{"id":9822,"date":"2012-12-06T17:29:05","date_gmt":"2012-12-06T15:29:05","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9822"},"modified":"2012-12-06T17:29:05","modified_gmt":"2012-12-06T15:29:05","slug":"vi-b-152-10-nur-ein-mittelpunkt-der-lebensinteressen-bei-mehreren-wohnungen-keine-doppelte-haushaltsfuehrung-bei-jederzeit-zusammenwohnenden-ehegatten-klaerbarkeit-der-anforderungen-an-den-nachweis-be","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-152-10-nur-ein-mittelpunkt-der-lebensinteressen-bei-mehreren-wohnungen-keine-doppelte-haushaltsfuehrung-bei-jederzeit-zusammenwohnenden-ehegatten-klaerbarkeit-der-anforderungen-an-den-nachweis-be\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;152\/10 &#8211; Nur ein Mittelpunkt der Lebensinteressen bei mehreren Wohnungen &#8211; Keine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung bei jederzeit zusammenwohnenden Ehegatten &#8211; Kl&auml;rbarkeit der Anforderungen an den Nachweis bestimmter Tatsachen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.5.2011, VI B 152\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Nur ein Mittelpunkt der Lebensinteressen bei mehreren Wohnungen &#8211; Keine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung bei jederzeit zusammenwohnenden Ehegatten &#8211; Kl&auml;rbarkeit der Anforderungen an den Nachweis bestimmter Tatsachen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) sind verheiratet und waren im Streitjahr (2005) beide nichtselbst&auml;ndig in A t&auml;tig. Anfang September 2005 haben sie einen zuvor bestehenden melderechtlichen Zweitwohnsitz in B in einen Hauptwohnsitz umgemeldet. Dort bewohnen die Kl&auml;ger am Wochenende und w&auml;hrend des Urlaubs eine im Jahr 2001 erworbene Eigentumswohnung. W&auml;hrend der Woche halten sich die Kl&auml;ger in dem n&auml;her an A gelegenen C auf. Dort leben sie in einer 1985 erworbenen Doppelhaush&auml;lfte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger machten in der Steuererkl&auml;rung den Abzug f&uuml;r Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte geltend. Sie gaben an, dass der Kl&auml;ger an 158 Tagen sowie die Kl&auml;gerin an 178 Tagen von C und beide jeweils an 46 Tagen von B zur Arbeit gefahren seien. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte f&uuml;r die Fahrten von B nach A nur die Entfernung von C zu den jeweiligen Arbeitsst&auml;tten an. Das FA war der Auffassung, dass sich der Lebensmittelpunkt der Kl&auml;ger in C befunden habe. Sowohl im Einspruchs- als auch im anschlie&szlig;enden Klageverfahren blieben die Kl&auml;ger erfolglos. Das Finanzgericht (FG) begr&uuml;ndete seine Entscheidung damit, dass die Kl&auml;ger nicht nachgewiesen h&auml;tten, dass sich ihr Lebensmittelpunkt in B befunden habe. Daher seien weder Kosten f&uuml;r eine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung noch Kosten f&uuml;r Fahrten zwischen B und den jeweiligen Arbeitsst&auml;tten zu ber&uuml;cksichtigen. Die Revision hat das FG nicht zugelassen. Dagegen wenden sich die Kl&auml;ger mit ihrer Beschwerde wegen der Nichtzulassung der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde der Kl&auml;ger hat &#8211;bei Zweifeln an deren Zul&auml;ssigkeit&#8211; jedenfalls in der Sache keinen Erfolg. Die Rechtssache hat weder grunds&auml;tzliche Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) noch ist eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO) erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Eine Rechtssache hat grunds&auml;tzliche Bedeutung, wenn die vom Beschwerdef&uuml;hrer aufgeworfene Rechtsfrage im allgemeinen Interesse kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und im k&uuml;nftigen Revisionsverfahren kl&auml;rungsf&auml;hig ist (BFH-Beschluss vom 10. Februar 2005 II B 37\/04, BFH\/NV 2005, 1116). Hierzu muss sich die Beschwerde insbesondere mit der Rechtsprechung des BFH, den &Auml;u&szlig;erungen im Schrifttum sowie den ggf. ver&ouml;ffentlichten Verwaltungsmeinungen auseinandersetzen. Ist &uuml;ber die Rechtsfrage bereits entschieden worden, so ist zus&auml;tzlich darzulegen, weshalb eine erneute Entscheidung des BFH f&uuml;r erforderlich gehalten wird. An der Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit fehlt es auch, wenn die Rechtsfrage offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das FG getan hat, die Rechtslage also eindeutig ist und nicht (erst) in einem Revisionsverfahren gekl&auml;rt werden muss (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschluss vom 6. Mai 2004 V B 101\/03, BFHE 205, 416, BStBl II 2004, 748). Eine Rechtsfrage ist nicht kl&auml;rungsf&auml;hig, wenn sie nach den f&uuml;r den BFH bindenden Feststellungen des FG (&sect; 118 Abs. 2 FGO) in dem erstrebten Revisionsverfahren nicht entscheidungserheblich w&auml;re und deshalb in dem angestrebten Revisionsverfahren nicht gekl&auml;rt werden k&ouml;nnte (Senatsbeschluss vom 28. Mai 2009 VI B 84\/08, BFH\/NV 2009, 1657).