{"id":9845,"date":"2012-12-06T17:32:59","date_gmt":"2012-12-06T15:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9845"},"modified":"2012-12-06T17:32:59","modified_gmt":"2012-12-06T15:32:59","slug":"vii-r-20-07-zolltarifliche-abgrenzung-stromkompensierter-drosselspulen-von-transformatoren-indizwirkung-und-zeitlicher-anwendungsbereich-klarstellender-einreihungsverordnungen-zulaessigkeit-der-heranz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-20-07-zolltarifliche-abgrenzung-stromkompensierter-drosselspulen-von-transformatoren-indizwirkung-und-zeitlicher-anwendungsbereich-klarstellender-einreihungsverordnungen-zulaessigkeit-der-heranz\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;20\/07 &#8211; Zolltarifliche Abgrenzung stromkompensierter Drosselspulen von Transformatoren &#8211; Indizwirkung und zeitlicher Anwendungsbereich klarstellender Einreihungsverordnungen &#8211; Zul&auml;ssigkeit der Heranziehung der Erl&auml;uterungen zum Harmonisierten System bei der Auslegung von Tarifpositionen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.4.2011, VII R 20\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Zolltarifliche Abgrenzung stromkompensierter Drosselspulen von Transformatoren &#8211; Indizwirkung und zeitlicher Anwendungsbereich klarstellender Einreihungsverordnungen &#8211; Zul&auml;ssigkeit der Heranziehung der Erl&auml;uterungen zum Harmonisierten System bei der Auslegung von Tarifpositionen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Einreihungsverordnungen der Kommission, die nicht zur &Auml;nderung des Tarifrechts, sondern zur Klarstellung der Rechtslage und zur einheitlichen Anwendung der KN ergehen, k&ouml;nnen als Indiz f&uuml;r die zutreffende tarifliche Einreihung auch solcher gleichartiger Waren herangezogen werden, die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung eingef&uuml;hrt wurden.<\/p>\n<p>2. Transformatoren sind Ger&auml;te, die mit Hilfe verschiedenartiger Wicklungen um einen Eisenkern Wechselstrom durch Induktion in einem festgelegten oder regelbaren Verh&auml;ltnis in Wechselstrom anderer St&auml;rke und Spannung umwandeln.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) f&uuml;hrte im Januar 2003 eine Sendung &quot;Drosselspulen mit einer Induktivit&auml;t von nicht mehr als 62 mH&quot; unter Angabe des Taric-Codes 8504 50 80 300 und unter Inanspruchnahme der f&uuml;r Waren dieser Art bestehenden Zollaussetzung (Verordnung (EG) Nr. 1255\/96 des Rates vom 27. Juni 1996 zur zeitweiligen Aussetzung der autonomen Zolls&auml;tze des Gemeinsamen Zolltarifs f&uuml;r bestimmte gewerbliche und landwirtschaftliche Waren sowie Fischereierzeugnisse, Amtsblatt der Europ&auml;ischen Gemeinschaften &#8211;ABlEG&#8211; Nr. L 158\/1, in der seinerzeit geltenden Fassung) in das Zollgebiet der Gemeinschaft ein. Die Warensendung wurde wie angemeldet zum freien Verkehr abgefertigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der Ware handelt es sich um einen auf einer Kunststoffplatte befestigten ringf&ouml;rmigen Spulenkern aus Metall, der mit zwei voneinander getrennten Wicklungen aus Kupferdraht mit jeweils der gleichen Anzahl von Windungen versehen ist, deren Enden zu Anschlussstiften an der Unterseite der Kunststoffplatte f&uuml;hren, so dass sich insgesamt vier Anschl&uuml;sse ergeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Zolltechnische Pr&uuml;fungs- und Lehranstalt (ZPLA) kam aufgrund der Untersuchung einer der Sendung entnommenen Probe zu dem Ergebnis, dass die Ware in die Unterpos. 