{"id":9289,"date":"2012-12-06T17:27:50","date_gmt":"2012-12-06T15:27:50","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9289"},"modified":"2012-12-06T17:27:50","modified_gmt":"2012-12-06T15:27:50","slug":"vi-b-79-11-doppelte-haushaltsfuehrung-verstoss-gegen-den-amtsermittlungsgrundsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-79-11-doppelte-haushaltsfuehrung-verstoss-gegen-den-amtsermittlungsgrundsatz\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;79\/11 &#8211; Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung &#8211; Versto&szlig; gegen den Amtsermittlungsgrundsatz"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.10.2011, VI B 79\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung &#8211; Versto&szlig; gegen den Amtsermittlungsgrundsatz<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Nichtzulassungsbeschwerde der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das Finanzgericht (FG) zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect; 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist zul&auml;ssig. Denn den Kl&auml;gern ist &#8211;entgegen der Auffassung des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt)&#8211; die begehrte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach &sect; 56 FGO wegen der Vers&auml;umung der Beschwerdebegr&uuml;ndungsfrist zu bewilligen. Sie haben glaubhaft gemacht, dass ihr Prozessbevollm&auml;chtigter wegen eines technischen &Uuml;bermittlungsfehlers ohne Verschulden verhindert gewesen war, die Beschwerdeeinlegungsfrist einzuhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist auch begr&uuml;ndet. Es liegt ein von den Kl&auml;gern geltend gemachter Verfahrensmangel vor, auf dem die Entscheidung des FG beruhen kann (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO). Denn das FG hat seine aus &sect; 76 Abs. 1 FGO folgende Pflicht zur Sachaufkl&auml;rung verletzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach dieser Vorschrift hat das Gericht den Sachverhalt von Amts wegen aufzukl&auml;ren. Diesen Amtsermittlungsgrundsatz hat das FG &#8211;unbeschadet der Mitwirkungspflicht der Beteiligten&#8211; besonders zu beachten, soweit es sich um Feststellungen handelt, denen entscheidungserhebliche Bedeutung zukommt. In diesen F&auml;llen muss es jedenfalls solchen tats&auml;chlichen Zweifeln nachgehen, die sich ihm nach Lage der Akten und dem Vortrag der Beteiligten aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen (z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 17. September 2003 I B 18\/03, BFH\/NV 2004, 207, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Hierzu bestand zum einen Anlass, weil das FG den Lebensmittelpunkt der Kl&auml;gerin allein wegen ihrer Eheschlie&szlig;ung im &#8230; 2000 f&uuml;r das gesamte Streitjahr in A verortet hat. Allein die vermutete &#8211;von der Kl&auml;gerin bestrittene&#8211; partnerschaftliche Beziehung zum Kl&auml;ger reicht hierf&uuml;r jedoch nicht aus. Die Bestimmung des Lebensmittelpunkts bedarf vielmehr weiterer Feststellungen. Indizien daf&uuml;r, wo der Lebensmittelpunkt liegt, k&ouml;nnen insbesondere sein, wie oft und wie lange sich der Arbeitnehmer in der einen und der anderen Wohnung aufh&auml;lt, wie beide Wohnungen ausgestattet und wie gro&szlig; sie sind. Von Bedeutung sind auch die Dauer des Aufenthalts am Besch&auml;ftigungsort, die Entfernung beider Wohnungen, die Zahl der Heimfahrten sowie insbesondere auch der &#8211;gegebenenfalls durch Zeugenbeweis zu erhebende&#8211; Umstand, zu welchem Wohnort die engeren pers&ouml;nlichen Beziehungen bestehen (vgl. BFH-Urteil vom 21. April 2010 VI R 26\/09, BFHE 230, 5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zum anderen hat das FG einen eigenen Hausstand der Kl&auml;gerin au&szlig;erhalb des Besch&auml;ftigungsorts verneint, da sie &quot;ihre Wohnung in X nicht unterhalten&quot; (im Sinne von Kosten getragen) habe. Auch hier bedarf der Sachverhalt der weiteren Aufkl&auml;rung. Denn die Frage, ob ein &#8211;vorliegend m&ouml;glicherweise zumindest einen Teil des Streitjahres&#8211; alleinstehender Arbeitnehmer einen eigenen Hausstand i.S. des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) unterh&auml;lt, entscheidet sich unter Einbeziehung und