{"id":9301,"date":"2012-12-06T05:04:45","date_gmt":"2012-12-06T03:04:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9301"},"modified":"2012-12-06T05:04:45","modified_gmt":"2012-12-06T03:04:45","slug":"x-r-29-10-offensichtlich-unzutreffende-besteuerung-bei-anwendung-der-pauschbetraege-fuer-auslandsuebernachtungen-aenderungsbefugnis-nach-par-173-abs-1-nr-1-ao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-29-10-offensichtlich-unzutreffende-besteuerung-bei-anwendung-der-pauschbetraege-fuer-auslandsuebernachtungen-aenderungsbefugnis-nach-par-173-abs-1-nr-1-ao\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;29\/10 &#8211; Offensichtlich unzutreffende Besteuerung bei Anwendung der Pauschbetr&auml;ge f&uuml;r Auslands&uuml;bernachtungen &#8211; &Auml;nderungsbefugnis nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.10.2011, X R 29\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Offensichtlich unzutreffende Besteuerung bei Anwendung der Pauschbetr&auml;ge f&uuml;r Auslands&uuml;bernachtungen &#8211; &Auml;nderungsbefugnis nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die zur Einkommensteuer zusammen veranlagt werden. Der Kl&auml;ger ist britischer Staatsb&uuml;rger, jedoch in Deutschland unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig. Er erzielt seit 2004 als Mediendesigner Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb, die er durch Einnahmen-&Uuml;berschuss-Rechnung ermittelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In den Streitjahren 2004 und 2006 zog er in seinen Gewinnermittlungen jeweils &Uuml;bernachtungskosten anl&auml;sslich von Gesch&auml;ftsreisen als Betriebsausgaben ab. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f&uuml;hrte die Veranlagungen zun&auml;chst erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; durch; die Bescheide f&uuml;r die Streitjahre ergingen nicht unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen einer sp&auml;teren Au&szlig;enpr&uuml;fung erkl&auml;rte der Kl&auml;ger der Pr&uuml;ferin, hinsichtlich der &Uuml;bernachtungskosten habe er die von der Finanzverwaltung hierf&uuml;r festgelegten Pauschbetr&auml;ge angesetzt (f&uuml;r 2004: 53 N&auml;chte x 108 EUR\/Nacht = 5.724 EUR; f&uuml;r 2006: 9 N&auml;chte x 152 EUR\/Nacht = 1.368 EUR). Tats&auml;chlich habe er bei seiner Mutter &uuml;bernachtet, die in einer Kleinstadt (K) nordwestlich von London wohne. Von dort aus habe er seine Kunden in und um London aufgesucht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Erstmals nach Durchf&uuml;hrung der Schlussbesprechung und Zusendung des Pr&uuml;fungsberichts behauptete der Kl&auml;ger, im Jahr 2004 nicht ausschlie&szlig;lich bei seiner Mutter &uuml;bernachtet, sondern sch&auml;tzungsweise 20 &Uuml;bernachtungen im Hotel durchgef&uuml;hrt zu haben. Die Kosten hierf&uuml;r sch&auml;tze er auf 75 EUR pro Nacht. Zudem habe er anl&auml;sslich der &Uuml;bernachtungen bei seiner Mutter Beitr&auml;ge zu den Lebenshaltungskosten geleistet, die er &#8211;unter Vorlage einer schriftlichen Best&auml;tigung der Mutter&#8211; auf 25 bis 30 Britische Pfund (ca. 40 EUR) pro Nacht sch&auml;tze (&quot;25 to 30 pounds would be a good guess&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Pr&uuml;ferin setzte pauschale &Uuml;bernachtungskosten von 25 EUR pro Nacht an und minderte die als Betriebsausgaben abziehbaren &Uuml;bernachtungskosten auf 1.325 EUR (2004) bzw. 225 EUR (2006). Das FA erlie&szlig; gegen die Kl&auml;ger entsprechende, verfahrensrechtlich auf &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) gest&uuml;tzte &Auml;nderungsbescheide zur Einkommensteuer 2004 und 2006.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Einspruchs- und Klageverfahren machten die Kl&auml;ger erfolglos geltend, die Voraussetzungen des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO l&auml;gen nicht vor. