{"id":9378,"date":"2012-12-06T04:21:51","date_gmt":"2012-12-06T02:21:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9378"},"modified":"2012-12-06T04:21:51","modified_gmt":"2012-12-06T02:21:51","slug":"vi-r-88-10-aufwendungen-einer-heilklimatischen-kur-bei-einem-kind-als-aussergewoehnliche-belastung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-88-10-aufwendungen-einer-heilklimatischen-kur-bei-einem-kind-als-aussergewoehnliche-belastung\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;88\/10 &#8211; Aufwendungen einer heilklimatischen Kur bei einem Kind als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.10.2011, VI R 88\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Aufwendungen einer heilklimatischen Kur bei einem Kind als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Anerkennung von Kosten einer Begleitperson bei einer Kinderkur als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist alleinerziehender Vater eines an Neurodermitis und Asthma leidenden 15-j&auml;hrigen Kindes (K). Im Streitjahr machte er im Rahmen seiner Einkommensteuererkl&auml;rung Aufwendungen im Zusammenhang mit einem Kuraufenthalt seines Kindes an der franz&ouml;sischen Mittelmeerk&uuml;ste in H&ouml;he von insgesamt 4.696 EUR als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen geltend. Zum Nachweis der Zwangsl&auml;ufigkeit der entstandenen Kosten legte der Kl&auml;ger u.a. folgende Unterlagen vor:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Attest des Kinderarztes vom 11. Juni 2008, in dem dieser best&auml;tigt, dass &quot;j&auml;hrliche heilklimatische Aufenthalte am Meer (in Begleitung des Vaters) zur Besserung des Krankheitsbildes beitragen&quot; und er daher &quot;einen dreiw&ouml;chigen Aufenthalt an der franz&ouml;sischen Mittelmeerk&uuml;ste in den diesj&auml;hrigen Sommerferien&quot; empfiehlt. Des Weiteren eine amts&auml;rztliche Bescheinigung vom 16. Juni 2008, in der es hei&szlig;t: &quot;Amts&auml;rztlich wird (&#8230;) die kinder&auml;rztlich empfohlene heilklimatische Kur am Mittelmeer zur Erhaltung der Gesundheit bei vorliegendem Atopiesyndrom mit chronischer Neurodermitis sowie einem Exogen-allergischen Asthma Bronchiale f&uuml;r notwendig erachtet. K wird sich einer dreiw&ouml;chigen Kurma&szlig;nahme in A an der franz&ouml;sischen Mittelmeerk&uuml;ste zur Erhaltung der Gesundheit vom 21. Juni &#8211; 12. Juli 2008 unterziehen.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen der Veranlagung k&uuml;rzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Kosten der Unterbringung und den Verpflegungsmehraufwand um 50 %, insgesamt um 1.718 EUR. Er war der Ansicht, von den geltend gemachten Aufwendungen k&ouml;nnten lediglich die Kurkosten des Kindes anerkannt werden, da die Notwendigkeit einer Begleitperson aus der amts&auml;rztlichen Bescheinigung nicht hervorgehe. Die nach erfolglosem Vorverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 526 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ab. Im Streitfall habe der Kl&auml;ger die Zwangsl&auml;ufigkeit der Aufwendungen f&uuml;r die heilklimatische Kur seines Kindes nicht hinreichend nachgewiesen. Denn aus der vorgelegten Bescheinigung des Amtsarztes vom 16. Juni 2008 ergebe sich lediglich, dass &quot;die kinder&auml;rztlich empfohlene heilklimatische Kur am Mittelmeer f&uuml;r notwendig erachtet wird&quot; und sich das Kind &quot;einer dreiw&ouml;chigen Kurma&szlig;nahme in A an der franz&ouml;sischen Mittelmeerk&uuml;ste unterziehen wird&quot;. Dass und warum der Kurerfolg ausnahmsweise auch bei einer anderweitigen Unterbringung als in einem Kinderheim erreicht werden k&ouml;nne, sei dagegen nicht amts&auml;rztlich bescheinigt worden. Auf eine solche Bescheinigung