{"id":9491,"date":"2012-12-06T03:16:00","date_gmt":"2012-12-06T01:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9491"},"modified":"2012-12-06T03:16:00","modified_gmt":"2012-12-06T01:16:00","slug":"v-b-44-10-ordnungsgemaesse-klageerhebung-ausnahmsweiser-verzicht-auf-die-angabe-der-ladungsfaehigen-anschrift-einer-gmbh-grundrecht-auf-effektiven-rechtsschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-44-10-ordnungsgemaesse-klageerhebung-ausnahmsweiser-verzicht-auf-die-angabe-der-ladungsfaehigen-anschrift-einer-gmbh-grundrecht-auf-effektiven-rechtsschutz\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;44\/10 &#8211; Ordnungsgem&auml;&szlig;e Klageerhebung &#8211; Ausnahmsweiser Verzicht auf die Angabe der ladungsf&auml;higen Anschrift einer GmbH &#8211; Grundrecht auf effektiven Rechtsschutz"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.8.2011, V B 44\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Ordnungsgem&auml;&szlig;e Klageerhebung &#8211; Ausnahmsweiser Verzicht auf die Angabe der ladungsf&auml;higen Anschrift einer GmbH &#8211; Grundrecht auf effektiven Rechtsschutz<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist eine juristische Person in der Rechtsform einer GmbH, Gegenstand ihres Unternehmens war der An- und Verkauf von &#8230;. Im Anschluss an zwei Umsatzsteuer-Sonderpr&uuml;fungen versagte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) der Kl&auml;gerin den Vorsteuerabzug aus Eingangsleistungen und die Steuerfreiheit von Ausfuhrlieferungen. In der nach Zur&uuml;ckweisung des Einspruchs eingereichten Klage war als Adresse der &#8211;durch ihren Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer A B vertretenen&#8211; Kl&auml;gerin die &quot;X-Str. &#8230;, &#8230; Y-Stadt&quot; angegeben. Auf Anforderung des Gerichts bezeichnete die Kl&auml;gerin &quot;c\/o C D, Z-Str. &#8230;, &#8230; Y-Stadt&quot; als ihre ladungsf&auml;hige Anschrift und teilte mit, dass aufgrund der zeitweiligen Einstellung des Gesch&auml;ftsbetriebs ein Firmensitz in der Bundesrepublik Deutschland (Bundesrepublik) nicht unterhalten werde. Die vorgenannte Anschrift stelle lediglich ihre postalische Erreichbarkeit sicher. Der Wohnsitz des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers werde wie folgt mitgeteilt: &quot;A B, Belarus, &#8230; R-Stadt, &#8230;.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem das FA die Klage f&uuml;r unzul&auml;ssig hielt, weil ein Gesch&auml;ftssitz der Kl&auml;gerin in der X-Str. &#8230;, &#8230; Y-Stadt seit der Einstellung des Gesch&auml;ftsbetriebs nicht mehr unterhalten werde und die M&ouml;glichkeit einer Postzustellung unter der c\/o-Adresse einer ladungsf&auml;higen Anschrift nicht gleichgestellt werden k&ouml;nne, gab die Kl&auml;gerin ihre ladungsf&auml;hige Anschrift mit &quot;E, M-Str. &#8230;, &#8230; Y-Stadt&quot; an. Dabei handelt es sich um die Anschrift eines B&uuml;roserviceunternehmens (S-AG). Im Anschluss an eine Ortsbesichtigung teilte das FA mit, dass sich am Geb&auml;ude weder ein Firmenschild noch ein Briefkasten mit Namensschild befunden habe. Die Kl&auml;gerin verf&uuml;ge laut Auskunft einer Mitarbeiterin im Eingangsbereich &uuml;ber keine Gesch&auml;ftsr&auml;ume, es werde lediglich die eingehende Post weitergeleitet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage als unzul&auml;ssig ab und begr&uuml;ndete dies mit dem Fehlen einer ladungsf&auml;higen Anschrift. Eine Zustellung nach &sect; 53 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) i.V.m. &sect;&sect; 166 ff. der Zivilprozessordnung (ZPO) sei ausgeschlossen, da die Kl&auml;gerin nach ihren eigenen Angaben in der m&uuml;ndlichen Verhandlung in der M-Str. &#8230; in &#8230; Y-Stadt &uuml;ber keine