{"id":9617,"date":"2012-12-06T04:21:44","date_gmt":"2012-12-06T02:21:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9617"},"modified":"2012-12-06T04:21:44","modified_gmt":"2012-12-06T02:21:44","slug":"ix-r-63-10-teilentgeltlichkeit-bei-erwerb-durch-vermaechtnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-63-10-teilentgeltlichkeit-bei-erwerb-durch-vermaechtnis\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;63\/10 &#8211; Teilentgeltlichkeit bei Erwerb durch Verm&auml;chtnis"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.6.2011, IX R 63\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Teilentgeltlichkeit bei Erwerb durch Verm&auml;chtnis<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Der Erwerb eines Grundst&uuml;cks in Erf&uuml;llung eines Verm&auml;chtnisses ist ein teilentgeltlicher und damit im Rahmen der Besteuerung nach &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, &sect; 22 Nr. 2 EStG aufteilbarer Vorgang, wenn der Verm&auml;chtnisnehmer f&uuml;r den Erwerb des vermachten Gegenstandes eine Gegenleistung erbringen muss, deren Wert die verm&auml;chtnisweise Zuwendung nicht ausgleicht.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten um die Steuerbarkeit der Ver&auml;u&szlig;erung eines von Todes wegen erworbenen Grundst&uuml;cks. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind zusammen zur Einkommensteuer veranlagte Eheleute.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und ihre Schwester sind aufgrund notariellen Testaments die alleinigen Erbinnen zu gleichen Teilen ihrer verstorbenen Mutter (Erblasserin). In &sect; 3 des Testaments r&auml;umte die Erblasserin der Kl&auml;gerin das Recht ein, nach ihrem Tod ihren gesamten Grundbesitz (Grundst&uuml;ck mit Wohnhaus und Landwirtschaftsfl&auml;chen) zu &uuml;bernehmen. Hierf&uuml;r sollte die Kl&auml;gerin an ihre Schwester einen Betrag von 25 % des auf den Tod der Erblasserin festzustellenden Verkehrswerts des Grundbesitzes bezahlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem Tod der Erblasserin am 5. Mai 2002, die keine weiteren Verm&ouml;genswerte hinterlie&szlig;, nahm die Kl&auml;gerin das &Uuml;bernahmerecht mit Schreiben vom 12. Februar 2003 wahr und bot ihrer Schwester mit notariellem Angebot vom 16. April 2003 den Abschluss eines Grundst&uuml;cks&uuml;bertragungsvertrags an. Hierin war u.a. bestimmt, dass die Kl&auml;gerin 25 % des gesch&auml;tzten Verkehrswertes von 238.800 EUR an ihre Schwester bezahlen sollte, was &quot;einem &Uuml;bernahmepreis von 50 % des Verkehrswerts bei hiermit erfolgter sofortiger Aufteilung unter den beiden Erben im Wege der Teilerbauseinandersetzung entspricht&quot; (&sect; 1 Nr. 5 des Grundst&uuml;cks&uuml;bertragungsvertrags). Die Schwester der Kl&auml;gerin nahm das Angebot an und die Kl&auml;gerin leistete vereinbarungsgem&auml;&szlig; 59.700 EUR an ihre Schwester.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit notariellem Vertrag vom 7. April des Streitjahres (2004) ver&auml;u&szlig;erte die Kl&auml;gerin den Grundbesitz zu einem Preis von insgesamt 240.000 EUR. In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung erfasste die Kl&auml;gerin den Ver&auml;u&szlig;erungsvorgang nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ging &#8211;veranlasst durch eine Ver&auml;u&szlig;erungsmitteilung&#8211; davon aus, dass die Kl&auml;gerin die nicht auf ihren eigenen Erbanteil entfallende Grundst&uuml;cksh&auml;lfte entgeltlich von ihrer Schwester erworben habe und sah in der Weiterver&auml;u&szlig;erung ein privates Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ft. Den Gewinn ermittelte er, indem er vom erzielten Grundst&uuml;cksver&auml;u&szlig;erungspreis 120.000 EUR der Grundst&uuml;cksh&auml;lfte der Schwester zurechnete und hiervon die Anschaffungskosten von 59.700 EUR abzog. Den Differenzbetrag, vermindert um die Ver&auml;u&szlig;erungskosten (2.642 EUR), unterwarf das FA in H&ouml;he von 57.658 EUR als Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn der Besteuerung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit dem dagegen eingelegten Einspruch begehrte die Kl&auml;gerin, lediglich einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn von 300 EUR anzusetzen, weil sie das Grundst&uuml;ck lediglich zu einem Viertel entgeltlich erworben habe. Sie habe ein Viertel des Grundst&uuml;cks durch die Ausgleichszahlung angeschafft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage blieben erfolglos. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte in seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 706 ver&ouml;ffentlichten Urteil zur Begr&uuml;ndung aus, im Streitfall sei ein Vorausverm&auml;chtnis (&sect; 2150 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuches &#8211;BGB&#8211;) und keine Erbauseinandersetzung anzunehmen. Es handele sich um ein Kaufrechtsverm&auml;chtnis, dessen Gegenstand das &Uuml;bernahmerecht als solches sei. Das Grundst&uuml;ck werde zur H&auml;lfte (n&auml;mlich die H&auml;lfte der Schwester) entgeltlich erworben. Soweit einem Wirtschaftgut Anschaffungskosten zugeordnet w&uuml;rden, werde es angeschafft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision der Kl&auml;ger, die sie auf Verletzung materiellen Rechts (&sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes i.d.F. des Streitjahres &#8211;EStG&#8211;) st&uuml;tzen. Es m&uuml;sste das Verh&auml;ltnis der Ausgleichsleistung zum &uuml;bernommenen Verm&ouml;gen angesetzt werden. Es komme darauf an, ob das Kaufrechtsverm&auml;chtnis einkommensteuerrechtlich im Rahmen der Erbauseinandersetzung wie eine Ausgleichszahlung behandelt werde oder ob au&szlig;erhalb der Erbauseinandersetzung ein eigener Tatbestand vorliege. Die Erf&uuml;llung von Erbfallschulden stelle normalerweise keinen Anschaffungs- und Ver&auml;u&szlig;erungsvorgang dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das angefochtene Urteil aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr vom 23. M&auml;rz 2010 insoweit zu &auml;ndern, als keine Eink&uuml;nfte aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften der Besteuerung zugrunde gelegt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und Stattgabe der Klage (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG ist zu Unrecht davon ausgegangen, die Kl&auml;gerin h&auml;tte die H&auml;lfte des Grundst&uuml;cks entgeltlich erworben, und verletzt damit &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect; 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7, &sect; 22 Nr. 2 i.V.m. &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG sind Eink&uuml;nfte aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften bei Grundst&uuml;cken steuerbar, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Ver&auml;u&szlig;erung nicht mehr als zehn Jahre betr&auml;gt. Im Streitfall hatte die Kl&auml;gerin das Grundst&uuml;ck nur zu einem Viertel entgeltlich erworben und deshalb keinen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn realisiert. Ist der Kl&auml;gerin f&uuml;r den unentgeltlichen Erwerb zu drei Viertel n&auml;mlich die &#8211;au&szlig;erhalb der Ver&auml;u&szlig;erungsfrist gelegene&#8211; Anschaffung der Rechtsvorg&auml;ngerin zuzuordnen, steht den Anschaffungskosten f&uuml;r den entgeltlich erworbenen Grundst&uuml;cksteil von 59.700 EUR lediglich ein Ver&auml;u&szlig;erungspreis von 60.000 EUR gegen&uuml;ber, so dass sich nach Abzug der Ver&auml;u&szlig;erungskosten kein Gewinn ergibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat das Grundst&uuml;ck aufgrund des testamentarisch einger&auml;umten Verm&auml;chtnisses zu drei Viertel unentgeltlich &#8211;und damit nur zu einem Viertel entgeltlich&#8211; erworben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Senat pflichtet dem FG und den Beteiligten dahin bei, dass Rechtsgrundlage f&uuml;r den Erwerb des Grundst&uuml;cks das testamentarisch einger&auml;umte &Uuml;bernahmerecht ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wenn die Erblasserin in &sect; 3 des notariellen Testaments der Kl&auml;gerin das Recht einr&auml;umt, das Grundst&uuml;ck zu &uuml;bernehmen, so ordnet