{"id":9317,"date":"2012-12-06T17:28:56","date_gmt":"2012-12-06T15:28:56","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9317"},"modified":"2012-12-06T17:28:56","modified_gmt":"2012-12-06T15:28:56","slug":"vi-r-29-11-werbungskosten-durch-aufwendungen-fuer-eine-erstmalige-berufsausbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-29-11-werbungskosten-durch-aufwendungen-fuer-eine-erstmalige-berufsausbildung\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;29\/11 &#8211; Werbungskosten durch Aufwendungen f&uuml;r eine erstmalige Berufsausbildung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.10.2011, VI R 29\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Werbungskosten durch Aufwendungen f&uuml;r eine erstmalige Berufsausbildung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Zwischen den Beteiligten ist streitig, ob Aufwendungen f&uuml;r ein Erststudium nach Schulabschluss vorweggenommene Werbungskosten bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit darstellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) studierte im Streitjahr (2006) im Anschluss an seine schulische Ausbildung (Abitur) Informationswissenschaften an einer Universit&auml;t. Der Kl&auml;ger machte die ihm daf&uuml;r entstandenen Aufwendungen in H&ouml;he von 6.540 EUR, die sich im Wesentlichen aus Miete, Fahrtkosten, Studiengeb&uuml;hren, Verpflegungsmehraufwand zusammensetzten, als Werbungskosten geltend und begehrte die Feststellung eines verbleibenden Verlustvortrags in dieser H&ouml;he.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte die Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs zur Einkommensteuer zum 31. Dezember 2006 ab. Einspruch und Klage dagegen blieben erfolglos. Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab und lie&szlig; die Revision zu. Das FG st&uuml;tzte seine klageabweisende Entscheidung insbesondere auf &sect; 12 Nr. 5 des Einkommensteuergesetzes (EStG), wonach Aufwendungen des Steuerpflichtigen f&uuml;r seine erstmalige Berufsausbildung nicht abzugsf&auml;hig seien, wenn diese nicht im Rahmen eines Dienstverh&auml;ltnisses stattf&auml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger r&uuml;gt mit der Revision die Verletzung materiellen (Verfassungs-)Rechts. &sect; 12 Nr. 5 EStG sei mit h&ouml;herrangigem Verfassungsrecht unvereinbar. Zum einen versto&szlig;e die Regelung gegen das objektive Nettoprinzip, wenn es unter Missachtung des Leistungsf&auml;higkeitsprinzips auf indisponibles Einkommen zugreife und durch eine Erwerbst&auml;tigkeit veranlasste Aufwendungen nicht zum Abzug zulasse. Die Regelung sei auch diskriminierend. Denn das Abzugsverbot betreffe nur Aufwendungen f&uuml;r ein Erststudium, die nicht im Rahmen eines Dienstverh&auml;ltnisses anfielen. Erststudien, die au&szlig;erhalb eines Dienstverh&auml;ltnisses durchgef&uuml;hrt w&uuml;rden, seien dadurch benachteiligt, ohne dass dies vor Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes gerechtfertigt sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table cellpadding=\"1\" cellspacing=\"2\" border=\"0\" class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">das Urteil des FG des Saarlandes vom 20. April 2011, die Einspruchsentscheidung vom 19. Dezember 2008 sowie den ablehnenden Bescheid vom 6. Oktober 2008 aufzuheben und das FA zu verpflichten, einen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">verbleibenden Verlustvortrag zur Einkommensteuer zum 31. Dezember 2006 in H&ouml;he von 6.540 EUR festzustellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des Kl&auml;gers ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht die Aufwendungen des Kl&auml;gers f&uuml;r dessen Ausbildung ohne weitere Pr&uuml;fung vom Abzug als (vorweggenommene) Werbungskosten gem&auml;&szlig; &sect; 9 Abs. 1 Satz 1 EStG ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Werbungskosten, n&auml;mlich Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen i.S. des &sect; 9 Abs. 1 Satz 1 EStG liegen vor, wenn sie durch den Beruf oder durch die Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen veranlasst sind. Sie sind beruflich veranlasst, wenn ein objektiver Zusammenhang mit dem Beruf besteht und die Aufwendungen subjektiv zur F&ouml;rderung des Berufs get&auml;tigt werden. Dies gilt grunds&auml;tzlich auch dann, wenn der Steuerpflichtige gegenw&auml;rtig noch keine Einnahmen erzielt. Dann sind die Aufwendungen als vorab entstandene Werbungskosten abziehbar, wenn sie in einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Veranlassungszusammenhang mit sp&auml;teren Einnahmen