1975, 390) &#8211;SozSichAbk YUG&#8211; Kindergeld f&uuml;r seine beiden minderj&auml;hrigen Kinder in H&ouml;he der deutschen S&auml;tze. Im April 2006 gab er seine Besch&auml;ftigung auf. Daraufhin wurde gegen ihn eine 12-w&ouml;chige Sperrzeit vom 19. April bis 11. Juli 2006 nach &sect; 144 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1, Abs. 3 des Dritten Buches Sozialgesetzbuch (SGB III) verh&auml;ngt. Der Kl&auml;ger erhielt ab dem 12. Juli 2006 Arbeitslosengeld.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Beklagte und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) von der Beendigung des Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisses Kenntnis erlangt hatte, hob sie mit Bescheid vom 18. Dezember 2006 die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r die Monate Mai und Juni 2006 (Streitzeitraum) auf und forderte das hierf&uuml;r gezahlte Kindergeld in H&ouml;he von 616 EUR zur&uuml;ck. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der hiergegen erhobenen Klage gab das Finanzgericht (FG) statt (Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 1215). Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es im Wesentlichen an, dem Kl&auml;ger stehe ein Kindergeldanspruch nach dem SozSichAbk YUG zu. Dieses Abkommen sei im Streitzeitraum weiterhin anwendbar, weil der bis zum 3. Juni 2006 bestehende Staatenbund Serbien-Montenegro Rechtsnachfolger der fr&uuml;heren Bundesrepublik Jugoslawien gewesen sei. Unsch&auml;dlich sei auch, dass sich die Kinder nicht &#8211;wie der Wortlaut des Art. 28 Abs. 1 Satz 1 SozSichAbk YUG voraussetze&#8211; in dem anderen Vertragsstaat, sondern in dem Besch&auml;ftigungsland, in Deutschland, aufgehalten h&auml;tten. Auch in einem solchen Fall bestehe ein Kindergeldanspruch. Schlie&szlig;lich sei unsch&auml;dlich, dass gegen den Kl&auml;ger eine Sperrzeit nach &sect; 144 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB III verh&auml;ngt worden sei. Der Kl&auml;ger habe, auch wenn er im Streitzeitraum kein Arbeitslosengeld bezogen habe, gleichwohl Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung i.S. des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG erhalten. Die Sperrzeit bewirke lediglich ein Ruhen des Anspruchs auf Zahlung des Arbeitslosengeldes. Es entspreche nicht dem Zweck des Abkommens, in das System der Sozialversicherung integrierten Arbeitnehmern Kindergeld zu versagen, wenn arbeitsmarktpolitisch motivierte Regelungen wie Sperrzeiten eingreifen w&uuml;rden. Im &Uuml;brigen habe der Kl&auml;ger w&auml;hrend des Streitzeitraums nach &sect; 5 Abs. 1 Nr. 2 des F&uuml;nften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) zumindest teilweise einen durch die Arbeitslosenversicherung vermittelten Krankenversicherungsschutz genossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Familienkasse die fehlerhafte Auslegung des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG. Nach dem Wortlaut der in dieser Vorschrift formulierten Tatbest&auml;nde sei ein tats&auml;chlicher Leistungsbezug, nicht nur ein bestehender Versicherungsschutz, erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Wesentlichen tr&auml;gt er vor, das Eingreifen der Sperrzeit stehe einer Anwendung des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG nicht entgegen. Der Kl&auml;ger habe w&auml;hrend dieser Zeit Leistungen nach dem SGB III erhalten, weil sein Anspruch auf Arbeitslosengeld &#8211;auch wenn keine Auszahlungen erfolgt seien&#8211; bestanden habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FGO). Zu Unrecht ist das FG davon ausgegangen, dass dem Kl&auml;ger w&auml;hrend des Streitzeitraums ein Kindergeldanspruch zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Ein Anspruch auf Kindergeld kann nicht auf &sect; 62 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes in der f&uuml;r den Streitzeitraum geltenden Fassung (EStG) gest&uuml;tzt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach den den Senat bindenden Feststellungen des FG (vgl. &sect; 118 Abs. 2 FGO) war der Kl&auml;ger im Streitzeitraum (Mai und Juni 2006) lediglich geduldet und damit nicht im Besitz eines der in &sect; 62 Abs. 2 EStG angef&uuml;hrten Aufenthaltstitel.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Senat hat bereits mehrfach entschieden, dass die mit Wirkung zum 1. Januar 2006 durch das Gesetz zur Anspruchsberechtigung von Ausl&auml;ndern wegen Kindergeld, Erziehungsgeld und Unterhaltsvorschuss vom 13. Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2915, BStBl I 2007, 62) in Kraft getretene Neuregelung des &sect; 62 Abs. 2 EStG verfassungsrechtlich unbedenklich ist, soweit dadurch geduldete Ausl&auml;nder ohne Aufenthaltstitel von vornherein von einem Leistungsanspruch ausgeschlossen werden (s. Urteile vom 15. M&auml;rz 2007 III R 93\/03, BFHE 217, 443, BStBl II 2009, 905; vom 22. November 2007 III R 54\/02, BFHE 220, 45, BStBl II 2009, 913). &sect; 62 Abs. 2 EStG ist auch insoweit verfassungsrechtlich unbedenklich, als Ausl&auml;nder mit Aufenthaltstiteln nach &sect; 23 Abs. 1, &sect; 23a, &sect; 24 oder &sect; 25 Abs. 3 bis 5 des Aufenthaltsgesetzes (vgl. &sect; 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. c EStG) nur unter den weiteren Voraussetzungen des &sect; 62 Abs. 2 Nr. 3 EStG Kindergeld erhalten (Senatsurteil vom 7. April 2011 III R 72\/09, BFH\/NV 2011, 1134). An diesen Grunds&auml;tzen h&auml;lt der Senat fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Entgegen der Ansicht des FG besitzt der Kl&auml;ger auch unter Ber&uuml;cksichtigung der Regelungen in dem SozSichAbk YUG keinen Anspruch auf Kindergeld.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Abkommen bezieht sich nach Art. 2 Abs. 1 Buchst. d SozSichAbk YUG sachlich auf die deutschen Rechtsvorschriften &uuml;ber das Kindergeld f&uuml;r Arbeitnehmer. Gem&auml;&szlig; Art. 28 Abs. 1 Satz 1 SozSichAbk YUG k&ouml;nnen Personen Kindergeld beanspruchen, die in Deutschland besch&auml;ftigt sind und den in Deutschland geltenden Rechtsvorschriften unterliegen. Nach dem durch das &Auml;nderungsabkommen vom 30. September 1974 (&Auml;nderungs-Abk) in Art. 28 Abs. 1 SozSichAbk YUG eingef&uuml;gten Satz 2 gilt Satz 1 &quot;auch f&uuml;r eine Person, die nach Beendigung ihres Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisses Geldleistungen der Krankenversicherung wegen vor&uuml;bergehender Arbeitsunf&auml;higkeit oder Leistungen der Arbeitslosenversicherung, soweit Rechtsvorschriften der Bundesrepublik Deutschland in Betracht kommen Arbeitslosengeld, erh&auml;lt&quot; und sich im Besch&auml;ftigungsland aufh&auml;lt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Voraussetzungen der im Streitfall allein in Betracht kommenden Alternative des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG, wonach Kindergeld beanspruchen kann, wer Arbeitslosengeld erh&auml;lt, sind nicht gegeben, weil der Kl&auml;ger tats&auml;chlich kein Arbeitslosengeld bezogen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Rechtsfrage, ob der Kl&auml;ger nach Beendigung seines Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisses Arbeitslosengeld i.S. des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG erhalten hat, obwohl ein tats&auml;chlicher Leistungsbezug infolge der verh&auml;ngten Sperrzeit gem&auml;&szlig; &sect; 144 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB III nicht erfolgt ist, wird im Abkommen nicht ausdr&uuml;cklich beantwortet. Sie ist daher durch Auslegung zu kl&auml;ren. Dabei sind diejenigen Grunds&auml;tze zu beachten, die f&uuml;r die Auslegung v&ouml;lkerrechtlicher Vertr&auml;ge im innerstaatlichen Bereich ma&szlig;geblich sind. Danach sind die Grunds&auml;tze des Teils III Abschnitt 3 des Wiener &Uuml;bereinkommens &uuml;ber das Recht der Vertr&auml;ge (W&Uuml;RV) vom 23. Mai 1969 (BGBl II 1985, 926) heranzuziehen. Das W&Uuml;RV ist f&uuml;r Deutschland seit dem 20. August 1987 in Kraft (BGBl II 1987, 757). Seine Auslegungsgrunds&auml;tze sind zugleich Ausdruck allgemeiner Regeln des V&ouml;lkerrechts, die als solche auch auf Vertr&auml;ge angewendet werden k&ouml;nnen, die wie das SozSichAbk YUG bereits vor dem Inkrafttreten des W&Uuml;RV abgeschlossen wurden (vgl. auch Senatsurteil vom 17. Juni 2010 III R 42\/09, BFHE 230, 337, betr. das Vorl&auml;ufige Europ&auml;ische Abkommen &uuml;ber soziale Sicherheit unter Ausschluss der Systeme f&uuml;r den Fall des Alters, der Invalidit&auml;t und zugunsten der Hinterbliebenen vom 11. Dezember 1953).