{"id":9653,"date":"2012-12-06T17:27:52","date_gmt":"2012-12-06T15:27:52","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9653"},"modified":"2012-12-06T17:27:52","modified_gmt":"2012-12-06T15:27:52","slug":"vi-r-37-10-aufwendungen-fuer-den-besuch-einer-schule-fuer-hochbegabte-als-aussergewoehnliche-belastungen-medizinische-indikation-grundsatz-der-freien-beweiswuerdigung-belastungsmindernde-anrechnung-er","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-37-10-aufwendungen-fuer-den-besuch-einer-schule-fuer-hochbegabte-als-aussergewoehnliche-belastungen-medizinische-indikation-grundsatz-der-freien-beweiswuerdigung-belastungsmindernde-anrechnung-er\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;37\/10 &#8211; Aufwendungen f&uuml;r den Besuch einer Schule f&uuml;r Hochbegabte als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen &#8211; Medizinische Indikation &#8211; Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Belastungsmindernde Anrechnung erhaltener Jugendhilfeleistungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.5.2011, VI R 37\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Aufwendungen f&uuml;r den Besuch einer Schule f&uuml;r Hochbegabte als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen &#8211; Medizinische Indikation &#8211; Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Belastungsmindernde Anrechnung erhaltener Jugendhilfeleistungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Aufwendungen f&uuml;r den Besuch einer Schule f&uuml;r Hochbegabte k&ouml;nnen als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen abziehbar sein, wenn der Schulbesuch medizinisch angezeigt war.<\/p>\n<p>2. Die erforderlichen Feststellungen hat das FG nach dem Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung zu treffen. An dem Erfordernis einer vorherigen amts&auml;rztlichen oder vertrauens&auml;rztlichen Begutachtung zum Nachweis der medizinischen Notwendigkeit einer Ma&szlig;nahme, die auch zu den nicht abziehbaren Kosten der Lebensf&uuml;hrung (&sect; 12 Nr. 1 EStG) geh&ouml;ren k&ouml;nnte, h&auml;lt der erkennende Senat nicht l&auml;nger fest.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob Aufwendungen f&uuml;r den Besuch einer schottischen Internatsschule als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der 1987 geborene Sohn (S) der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger), zusammen veranlagte Eheleute, bei dem ein Intelligenzquotient von 133 festgestellt worden ist, wechselte von der zweiten in die vierte Grundschulklasse und besuchte danach das A-Gymnasium in A. Ausweislich eines Schreibens des Allgemeinen Sozialdienstes der Stadt A vom 17. August 1999 verweigerte S im Jahr 1999 die Schule und verhielt sich Mitsch&uuml;lern gegen&uuml;ber aggressiv. Der Allgemeine Sozialdienst empfahl im Zusammenhang mit der Frage der Gew&auml;hrung von Eingliederungshilfe f&uuml;r seelisch behinderte Kinder und Jugendliche nach &sect; 35a des Achten Buches Sozialgesetzbuch &#8211;SGB VIII&#8211; (Kinder- und Jugendhilfegesetz) einen Besuch der B-School in Schottland, um einer bereits entstehenden Fehlentwicklung des Kindes entgegenwirken zu k&ouml;nnen und bleibende seelische und soziale Sch&auml;digungen zu verhindern. Ausweislich eines &auml;rztlichen Gutachtens der Haus&auml;rztin des S, Dr. med. X, vom 29. September 1999 leidet S unter einer &quot;minimal Brain Dysfunktion&quot; im Sinne eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms, w&auml;hrend seine verbal-akustischen und manuell-visuellen F&auml;higkeiten deutlich &uuml;ber den F&auml;higkeiten seiner Altersgruppe l&auml;gen. Dies f&uuml;hre zu einer Isolation von Klassenkameraden und intellektueller Unterforderung an deutschen allgemeinbildenden Schulen. Die Unterbringung an einer Schule f&uuml;r Hochbegabte sei notwendig, um einer nachhaltigen narzistischen Pers&ouml;nlichkeitsst&ouml;rung mit reaktiver Depression bei anhaltender seelischer und mentaler Verarmung entgegenzuwirken. Eine solche Schule sei f&uuml;r die Altersgruppe, in der sich S in den Streitjahren befunden habe, in Deutschland nicht verf&uuml;gbar gewesen. Erg&auml;nzend best&auml;tigte der Nervenarzt Dr. med. Y am 19. Juli 1999, dass die Unterbringung des S in einer Internatsschule in Schottland zum Wohl des Kindes und aus sozialpsychologischen und sozialmedizinischen Gr&uuml;nden therapeutisch notwendig sei. Lt. Gutachten des Amtsarztes der Stadt A vom 20. Juni 2002 sind bei Hochbegabung auftretende