Gesch&auml;ftsr&auml;ume verf&uuml;ge. Da sich dort nicht einmal ein Briefkasten mit dem Namen der Kl&auml;gerin befinde, habe auch eine Ersatzzustellung nicht vorgenommen werden k&ouml;nnen. Dem Gericht sei auf telefonische Nachfrage unter der von der Kl&auml;gerin mitgeteilten Telefonnummer mitgeteilt worden, die ladungsf&auml;hige Anschrift befinde sich in der X-Str. &#8230; in &#8230; Y-Stadt. Die an diesem Ort befindlichen Gesch&auml;ftsr&auml;ume habe die Kl&auml;gerin aber bereits vor mehreren Jahren aufgegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit der auf Verfahrensfehler (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) gest&uuml;tzten Beschwerde. Das FG habe die Klage zu Unrecht wegen eines fehlenden Firmensitzes als unzul&auml;ssig abgewiesen. Durch Buchung der entsprechenden Serviceleistungen habe sie eine zustellf&auml;hige Adresse bei der S-AG unterhalten. Soweit das FA vortrage, keine Angaben zur Firma vorgefunden zu haben, widerspreche dies ihren Angaben in der m&uuml;ndlichen Verhandlung. Das pers&ouml;nliche Erscheinen der Kl&auml;gerin sei weder notwendig gewesen noch vom Gericht angeordnet worden. Zudem habe der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin seine ladungsf&auml;hige Anschrift mitteilen lassen, so dass es dem Gericht m&ouml;glich gewesen sei, diesen ordnungsgem&auml;&szlig; zu laden. Das Urteil des FG versto&szlig;e gegen Art. 19 Abs. 4 des Grundgesetzes (GG), au&szlig;erdem seien die vom Gericht aufgestellten Erfordernisse unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das angefochtene Urteil wird aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckverwiesen (&sect; 116 Abs. 6 FGO). Die Voraussetzungen des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO liegen vor. Das FG hat zwar zu Recht das Vorliegen einer ladungsf&auml;higen Anschrift verneint, aber nicht ber&uuml;cksichtigt, dass eine Klage ausnahmsweise auch ohne ladungsf&auml;hige Anschrift zul&auml;ssig sein kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Eine ordnungsgem&auml;&szlig;e Klageerhebung erfordert nach &sect; 65 Abs. 1 Satz 1 FGO regelm&auml;&szlig;ig die Bezeichnung des Kl&auml;gers unter Angabe seiner ladungsf&auml;higen Anschrift (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 11. Dezember 2001 VI R 19\/01, BFH\/NV 2002, 651, und vom 19. Oktober 2000 IV R 25\/00, BFHE 193, 52, BStBl II 2001, 112; BFH-Beschluss vom 31. Mai 2010 V B 49\/08, BFH\/NV 2010, 1978).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Angabe der ladungsf&auml;higen Anschrift dient in erster Linie der Identifizierung des Kl&auml;gers und der Zustellung des mit dem Prozess verbundenen Schriftverkehrs. Dabei ist insbesondere von Bedeutung, dass das FG die M&ouml;glichkeit hat, das pers&ouml;nliche Erscheinen des Kl&auml;gers anzuordnen und durchzusetzen. Daneben ist die Bezeichnung der Beteiligten nach Namen, Beruf und Wohnort im Rubrum des Urteils anzugeben (&sect; 105 Abs. 2 Nr. 1 FGO). In der zivilprozessualen Rechtsprechung wird die Kl&auml;geranschrift auch deshalb f&uuml;r erforderlich erachtet, um sicherzustellen, dass sich der Kl&auml;ger bei einem etwaigen Unterliegen seiner Kostenpflicht nicht durch Unerreichbarkeit entzieht (Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 9. Dezember 1987 IVb ZR 4\/87, BGHZ 102, 332, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 1988, 2114). Diesem Aspekt wird aber in der verwaltungsgerichtlichen (vgl. Verwaltungsgerichtshof Kassel, Beschluss vom 30. Mai 1989&nbsp;&nbsp;12 TH 1658\/89, NJW 1990, 140) und der finanzgerichtlichen Rechtsprechung (BFH-Urteil in BFHE 193, 52, BStBl II 2001, 112) nur eine untergeordnete Bedeutung beigemessen, da Beklagter im Regelfall eine