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte aus, ma&szlig;gebender nachtr&auml;glich bekannt gewordener Lebenssachverhalt sei, dass der Kl&auml;ger &uuml;berwiegend bei seiner Mutter &uuml;bernachtet habe, die hierf&uuml;r kein Entgelt gefordert habe. Selbst wenn es sich dabei lediglich um eine Hilfstatsache handeln sollte, lie&szlig;e sie doch den sicheren Schluss auf die Haupttatsache &#8211;das Entstehen bzw. Nichtentstehen tats&auml;chlicher &Uuml;bernachtungskosten&#8211; zu. Auch die nunmehrige Sch&auml;tzung der H&ouml;he der &Uuml;bernachtungskosten durch das FA sei nicht zu beanstanden. Die Pauschbetr&auml;ge w&uuml;rden hier zu einer offensichtlich unzutreffenden Besteuerung f&uuml;hren. Die vom Kl&auml;ger behauptete Beteiligung an den Lebenshaltungskosten sei mit dem Ansatz von 25 EUR eher gro&szlig;z&uuml;gig ber&uuml;cksichtigt. Hinreichende Anhaltspunkte f&uuml;r tats&auml;chliche Hotel&uuml;bernachtungen fehlten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision bringen die Kl&auml;ger vor, es reiche f&uuml;r die Befugnis zur &Auml;nderung nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO nicht aus, wenn das FG aus der Hilfstatsache, wonach ein Teil der &Uuml;bernachtungen bei der Mutter erfolgt sei, den sicheren Schluss ableite, dass Kosten in H&ouml;he der Verwaltungspauschalen nicht entstanden seien. Vielmehr w&auml;re der sichere Schluss erforderlich gewesen, dass die H&ouml;he der &Uuml;bernachtungskosten sich auf genau 1.325 EUR bzw. 225 EUR belaufen habe. Denn der Ersatz einer Sch&auml;tzung durch eine andere Sch&auml;tzung sei in den F&auml;llen des &sect; 173 AO nicht zul&auml;ssig. Die Vorinstanz habe den Fall so beurteilt, als h&auml;tten zuvor keine bestandskr&auml;ftigen Steuerbescheide vorgelegen, und dem Kl&auml;ger zu Unrecht die Darlegungs- und Beweislast aufgeb&uuml;rdet. Dieser habe sich auf die einschl&auml;gigen Verwaltungsanweisungen verlassen d&uuml;rfen. Im &Uuml;brigen sei die Sch&auml;tzung des FA zu hoch ausgefallen, weil die Mutter des Kl&auml;gers einen Betrag von 40 EUR best&auml;tigt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das angefochtene Urteil, die ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheide f&uuml;r die Jahre 2004 und 2006 vom 27. April 2009 und die Einspruchsentscheidung vom 8. Juli 2009 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Die Entscheidung ergeht gem&auml;&szlig; &sect; 126a FGO durch Beschluss ohne m&uuml;ndliche Verhandlung. Der Senat h&auml;lt einstimmig die Revision f&uuml;r unbegr&uuml;ndet und eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht f&uuml;r erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. In revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise hat das FG die Voraussetzungen des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO als erf&uuml;llt angesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Danach sind Steuerbescheide aufzuheben oder zu &auml;ndern, soweit Tatsachen oder Beweismittel nachtr&auml;glich bekannt werden, die zu einer h&ouml;heren Steuer f&uuml;hren. Tatsache i.S. des &sect; 173 Abs. 1 AO ist jeder Lebenssachverhalt, der Merkmal oder Teilst&uuml;ck eines gesetzlichen Tatbestands sein kann, also Zust&auml;nde, Vorg&auml;nge, Beziehungen, Eigenschaften materieller oder immaterieller Art (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 30. Oktober 2003 III R 24\/02, BFHE 204, 10, BStBl II 2004, 394, unter II.1., m.w.N.). Schlussfolgerungen und Sch&auml;tzungsergebnisse sind demgegen&uuml;ber keine Tatsachen in diesem Sinne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hilfstatsachen d&uuml;rfen nur