{"id":9841,"date":"2012-12-06T17:35:00","date_gmt":"2012-12-06T15:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9841"},"modified":"2012-12-06T17:35:00","modified_gmt":"2012-12-06T15:35:00","slug":"i-r-74-10-bezeichnung-des-revisionsklaegers-keine-bindung-des-bfh-an-das-schreiben-der-geschaeftsstelle-prozesskosten-in-faellen-vollmachtloser-vertretung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-74-10-bezeichnung-des-revisionsklaegers-keine-bindung-des-bfh-an-das-schreiben-der-geschaeftsstelle-prozesskosten-in-faellen-vollmachtloser-vertretung\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;74\/10 &#8211; Bezeichnung des Revisionskl&auml;gers &#8211; Keine Bindung des BFH an das Schreiben der Gesch&auml;ftsstelle &#8211; Prozesskosten in F&auml;llen vollmachtloser Vertretung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 31.3.2011, I R 74\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Bezeichnung des Revisionskl&auml;gers &#8211; Keine Bindung des BFH an das Schreiben der Gesch&auml;ftsstelle &#8211; Prozesskosten in F&auml;llen vollmachtloser Vertretung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin ist eine GmbH, an der die im finanzgerichtlichen Verfahren beigeladene Stadt A (Beigeladene) mit 74,9 v.H. und die X-AG mit 25,1 v.H. beteiligt sind. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt) erkannte die k&ouml;rperschaftsteuerrechtliche Organschaft zwischen der Kl&auml;gerin und der Beigeladenen mit ihrem Betrieb gewerblicher Art (BgA) nicht an. Die deswegen erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) als unbegr&uuml;ndet ab (FG D&uuml;sseldorf, Urteil vom 29. Juni 2010&nbsp;&nbsp;6 K 2990\/07 K, abgedruckt in Entscheidungen der Finanzgerichte 2010, 1732).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen hat die Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin des erstinstanzlichen Verfahrens im Namen und mit w&ouml;rtlicher Nennung der Beigeladenen und ihrer Anschrift, die dort als &quot;Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin&quot; bezeichnet wird, Revision eingelegt. Die Gesch&auml;ftsstelle des Bundesfinanzhofs (BFH) hat das Verfahren zun&auml;chst unter dem Namen der Kl&auml;gerin aufgenommen. In ihrer &#8211;nach Ablauf der Revisionsfrist&#8211; eingereichten Revisionsbegr&uuml;ndung hat die Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin einleitend die Kl&auml;gerin als Revisionskl&auml;gerin aufgef&uuml;hrt. Die Gesch&auml;ftsstelle des BFH hat der Beigeladenen die Klageschrift zugestellt und sie aufgefordert, sich zu dem Verfahren zu &auml;u&szlig;ern. Daraufhin hat die Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin &quot;im Auftrag&quot; der Beigeladenen mitgeteilt, die Beigeladene beabsichtige nicht, im Revisionsverfahren Antr&auml;ge zu stellen oder zu den Schrifts&auml;tzen Stellung zu nehmen. Auf eine im weiteren Verfahren erfolgte Nachfrage der Gesch&auml;ftsstelle hat die Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin erkl&auml;rt, das Revisionsverfahren solle im Namen der Kl&auml;gerin gef&uuml;hrt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unzul&auml;ssig und deshalb zu verwerfen (&sect; 126 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Als Revisionskl&auml;gerin ist die im erstinstanzlichen Verfahren Beigeladene anzusehen, die die als Prozessbevollm&auml;chtigte aufgetretene Wirtschaftspr&uuml;fungs- und Steuerberatungsgesellschaft indes nicht zur Einlegung der Revision bevollm&auml;chtigt hat (&sect;&sect; 62 Abs. 4, 155 FGO i.V.m. &sect;&sect; 81 ff. der Zivilprozessordnung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Zul&auml;ssigkeit einer Revision setzt nach &sect; 124 Abs. 1 FGO voraus, dass sie in der gesetzlichen Form eingelegt wird. Dazu geh&ouml;rt nach &sect; 120 Abs. 1 Satz 2 FGO die Bezeichnung des angefochtenen Urteils. Daraus ergibt sich nach allgemeiner Ansicht auch die Pflicht zur Bezeichnung der Beteiligten, auch wenn dies im Gesetz nicht ausdr&uuml;cklich gefordert wird (vgl. Gr&auml;ber\/ Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect; 120 Rz 14; Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, AO\/FGO, &sect; 