Beh&ouml;rde ist und deren Aufwendungen nicht erstattungsf&auml;hig sind (&sect; 139 Abs. 2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat im Ergebnis zu Recht entschieden, dass die Kl&auml;gerin keine ladungsf&auml;hige Anschrift mitgeteilt hatte. Dem Wohnsitz einer nat&uuml;rlichen Person entspricht der Sitz einer juristischen Person. Da bei nat&uuml;rlichen Personen im Hinblick auf ihre Erreichbarkeit auf die Angabe des tats&auml;chlichen Wohnorts abgestellt wird (vgl. BFH-Urteil in BFHE 193, 52, BStBl II 2001, 112), ist bei juristischen Personen grunds&auml;tzlich die Angabe ihres tats&auml;chlichen Firmen- oder Gesch&auml;ftssitzes erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Kl&auml;gerin hatte ihre Gesch&auml;ftsr&auml;ume in der X-Str. &#8230; in Y-Stadt aufgegeben und ihren Gesch&auml;ftsbetrieb eingestellt, so dass sie dort &uuml;ber keinen Firmen- oder Gesch&auml;ftssitz mehr verf&uuml;gte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Unabh&auml;ngig davon, ob in der M-Str. &#8230; in Y-Stadt ein Briefkasten mit dem Firmenschild der Kl&auml;gerin angebracht worden ist, handelt es sich um keinen tats&auml;chlichen Firmen- oder Unternehmenssitz der Kl&auml;gerin. Denn unter dieser Adresse verf&uuml;gte die Kl&auml;gerin &#8211;was zwischen den Beteiligten unstrittig ist&#8211; weder &uuml;ber R&auml;ume, von denen aus sie ihre Gesch&auml;fte aus&uuml;bte, noch befand sich dort die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung oder Verwaltung der Kl&auml;gerin. Dass die Kl&auml;gerin die M&ouml;glichkeit hatte, dort R&auml;ume anzumieten, begr&uuml;ndet keinen tats&auml;chlichen Firmen- oder Gesch&auml;ftssitz. Ein solcher wurde auch nicht unter der von der Kl&auml;gerin zuvor als ladungsf&auml;hige Anschrift bezeichneten c\/o-Adresse unterhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG hat in seiner Entscheidung nicht ber&uuml;cksichtigt, dass nach den Besonderheiten des Streitfalls auf die Mitteilung einer ladungsf&auml;higen Anschrift der Kl&auml;gerin ausnahmsweise verzichtet werden konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Mit dem Erfordernis, die Zul&auml;ssigkeit einer Klage ausnahmslos von der Angabe einer ladungsf&auml;higen Anschrift abh&auml;ngig zu machen, stellt ein Fachgericht Anforderungen auf, die &uuml;ber die ausdr&uuml;cklich im Gesetz geregelten Zul&auml;ssigkeitserfordernisse hinausgehen (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 2. Februar 1996&nbsp;&nbsp;1 BvR 2211\/94, NJW 1996, 1272). Denn &sect; 65 Abs. 1 Satz 1 FGO ordnet lediglich an, dass der Kl&auml;ger zu bezeichnen ist, in welcher Weise dies zu geschehen hat, schreibt &sect; 65 Abs. 1 Satz 1 FGO nicht vor (vgl. Schallmoser in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, FGO, &sect; 65 Rz 39).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das ungeschriebene und f&uuml;r juristische Personen des Privatrechts weitgehend ungekl&auml;rte Erfordernis der Angabe der ladungsf&auml;higen Anschrift darf nicht zu einer unzumutbaren Einschr&auml;nkung des aus Art. 19 Abs. 4 GG abgeleiteten Gebots f&uuml;hren, dem Rechtsuchenden den Zugang zu den Gerichten nicht unn&ouml;tig zu erschweren oder zu versagen. &sect; 65 Abs. 1 Satz 1 FGO ist daher unter Ber&uuml;cksichtigung dieses Grundrechts und des Grundsatzes der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit verfassungskonform auszulegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) F&uuml;r &sect; 82 Abs. 1 Satz 1 der Verwaltungsgerichtsordnung, auf den die Fassung des &sect; 65 FGO zur&uuml;ckgeht (vgl. zur Gesetzgebungsgeschichte BFH-Urteil vom 11. Dezember 1992 VI R 162\/88, BFHE 169, 507, unter II.2.a mit Hinweis auf BTDrucks IV\/1446) ist in der