herangezogen werden, wenn sie einen sicheren Schluss auf das Vorliegen der Haupttatsache zulassen; blo&szlig;e Vermutungen oder Wahrscheinlichkeiten reichen hierf&uuml;r nicht aus (BFH-Urteil vom 6. Dezember 1994 IX R 11\/91, BFHE 176, 221, BStBl II 1995, 192, unter 1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat ausgef&uuml;hrt, ma&szlig;gebender nachtr&auml;glich bekannt gewordener Lebenssachverhalt sei, dass der Kl&auml;ger &#8211;jedenfalls &uuml;berwiegend&#8211; bei seiner Mutter &uuml;bernachtet und diese hierf&uuml;r kein Entgelt gefordert habe. Es k&ouml;nne offenbleiben, ob es sich bei dem Umstand, dass die &Uuml;bernachtungen nicht im Hotel, sondern bei der Mutter durchgef&uuml;hrt worden seien, lediglich um eine Hilfstatsache handele, da diese jedenfalls einen sicheren Schluss auf die Haupttatsache &#8211;das Nichtanfallen der als Betriebsausgaben abgesetzten &Uuml;bernachtungskosten&#8211; zulasse.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Dies l&auml;sst Rechtsfehler nicht erkennen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Beurteilung dessen, was im konkreten Fall als &quot;Tatsache&quot; &#8211;Merkmal oder Teilst&uuml;ck eines gesetzlichen Tatbestands&#8211; anzusehen ist, hat von der Regelung des &sect; 4 Abs. 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG) auszugehen. Danach sind Betriebsausgaben die Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind. Der Abzug von Betriebsausgaben setzt daher stets das Vorliegen &#8211;in F&auml;llen der Gewinnermittlung durch Einnahmen-&Uuml;berschuss-Rechnung den Abfluss (&sect; 11 Abs. 2 EStG)&#8211; von Aufwendungen voraus. Daran fehlt es, wenn anl&auml;sslich von &Uuml;bernachtungen bei der Mutter des Kl&auml;gers nicht die vom Kl&auml;ger angesetzten Kosten von 108 EUR bzw. 152 EUR t&auml;glich, sondern gar keine oder jedenfalls wesentlich geringere Aufwendungen angefallen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Allerdings beruft sich der Kl&auml;ger im Ausgangspunkt zu Recht auf R 40 Abs. 2 Satz 2 der Lohnsteuer-Richtlinien in der in den Streitjahren geltenden Fassung (LStR 2004), wonach bei &Uuml;bernachtungen im Ausland die &Uuml;bernachtungskosten ohne Einzelnachweis der tats&auml;chlichen Aufwendungen mit Pauschbetr&auml;gen angesetzt werden d&uuml;rfen, die vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) bekannt gemacht werden (vgl. f&uuml;r die Zeit ab 1. Januar 2002 BMF-Schreiben vom 12. November 2001, BStBl I 2001, 818; ab 1. Januar 2005 BMF-Schreiben vom 9. November 2004, BStBl I 2004, 1052).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Der Senat kann offenlassen, ob diese Pauschalierung auf eine hinreichende Rechtsgrundlage gest&uuml;tzt werden kann. In den genannten BMF-Schreiben wird insoweit zwar die Vorschrift des &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 EStG herangezogen. Satz 4 dieser Regelung erm&auml;chtigt das BMF allerdings lediglich zur Festlegung von Pauschbetr&auml;gen f&uuml;r Verpflegungsmehraufwand, nicht hingegen f&uuml;r &Uuml;bernachtungskosten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch ist zweifelhaft, ob die Pauschbetr&auml;ge auf die &#8211;unter dem Gesichtspunkt des &quot;steuerlichen Massenverfahrens&quot; dem Grunde nach gegebene&#8211; allgemeine Typisierungsbefugnis der Finanzverwaltung gest&uuml;tzt werden k&ouml;nnen. Denn es ist nicht ersichtlich, weshalb gerade ein Nachweis der Kosten von im Ausland durchgef&uuml;hrten Hotel&uuml;bernachtungen f&uuml;r die Steuerpflichtigen wesentlich schwieriger zu erbringen ist als der Nachweis sonstiger &#8211;in- oder ausl&auml;ndischer&#8211; Betriebsausgaben, f&uuml;r die die Finanzverwaltung aber keine Pauschalierungen vorsieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dementsprechend l&auml;sst die Finanzverwaltung ab 2009 einen Abzug von &Uuml;bernachtungskosten beim Betriebsinhaber ausschlie&szlig;lich im Falle des Einzelnachweises zu und wendet die Pauschbetr&auml;ge nur noch auf Erstattungen durch den Arbeitgeber an (vgl. BMF-Schreiben vom 17. Dezember 2008, BStBl I 2008, 1077).