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die von den Kl&auml;gern aufgeworfenen Rechtsfragen sind &#8211;bei Zweifeln an der ausreichenden Konkretisierung&#8211; jedenfalls in einem sp&auml;teren Revisionsverfahren nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig bzw. nicht kl&auml;rungsf&auml;hig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Kl&auml;ger messen sinngem&auml;&szlig; der Rechtsfrage grunds&auml;tzliche Bedeutung bei, ob es unter bestimmten Umst&auml;nden und unter besonderer Ber&uuml;cksichtigung von Art. 6 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) einen weiteren Mittelpunkt der Lebensinteressen geben k&ouml;nnte. Diese Frage ist jedoch nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, denn sie ist nicht anders zu beantworten, als es das FG konkludent getan hat. Das FG ist davon ausgegangen, dass es nur einen Mittelpunkt der Lebensinteressen geben kann. Daf&uuml;r spricht bereits der Wortsinn des Begriffs &quot;Mittelpunkt&quot;. Auch der BFH ist in seiner bisherigen Rechtsprechung davon ausgegangen, dass ein Steuerpflichtiger nur einen Lebensmittelpunkt haben kann, selbst wenn er mehrere Wohnungen innehat (Urteil vom 13. Dezember 1985 VI R 7\/83, BFHE 145, 386, BStBl II 1986, 221). Die Kl&auml;ger haben nicht dargelegt, inwiefern diese Auffassung des BFH in der steuerrechtlichen Literatur oder in der Verwaltung Kritik erfahren haben soll. Die Beschwerdeschrift l&auml;sst eine Auseinandersetzung mit der &#8211;soweit ersichtlich&#8211; einhelligen Auffassung im Schrifttum vermissen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch der Hinweis der Kl&auml;ger auf den besonderen Schutz der Ehe f&uuml;hrt nicht zu einer Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit. Denn es ist bereits durch den BFH entschieden, dass die famili&auml;re Situation in den Abw&auml;gungsprozess der Gesamtw&uuml;rdigung &uuml;ber den Mittelpunkt der Lebensinteressen als ein Umstand mit einzubeziehen ist. Der Schutz des Art. 6 GG wird jedoch vor allem dann relevant, wenn die Ehegatten unter der Woche in verschiedenen Wohnungen leben. Art. 6 GG soll Benachteiligungen der ehelichen Gemeinschaft verhindern. Wohnen aber beide Ehegatten w&auml;hrend der Woche zusammen in einer Wohnung in der N&auml;he beider Arbeitsst&auml;tten, ist der Fall vergleichbar mit einem ledigen Steuerpflichtigen, der zwei Wohnungen innehat. Bei diesem ist aber im Allgemeinen davon auszugehen, dass sein Lebensmittelpunkt in der Wohnung ist, von der er regelm&auml;&szlig;ig seine Arbeit aufsucht (BFH-Urteil in BFHE 145, 386, BStBl II 1986, 221). Die &Uuml;bertragung dieser Grunds&auml;tze auf Ehegatten, die zwar zwei Wohnungen haben, aber zu jeder Zeit gemeinsam in einer der beiden wohnen, verst&ouml;&szlig;t nicht gegen Art. 6 GG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit die Kl&auml;ger die Anforderungen des FG an die konkrete Beweisf&uuml;hrung, insbesondere an die Beweislast, als zu hoch r&uuml;gen, ist diese Frage in einem sp&auml;teren Revisionsverfahren nicht kl&auml;rungsf&auml;hig. Die Beweislast und damit zusammenh&auml;ngend die Anforderungen an den Nachweis bestimmter Tatsachen w&auml;ren nur kl&auml;rbar, wenn das FG eine Sachentscheidung nach Beweislastgrunds&auml;tzen getroffen h&auml;tte (BFH-Beschluss vom 13. Juli 2010 V B 121\/09, BFH\/NV 2010, 2015). Nur dann beruht das Urteil auf der Frage der Beweislast.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies ist vorliegend indes nicht geschehen. Denn das FG hat nicht wegen der Unbeweisbarkeit der Verlegung des Lebensmittelpunktes nach B eine Entscheidung getroffen, sondern eine Gesamtw&uuml;rdigung anhand s&auml;mtlicher vorhandener Indizien vorgenommen. Anders als die Kl&auml;ger meinen, ist es nicht von Anfang an unm&ouml;glich, den ersten Anschein, dass der Lebensmittelpunkt in der n&auml;her zur Arbeitsst&auml;tte gelegenen Wohnung ist, zu widerlegen. Allerdings obliegt es den Steuerpflichtigen, das FG als Tatsacheninstanz davon zu &uuml;berzeugen, dass wegen der pers&ouml;nlichen Bindungen und anderer besonderer Umst&auml;nde eine weiter entfernt liegende Wohnung der Mittelpunkt der Lebensinteressen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Letztlich wehren sich die Kl&auml;ger gegen das Ergebnis der Beweisw&uuml;rdigung des FG. Die Beweisw&uuml;rdigung geh&ouml;rt jedoch zum materiellen Recht. Allein wegen einer &#8211;vermeintlichen&#8211; Verletzung des materiellen Rechts kann jedoch eine Zulassung der Revision nicht erreicht werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Revision ist aus demselben Grund auch nicht zur Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO) zuzulassen. Als spezieller Tatbestand der Grundsatzrevision erfordert dieser Zulassungsgrund ebenfalls, dass die aufgeworfene Rechtsfrage im Streitfall kl&auml;rungsf&auml;hig und kl&auml;rungsbed&uuml;rftig ist (BFH-Beschl&uuml;sse vom 27. September 2010 II B 164\/09, BFH\/NV 2011, 193; vom 15. Dezember 2004 X B 48\/04, BFH\/NV 2005, 698).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.5.2011, VI B 152\/10 Nur ein Mittelpunkt der Lebensinteressen bei mehreren Wohnungen &#8211; Keine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung bei jederzeit zusammenwohnenden Ehegatten &#8211; Kl&auml;rbarkeit der Anforderungen an den Nachweis bestimmter Tatsachen Tatbestand 1&nbsp; I. 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