120 FGO Rz 61). Denn die Einlegung des Rechtsmittels als Prozesserkl&auml;rung ist nur in Verbindung mit einer bestimmten Person denkbar, von der die Erkl&auml;rung ausgeht (vgl. Senatsbeschl&uuml;sse vom 16. M&auml;rz 1988 I R 46\/84, BFHE 153, 1, BStBl II 1988, 585, und vom 24. November 1976 I R 114\/75, BFHE 120, 341, BStBl II 1977, 163). Gerade in den F&auml;llen, in denen &#8211;wie im Streitfall&#8211; Beigeladene am Verfahren beteiligt sind, muss aus der Revisionsschrift durch Benennung des Revisionskl&auml;gers eindeutig hervorgehen, wer Revision einlegt (vgl. R&uuml;sken in Beermann\/Gosch, AO\/FGO, &sect; 120 FGO Rz 25, m.w.N.). Der Rechtsmittelf&uuml;hrer muss f&uuml;r das Gericht erkennbar sein, eine Heilung des Mangels kommt nach Ablauf der Revisionsfrist nicht in Betracht (vgl. Senatsbeschluss in BFHE 153, 1, BStBl II 1988, 585).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ausgehend von diesen Grunds&auml;tzen ist die Revisionsschrift dahin auszulegen, dass Revisionskl&auml;gerin die Beigeladenen ist. Denn dort wird im Einleitungssatz (&quot;Revision der &#8230;&quot;) ausdr&uuml;cklich und ausschlie&szlig;lich die Beigeladene unter Hinweis auf ihren BgA als Revisionskl&auml;gerin benannt. Dass die Beigeladene f&auml;lschlich auch als &quot;Kl&auml;gerin&quot; bezeichnet wird, f&uuml;hrt nicht zu einem m&ouml;glichen Verst&auml;ndnis der Revisionsschrift dahingehend, nicht die Beigeladene, sondern die dort namentlich gar nicht erw&auml;hnte Kl&auml;gerin solle Rechtsmittelf&uuml;hrerin sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Umstand, dass die Gesch&auml;ftsstelle des BFH die Revision zun&auml;chst als Rechtsmittel der Kl&auml;gerin behandelt hat, bindet den Senat nicht. &Uuml;ber die Zul&auml;ssigkeit der Revision entscheidet der Senat gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 124 Abs. 1, 126 Abs. 1 i.V.m. &sect; 10 Abs. 3 FGO in der Besetzung mit drei Richtern. Eine Pr&auml;judizierung durch ein Schreiben der Gesch&auml;ftsstelle tritt nicht ein (vgl. Senatsbeschluss in BFHE 120, 341, BStBl II 1977, 163). Soweit der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin auf den entsprechenden Hinweis der Gesch&auml;ftsstelle mitgeteilt hat, die Revision sei im Namen der Kl&auml;gerin erhoben, kommt dem aufgrund des zwischenzeitlichen Ablaufs der Revisionsfrist keine Bedeutung mehr zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Indes hat die demzufolge als Revisionskl&auml;gerin anzusehende Beigeladene gegen&uuml;ber dem BFH durch die Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin mitteilen lassen, sie beabsichtige nicht, im Revisionsverfahren Antr&auml;ge zu stellen oder Stellung zu nehmen. Dieser Mitteilung ist zu entnehmen, dass die Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin nicht i.S. des &sect; 62 Abs. 4 FGO bevollm&auml;chtigt war, eine Revision namens der Beigeladenen einzulegen. Auch wurde damit der bereits bei Revisionseinlegung bestehende Mangel fehlender Vollmacht nicht nachtr&auml;glich geheilt. Dies f&uuml;hrt zur Unzul&auml;ssigkeit der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kosten des Revisionsverfahrens sind der Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin als vollmachtloser Vertreterin der Beigeladenen und Revisionskl&auml;gerin aufzuerlegen. Abweichend von der Regel des &sect; 135 Abs. 2 FGO entspricht es der st&auml;ndigen Rechtsprechung des BFH, dass in F&auml;llen vollmachtloser Vertretung der vollmachtlose Vertreter die Kosten des unzul&auml;ssigen Rechtsmittels zu tragen hat, wenn und weil er &#8211;und nicht der von ihm vermeintlich vertretene Beteiligte&#8211; die erfolglose Prozessf&uuml;hrung veranlasst hat (vgl. Senatsbeschluss vom 30. September 1999 I R 9\/98, BFH\/NV 2000, 572; BFH-Beschluss vom 22. Juli 2002 V R 55\/00, BFH\/NV 2002, 1601).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 31.3.2011, I R 74\/10 Bezeichnung des Revisionskl&auml;gers &#8211; Keine Bindung des BFH an das Schreiben der Gesch&auml;ftsstelle &#8211; Prozesskosten in F&auml;llen vollmachtloser Vertretung Tatbestand 1&nbsp; I. 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