{"id":9567,"date":"2012-12-06T05:00:29","date_gmt":"2012-12-06T03:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9567"},"modified":"2012-12-06T05:00:29","modified_gmt":"2012-12-06T03:00:29","slug":"iii-r-54-09-kindergeld-inhalt-und-bindungswirkung-eines-ablehnungsbescheides-bzw-einer-null-festsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-54-09-kindergeld-inhalt-und-bindungswirkung-eines-ablehnungsbescheides-bzw-einer-null-festsetzung\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;54\/09 &#8211; Kindergeld &#8211; Inhalt und Bindungswirkung eines Ablehnungsbescheides bzw. einer Null-Festsetzung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.6.2011, III R 54\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld &#8211; Inhalt und Bindungswirkung eines Ablehnungsbescheides bzw. einer Null-Festsetzung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der im Oktober 1985 geborene Sohn (S) des Kl&auml;gers und Revisionskl&auml;gers (Kl&auml;ger) absolvierte von September 2002 bis Februar 2006 eine Ausbildung zum Mechatroniker. Auf den Antrag des Kl&auml;gers auf Weiterbewilligung von Kindergeld lehnte die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) mit Bescheid vom 19. September 2003 die Weiterbewilligung von Kindergeld f&uuml;r die Zeit vom 1. November 2003 bis 28. Februar 2006 ab mit der Begr&uuml;ndung, die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge des S &uuml;berschritten den anteiligen Grenzbetrag von 1.198 EUR f&uuml;r 2003 und den Grenzbetrag von 7.188 EUR j&auml;hrlich. Der Bescheid blieb unangefochten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 22. Februar 2006 beantragte der Kl&auml;ger, ihm f&uuml;r S r&uuml;ckwirkend ab November 2003 Kindergeld zu gew&auml;hren. Er verwies auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 11. Januar 2005&nbsp;&nbsp;2 BvR 167\/02 (BVerfGE 112, 164, BFH\/NV 2005, Beilage 3, 260), nach dem die Sozialversicherungsbeitr&auml;ge eines nichtselbst&auml;ndig besch&auml;ftigten Kindes nicht in dessen Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge einbezogen werden d&uuml;rfen. Mit Bescheid vom 22. Februar 2006 setzte die Familienkasse Kindergeld f&uuml;r S ab Februar 2006 fest und lehnte den Antrag im &Uuml;brigen ab. Sie f&uuml;hrte aus, der bestandskr&auml;ftige Bescheid vom 19. September 2003 sei lediglich ab Februar 2006 aufgrund ge&auml;nderter Verh&auml;ltnisse, der Meldung des S als arbeitslos, gem&auml;&szlig; &sect; 70 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zu &auml;ndern. Der Einspruch des Kl&auml;gers blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Es entschied, der Bescheid vom 19. September 2003 sei eindeutig und beruhe erkennbar auf der Einsch&auml;tzung, S werde im Regelungszeitraum die bescheinigte Ausbildung durchlaufen und die f&uuml;r den gesamten Zeitraum bescheinigten Ausbildungsverg&uuml;tungen und Zusatzleistungen beziehen, so dass seine Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge jeweils den Grenzbetrag des &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG &uuml;berschritten. Ob eine solche nicht nur auf einen l&auml;ngeren Zeitraum angelegte, sondern diesen Zeitraum auch regelnde Prognoseentscheidung rechtm&auml;&szlig;ig sei, wenn nach der gesetzlichen Konzeption des &sect; 70 EStG nur positive Kindergeldfestsetzungen Bindungswirkung f&uuml;r die Zukunft h&auml;tten, k&ouml;nne dahinstehen. Jedenfalls erscheine sie nicht als nichtig. Eine &Auml;nderung des bestandskr&auml;ftigen Ablehnungsbescheides nach &sect; 70 Abs. 4 EStG sei nicht m&ouml;glich, da der jeweilige (anteilige) Jahresgrenzbetrag allein deshalb unterschritten werde, weil sich hinsichtlich der gesetzlichen Sozialversicherungsbeitr&auml;ge die Rechtsauffassung zur Auslegung des &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG ge&auml;ndert habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der vom FG zugelassenen Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger eine Verletzung des &sect; 70 Abs. 1 EStG. &Uuml;ber in der Zukunft liegende und damit zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht entstandene Kindergeldanspr&uuml;che habe der Ablehnungsbescheid vom 19. September 2003 noch keine Regelung treffen