Gewichtung aller tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse im Rahmen einer den Finanzgerichten als Tatsacheninstanz obliegenden Gesamtw&uuml;rdigung. Dabei ist der Umstand, ob der Arbeitnehmer f&uuml;r die Kosten des Haushalts aufkommt, zwar ein besonders gewichtiges Indiz, aber keine zwingende Voraussetzung im Sinne einer conditio sine qua non (vgl. BFH-Urteil in BFHE 230, 5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Auch haben die Kl&auml;ger das Recht zur R&uuml;ge mangelnder Sachaufkl&auml;rung nicht verloren. Zwar kann dies bei verzichtbaren Verfahrensm&auml;ngeln &#8211;wie dem der unzureichenden Sachverhaltsaufkl&auml;rung&#8211; auch durch blo&szlig;es Unterlassen einer rechtzeitigen R&uuml;ge geschehen (&sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 295 der Zivilprozessordnung). Ein Verzichtswille ist daf&uuml;r nicht erforderlich. Diese Folge wird vom BFH allerdings nur f&uuml;r den Fall angenommen, dass der Kl&auml;ger &#8211;anders als im Streitfall&#8211; rechtskundig vertreten ist (BFH-Beschl&uuml;sse vom 29. Oktober 2004 XI B 213\/02, BFH\/NV 2005, 566, und vom 27. September 2007 IX B 19\/07, BFH\/NV 2008, 27; so auch Th&uuml;rmer, in H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler, &sect; 76 FGO, Rz 209).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r sachgerecht, nach &sect; 116 Abs. 6 FGO zu verfahren, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen. Im Hinblick darauf kann der Senat dahinstehen lassen, ob die angefochtene Entscheidung im &Uuml;brigen verfahrensfehlerfrei ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r das weitere Verfahren weist der Senat &#8211;ohne Bindungswirkung&#8211; darauf hin, dass nach &sect; 33a Abs. 1 EStG nur Aufwendungen f&uuml;r den Unterhalt einer dem Steuerpflichtigen oder seinem Ehegatten gegen&uuml;ber gesetzlich unterhaltsberechtigten Person zu ber&uuml;cksichtigen sind. Ob der Steuerpflichtige zum Unterhalt gesetzlich verpflichtet ist, ist nach inl&auml;ndischen Ma&szlig;st&auml;ben zu beurteilen. Gesetzlich unterhaltsberechtigt sind danach diejenigen Personen, denen gegen&uuml;ber der Steuerpflichtige nach dem B&uuml;rgerlichen Gesetzbuch (BGB) unterhaltsverpflichtet ist. Dies sind insbesondere nach &sect; 1601 BGB Verwandte in gerader Linie i.S. des &sect; 1589 Satz 1 BGB, wie z.B. Kinder, Enkel, Eltern und Gro&szlig;eltern, nicht hingegen Verwandte in der Seitenlinie &#8211;vorliegend die Schwester der Kl&auml;gerin&#8211; oder verschw&auml;gerte Personen (vgl. BFH-Urteil vom 27. Juli 2011 VI R 13\/10, BFHE 234, 307, www.bundesfinanzhof.de, BFH\/NV 2011, 1957). Weitere Voraussetzung ist die Bed&uuml;rftigkeit des Unterhaltsempf&auml;ngers i.S. des &sect; 1602 BGB. Bed&uuml;rftigkeit ist beispielsweise gegeben, wenn die unterhaltene Person weder Verm&ouml;gen (hierzu z&auml;hlt auch ein eigengenutztes Wohnhaus) hat noch Eink&uuml;nfte aus einer Erwerbst&auml;tigkeit oder Bez&uuml;ge (beispielsweise eine Rente oder Arbeitslosengeld) erzielt (vgl. BFH-Urteil vom 30. Juni 2010 VI R 35\/09, BFHE 230, 538, BStBl II 2011, 267).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.10.2011, VI B 79\/11 Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung &#8211; Versto&szlig; gegen den Amtsermittlungsgrundsatz Gr&uuml;nde &nbsp; 1&nbsp; Die Nichtzulassungsbeschwerde der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das Finanzgericht (FG) zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect; 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-79-11-doppelte-haushaltsfuehrung-verstoss-gegen-den-amtsermittlungsgrundsatz\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;B&nbsp;79\/11 &#8211; Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung &#8211; Versto&szlig; gegen den Amtsermittlungsgrundsatz<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9289","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9289","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9289"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9289\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9289"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9289"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9289"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}