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Jedenfalls steht die Anwendung der Pauschalen bereits nach der eigenen Auffassung der Finanzverwaltung unter dem Vorbehalt, dass sie nicht im Einzelfall zu einer offensichtlich unzutreffenden Besteuerung f&uuml;hrt, was bei einer vom Normaltypus abweichenden Art der Reise der Fall sei (H 40 LStR 2004 &quot;&Uuml;bernachtungen im Ausland&quot;). Dies entspricht auch der st&auml;ndigen h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. BFH-Entscheidungen vom 11. Mai 1990 VI R 140\/86, BFHE 160, 546, BStBl II 1990, 777, unter 2.c; vom 9. Mai 2005 VI B 3\/05, BFH\/NV 2005, 1550, und vom 23. M&auml;rz 2011 X R 44\/09, BFHE 233, 297, BStBl II 2011, 884, unter II.3.d).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Selbst wenn der &quot;gesetzliche Tatbestand&quot;, auf den f&uuml;r die Beurteilung, ob eine &quot;Tatsache&quot; i.S. des &sect; 173 AO gegeben ist, abzustellen ist, aufgrund der Heranziehung der dargestellten Verwaltungsregelungen &uuml;ber die Vorschrift des &sect; 4 Abs. 4 EStG hinaus zu erweitern w&auml;re, so dass es auf einen Einzelnachweis und die tats&auml;chliche H&ouml;he der Aufwendungen grunds&auml;tzlich nicht ank&auml;me, geh&ouml;rte zu diesem &quot;gesetzlichen Tatbestand&quot; doch zugleich der Vorbehalt, dass es nicht zu einer offensichtlich unzutreffenden Besteuerung kommen d&uuml;rfe. Dies ist aber bei &Uuml;bernachtungen, die nicht im Hotel, sondern bei nahen Angeh&ouml;rigen des Steuerpflichtigen durchgef&uuml;hrt werden, ersichtlich der Fall, da derartige &Uuml;bernachtungen vom Normaltypus einer Gesch&auml;ftsreise erheblich abweichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Umstand, dass der Kl&auml;ger bei seiner Mutter &uuml;bernachtet hat, ist in diesem Sinne Haupttatsache, die Teilst&uuml;ck des &quot;gesetzlichen Tatbestands&quot; einer offensichtlich unzutreffenden Besteuerung ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Anders als die Kl&auml;ger meinen, ist diese rechtliche Beurteilung dessen, was &quot;Merkmal des gesetzlichen Tatbestands&quot; sowie &quot;Tatsache&quot; ist, unabh&auml;ngig davon, ob der Kl&auml;ger seine Mitwirkungspflichten im Besteuerungsverfahren verletzt hat oder nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die weiteren Einwendungen der Kl&auml;ger k&ouml;nnen der Revision nicht zum Erfolg verhelfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) So trifft es zwar zu, dass im Falle von Sch&auml;tzungen die Vorschrift des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO nicht dazu berechtigt, auf eine neue Sch&auml;tzungsmethode &uuml;berzugehen. Allerdings d&uuml;rfen auch im Rahmen einer Sch&auml;tzung neue Erkenntnisse ber&uuml;cksichtigt werden (vgl. BFH-Urteil vom 2. M&auml;rz 1982 VIII R 225\/80, BFHE 136, 28, BStBl II 1984, 504). Insofern geht der Einwand der Kl&auml;ger fehl, dass in derartigen F&auml;llen das neue Sch&auml;tzungsergebnis &quot;sicher&quot; feststehen m&uuml;sse und daher denknotwendig jede neue Sch&auml;tzung ausgeschlossen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies zeigt sich im Streitfall &#8211;von den Beteiligten bisher nicht angesprochen&#8211; schon daran, dass die vom Kl&auml;ger angesetzten Pauschbetr&auml;ge von 108 EUR bzw. 152 EUR, bei denen es sich ebenfalls um Sch&auml;tzungen handelt, ausschlie&szlig;lich f&uuml;r &Uuml;bernachtungen innerhalb von London gelten. F&uuml;r &Uuml;bernachtungen in K, dem Wohnort der Mutter des Kl&auml;gers, belaufen sich die Verwaltungspauschalen hingegen auf lediglich 57 EUR (Streitjahr 2004) bzw. 110 EUR (Streitjahr 2006). Es ist unzweifelhaft, dass das FA die Steuerbescheide dem Grunde nach schon deshalb auf der Grundlage des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO &auml;ndern durfte, weil ihm nachtr&auml;glich bekannt geworden ist, dass der Kl&auml;ger nicht in London, sondern in K &uuml;bernachtet hat, einem Ort, f&uuml;r den die Verwaltung geringere &Uuml;bernachtungspauschalen ansetzt. Dies gilt ungeachtet dessen, dass sowohl die f&uuml;r London als auch die f&uuml;r den Rest des Vereinigten K&ouml;nigreichs geltenden Pauschalen jeweils Sch&auml;tzungen i.S. des &sect; 162 AO darstellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In diesem Sinne haben nunmehr FA und FG unter Ber&uuml;cksichtigung der nachtr&auml;glich bekannt gewordenen Erkenntnisse unter Beibehaltung der Sch&auml;tzungsmethode &#8211;Pauschbetr&auml;ge statt Einzelnachweis&#8211; die urspr&uuml;ngliche Sch&auml;tzung des Kl&auml;gers (108 EUR bzw. 152 EUR je &Uuml;bernachtung) in zul&auml;ssiger Weise durch einen Pauschbetrag von 25 EUR ersetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Anders als die Kl&auml;ger behaupten, hat das FG nicht etwa festgestellt, dass der Kl&auml;ger im Jahr 2004 tats&auml;chlich etwa 20 mal im Hotel &uuml;bernachtet h&auml;tte. Vielmehr hat das FG ausdr&uuml;cklich ausgef&uuml;hrt, es fehlten hinreichende Anhaltspunkte f&uuml;r tats&auml;chliche Hotel&uuml;bernachtungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die Vorinstanz hat auch nicht die Grunds&auml;tze &uuml;ber die Feststellungslast verkannt. Vielmehr hat sie sich die volle &Uuml;berzeugung (&sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) davon verschafft, dass die tats&auml;chlichen Voraussetzungen f&uuml;r eine &Auml;nderung nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO gegeben sind. Eine Entscheidung nach den Grunds&auml;tzen der &#8211;hier beim FA liegenden&#8211; Feststellungslast, bei der es sich lediglich um eine &quot;ultima ratio&quot; handelt, w&auml;re nur dann in Betracht gekommen, wenn das FG sich keine eigene &Uuml;berzeugung h&auml;tte bilden k&ouml;nnen (vgl. Senatsurteile vom 15. Februar 1989 X R 16\/86, BFHE 156, 38, BStBl II 1989, 462, unter 2., und in BFHE 233, 297, BStBl II 2011, 884, unter II.2.). Auch diese prozessualen Grunds&auml;tze sind im Ausgangspunkt unabh&auml;ngig davon, ob ein Beteiligter seine Mitwirkungspflichten verletzt hat oder nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Soweit die Kl&auml;ger r&uuml;gen, die Sch&auml;tzung der &Uuml;bernachtungskosten sei angesichts der von der Mutter des Kl&auml;gers vorgelegten Best&auml;tigung zu gering ausgefallen, ist der erkennende Senat an die entsprechenden Feststellungen des FG gebunden (&sect; 118 Abs. 2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger haben in Bezug auf diese Feststellungen keine zul&auml;ssigen Verfahrensr&uuml;gen vorgebracht. Die Sch&auml;tzung ist angesichts des Fehlens von Belegen &uuml;ber die H&ouml;he der tats&auml;chlichen Kosten bzw. Kostenbeitr&auml;ge auch erkennbar nicht willk&uuml;rlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.10.2011, X R 29\/10 Offensichtlich unzutreffende Besteuerung bei Anwendung der Pauschbetr&auml;ge f&uuml;r Auslands&uuml;bernachtungen &#8211; &Auml;nderungsbefugnis nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die zur Einkommensteuer zusammen veranlagt werden. Der Kl&auml;ger ist britischer Staatsb&uuml;rger, jedoch in Deutschland unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig. 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