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Art. 31 Abs. 1 W&Uuml;RV ist ein Vertrag &quot;nach Treu und Glauben in &Uuml;bereinstimmung mit der gew&ouml;hnlichen, seinen Bestimmungen in ihrem Zusammenhang zukommenden Bedeutung und im Lichte seines Zieles und Zweckes auszulegen&quot;. Wurde ein Vertrag in zwei oder mehr Sprachen als authentisch festgelegt, ist nach Art. 33 Abs. 1 W&Uuml;RV der Text in jeder Sprache in gleicher Weise ma&szlig;gebend, sofern nicht der Vertrag vorsieht oder die Vertragsparteien vereinbaren, dass bei Abweichungen ein bestimmter Text vorgehen soll. Es wird vermutet, dass die Ausdr&uuml;cke des Vertrages in jedem authentischen Text dieselbe Bedeutung haben (Art. 33 Abs. 3 W&Uuml;RV).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Bei Anwendung dieser Grunds&auml;tze kann &#8211;entgegen der Argumentation des FG&#8211; nicht davon ausgegangen werden, dass der Kl&auml;ger im Streitzeitraum Arbeitslosengeld i.S. des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG erhalten hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Nach der Schlussklausel des &Auml;nderungs-Abk sind sowohl der Wortlaut in deutscher als auch serbo-kroatischer Sprache gleicherma&szlig;en verbindlich. F&uuml;r die Auslegung des Abkommenstextes kann daher von der deutschen Sprachfassung ausgegangen werden (vgl. Geiger, Grundgesetz und V&ouml;lkerrecht, 4. Aufl., 2009, &sect; 26 III.2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Formulierung in Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG bringt deutlich zum Ausdruck, dass Deutschland als Besch&auml;ftigungsland nur dann Kindergeld gew&auml;hren will, wenn die Person nach Beendigung ihres Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisses &#8211;soweit Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung in Rede stehen&#8211; Arbeitslosengeld erh&auml;lt. Hieraus l&auml;sst sich zum einen ableiten, dass kindergeldberechtigt nur derjenige sein soll, der Arbeitslosengeld, nicht eine andere Leistung aus der Arbeitslosenversicherung erh&auml;lt (z.B. Senatsurteile vom 30. Juli 2009 III R 45\/07, nicht amtlich ver&ouml;ffentlicht &#8211;juris&#8211;; III R 59\/07, nicht amtlich ver&ouml;ffentlicht &#8211;juris&#8211;, beide zur Arbeitslosenhilfe). Zum anderen bedeutet der gew&ouml;hnliche Wortsinn der gebrauchten Formulierung &quot;Arbeitslosengeld erh&auml;lt&quot;, dass diese Geldleistung tats&auml;chlich bezogen werden muss. Arbeitslosengeld erh&auml;lt, wer es bezieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend einer Sperrzeit wird aber gerade kein Arbeitslosengeld bezogen. Diese Rechtslage bestimmte bereits das im Zeitpunkt des Inkrafttretens des &Auml;nderungs-Abk am 1. Januar 1975 geltende Arbeitsf&ouml;rderungsgesetz (AFG) vom 25. Juni 1969 (BGBl I 1969, 582). Diese Rechtslage gilt im Grundsatz f&uuml;r den Streitzeitraum unver&auml;ndert nach dem SGB III fort, welches das AFG mit Wirkung zum 1. Januar 1998 ersetzt hat (BGBl I 1997, 594). Sowohl der fr&uuml;her geltende &sect; 119 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Abs. 1 Satz 3 AFG als auch der im Streitzeitraum geltende &sect; 144 Abs. 1 Satz 1, Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB III sahen bzw. sehen bei Arbeitsaufgabe unter den n&auml;her beschriebenen Voraussetzungen das Eingreifen einer Sperrzeit vor, w&auml;hrend deren Dauer der Anspruch auf Arbeitslosengeld ruht. Danach besteht der Anspruch, ist aber nicht durchsetzbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die in Kenntnis dieser Rechtslage gew&auml;hlte ma&szlig;gebliche deutsche Sprachfassung (&quot;&#8230; Arbeitslosengeld erh&auml;lt &#8230;&quot;) l&auml;sst es daher nicht zu, eine Kindergeldberechtigung auch dann anzunehmen, wenn tats&auml;chlich kein Arbeitslosengeld bezogen wird. Etwas anderes ergibt sich auch nicht daraus, dass w&auml;hrend einer Sperrzeit nach &sect; 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V ab dem Beginn des zweiten Monats bis zur zw&ouml;lften Woche eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht. Nach Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG ist nicht ma&szlig;geblich, ob die Person nach Beendigung des Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisses w&auml;hrend einer Sperrzeit weiterhin in einem Versicherungspflichtverh&auml;ltnis zur gesetzlichen Krankenversicherung (&sect;&sect; 5 ff. SGB V) steht, sondern ob Arbeitslosengeld bezogen wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Das vorstehend herausgearbeitete Begriffsverst&auml;ndnis wird