k&ouml;nne jedoch nicht verzichtet werden. Da &#8211;entgegen der Auffassung des FA&#8211; schon die Kosten f&uuml;r den Aufenthalt des Kindes nicht abzugsf&auml;hig seien, so k&ouml;nnten die Kosten f&uuml;r die Begleitung durch den Vater erst recht nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen anerkannt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger die Verletzung von &sect; 33 des Einkommensteuergesetzes (EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des Hessischen FG vom 17. Juni 2010&nbsp;&nbsp;1 K 2864\/09 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2008 vom 31. August 2009 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 22. Oktober 2009 dahingehend zu &auml;ndern, dass die Kosten einer Begleitperson bei einer Kinderkur als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. 1. Die Revision des Kl&auml;gers ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Denn das FG hat den Abzug der geltend gemachten Kosten der Kinderkur sowie die Aufwendungen der Begleitperson im vorliegenden Fall zu Unrecht allein deshalb versagt, weil der Kl&auml;ger die medizinische Notwendigkeit der Kurma&szlig;nahme nicht durch ein zuvor erstelltes amts&auml;rztliches Attest nachgewiesen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect; 33 Abs. 1 EStG wird die Einkommensteuer auf Antrag erm&auml;&szlig;igt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh&auml;ltnisse, gleicher Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und gleichen Familienstands (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung) erwachsen. Zwangsl&auml;ufig erwachsen dem Steuerpflichtigen Aufwendungen dann, wenn er sich ihnen aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umst&auml;nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht &uuml;bersteigen (&sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG). Ziel des &sect; 33 EStG ist es, zwangsl&auml;ufige Mehraufwendungen f&uuml;r den existenznotwendigen Grundbedarf zu ber&uuml;cksichtigen, die sich wegen ihrer Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit einer pauschalen Erfassung in allgemeinen Freibetr&auml;gen entziehen. Aus dem Anwendungsbereich des &sect; 33 EStG ausgeschlossen sind dagegen die &uuml;blichen Aufwendungen der Lebensf&uuml;hrung, die in H&ouml;he des Existenzminimums durch den Grundfreibetrag abgegolten sind (u.a. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29. September 1989 III R 129\/86, BFHE 158, 380, BStBl II 1990, 418).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) In st&auml;ndiger Rechtsprechung geht der BFH davon aus, dass Krankheitskosten &#8211;ohne R&uuml;cksicht auf die Art und die Ursache der Erkrankung&#8211; dem Steuerpflichtigen aus tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden zwangsl&auml;ufig erwachsen. Sie sind auch dann zwangsl&auml;ufig, wenn sie der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen, unter der ein unterhaltsberechtigtes minderj&auml;hriges Kind des Steuerpflichtigen leidet (BFH-Urteil vom 15. M&auml;rz 2007 III R 28\/06, BFH\/NV 2007, 1841).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) F&uuml;r die mitunter schwierige Trennung von echten Krankheitskosten einerseits und lediglich gesundheitsf&ouml;rdernden Vorbeuge- oder Folgekosten andererseits forderte der BFH bislang regelm&auml;&szlig;ig die Vorlage eines zeitlich vor der Leistung von Aufwendungen erstellten amts- oder vertrauens&auml;rztlichen Gutachtens bzw. eines Attestes eines anderen &ouml;ffentlich-rechtlichen Tr&auml;gers, aus dem sich die Krankheit und die medizinische Indikation der den Aufwendungen zugrundeliegenden Behandlung zweifelsfrei entnehmen l&auml;sst. Auch bei Aufwendungen f&uuml;r Ma&szlig;nahmen, die ihrer