{"id":9335,"date":"2012-12-06T05:04:46","date_gmt":"2012-12-06T03:04:46","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9335"},"modified":"2012-12-06T05:04:46","modified_gmt":"2012-12-06T03:04:46","slug":"iv-b-24-10-zustaendigkeit-eines-finanzamts-fuer-konzernbetriebspruefung-fuer-landwirtschaftliche-betriebe-aller-groessenordnungen-fehlende-klaerungsbeduerftigkeit-einer-rechtsfrage-verfassungsmaessigk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-b-24-10-zustaendigkeit-eines-finanzamts-fuer-konzernbetriebspruefung-fuer-landwirtschaftliche-betriebe-aller-groessenordnungen-fehlende-klaerungsbeduerftigkeit-einer-rechtsfrage-verfassungsmaessigk\/","title":{"rendered":"IV&nbsp;B&nbsp;24\/10 &#8211; Zust&auml;ndigkeit eines Finanzamts f&uuml;r Konzernbetriebspr&uuml;fung f&uuml;r landwirtschaftliche Betriebe aller Gr&ouml;&szlig;enordnungen &#8211; Fehlende Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit einer Rechtsfrage &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit von &sect; 165 Abs. 2 Satz 1 AO und &sect; 171 Abs. 8 Satz 1 AO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.10.2011, IV B 24\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Zust&auml;ndigkeit eines Finanzamts f&uuml;r Konzernbetriebspr&uuml;fung f&uuml;r landwirtschaftliche Betriebe aller Gr&ouml;&szlig;enordnungen &#8211; Fehlende Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit einer Rechtsfrage &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit von &sect; 165 Abs. 2 Satz 1 AO und &sect; 171 Abs. 8 Satz 1 AO<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td> Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Gr&uuml;nde, welche die Zulassung der Revision nach &sect; 115 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) rechtfertigen k&ouml;nnten, liegen, soweit die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) sie &uuml;berhaupt in der nach &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO gebotenen Weise dargelegt hat, nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Soweit sich die Kl&auml;gerin mit Blick auf &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO darauf beruft, das Finanzgericht (FG) habe dadurch gegen &sect; 76 Abs. 1 Satz 1 FGO versto&szlig;en, dass es keine weiteren Ermittlungen &uuml;ber die Gr&ouml;&szlig;enordnung ihres landwirtschaftlichen Betriebes angestellt habe, fehlt es bereits an der Rechtserheblichkeit eines solchen Verfahrensmangels. Das angefochtene Urteil des FG k&ouml;nnte nach dem insoweit ma&szlig;geblichen materiell-rechtlichen Standpunkt des FG n&auml;mlich nur dann auf einer Verletzung der gerichtlichen Aufkl&auml;rungspflicht beruhen, wenn die M&ouml;glichkeit best&uuml;nde, dass es bei richtigem Verfahren anders ausgefallen w&auml;re (vgl. etwa Senatsbeschluss vom 29. Oktober 2009 IV B 5\/09, BFH\/NV 2010, 445).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Dies ist allerdings nicht der Fall. Zwar hat die Kl&auml;gerin zu Recht darauf hingewiesen, dass das FG zun&auml;chst mit Blick auf die Gr&ouml;&szlig;enordnung ihres Betriebes die sachliche Zust&auml;ndigkeit des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) als Konzern- und Gro&szlig;betriebspr&uuml;fungsamt hinterfragt hat. Nachdem das FA das FG allerdings auf den Erlass des Finanzministeriums des Landes X (Anmerkung des Dokumentars: ein Bundesland) zur Verordnung &uuml;ber die Zust&auml;ndigkeiten der Finanz&auml;mter des Landes X hingewiesen hatte, hat das FG diese Frage in seinem Urteil