sie ein Vorausverm&auml;chtnis (&sect; 2150 BGB) an. Aufgrund dessen erwirbt die bedachte Kl&auml;gerin mit dem Tod der Erblasserin eine aufschiebend bedingte Forderung gem&auml;&szlig; &sect; 2174 BGB gegen den Beschwerten (hier die Erbengemeinschaft) auf &Uuml;bertragung des Grundst&uuml;cks gegen Zahlung des von der Erblasserin festgelegten Preises (vgl. zu Kaufrechtsverm&auml;chtnissen eingehend die Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 13. August 2008 II R 7\/07, BFHE 222, 71, BStBl II 2008, 982, und vom 8. Oktober 2008 II R 15\/07, BFHE 222, 93, BStBl II 2009, 245). Da die Erblasserin der Kl&auml;gerin als beg&uuml;nstigter Miterbin &uuml;ber ihren Erbteil hinaus etwas zuwenden will (n&auml;mlich das gesamte Grundst&uuml;ck zu einem Preis, der unter dem Verkehrswert der Kaufsache liegt; vgl. dazu BFH-Urteil vom 6. Juni 2001 II R 76\/99, BFHE 195, 415, BStBl II 2001, 605), ersch&ouml;pft sich die Regelung nicht in einer Verteilung der Nachlassgegenst&auml;nde im Rahmen der Erbteile (hier zu je 1\/2) und es handelt sich damit nicht um eine Teilungsanordnung (&sect; 2048 BGB), sondern um ein Verm&auml;chtnis (vgl. zur Abgrenzung BFH-Urteil vom 15. M&auml;rz 1994 IX R 84\/89, BFH\/NV 1994, 847).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Erwerb von Verm&ouml;gen aufgrund eines Verm&auml;chtnisses ist zwar regelm&auml;&szlig;ig ein unentgeltlicher Vorgang. Etwas anderes gilt indes dann, wenn der Verm&auml;chtnisnehmer f&uuml;r den Erwerb des vermachten Gegenstandes eine Gegenleistung erbringen muss (BFH-Urteil vom 13. November 2002 I R 110\/00, BFH\/NV 2003, 820; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 14. M&auml;rz 2006, BStBl I 2006, 253, Tz 63; aus dem Schrifttum vgl. z.B. Rei&szlig; in Kirchhof, EStG, 10. Aufl., &sect; 16 Rz 92). So liegt ein in vollem Umfang entgeltliches Gesch&auml;ft vor, wenn der Verm&auml;chtnisnehmer f&uuml;r den Erwerb des vermachten Gegenstandes eine Gegenleistung erbringen muss, deren Wert die verm&auml;chtnisweise Zuwendung ann&auml;hernd ausgleicht (so BFH-Urteil in BFH\/NV 2003, 820). Ist das aber nicht der Fall, muss also der Verm&auml;chtnisnehmer den Wert der Zuwendung nicht voll ausgleichen, handelt es sich um ein teilentgeltliches Erwerbsgesch&auml;ft, das in einen entgeltlichen und in einen unentgeltlichen Teil aufzuteilen ist (vgl. BFH-Urteil vom 31. Mai 2000 IX R 50, 51\/97, BFH\/NV 2000, 1396; vgl. dazu die h.M. im Schrifttum, z.B. Musil in Herrmann\/Heuer\/Raupach &#8211;HHR&#8211;, &sect; 23 EStG Rz 236; Schmidt\/Weber-Grellet, EStG, 30. Aufl., &sect; 23 Rz 43; Bl&uuml;mich\/Glenk, &sect; 23 EStG Rz 98, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nur in Bezug auf den entgeltlichen Teil des Erwerbs liegt ein Anschaffungsvorgang vor und erf&uuml;llt die bedachte Kl&auml;gerin mithin die Voraussetzungen eines steuerbaren Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fts. Soweit sie unentgeltlich erworben hat, ist ihr nach &sect; 23 Abs. 1 Satz 3 EStG die Anschaffung durch den Rechtsvorg&auml;nger zuzurechnen. Da der Verm&auml;chtnisnehmer nicht Gesamt- oder Einzelrechtsnachfolger des Erblassers ist (BFH-Urteil vom 6. M&auml;rz 1975 IV R 213\/71, BFHE 116, 254, BStBl II 1975, 739), ist er Einzelrechtsnachfolger der Erbengemeinschaft, die ihrerseits den Nachlass unentgeltlich erworben und damit nicht angeschafft hat (vgl. dazu BFH-Beschluss vom 5. Juli 1990 GrS 2\/89, BFHE 161, 332, BStBl II 1990, 837; BFH-Beschluss vom 28. Januar 1998 VIII B 9\/97, BFH\/NV 1998, 959). Selbst wenn die Anschaffung durch den Erblasser gegen die Erbengemeinschaft wirkt (vgl. dazu Wernsmann, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/ Mellinghoff, EStG, &sect; 23 Rz B 81; HHR\/Musil, &sect; 23 EStG Rz 236) und die Kl&auml;gerin nach &sect; 23 Abs. 1 Satz 3 EStG in diese Position eintritt, ist f&uuml;r eine Ver&auml;u&szlig;erung in laufender Ver&auml;u&szlig;erungsfrist nichts ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Da das angefochtene Urteil den dargelegten Ma&szlig;st&auml;ben nicht entspricht, ist es aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG geht unzutreffend davon aus, die Kl&auml;gerin h&auml;tte Anschaffungskosten f&uuml;r die zus&auml;tzlich zu ihrem Erbteil erworbene Grundst&uuml;cksh&auml;lfte der Schwester getragen. Die Kl&auml;gerin erwarb aber nicht nur &#8211;wie das FG ausf&uuml;hrt&#8211; in H&ouml;he ihres eigenen Anteils am Grundst&uuml;ckswert unentgeltlich. Vielmehr erwarb die Kl&auml;gerin durch den Erbfall zun&auml;chst nur einen Anteil an der Erbengemeinschaft und eben nicht einen Anteil am Grundbesitz. Hinterl&auml;sst ein Erblasser mehrere Erben, so geht sein Verm&ouml;gen mit seinem Tode im Ganzen auf die Erben &uuml;ber und wird bei ihnen zu gemeinschaftlichem Verm&ouml;gen (&sect; 1922 Abs. 1, &sect; 2032 Abs. 1 BGB). Das Grundst&uuml;ck, um das es hier geht, ging also auf die Erbengemeinschaft &uuml;ber. Von dieser erwarb es schlie&szlig;lich die Kl&auml;gerin, und zwar &#8211;wie dargelegt&#8211; zu drei Viertel unentgeltlich. Rechtsgrundlage f&uuml;r diesen Erwerb ist das Vorausverm&auml;chtnis, mit dem die Erblasserin die Kl&auml;gerin bedachte und mit dem sie die Erbengemeinschaft, bestehend aus der Kl&auml;gerin und ihrer Schwester, belastete. In Erf&uuml;llung dieses Verm&auml;chtnisses gem&auml;&szlig; &sect; 2174 BGB kam sodann der Grundst&uuml;cks&uuml;bertragungsvertrag vom 17. April 2003 zustande, mit dem die Erbengemeinschaft der Kl&auml;gerin &#8211;in einer mit &quot;Teilerbauseinandersetzung&quot; (&sect; 2 des Vertrags) &uuml;berschriebenen Klausel&#8211; das Grundst&uuml;ck &uuml;bertrug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Kl&auml;gerin hat mit der Ver&auml;u&szlig;erung des Grundst&uuml;cks f&uuml;r 240.000 EUR ein nach &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG steuerbares Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ft nur insoweit verwirklicht, als sie das Grundst&uuml;ck aufgrund des Grundst&uuml;cks&uuml;bertragungsvertrags in Erf&uuml;llung des Verm&auml;chtnisses entgeltlich erworben hatte. Dies geschah hier in H&ouml;he von 25 %. Denn die Kl&auml;gerin musste lediglich einen Betrag von 25 % des Verkehrswerts an die Miterbin zahlen. Damit ist den Anschaffungskosten von 59.700 EUR ein anteiliger Ver&auml;u&szlig;erungspreis von 60.000 EUR gegen&uuml;berzustellen, so dass sich unter Ber&uuml;cksichtigung von unstreitigen Ver&auml;u&szlig;erungskosten kein Gewinn nach &sect; 23 Abs. 3 EStG ergibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist spruchreif; der Klage ist stattzugeben. Die Kl&auml;gerin hat nach den tats&auml;chlichen Feststellungen des FG keinen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn erzielt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob, wie die Kl&auml;gerin in ihrer Revisionsbegr&uuml;ndung vortr&auml;gt, dar&uuml;ber hinaus ein Verlust entstanden ist, kann offenbleiben, weil sie explizit den Antrag gestellt hat, keine Eink&uuml;nfte zu ber&uuml;cksichtigen. Der BFH darf nach &sect; 96 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. &sect; 121 FGO nicht &uuml;ber diesen Antrag hinausgehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.6.2011, IX R 63\/10 Teilentgeltlichkeit bei Erwerb durch Verm&auml;chtnis Leits&auml;tze Der Erwerb eines Grundst&uuml;cks in Erf&uuml;llung eines Verm&auml;chtnisses ist ein teilentgeltlicher und damit im Rahmen der Besteuerung nach &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, &sect; 22 Nr. 2 EStG aufteilbarer Vorgang, wenn der Verm&auml;chtnisnehmer f&uuml;r den Erwerb des vermachten Gegenstandes &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-63-10-teilentgeltlichkeit-bei-erwerb-durch-vermaechtnis\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;63\/10 &#8211; Teilentgeltlichkeit bei Erwerb durch Verm&auml;chtnis<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9617","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9617","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9617"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9617\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}