8548 90 90 der Kombinierten Nomenklatur (KN) in Anhang I der Verordnung (EWG) Nr. 2658\/87 des Rates vom 23. Juli 1987 &uuml;ber die zolltarifliche und statistische Nomenklatur sowie den Gemeinsamen Zolltarif (ABlEG Nr. L 256\/1) in der Fassung des Anhangs der Verordnung (EG) Nr. 1832\/2002 der Kommission vom 1. August 2002 (ABlEG Nr. L&nbsp;&nbsp;290\/1) einzureihen sei, woraufhin der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) den auf die Warensendung entfallenden Zoll nach einem Zollsatz von 2,7 % nacherhob. Im anschlie&szlig;enden Einspruchsverfahren &auml;nderte die ZPLA ihre Tarifauffassung, indem sie die Ware als einen elektrischen Transformator ansah und in die Unterpos. 8504 32 90 KN einreihte. Das HZA wies daraufhin &#8211;nach Ank&uuml;ndigung einer entsprechenden Verb&ouml;serung&#8211; den Einspruch der Kl&auml;gerin mit der Ma&szlig;gabe zur&uuml;ck, dass der Zoll nach einem Zollsatz von 3,7 % nachzuerheben sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die hiergegen erhobene Klage aus den in der Zeitschrift f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern (ZfZ) 2008, Beilage 2, 21 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision macht die Kl&auml;gerin unter Beif&uuml;gung eines Kurzgutachtens eines Ingenieurs, dessen Ausf&uuml;hrungen sie sich in vollem Umfang zu eigen macht, geltend, dass die Auffassung des FG, dass Drosselspulen und andere Selbstinduktionsspulen aus einer einzigen stromleitenden Wicklung best&uuml;nden, unzutreffend sei. Anders als das FG meine, stehe es der Einordnung der streitigen sog. stromkompensierten Drosseln als Drosselspulen auch nicht entgegen, dass durch sie lediglich asymmetrische Str&ouml;me gedrosselt w&uuml;rden. Als Transformatoren k&ouml;nnten stromkompensierte Drosseln nicht angesehen werden, weil Transformatoren zwei oder mehr Spulen bes&auml;&szlig;en, deren Wicklungen verschiedenartig angeordnet seien und die Wechselstrom in einem festgelegten oder regelbaren Verh&auml;ltnis in Wechselstrom anderer St&auml;rke oder Spannung umwandelten, was hinsichtlich der streitigen Ware nicht zutreffe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA tr&auml;gt vor, dass eine Drosselspule bzw. Selbstinduktionsspule zwar auch mehrere Wicklungen aufweisen k&ouml;nne, die aber &#8211;wie auch in dem von der Kl&auml;gerin vorgelegten Kurzgutachten ausgef&uuml;hrt&#8211; in Reihe geschaltet seien; dies sei bei den streitigen Waren nicht der Fall. Nach den Erl&auml;uterungen zum Harmonisierten System (ErlHS) zur Pos. 8504 w&uuml;rden von dieser Position alle Transformatoren erfasst, unabh&auml;ngig davon, ob sie verschiedenartige oder gleichartige Wicklungen aufwiesen. Dies sei technikkonform, da es verschiedene Anwendungen gebe, bei denen ein &Uuml;bersetzungsverh&auml;ltnis von 1:1 verwendet werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat im Revisionsverfahren in anderen Mitgliedstaaten der Union erteilte verbindliche Zolltarifausk&uuml;nfte vorgelegt, aus denen sich ergibt, dass der streitigen Ware vergleichbare Waren in der Union bisher unterschiedlich zolltariflich eingereiht wurden. Die deutsche Zollverwaltung hat die uneinheitlich beantwortete Tariffrage deshalb &uuml;ber das Bundesministerium der Finanzen der Kommission vorgelegt, damit diese Ma&szlig;nahmen zur Gew&auml;hrleistung einer unionseinheitlichen Anwendung des Zolltarifs treffe. Daraufhin hat der beschlie&szlig;ende Senat das Ruhen des vorliegenden Revisionsverfahrens bis zum Abschluss des zolltariflichen Kl&auml;rungsverfahrens angeordnet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Jenes Verfahren wurde durch die am 14. Dezember 2010 in Kraft getretene Verordnung (EU) Nr. 1076\/2010 (VO Nr. 1076\/2010) der Kommission vom 22. November 2010 zur Einreihung von bestimmten Waren in die Kombinierte Nomenklatur (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union Nr. L 308\/3) abgeschlossen, mit der Waren, deren in der Verordnung beschriebene Beschaffenheitsmerkmale denen der im vorliegenden Fall streitigen Ware entsprechen, in die Unterpos. 8504 50 95 KN (entspricht der Unterpos. 