verfassungsrechtlichen und verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung anerkannt, dass auf die Angabe einer ladungsf&auml;higen Anschrift ausnahmsweise verzichtet werden kann (BVerfG-Beschluss in NJW 1996, 1272; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts &#8211;BVerwG&#8211; vom 13. April 1999&nbsp;&nbsp;1 C 24\/97, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211;HFR&#8211; 2000, 382), wenn ihre Erf&uuml;llung unm&ouml;glich oder unzumutbar ist. Ein solcher Ausnahmefall wird bejaht, wenn der Angabe der Anschrift un&uuml;berwindliche oder nur schwer zu beseitigende Schwierigkeiten oder schutzw&uuml;rdige Geheimhaltungsinteressen entgegenstehen (BVerwG-Urteil in HFR 2000, 382, unter Hinweis auf das BGH-Urteil in BGHZ 102, 332, 336). Dar&uuml;ber hinaus ist das Fehlen einer ladungsf&auml;higen Anschrift dann unsch&auml;dlich, wenn der Kl&auml;ger glaubhaft &uuml;ber eine solche Anschrift nicht verf&uuml;gt (BVerwG-Urteil in HFR 2000, 382, unter Hinweis auf den Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 1. Juni 1992&nbsp;&nbsp;12 CE 92.1201, Bayerisches Verwaltungsblatt 1992, 594). In diesen Ausnahmef&auml;llen m&uuml;ssen dem Gericht aber die insoweit ma&szlig;gebenden Gr&uuml;nde unterbreitet werden. Wird die Angabe dagegen ohne zureichenden Grund verweigert, liegt keine ordnungsgem&auml;&szlig;e Klage vor (BVerwG-Urteil in HFR 2000, 382).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) In der Rechtsprechung des BFH wurde eine Einschr&auml;nkung f&uuml;r die Angabe der ladungsf&auml;higen Anschrift bislang bereits f&uuml;r nat&uuml;rliche Personen bejaht. So haben der VI. Senat des BFH im Urteil in BFH\/NV 2002, 651 und der IV. Senat im Urteil in BFHE 193, 52, BStBl II 2001, 112 entschieden, dass es f&uuml;r die Zul&auml;ssigkeit einer Klage der Angabe einer ladungsf&auml;higen Anschrift dann nicht bedarf, wenn sich der Kl&auml;ger dadurch der konkreten Gefahr der Verhaftung aussetzen w&uuml;rde. Dies gelte jedenfalls dann, wenn die Identit&auml;t des Kl&auml;gers feststeht und die M&ouml;glichkeit der Zustellung durch einen Prozessbevollm&auml;chtigten sichergestellt ist (BFH-Urteile in BFH\/NV 2002, 651, Leitsatz 1, sowie in BFHE 193, 52, BStBl II 2001, 112, Leitsatz).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die entsprechende Anwendung der verfassungs- und verwaltungsprozessualen Grunds&auml;tze zum effektiven Rechtsschutz hat bei juristischen Personen des Privatrechts, die ihre Gesch&auml;ftst&auml;tigkeit aufgegeben haben und &uuml;ber keinen tats&auml;chlichen Gesch&auml;fts- oder Firmensitz mehr verf&uuml;gen, zur Folge, dass dessen Fehlen der Zul&auml;ssigkeit einer Klage dann nicht entgegensteht, wenn keine Zweifel an der Identit&auml;t der Kl&auml;gerin bestehen und die M&ouml;glichkeit der Zustellung durch einen Zustellungs- oder Prozessbevollm&auml;chtigten sichergestellt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Im Streitfall folgt daraus, dass das FG die Zul&auml;ssigkeit der Klage zu Unrecht verneint hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) An der Identit&auml;t der Kl&auml;gerin bestanden und bestehen keine Zweifel, so dass es insoweit der Mitteilung einer ladungsf&auml;higen Anschrift nicht bedurfte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auch sind in der Kommunikation mit dem Gericht keine Schwierigkeiten aufgetreten, da die Kl&auml;gerin durch einen Prozessbevollm&auml;chtigten vertreten ist. Soweit die Angabe der ladungsf&auml;higen Anschrift f&uuml;r erforderlich gehalten wird, um dem FG die M&ouml;glichkeit zu er&ouml;ffnen, ein pers&ouml;nliches Erscheinen der Kl&auml;gerin anzuordnen und durchzusetzen, kommt diesem Gesichtspunkt bei juristischen