{"id":9432,"date":"2012-12-06T03:15:58","date_gmt":"2012-12-06T01:15:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9432"},"modified":"2012-12-06T03:15:58","modified_gmt":"2012-12-06T01:15:58","slug":"iii-b-192-10-haushaltsaufnahme-des-kindes-weiterleitung-des-kindergeldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-192-10-haushaltsaufnahme-des-kindes-weiterleitung-des-kindergeldes\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;192\/10 &#8211; Haushaltsaufnahme des Kindes &#8211; Weiterleitung des Kindergeldes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.8.2011, III B 192\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Haushaltsaufnahme des Kindes &#8211; Weiterleitung des Kindergeldes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) und die Beigeladene haben zwei gemeinsame Kinder, f&uuml;r die der Kl&auml;ger laufend Kindergeld bezog. Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) hob mit Bescheid vom 18. Oktober 2007 die Kindergeldfestsetzung ab Februar 2006 auf und forderte vom Kl&auml;ger das bis einschlie&szlig;lich Mai 2007 gezahlte Kindergeld zur&uuml;ck mit der Begr&uuml;ndung, die Beigeladene habe die Kinder in ihren Haushalt aufgenommen und sei vorrangig anspruchsberechtigt. Der Einspruch des Kl&auml;gers blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der zuletzt wegen Kindergeld f&uuml;r Februar bis Dezember 2006 erhobenen Klage nur f&uuml;r den Zeitraum Februar bis April 2006 statt. Es sah es nicht als erwiesen an, dass ein Obhuts- und Betreuungsverh&auml;ltnis des Kl&auml;gers zu seinen Kindern bereits ab Januar 2006 nicht mehr bestanden habe. Ab Mitte April 2006 jedoch sei kein gemeinsamer Haushalt mehr gef&uuml;hrt worden, da der Kl&auml;ger keinen Kontakt mehr zu seiner Familie gehabt und auch nicht gesucht habe. Dass die Beigeladene weiterhin &uuml;ber das gemeinsame Konto habe verf&uuml;gen k&ouml;nnen, reiche f&uuml;r einen gemeinsamen Haushalt, f&uuml;r den insbesondere im Hinblick auf das geringe Alter der Kinder auch Elemente der Versorgung und Betreuung erforderlich seien, nicht aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde begehrt der Kl&auml;ger sinngem&auml;&szlig; die Zulassung der Revision wegen Kindergeld f&uuml;r Mai bis Dezember 2006. Die Rechtssache habe grunds&auml;tzliche Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;), wie auch die Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 1 FGO) und die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO) eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) erforderten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und wird durch Beschluss zur&uuml;ckgewiesen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 FGO). Die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde liegen, soweit ihre Darlegung den Anforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO entspricht, nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Rechtssache hat weder grunds&auml;tzliche Bedeutung noch erfordert die Fortbildung des Rechts &#8211;als einem Unterfall der grunds&auml;tzlichen Bedeutung (z.B. Senatsbeschluss vom 6. Juni 2006 III B 202\/05, BFH\/NV 2006, 1653)&#8211; eine Entscheidung des BFH. Beide Zulassungsgr&uuml;nde sind nur gegeben, wenn die f&uuml;r bedeutsam gehaltene Rechtsfrage im Allgemeininteresse kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und im Streitfall kl&auml;rbar ist. An der Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit fehlt es, wenn die Rechtsfrage anhand der gesetzlichen Grundlagen und der bereits vorliegenden Rechtsprechung beantwortet werden kann und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar sind, die eine erneute Pr&uuml;fung und Entscheidung der Rechtsfrage durch den BFH geboten erscheinen lassen (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschluss vom 29. April 2010 VI B 153\/09, BFH\/NV 2010, 1442, m.w.N.). So verh&auml;lt es sich hier.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Grunds&auml;tzliche Bedeutung misst der Kl&auml;ger der Frage bei, was unter einer Haushaltsaufnahme i.S. des &sect; 64 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zu verstehen sei. Entgegen der Rechtsprechung des BFH, die an Entscheidungen des Bundessozialgerichts ankn&uuml;pfe, bed&uuml;rfe es einer Pr&uuml;fung der Trennungsvoraussetzungen im familienrechtlichen Sinne (&sect; 1567 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;), insbesondere der Bejahung eines entsprechenden Trennungswillens der Ehegatten; ein solcher sei im Streitfall erst im Dezember 2006 gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieses Vorbringen rechtfertigt keine Zulassung der Revision, denn der Begriff der Haushaltsaufnahme i.S. des &sect; 64 Abs. 2 Satz 1 EStG ist bereits gekl&auml;rt. Nach dieser Vorschrift wird bei mehreren Berechtigten das Kindergeld nach dem sog. Obhutsprinzip demjenigen gezahlt, der das Kind in seinen Haushalt aufgenommen hat. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH liegt eine Haushaltsaufnahme vor, wenn das Kind in die Familiengemeinschaft mit einem dort begr&uuml;ndeten Betreuungs- und Erziehungsverh&auml;ltnis aufgenommen worden ist. Neben dem &ouml;rtlich gebundenen Zusammenleben m&uuml;ssen Voraussetzungen materieller Art (Versorgung, Unterhaltsgew&auml;hrung) und immaterieller Art (F&uuml;rsorge, Betreuung) erf&uuml;llt sein (z.B. BFH-Urteil vom 26. August 2003 VIII R 91\/98, BFH\/NV 2004, 324; Senatsbeschl&uuml;sse vom 24. Oktober 2006 III S 3\/06 (PKH), BFH\/NV 2007, 238, und vom 18. Februar 2008 III B 69\/07, BFH\/NV 2008, 948).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber hat der Kl&auml;ger die Rechtserheblichkeit dessen, ob ein Paar i.S. des &sect; 1567 BGB getrennt lebt oder nicht oder unverheiratet ist, nicht herausgearbeitet. Es ist jedenfalls nicht ersichtlich, dass sich die Kinder, zu denen der Kl&auml;ger nach seinen eigenen Angaben seit dem 2. April 2006 keinen Kontakt mehr hatte, i.S. des &sect; 64 Abs. 2 Satz 1 EStG in seiner Obhut befunden h&auml;tten. Vor diesem Hintergrund sind keine Gesichtspunkte erkennbar, die eine erneute Pr&uuml;fung und Entscheidung der Rechtsfrage durch den BFH geboten erscheinen lassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die vom Kl&auml;ger aufgeworfene Rechtsfrage, ob die Verf&uuml;gungsmacht des vorrangig Kindergeldberechtigten &uuml;ber das Konto des Zahlungsempf&auml;ngers eine erfolgreiche Weiterleitung des Kindergeldes begr&uuml;nden kann dergestalt, dass ein R&uuml;ckforderungsanspruch gegen den Zahlungsempf&auml;nger ausgeschlossen ist, erfordert ebenfalls keine Entscheidung des BFH.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es ist h&ouml;chstrichterlich gekl&auml;rt, dass sich der Erstattungsschuldner gegen&uuml;ber dem R&uuml;ckforderungsanspruch der Familienkasse nicht darauf berufen kann, er habe das Kindergeld an den vorrangig Berechtigten weitergeleitet. Denn eine Weiterleitung schlie&szlig;t die R&uuml;ckforderung nicht von Gesetzes wegen aus (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. Senatsbeschluss vom 12. August 2010 III B 94\/09, BFH\/NV 2010, 2062, m.w.N.). Zwar kann die Weiterleitung von der Familienkasse aus Vereinfachungsgr&uuml;nden als Erf&uuml;llung des R&uuml;ckforderungsanspruchs im verk&uuml;rzten Zahlungswege ber&uuml;cksichtigt werden, soweit der vorrangig Berechtigte erkl&auml;rt, dass er seinen Anspruch auf Auszahlung von Kindergeld als erf&uuml;llt anerkennt. Es ist jedoch nicht Aufgabe der Familienkasse, Unterhaltsvereinbarungen bzw. -zahlungen unter verschiedenen Kindergeldberechtigten (Ehegatten) zu ber&uuml;cksichtigen, zu &uuml;berpr&uuml;fen und zivilrechtlich zu beurteilen. Danach ist es f&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber das Bestehen des Erstattungsanspruchs ohne Belang, ob der nachrangig Berechtigte, im Streitfall der Kl&auml;ger, einen Betrag in H&ouml;he des Kindergeldes an den vorrangig Berechtigten, im Streitfall die Beigeladene, gezahlt hat. Bei Wechsel der Anspruchsberechtigung ist es vielmehr Sache der Kindergeldberechtigten, ihre privatrechtlichen Vereinbarungen der Gesetzeslage anzupassen oder bei versp&auml;teter Anpassung m&ouml;gliche &Uuml;berzahlungen auf privatrechtlichem Wege auszugleichen (z.B. BFH-Urteil vom 11. M&auml;rz 2003 VIII R 77\/01, BFH\/NV 2004, 14).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Rechtssache gewinnt auch nicht dadurch grunds&auml;tzliche Bedeutung, dass das FG N&uuml;rnberg in seinem Urteil vom 25. September 2008 IV 267\/2006 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2009, 840, nicht rechtskr&auml;ftig; Rev. III R 82\/08) die Revision zugelassen hat. Denn das FG N&uuml;rnberg geht in seinem Urteil in EFG 2009, 840 ebenso wie die Vorentscheidung ausdr&uuml;cklich von vorgenannten Rechtsgrunds&auml;tzen aus, sah jedoch in dem besonderen Fall, dass der vorrangig Berechtigte unstreitig die alleinige Verf&uuml;gungsmacht &uuml;ber das Empf&auml;ngerkonto hatte, ausnahmsweise von dem Erfordernis einer Weiterleitungserkl&auml;rung ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Voneinander abweichende Rechtss&auml;tze, die eine Entscheidung des BFH zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderten, hat der Kl&auml;ger weder bezeichnet noch sind solche sonst ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.8.2011, III B 192\/10 Haushaltsaufnahme des Kindes &#8211; Weiterleitung des Kindergeldes Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) und die Beigeladene haben zwei gemeinsame Kinder, f&uuml;r die der Kl&auml;ger laufend Kindergeld bezog. Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) hob mit Bescheid vom 18. 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