St&ouml;rungen als Krankheit und als seelische Behinderung anzusehen. S sei ausschlie&szlig;lich wegen einer Behinderung im Interesse einer angemessenen Ausbildung auf den Besuch einer Privatschule mit individueller F&ouml;rderung angewiesen. Die Aufwendungen f&uuml;r die ausw&auml;rtige Unterbringung in einem Internat w&uuml;rden unmittelbare Krankheitskosten darstellen, da sie ausschlie&szlig;lich zum Zwecke der Heilung oder zu dem Zweck erfolgten, die Krankheit ertr&auml;glicher zu machen. Dabei erfolge die Schulausbildung des S anl&auml;sslich einer Heilbehandlung und nicht nur nebenbei und nachrangig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ab August 1999 besuchte S die B-School. Dort bestand er im Mai 2003 das Abitur. F&uuml;r den Schulbesuch erstritten die Kl&auml;ger vor dem Verwaltungsgericht A Jugendhilfe nach &sect; 35a SGB VIII in H&ouml;he von 20.906,77 EUR. Dar&uuml;ber hinaus leistete A im Wege des Vergleichs zur Erledigung eines weiteren Klageverfahrens wegen Jugendhilfe einen Betrag in H&ouml;he von 40.000 EUR an die Kl&auml;ger.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihren Einkommensteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Jahre 2001 und 2002 machten die Kl&auml;ger Schul- und Internatskosten in H&ouml;he von 51.616 DM (2001) und in H&ouml;he von 23.457 EUR (2002) als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen geltend, die der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) nicht zum Abzug zulie&szlig;. Die nach erfolglosem Vorverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 1453 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung von &sect; 33 Abs. 1 und Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG M&uuml;nchen vom 29. Mai 2008&nbsp;&nbsp;15 K 3058\/05 und die ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheide f&uuml;r 2001 und f&uuml;r 2002 in der Weise zu &auml;ndern, dass unter Ber&uuml;cksichtigung der zumutbaren Belastung im Jahr 2001 unter Wegfall des bisher gew&auml;hrten Ausbildungsfreibetrags ein Betrag in H&ouml;he von 22.664 DM und im Jahr 2002 ein Betrag in H&ouml;he von 16.263 EUR zum Abzug als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zugelassen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA erlie&szlig; zuletzt am 23. Februar 2010 einen nach &sect; 164 Abs. 2 der Abgabenordnung (AO) ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2001 und unter dem Datum des 28. Januar 2010 einen ebenfalls nach &sect; 164 Abs. 2 AO ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2002.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;ger ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Revision f&uuml;hrt bereits aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden zur Aufhebung des angefochtenen Urteils. Denn Gegenstand des finanzgerichtlichen Verfahrens waren der Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2001 vom 14. Februar 2003 und der Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2002 vom 25. M&auml;rz 2004, an deren Stelle w&auml;hrend des Beschwerdeverfahrens die &Auml;nderungsbescheide vom 23. Februar 2010 und 28. Januar 2010 getreten sind. Damit liegen dem Urteil insoweit nicht mehr existierende Bescheide zu Grunde, so dass auch das Urteil des FG insoweit keinen Bestand haben kann (&sect; 127 FGO; vgl. z.B. Senatsurteil vom 20. Mai 2010 VI R 12\/08, BFHE 230, 136, BStBl II 2010, 1069, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Vorentscheidung ist zudem aufzuheben, da das FG den Abzug der geltend gemachten Kosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen im vorliegenden Fall zu Unrecht allein deshalb versagt hat, weil die Kl&auml;ger die medizinische Notwendigkeit der Internatsunterbringung des S nicht durch ein zuvor erstelltes amts&auml;rztliches Attest nachgewiesen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect; 33 Abs. 1 EStG wird die Einkommensteuer auf Antrag erm&auml;&szlig;igt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh&auml;ltnisse, gleicher Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und gleichen Familienstands (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung) erwachsen. Zwangsl&auml;ufig erwachsen dem Steuerpflichtigen Aufwendungen dann, wenn er sich ihnen aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umst&auml;nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht &uuml;bersteigen (&sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG). Ziel des &sect; 33 EStG ist es, zwangsl&auml;ufige Mehraufwendungen f&uuml;r den existenznotwendigen Grundbedarf zu ber&uuml;cksichtigen, die sich wegen ihrer Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit einer pauschalen Erfassung in allgemeinen Freibetr&auml;gen entziehen. Aus dem Anwendungsbereich des &sect; 33 EStG ausgeschlossen sind dagegen die &uuml;blichen Aufwendungen der Lebensf&uuml;hrung, die in H&ouml;he des Existenzminimums durch den Grundfreibetrag abgegolten sind (u.a. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29. September 1989 III R 129\/86, BFHE 158, 380, BStBl II 1990, 418).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) In st&auml;ndiger Rechtsprechung geht der BFH davon aus, dass Krankheitskosten &#8211;ohne R&uuml;cksicht auf die Art und die Ursache der Erkrankung&#8211; dem Steuerpflichtigen aus tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden zwangsl&auml;ufig erwachsen. Sie sind auch dann zwangsl&auml;ufig, wenn sie der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen, unter der ein unterhaltsberechtigtes minderj&auml;hriges Kind des Steuerpflichtigen leidet (BFH-Urteil vom 15. M&auml;rz 2007 III R 28\/06, BFH\/NV 2007, 1841).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) F&uuml;r die mitunter schwierige Trennung von echten Krankheitskosten einerseits und lediglich gesundheitsf&ouml;rdernden Vorbeuge- oder Folgekosten andererseits forderte der BFH bislang regelm&auml;&szlig;ig die Vorlage eines zeitlich vor der Leistung von Aufwendungen erstellten amts- oder vertrauens&auml;rztlichen Gutachtens bzw. eines Attestes eines anderen &ouml;ffentlich-rechtlichen Tr&auml;gers, aus dem sich die Krankheit und die medizinische Indikation der den Aufwendungen zugrundeliegenden Behandlung zweifelsfrei entnehmen l&auml;sst. Auch bei Aufwendungen f&uuml;r Ma&szlig;nahmen, die ihrer Art nach nicht eindeutig nur der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen k&ouml;nnen und deren medizinische Indikation deshalb schwer zu beurteilen ist, verlangte der BFH diesen formalisierten Nachweis. An dem Erfordernis einer vorherigen amts- oder vertrauens&auml;rztlichen Begutachtung zum Nachweis der medizinischen Notwendigkeit einer Ma&szlig;nahme, die auch zu den nicht abziehbaren Kosten der Lebensf&uuml;hrung (&sect; 12 Nr. 1 EStG) geh&ouml;ren k&ouml;nnte, h&auml;lt der erkennende Senat jedoch seit dem Senatsurteil vom 11. November 2010 VI R 17\/09 (BFHE 232, 40) nicht l&auml;nger fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Vorentscheidung beruht auf einer anderen Rechtsauffassung und ist daher aufzuheben. Der Senat kann jedoch nicht durcherkennen, da die Sache nicht spruchreif ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG wird im zweiten Rechtsgang zu pr&uuml;fen haben, ob der Besuch der B-School im Streitfall wegen der Hochbegabung des S medizinisch angezeigt war. In einem solchen Fall k&ouml;nnen die geltend gemachten Kosten unmittelbare Krankheitskosten sein. Dies gilt dann auch f&uuml;r Kosten einer ausw&auml;rtigen der Krankheit geschuldeten Internatsunterbringung, selbst wenn diese zugleich der schulischen Ausbildung dient. &sect; 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG steht dem Abzug dieser Aufwendungen als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen nach &sect; 33 Abs. 1 EStG nicht entgegen (Senatsurteil in BFHE 232, 40, m.w.N.). Die Vorschrift erfasst nur Kosten, die zur schulischen F&ouml;rderung des Kindes aus sozialen, psychologischen oder p&auml;dagogischen Gr&uuml;nden aufgewendet werden (Senatsurteil in BFHE 232, 40, m.w.N.). Krankheitsbedingte Schulkosten werden hingegen von &sect; 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG nicht erfasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat sich weiter zu vergegenw&auml;rtigen, dass Aufwendungen f&uuml;r die eigentliche Heilbehandlung typisierend als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung ber&uuml;cksichtigt werden, ohne dass es im Einzelfall der nach &sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG an sich gebotenen Pr&uuml;fung der Zwangsl&auml;ufigkeit des Grundes und der H&ouml;he nach bedarf, wenn die Ma&szlig;nahmen medizinisch indiziert sind. Dar&uuml;ber hinaus ist zu beachten, dass nicht nur das medizinisch Notwendige im Sinne einer Mindestversorgung von der Heilanzeige erfasst wird. Medizinisch indiziert (angezeigt) ist vielmehr jedes diagnostische oder therapeutische Verfahren, dessen Anwendung in einem Erkrankungsfall