8504 50 80 KN im Streitjahr 2003) eingereiht worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin sieht ihre Tarifauffassung durch die VO Nr. 1076\/2010 best&auml;tigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA verweist darauf, dass die VO Nr. 1076\/2010 keine R&uuml;ckwirkung entfalte und f&uuml;r den Streitfall daher nicht verbindlich sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;gerin ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung sowie des angefochtenen Einfuhrabgabenbescheids in Gestalt der Einspruchsentscheidung (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Dieser Verwaltungsakt ist rechtswidrig und verletzt die Kl&auml;gerin in ihren Rechten (&sect; 100 Abs. 1 Satz 1 FGO), denn der f&uuml;r die Einfuhrwaren geschuldete Abgabenbetrag ist bei der Einfuhr in zutreffender Weise buchm&auml;&szlig;ig erfasst worden. Die eingef&uuml;hrten Waren sind zu Recht als Drosselspulen mit einer Induktivit&auml;t von nicht mehr als 62 mH des Taric-Codes 8504 50 80 300 angemeldet und abgefertigt worden. F&uuml;r Waren dieser Art waren die Z&ouml;lle seinerzeit ausgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Senat folgt nicht der Ansicht des FG, dass eine Ware der vorliegenden Art als Transformator entweder in die Unterpos. 8504 31 90 KN oder die Unterpos. 8504 32 90 KN einzureihen sei, sondern schlie&szlig;t sich der mit der VO Nr. 1076\/2010 vertretenen Tarifauffassung der Kommission an, wonach eine Ware der im Anhang der VO Nr. 1076\/2010 beschriebenen Art, welche &#8211;was zwischen den Beteiligten nicht im Streit ist&#8211; der Einfuhrware des Streitfalls entspricht, als andere Drossel- bzw. Selbstinduktionsspule in die Pos. 8504 50 80 KN (in der damaligen Fassung, jetzt Pos. 8504 50 95 KN) einzureihen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einreihungsverordnungen der Kommission d&uuml;rfen zwar grunds&auml;tzlich nicht analog bei der Einreihung von Waren angewendet werden, die vor ihrem Inkrafttreten eingef&uuml;hrt worden sind. Sofern sie jedoch wie im Regelfall lediglich zur Klarstellung der Rechtslage zum Zweck der einheitlichen Anwendung der KN und nicht zur &Auml;nderung des bestehenden Rechts ergehen, bestehen keine Bedenken, solche Verordnungen als Indiz zur Best&auml;tigung tariflicher Einreihungen heranzuziehen, sofern die Warenbeschreibung &#8211;wie im Streitfall&#8211; in ihren wesentlichen Punkten mit derjenigen der einzureihenden Ware &uuml;bereinstimmt (vgl. Senatsurteil vom 11. M&auml;rz 2004 VII R 20\/01, BFH\/NV 2004, 1305, m.w.N.). Die Einreihungs-VO Nr. 1076\/2010 steht im Einklang mit dem Wortlaut der Positionen und Unterpositionen des Gemeinsamen Zolltarifs und ver&auml;ndert diesen nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie das FG zutreffend erkannt hat, lassen sich dem Wortlaut der Pos. 8504 KN und ihrer Unterpositionen sowie den Anmerkungen zum Abschnitt XVI oder zu Kap. 85 KN keine Anhaltspunkte f&uuml;r die Abgrenzung elektrischer Transformatoren von Drossel- und anderen Selbstinduktionsspulen entnehmen. Die vom FG als weiteres Erkenntnismittel herangezogenen ErlHS sind zwar keine verbindlichen Rechtsnormen, tragen aber erheblich zur Auslegung der einzelnen Tarifpositionen bei, (vgl. Urteile des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union &#8211;EuGH&#8211; vom 12. Januar 2006 C-311\/04 &#8211;Algemene Scheeps Agentuur Dordrecht&#8211;, Slg. 2006, I-609, ZfZ 2006, 89; vom 5. Juni 2008 C-312\/07 &#8211;JVC France&#8211;, Slg. 2008, I-4165).