durch den systematischen Zusammenhang der auszulegenden Textpassage (&quot;&#8230; Arbeitslosengeld erh&auml;lt &#8230;&quot;) mit der &uuml;brigen Regelung in Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG best&auml;tigt, wonach ebenso eine Person beg&uuml;nstigt ist, die &quot;nach Beendigung ihres Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisses Geldleistungen der Krankenversicherung wegen vor&uuml;bergehender Arbeitsunf&auml;higkeit &#8230; erh&auml;lt&quot;. Auch diese Formulierung stellt nach ihrer gew&ouml;hnlichen Bedeutung ma&szlig;geblich auf den tats&auml;chlichen Bezug der genannten Geldleistungen ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Schlie&szlig;lich l&auml;sst sich dem Abkommen auch kein Ziel oder Zweck entnehmen, aus dem sich eine von der Sprachfassung abweichende Bedeutung ergibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es ist nicht erkennbar, dass das Abkommen allen in die Arbeitslosenversicherung integrierten Personen eine Kindergeldberechtigung einr&auml;umen wollte. Das Abkommen selbst bezieht sich &#8211;wie sich aus Art. 1 Nr. 3 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 SozSichAbk YUG ergibt&#8211; ohnehin nicht auf die deutschen Rechtsvorschriften &uuml;ber die Arbeitslosenversicherung, sondern auf die &uuml;ber die Krankenversicherung und den Schutz der erwerbst&auml;tigen M&uuml;tter, die Unfallversicherung, die Rentenversicherung und das Kindergeld f&uuml;r Arbeitnehmer. Hinsichtlich der Arbeitslosenversicherung existiert zwischen Deutschland und der Sozialistischen F&ouml;derativen Republik Jugoslawien ein eigenst&auml;ndiges Abkommen vom 12. Oktober 1968 (BGBl II 1969, 1473). Daneben lassen sich weder aus dem Text des &Auml;nderungs-Abk noch aus der dieses &Auml;nderungs-Abk begleitenden Denkschrift (s&auml;mtlich wiedergegeben in BRDrucks 801\/74, S. 1 ff.), auch nicht aus den Unterlagen (Vertragstext, Schlussprotokoll, Begr&uuml;ndung, Denkschrift), die das Abkommen vom 12. Oktober 1968 betreffen (s&auml;mtlich wiedergegeben in BRDrucks 98\/69, S. 1 ff.), Anhaltspunkte daf&uuml;r finden, dass bei einem zwar bestehenden, aber nicht zur Auszahlung gelangenden Anspruch auf Arbeitslosengeld eine Kindergeldberechtigung bestehen soll.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ebenso bezweckt das Abkommen nicht, allen Personen eine Kindergeldberechtigung einzur&auml;umen, die sich voraussichtlich auf Dauer in Deutschland aufhalten. Auch wenn &sect; 62 Abs. 2 EStG einen derartigen Zweck verfolgt (vgl. Senatsurteil in BFHE 217, 443, BStBl II 2009, 905; BTDrucks 16\/1368, S. 8), l&auml;sst sich ein solcher f&uuml;r Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG weder aus dem Abkommenstext noch aus den sonstigen, dieses Abkommen betreffenden Unterlagen entnehmen. Umgekehrt l&auml;sst sich dem Abkommen auch nicht der Zweck entnehmen, nur solche Personen beg&uuml;nstigen zu wollen, die in Deutschland als Wanderarbeitnehmer auf Zeit unselbst&auml;ndig erwerbst&auml;tig sind (vgl. Urteil des Bundessozialgerichts vom 12. April 2000 B 14 KG 3\/99 R, SozR 3-5870 &sect; 1 Nr. 18).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.10.2011, III R 14\/08 Zum Erhalt von Arbeitslosengeld i.S. des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG &#8211; Auslegung des Abkommenstextes &#8211; Zweck des SozSichAbk YUG &#8211; Keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Neuregelung der Kindergeldberechtigung Leits&auml;tze W&auml;hrend der Dauer einer Sperrzeit nach &sect; 144 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-14-08-zum-erhalt-von-arbeitslosengeld-is-des-art-28-abs-1-satz-2-sozsichabk-yug-auslegung-des-abkommenstextes-zweck-des-sozsichabk-yug-keine-verfassungsrechtlichen-bedenken-gegen-die-neuregelung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;14\/08 &#8211; Zum Erhalt von Arbeitslosengeld i.S. des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 SozSichAbk YUG &#8211; Auslegung des Abkommenstextes &#8211; Zweck des SozSichAbk YUG &#8211; Keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Neuregelung der Kindergeldberechtigung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9265","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9265"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9265\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}