hinreichend gerechtfertigt (angezeigt) ist (Pschyrembel, Klinisches W&ouml;rterbuch, 259. Auflage, Indikation). Dieser medizinischen Wertung hat die steuerliche Beurteilung zu folgen (Senatsurteil in BFHE 232, 40), es sei denn, es liegt ein f&uuml;r jedermann offensichtliches Missverh&auml;ltnis zwischen dem erforderlichen und dem tats&auml;chlichen Aufwand vor (Senatsurteil vom 17. Juli 1981 VI R 77\/78, BFHE 133, 545, BStBl II 1981, 711, m.w.N.). In einem solchen Fall fehlt es dem Aufwand an der erforderlichen Angemessenheit (&sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die erforderlichen Feststellungen hat das FG nach dem Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung (&sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) zu treffen. Es hat dabei zu ber&uuml;cksichtigen, dass ein von einem Beteiligten vorgelegtes Sachverst&auml;ndigengutachten im finanzgerichtlichen Verfahren lediglich als Privatgutachten zu behandeln und damit als urkundlich belegter Parteivortrag zu w&uuml;rdigen ist. Ein solches Gutachten kann daher nicht als Nachweis f&uuml;r die Richtigkeit des kl&auml;gerischen Vortrags gewertet werden (Senatsurteil in BFHE 232, 40, m.w.N.). Da weder das FA noch das FG die Sachkunde besitzen, um die medizinische Indikation der den Aufwendungen zugrundeliegenden Ma&szlig;nahme zu beurteilen, ist das FG aufgrund seiner Verpflichtung zur Sachaufkl&auml;rung (&sect; 76 FGO) gehalten, gegebenenfalls von Amts wegen ein entsprechendes Gutachten zu erheben. Dies ist insbesondere dann erforderlich, wenn sich dem bereits vorliegenden amts&auml;rztlichen Gutachten aus dem Jahr 2002 nicht die medizinische Notwendigkeit der gesamten Dauer des Schulbesuchs entnehmen l&auml;sst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der erkennende Senat weist weiter darauf hin, dass au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen i.S. des &sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG nur insoweit abziehbar sind, als der Steuerpflichtige die Aufwendungen endg&uuml;ltig selbst getragen hat (W&uuml;llenkemper, R&uuml;ckfluss von Aufwendungen im Einkommensteuerrecht, S. 117 ff.; Kanzler in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect; 33 EStG Rz 42, 44; Arndt, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 33 Rz B 18). Deshalb m&uuml;ssen sich die Kl&auml;ger die Jugendhilfeleistungen der Stadt A, die sie f&uuml;r den Schulbesuch des S erhalten haben, belastungsmindernd anrechnen lassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Ein zus&auml;tzlicher Ausbildungsfreibetrag wegen ausw&auml;rtiger Unterbringung des S steht den Kl&auml;gern nicht zu. Der Senat entnimmt dies der Regelung des &sect; 33a Abs. 5 EStG, durch die eine doppelte Steuererm&auml;&szlig;igung, nach &sect; 33 und &sect; 33a EStG, vermieden werden soll (Senatsurteil in BFHE 232, 40, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.5.2011, VI R 37\/10 Aufwendungen f&uuml;r den Besuch einer Schule f&uuml;r Hochbegabte als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen &#8211; Medizinische Indikation &#8211; Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Belastungsmindernde Anrechnung erhaltener Jugendhilfeleistungen Leits&auml;tze 1. Aufwendungen f&uuml;r den Besuch einer Schule f&uuml;r Hochbegabte k&ouml;nnen als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen abziehbar sein, wenn der Schulbesuch medizinisch angezeigt war. 2. Die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-37-10-aufwendungen-fuer-den-besuch-einer-schule-fuer-hochbegabte-als-aussergewoehnliche-belastungen-medizinische-indikation-grundsatz-der-freien-beweiswuerdigung-belastungsmindernde-anrechnung-er\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;37\/10 &#8211; Aufwendungen f&uuml;r den Besuch einer Schule f&uuml;r Hochbegabte als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen &#8211; Medizinische Indikation &#8211; Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Belastungsmindernde Anrechnung erhaltener Jugendhilfeleistungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9653","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9653","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9653"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9653\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9653"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9653"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9653"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}