k&ouml;nnen. Ihm komme daher unter Hinweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 25. Juli 2001 VI R 164\/98 (BFHE 196, 257, BStBl II 2002, 89) keine in die Zukunft weisende Bindungswirkung zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;, das angefochtene Urteil, den Ablehnungsbescheid vom 22. Februar 2006, soweit der Kindergeldantrag f&uuml;r S abgelehnt wurde, und die Einspruchsentscheidung vom 6. April 2006 aufzuheben und die Familienkasse zu verpflichten, Kindergeld f&uuml;r S f&uuml;r den Zeitraum November 2003 bis Januar 2006 zu gew&auml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie nimmt auf die Vorentscheidung Bezug und f&uuml;hrt aus, die getroffene Regelung sei anhand der vom Kl&auml;ger eingereichten Unterlagen nachzuvollziehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils, des Bescheides vom 22. Februar 2006, soweit der Kindergeldantrag f&uuml;r S f&uuml;r die Monate November 2003 bis Januar 2006 abgelehnt wurde, und der dazu ergangenen Einspruchsentscheidung vom 6. April 2006, sowie zur Verpflichtung der Familienkasse, dem Kl&auml;ger Kindergeld f&uuml;r S r&uuml;ckwirkend f&uuml;r die Zeit von November 2003 bis Januar 2006 zu gew&auml;hren (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Kl&auml;ger kann f&uuml;r den Streitzeitraum Kindergeld f&uuml;r S beanspruchen. Die Anspruchsvoraussetzungen der &sect;&sect; 62 Abs. 1, 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a, Satz 2 EStG lagen vor, was zwischen den Beteiligten auch unstreitig ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Familienkasse hat sich zu Unrecht durch den Ablehnungsbescheid vom 19. September 2003 gebunden gesehen und dem Antrag des Kl&auml;gers auf Kindergeld nur ab Februar 2006 &#8211;aufgrund ge&auml;nderter Verh&auml;ltnisse nach &sect; 70 Abs. 2 EStG&#8211; stattgegeben. Der Kl&auml;ger hat auch Anspruch auf r&uuml;ckwirkende Festsetzung von Kindergeld f&uuml;r die Zeit von November 2003 bis Januar 2006.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zwar hat die Familienkasse in ihrer Prognoseentscheidung die H&ouml;he der Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge des S, die f&uuml;r den Zeitraum November 2003 bis Februar 2006 zu erwarten waren, gepr&uuml;ft. Die Bindungswirkung des Ablehnungsbescheides vom 19. September 2003 beschr&auml;nkt sich jedoch auf die Zeit bis zu dem Ende des Monats, in dem er bekannt gegeben wurde, im Streitfall bis zum Ende des Monats September 2003.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Bindungswirkung f&uuml;r die Zukunft haben nach der gesetzlichen Konzeption des &sect; 70 Abs. 1 bis 3 EStG nur positive Kindergeldfestsetzungen. Der Umfang der Bindungswirkung eines Ablehnungsbescheides ergibt sich aus seinem Regelungsgehalt. Er ersch&ouml;pft sich in der Regelung des Anspruchs auf Kindergeld &#8211;auf der Grundlage der Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt der Entscheidung &uuml;ber die Bescheiderteilung&#8211; f&uuml;r den bis dahin abgelaufenen Zeitraum. &Uuml;ber die in der Zukunft liegenden und damit zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht entstandenen Kindergeldanspr&uuml;che kann der ablehnende Bescheid seinem Wesen nach hingegen noch keine Regelung treffen. Eine in die Zukunft weisende Bindungswirkung kommt ihm demnach nicht zu (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteile vom 25. Juli 2001 VI R 78\/98, BFHE 196, 253, BStBl II 2002, 88; in BFHE 196, 257, BStBl II 2002, 89; vom 28. Januar 2004 VIII R 12\/03, BFH\/NV 2004, 786; vom 15. M&auml;rz 2007 III R 51\/06, BFH\/NV 2007, 1484). Dieser Auffassung hat sich auch die Verwaltung angeschlossen (vgl. Dienstanweisung zur Durchf&uuml;hrung des Familienleistungsausgleichs nach dem X. Abschnitt des Einkommensteuergesetzes 2009 DA 70.1 Abs. 2 Satz 2).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.6.2011, III R 54\/09 Kindergeld &#8211; Inhalt und Bindungswirkung eines Ablehnungsbescheides bzw. einer Null-Festsetzung Tatbestand 1&nbsp; I. Der im Oktober 1985 geborene Sohn (S) des Kl&auml;gers und Revisionskl&auml;gers (Kl&auml;ger) absolvierte von September 2002 bis Februar 2006 eine Ausbildung zum Mechatroniker. 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