stehen. Diese Voraussetzungen k&ouml;nnen auch bei berufsbezogenen Bildungsma&szlig;nahmen erf&uuml;llt sein. Denn &sect; 9 EStG enth&auml;lt keine Sonderregelung zu Berufsbildungskosten. Entscheidend bleibt, ob die Aufwendungen einen hinreichend konkreten Veranlassungszusammenhang zur nachfolgenden auf die Erzielung von Eink&uuml;nften gerichteten Berufst&auml;tigkeit aufweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Werbungskostenabzug ist gegen&uuml;ber dem Abzug von Aufwendungen als Sonderausgaben vorrangig. Das ist ein allgemeiner, f&uuml;r alle Sonderausgaben durch den Einleitungssatz zu &sect; 10 Abs. 1 EStG normierter Grundsatz. Deshalb steht auch &sect; 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG dem Abzug der Berufsbildungskosten als Werbungskosten nicht entgegen. Deshalb sind Aufwendungen des Steuerpflichtigen f&uuml;r seine Berufsausbildung nur dann Sonderausgaben, &quot;wenn sie weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten sind&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieser vorrangige Werbungskostenabzug gilt unver&auml;ndert und insbesondere auch nach der Neuregelung des Abzugs der Berufsausbildungskosten und der Einf&uuml;hrung des &sect; 12 Nr. 5 EStG durch das Gesetz zur &Auml;nderung der Abgabenordnung und weiterer Gesetze vom 21. Juli 2004 (BGBl I 2004, 1753). Denn auch &sect; 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG in der durch dieses &Auml;nderungsgesetz insoweit unver&auml;nderten Fassung entfaltet keine Sperrwirkung gegen&uuml;ber dem Werbungskostenabzug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entsprechendes gilt f&uuml;r &sect; 12 Nr. 5 EStG. Denn danach sind Aufwendungen des Steuerpflichtigen f&uuml;r seine erstmalige Berufsausbildung und f&uuml;r ein Erststudium nur insoweit weder bei den einzelnen Einkunftsarten noch vom Gesamtbetrag der Eink&uuml;nfte abzuziehen, als in &sect; &quot;10 Abs. 1 Nr. 1, &#8230; 7 &#8230; nichts anderes bestimmt ist&quot;. &sect; 12 Nr. 5 EStG schlie&szlig;t damit anders als etwa &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nrn. 1 bis 11 EStG i.V.m. &sect; 9 Abs. 5 EStG den Betriebsausgaben- und Werbungskostenabzug nicht kategorisch aus, sondern steht wie &sect; 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG unter dem Anwendungsvorbehalt seines Einleitungssatzes. Der ordnet indessen den vorrangigen Sonderausgabenabzug an. Der vorrangige Sonderausgabenabzug steht seinerseits unter dem Vorbehalt des vorrangigen Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzugs. Deshalb sind Aufwendungen f&uuml;r die eigene Berufsausbildung auch unter Geltung des &sect; 12 Nr. 5 EStG als Werbungskosten abziehbar, sofern ein hinreichend konkreter Veranlassungszusammenhang zwischen den Aufwendungen und der sp&auml;teren auf Eink&uuml;nfteerzielung gerichteten Berufst&auml;tigkeit besteht. Zur weiteren Begr&uuml;ndung verweist der Senat zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf sein Urteil vom 28. Juli 2011 VI R 7\/10 (zur amtlichen Ver&ouml;ffentlichung bestimmt, www.bundesfinanzhof.de, BFH\/NV 2011, 1779).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach Ma&szlig;gabe der vorgenannten Rechtsgrunds&auml;tze l&auml;sst sich auf Grundlage der tats&auml;chlichen Feststellungen des FG ein hinreichend konkreter Veranlassungszusammenhang zwischen dem Studium des Kl&auml;gers im Fach Informationswissenschaften und einer nachfolgenden Berufst&auml;tigkeit auf diesem Gebiet nicht ausschlie&szlig;en. Denn ein solcher Veranlassungszusammenhang ist, wie der Senat schon fr&uuml;her in F&auml;llen einer zweiten oder weiteren Berufsausbildung entschieden hatte, regelm&auml;&szlig;ig gegeben, wenn das Studium Berufswissen vermittelt und damit auf die Erzielung von Einnahmen gerichtet ist (s. dazu Senatsentscheidungen vom 20. Juli 2006 VI R 26\/05, BFHE 214, 370, BStBl II 2006, 764; vom 18. Juni 2009 VI R 14\/07, BFHE 225, 393, BStBl II 2010, 816; VI R 31\/07, BFH\/NV 2009, 1797).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Sache ist allerdings nicht entscheidungsreif. Denn das FG hat &#8211;aus seiner Sicht zu Recht&#8211; noch nicht gepr&uuml;ft, ob und welche vom Kl&auml;ger im Einzelnen geltend gemachten Aufwendungen tats&auml;chlich durch die angestrebte Berufst&auml;tigkeit veranlasst waren. Das angefochtene Urteil war daher aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.10.2011, VI R 29\/11 Werbungskosten durch Aufwendungen f&uuml;r eine erstmalige Berufsausbildung Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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