Art nach nicht eindeutig nur der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen k&ouml;nnen und deren medizinische Indikation deshalb schwer zu beurteilen ist, wie regelm&auml;&szlig;ig auch bei Kurma&szlig;nahmen (BFH-Urteile vom 30. Juni 1995 III R 52\/93, BFHE 178, 81, BStBl II 1995, 614, 616, und vom 8. Juli 1994 III R 48\/93, BFH\/NV 1995, 24, 25, m.w.N.), verlangte der BFH diesen oder einen vergleichbaren (BFH-Urteil vom 2. April 1998 III R 67\/97, BFHE 186, 79, BStBl II 1998, 613) formalisierten Nachweis. An dem Erfordernis einer vorherigen amts- oder vertrauens&auml;rztlichen Begutachtung (oder einem vergleichbaren Zeugnis) zum Nachweis der medizinischen Notwendigkeit einer Ma&szlig;nahme, die auch zu den nicht abziehbaren Kosten der Lebensf&uuml;hrung (&sect; 12 Nr. 1 EStG) geh&ouml;ren k&ouml;nnte, h&auml;lt der erkennende Senat jedoch seit dem Senatsurteil vom 11. November 2010 VI R 17\/09 (BFHE 232, 40) nicht l&auml;nger fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Vorentscheidung beruht auf einer anderen Rechtsauffassung und ist daher aufzuheben. Der Senat kann jedoch nicht durcherkennen, da die Sache nicht spruchreif ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG wird im zweiten Rechtsgang zu pr&uuml;fen haben, ob der Kuraufenthalt der Tochter des Kl&auml;gers in A an der franz&ouml;sischen Mittelmeerk&uuml;ste aufgrund der Erkrankungen des Kindes medizinisch angezeigt war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) In einem solchen Fall k&ouml;nnen die geltend gemachten Aufwendungen f&uuml;r den Kuraufenthalt der Tochter des Kl&auml;gers unmittelbare Krankheitskosten sein. An der bisherigen Rechtsprechung, die Aufwendungen f&uuml;r eine der Behandlung einer Krankheit dienenden Reise (Kur) nur dann als Krankheitskosten ansah, wenn die Reise zur Linderung der Krankheit nachweislich notwendig war und eine andere Behandlung nicht oder kaum erfolgversprechend erschien (BFH-Urteile in BFHE 186, 79, BStBl II 1998, 613; vom 12. Juni 1991 III R 102\/89, BFHE 164, 414, BStBl II 1991, 763, m.w.N.), h&auml;lt der erkennende Senat nicht l&auml;nger fest. Denn medizinisch indiziert (angezeigt) ist jedes diagnostische oder therapeutische Verfahren, dessen Anwendung in einem Erkrankungsfall hinreichend gerechtfertigt (angezeigt) ist (Pschyrembel, Klinisches W&ouml;rterbuch, 259. Aufl., Indikation). Eine medizinische oder therapeutische Notwendigkeit im Sinne einer Alternativlosig- oder einer Unausweichlichkeit der gew&auml;hlten Heilma&szlig;nahme muss im Rahmen des &sect; 33 EStG nicht nachgewiesen werden. Zwangsl&auml;ufig i.S. des &sect; 33 Abs. 1 EStG ist das medizinisch Indizierte, nicht das medizinisch zwingend Erforderliche.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Allerdings kommt bei einem Kuraufenthalt von Kindern &uuml;blicherweise in erster Linie ein station&auml;rer Aufenthalt in einer Kurklinik in Betracht. Dies erscheint regelm&auml;&szlig;ig auch zur Sicherstellung des Kurerfolges angezeigt. F&uuml;r Klimakuren gilt insoweit nichts Besonderes. Auch bei solchen Kuren muss gew&auml;hrleistet sein, dass der Heilerfolg fachgerecht etwa durch eine kurgem&auml;&szlig;e Tages- und Freizeitgestaltung, insbesondere durch sportliche Bet&auml;tigung, und eine der Kur angepasste Ern&auml;hrung unterst&uuml;tzt und zumindest nicht durch unkontrollierte sch&auml;dliche Einfl&uuml;sse gef&auml;hrdet wird. Es ist davon auszugehen, dass dies bei Kindern am besten durch eine Unterbringung in einer Kurklinik gew&auml;hrleistet werden kann. Au&szlig;erdem kann bei Kuraufenthalten von Kindern die Abgrenzung von Kur- und Urlaubsaufenthalten besonders schwierig sein, weil nicht station&auml;r untergebrachte Kinder regelm&auml;&szlig;ig