Personen des Privatrechts &#8211;wie einer GmbH im Streitfall&#8211; nur hinsichtlich ihres Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers Bedeutung zu. Dieser als der satzungsm&auml;&szlig;ige Vertreter der GmbH (&sect; 35 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschr&auml;nkter Haftung) ist Adressat der Anordnung auf pers&ouml;nliches Erscheinen und ihm gegen&uuml;ber wird auch das Ordnungsgeld angedroht und festgesetzt (&sect; 80 Abs. 2 FGO). Die Wohnanschrift des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers hat die Kl&auml;gerin dem Gericht im Schriftsatz vom 25. August 2008 mitgeteilt, so dass eine etwaige Anordnung des pers&ouml;nlichen Erscheinens diesem gegen&uuml;ber erfolgen konnte. Der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer war zwar zwischenzeitlich in das Ausland verzogen, eine Anordnung zum pers&ouml;nlichen Erscheinen kann aber nach &sect; 53 Abs. 2 FGO i.V.m. &sect; 183 ZPO auch im Ausland zugestellt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Zul&auml;ssigkeit der Klage steht auch das Erfordernis der Angabe des Wohnortes im Rubrum des Urteils (&sect; 105 Abs. 2 Nr. 1 FGO) nicht entgegen. Denn hierf&uuml;r kann bei Unternehmen auf den Sitz i.S. des &sect; 11 der Abgabenordnung (vgl. Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 105 FGO Rz 4) abgestellt werden (statuarischer Sitz), der sich bei K&ouml;rperschaften an dem Ort befindet, der durch Satzung dazu bestimmt wurde. Schlie&szlig;lich ist der im finanzgerichtlichen Verfahren nur untergeordnete Gesichtspunkt einer Kostenerstattung nicht geeignet, der Kl&auml;gerin den Zugang zu den Finanzgerichten zu versagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die zur Annahme eines Ausnahmefalles f&uuml;hrenden Tatsachen sind dem Gericht auch unterbreitet worden. Der Prozessbevollm&auml;chtigte hatte im Schriftsatz vom 25. August 2008 mitgeteilt, dass aufgrund der zeitweiligen Einstellung des Gesch&auml;ftsbetriebs ein Firmensitz in der Bundesrepublik nicht unterhalten werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Da es nach st&auml;ndiger Rechtsprechung einen Verfahrensmangel i.S. von &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO darstellt, wenn &uuml;ber eine zul&auml;ssige Klage nicht in der Sache, sondern durch Prozessurteil entschieden wird (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2010, 1978, m.w.N.), h&auml;lt es der Senat f&uuml;r zweckm&auml;&szlig;ig, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect; 116 Abs. 6 FGO). Das FG erh&auml;lt damit Gelegenheit, den Rechtsstreit in der Sache zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.8.2011, V B 44\/10 Ordnungsgem&auml;&szlig;e Klageerhebung &#8211; Ausnahmsweiser Verzicht auf die Angabe der ladungsf&auml;higen Anschrift einer GmbH &#8211; Grundrecht auf effektiven Rechtsschutz Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist eine juristische Person in der Rechtsform einer GmbH, Gegenstand ihres Unternehmens war der An- und Verkauf von &#8230;. Im Anschluss an &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-44-10-ordnungsgemaesse-klageerhebung-ausnahmsweiser-verzicht-auf-die-angabe-der-ladungsfaehigen-anschrift-einer-gmbh-grundrecht-auf-effektiven-rechtsschutz\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;44\/10 &#8211; Ordnungsgem&auml;&szlig;e Klageerhebung &#8211; Ausnahmsweiser Verzicht auf die Angabe der ladungsf&auml;higen Anschrift einer GmbH &#8211; Grundrecht auf effektiven Rechtsschutz<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9491","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9491"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9491\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}