zu Recht nicht mehr aufgeworfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach dem vorgenannten Erlass ber&uuml;cksichtigt die Verordnung &uuml;ber die Zust&auml;ndigkeiten der Finanz&auml;mter des Landes X die Neuordnung der Aufbauorganisation der Betriebspr&uuml;fung im Land X. Dazu wird wiederum in der Anlage klargestellt, dass das FA bei Betrieben aller Gr&ouml;&szlig;enklassen nicht nur f&uuml;r &quot;Konzerne im Oberfinanzbezirk A der Wirtschaftsabschnitte &#8218;Land- und Forstwirtschaft&#8216;, &#8218;Fischerei und Fischzucht&#8216; einschlie&szlig;lich landwirtschaftlicher und forstwirtschaftlicher Dienstleistungen&quot; (Abschn. 3.3.c aa), sondern auch f&uuml;r solche der unter Abschn. 3.3.c aa aufgef&uuml;hrten Wirtschaftsabschnitte, -gruppen, -klassen und -unterklassen, soweit sie &quot;nicht zu einem Konzern im Oberfinanzbezirk A geh&ouml;ren&quot;, zust&auml;ndig ist (Abschn. 3.3.c bb). Die letztgenannte Regelung kann mit dem FA nur dahingehend verstanden werden, dass auch solche land- und forstwirtschaftlichen Wirtschaftsabschnitte, -gruppen, -klassen und -unterklassen der Zust&auml;ndigkeit des FA unterfallen, die keine Konzerngr&ouml;&szlig;e erreichen. Dies folgt schon aus der unter Abschn. 3.3.c der Einzelaufz&auml;hlung der betroffenen Betriebe vorangestellten Formulierung &quot;bei Betrieben aller Gr&ouml;&szlig;enklassen&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Auch soweit die Kl&auml;gerin r&uuml;gt, das Urteil des FG beruhe insoweit auf einem Aufkl&auml;rungsfehler, als es die Umst&auml;nde der &ouml;rtlichen Zust&auml;ndigkeit des FA nicht weiter aufgekl&auml;rt habe, gilt nichts anderes. Die &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit folgt bereits aus den unter 1. genannten Bestimmungen. Die Kl&auml;gerin kann sich wegen &sect; 18 i.V.m. &sect; 195 Satz 1 der Abgabenordnung (AO) auch nicht auf ihren eigenen Umzug nach Y (Anmerkung des Dokumentars: ein anderes Bundesland) berufen. Danach richtet sich die &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r Au&szlig;enpr&uuml;fungen bei Betrieben der Land- und Forstwirtschaft nach der Lage des Betriebes und nicht dem Wohnort des Betriebsinhabers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die von der Kl&auml;gerin aufgeworfene Rechtsfrage, ob &sect; 171 Abs. 8 AO deshalb verfassungswidrig sein k&ouml;nnte, weil er keine Begrenzung der M&ouml;glichkeit der &Auml;nderung vorl&auml;ufiger Bescheide auf nicht festsetzungsverj&auml;hrte Veranlagungszeitr&auml;ume enthalte, ist nicht i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, weil sie durch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) bereits gekl&auml;rt ist und die Kl&auml;gerin keine neuen Gesichtspunkte vorgetragen hat, die eine erneute Pr&uuml;fung und Entscheidung dieser Frage durch den BFH erforderlich machen w&uuml;rden (vgl. BFH-Beschluss vom 14. Juli 2008 VIII B 179\/07, BFH\/NV 2008, 1874).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) In seinem Urteil vom 26. Oktober 2005 II R 9\/01 (BFH\/NV 2006, 478) hat der BFH ausgef&uuml;hrt, der Rechtm&auml;&szlig;igkeit eines auf &sect; 171 Abs. 8 AO gest&uuml;tzten &Auml;nderungsbescheides stehe es nicht entgegen, dass er erst nahezu 14 Jahre nach Erlass desjenigen Bescheides ergangen sei, mit dem die Vorl&auml;ufigkeit angeordnet worden sei. Ein solcher Zeitraum begr&uuml;nde schon deshalb keinen Versto&szlig; gegen das Wertungs- und Normensystem der AO, weil &sect; 165 AO in zeitlicher Hinsicht keine