von einer erwachsenen Person begleitet werden m&uuml;ssen. Aus diesen Gr&uuml;nden werden in st&auml;ndiger Rechtsprechung &#8211;an der der erkennende Senat festh&auml;lt&#8211; ein Kuraufenthalt von Kindern nur dann als Heilma&szlig;nahme und die damit zusammenh&auml;ngenden Aufwendungen nur dann als Krankheitskosten nach &sect; 33 Abs. 1 EStG anerkannt, wenn das Kind w&auml;hrend der Kur in einer Kurklinik untergebracht worden ist oder nachgewiesen wird, dass und warum der Kurerfolg ausnahmsweise auch bei einer anderweitigen Unterbringung erreicht werden kann (vgl. BFH-Urteile in BFHE 186, 79, BStBl II 1998, 613; in BFHE 164, 414, BStBl II 1991, 763, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Ist die Unterbringung in einer Kurklinik zur Erreichung des Kurerfolges medizinisch nicht geboten, ist bei minderj&auml;hrigen Kindern die Notwendigkeit einer Begleitperson aufgrund ihres Alters allerdings offenkundig. Eines weiteren (medizinischen) Nachweises bedarf es insoweit nicht. Ein solcher ist nur erforderlich, wenn ein Erwachsener wegen gesundheitlicher Beeintr&auml;chtigungen nur eingeschr&auml;nkt reisef&auml;hig, deshalb begleitungsbed&uuml;rftig ist und die Kur ohne Begleitperson nicht h&auml;tte durchgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen (vgl. BFH-Urteil vom 17. Dezember 1997 III R 35\/97, BFHE 185, 34, BStBl II 1998, 298).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die erforderlichen Feststellungen der Kurma&szlig;nahme hat das FG nach dem Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung (&sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) zu treffen. Es hat dabei zu ber&uuml;cksichtigen, dass ein von einem Beteiligten vorgelegtes Sachverst&auml;ndigengutachten im finanzgerichtlichen Verfahren lediglich als Privatgutachten zu behandeln und damit als urkundlich belegter Parteivortrag zu w&uuml;rdigen ist. Ein solches Gutachten kann daher nicht als Nachweis f&uuml;r die Richtigkeit des kl&auml;gerischen Vortrags gewertet werden (Senatsurteil in BFHE 232, 40, m.w.N.). Da weder das FA noch das FG die Sachkunde besitzen, um die medizinische Indikation der den Aufwendungen zugrundeliegenden Ma&szlig;nahme zu beurteilen, ist das FG aufgrund seiner Verpflichtung zur Sachaufkl&auml;rung (&sect; 76 FGO) gehalten, gegebenenfalls von Amts wegen ein entsprechendes Gutachten zu erheben. Dies ist insbesondere dann erforderlich, wenn aus dem bereits vorliegenden amts&auml;rztlichen Gutachten vom 16. Juni 2008 nicht die medizinische Notwendigkeit der streitigen Kurma&szlig;nahme erkennbar sein sollte. Weiter hat das FG &#8211;ebenfalls nach dem Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung&#8211; den Gesamtcharakter der Kurreise zu w&uuml;rdigen. Denn allein der Umstand, dass eine Klimakur medizinisch angezeigt ist, erlaubt noch nicht den Schluss, dass es sich bei dem streitigen Aufenthalt tats&auml;chlich um eine Heilkur gehandelt hat. Denn diese Beurteilung setzt ferner voraus, dass die Reise nach ihrem Gesamtcharakter eine Kurreise und nicht ein Erholungsaufenthalt ist, der der Gesundheit letztlich auch f&ouml;rderlich ist (BFH-Urteil in BFHE 164, 414, BStBl II 1991, 763, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.10.2011, VI R 88\/10 Aufwendungen einer heilklimatischen Kur bei einem Kind als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung Tatbestand 1&nbsp; I. Streitig ist die Anerkennung von Kosten einer Begleitperson bei einer Kinderkur als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung. 2&nbsp; Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist alleinerziehender Vater eines an Neurodermitis und Asthma leidenden 15-j&auml;hrigen Kindes (K). 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