Begrenzung der Vorl&auml;ufigkeit vorsehe und der Gesetzgeber den Beginn und den Ablauf der Verj&auml;hrungsfristen durch zahlreiche Hemmungstatbest&auml;nde und auch durch &sect; 171 Abs. 8 AO hinausgeschoben habe. Insbesondere hat der BFH deutlich gemacht, dass er &sect; 165 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. &sect; 171 Abs. 8 Satz 1 AO auch f&uuml;r verfassungsgem&auml;&szlig; h&auml;lt, soweit sich aus diesen Vorschriften keine zeitliche Begrenzung der &Auml;nderungsbefugnis des FA ergibt. Dies wiederum folgt daraus, dass den m&ouml;glichen Widerstreit zwischen der materiellen Gerechtigkeit einerseits und den mit dem Institut der Verj&auml;hrung verwirklichten Belangen der Rechtssicherheit andererseits in erster Linie der Gesetzgeber zu entscheiden hat. Solange der Gesetzgeber dabei ohne Willk&uuml;r handele, k&ouml;nne die von ihm gew&auml;hlte Regelung weder unter dem Blickwinkel des Rechtsstaatsprinzips noch unter dem Gesichtspunkt des Gleichheitssatzes beanstandet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Spielraum des Gesetzgebers endet nach der vorgenannten Rechtsprechung erst dort, wo ein einleuchtender Grund f&uuml;r die gesetzliche Regelung fehlt. &sect; 165 Abs. 2 Satz 1 und &sect; 171 Abs. 8 Satz 1 AO beruhen aber auf sachlich einleuchtenden und willk&uuml;rfreien Gr&uuml;nden, denn durch sie soll die Steuerfestsetzung wegen der Ungewissheit einzelner Besteuerungsgrundlagen offengehalten werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Soweit die Kl&auml;gerin dagegen ausf&uuml;hrt, danach k&ouml;nne das FA im Nachhinein ohne zeitliche Begrenzung &uuml;ber das Lebenswerk eines Menschen entscheiden, ist dem nicht zu folgen. Insoweit hat der BFH in seinem Urteil in BFH\/NV 2006, 478 bereits darauf hingewiesen, dass der Steuerpflichtige &#8211;abgesehen von der M&ouml;glichkeit, durch eigene Mitteilung die Voraussetzungen f&uuml;r die Beendigung der Ablaufhemmung gem&auml;&szlig; &sect; 171 Abs. 8 AO herbeizuf&uuml;hren&#8211; bei Entfallen der Ungewissheit i.S. des &sect; 165 Abs. 1 S&auml;tze 1 und 2 AO die Endg&uuml;ltigkeitserkl&auml;rung des Steuerbescheids beantragen und dieses Begehren ggf. durch Rechtsbehelfe durchsetzen kann. Auch ist danach zu ber&uuml;cksichtigen, dass ein auf &sect; 165 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. &sect; 171 Abs. 8 AO beruhender Ausschluss der Verj&auml;hrung durch das Rechtsinstitut der Verwirkung abgemildert wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Soweit die Kl&auml;gerin im &Uuml;brigen ausf&uuml;hrt, das FG habe die angesprochene Problematik bezogen auf den Streitfall nicht erkannt, wird nur die materielle Richtigkeit des FG-Urteils angegriffen. Dies reicht aber nicht aus, um einen Zulassungsgrund i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO darzulegen (vgl. BFH-Beschluss vom 30. Mai 2007 V B 104\/05, BFH\/NV 2007, 1724; auch Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect; 115 Rz 24, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.10.2011, IV B 24\/10 Zust&auml;ndigkeit eines Finanzamts f&uuml;r Konzernbetriebspr&uuml;fung f&uuml;r landwirtschaftliche Betriebe aller Gr&ouml;&szlig;enordnungen &#8211; Fehlende Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit einer Rechtsfrage &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit von &sect; 165 Abs. 2 Satz 1 AO und &sect; 171 Abs. 8 Satz 1 AO Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. 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