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den ErlHS zur Pos. 8504 Rz 02.0, auf die auch die Kommission ihre Einreihungsverordnung Nr. 1076\/2010 gest&uuml;tzt hat, sind Transformatoren Ger&auml;te, die mit Hilfe verschiedenartiger Wicklungen um einen Eisenkern Wechselstrom durch Induktion in einem festgelegten oder regelbaren Verh&auml;ltnis in Wechselstrom anderer St&auml;rke oder Spannung umwandeln. Diese Voraussetzungen, die sich zum Teil bereits aus der &Uuml;bersetzung des Wortes &quot;transformieren&quot; ergeben, erf&uuml;llt die im Streitfall zu tarifierende Ware nicht. Ihre beiden auf dem Spulenkern vorhandenen Wicklungen sind nicht verschiedenartig, sondern von gleicher Anzahl. Selbst wenn man also eine solche Spule derart in einen Stromkreislauf einschaltete, dass zwei voneinander getrennte Stromkreise entstehen und der Strom durch Induktion vom Prim&auml;rstromkreis der einen Wicklung auf den Sekund&auml;rstromkreis der anderen Wicklung &uuml;bertragen wird, entst&uuml;nde eine 1:1-&Uuml;bertragung und keine Umwandlung in einen Strom anderer St&auml;rke oder Spannung. Nach den ErlHS zur Pos. 8504 in Rz 04.0 (jetzt: Rz 04.1) geh&ouml;ren zur Pos. 8504 zwar Transformatoren aller Art ohne R&uuml;cksicht auf ihre Bauart und ihren Verwendungszweck; jedoch fu&szlig;t diese ErlHS auf der vorgenannten Definition des Transformators in der ErlHS zur Pos. 8504 Rz 02.0. Es mag zwar &#8211;wie das HZA geltend macht&#8211; f&uuml;r bestimmte Anwendungen als &quot;1:1-Transformatoren&quot; bezeichnete Spulen mit zwei gleichartigen Wicklungen geben, jedoch handelt es sich hierbei nicht um Transformatoren im zolltariflichen Sinn.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da sich den Vorschriften des Zolltarifs &#8211;wie ausgef&uuml;hrt&#8211; keine Anhaltspunkte entnehmen lassen, durch welche Beschaffenheitsmerkmale sich Transformatoren von stromkompensierten Drosselspulen unterscheiden lassen, bestehen keine Bedenken, die ErlHS zu diesem Zweck heranzuziehen. Die auf die genannten ErlHS gest&uuml;tzte Auslegung der Tarifpositionen ist tarifrechtlich zul&auml;ssig, weil der Inhalt der ErlHS mit den Bestimmungen der KN in Einklang steht und deren Bedeutung nicht ver&auml;ndert (vgl. EuGH-Urteil vom 18. Juli 2007 C-142\/06 &#8211;Olicom&#8211;, Slg. 2007, I-6675, ZfZ 2007, 268, Rz 31).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Einreihung in die Unterpos. 8504 31 KN oder die Unterpos. 8504 32 KN lie&szlig;e sich im Streitfall auch dann nicht rechtfertigen, wenn man die erw&auml;hnten &quot;1:1-Transformatoren&quot; mit zwei gleichartigen Wicklungen als Transformatoren im zolltariflichen Sinn ans&auml;he und davon ausginge, dass das f&uuml;r einen Transformator charakteristische Merkmal allein das Vorhandensein zwei oder mehr galvanisch getrennter, d.h. nicht durch eine elektrisch leitf&auml;hige Verbindung, sondern allein induktiv miteinander verbundener, auf magnetisch leitf&auml;higem Material angebrachter Spulen ist, so dass bei Einschaltung in einen Stromkreis eine der Spulen den sog. Prim&auml;rstromkreis bildet, der im Wege der Induktion elektrische Energie auf den sog. Sekund&auml;rstromkreis bzw. die Sekund&auml;rstromkreise &uuml;bertr&auml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Drosselspulen oder Selbstinduktionsspulen haben demgegen&uuml;ber &#8211;wie sich aus der ErlHS zur Pos. 8504 Rz 37.0 ergibt&#8211; nur eine stromleitende Wicklung, was &#8211;wor&uuml;ber zwischen den Beteiligten Einigkeit besteht&#8211; im Sinne von &quot;nur einen Stromkreis bildend&quot; zu verstehen ist, weil Drosselspulen oder Selbstinduktionsspulen zwar durchaus mehrere (Teil-) Wicklungen aufweisen k&ouml;nnen, die aber &#8211;wie sich aus dem auf das vorgelegte Kurzgutachten gest&uuml;tzten Vorbringen der Revision sowie dem Vortrag des HZA ergibt&#8211; ausnahmslos in Reihe geschaltet sind, so dass durch diese Wicklungen nur ein Strom flie&szlig;t und sie deshalb auch nur wie eine Wicklung wirken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass die streitige Ware lediglich eines dieser vorgenannten Merkmale aufweist &#8211;entweder dasjenige eines &quot;1:1-Transformators&quot; oder dasjenige einer Drossel- oder Selbstinduktionsspule&#8211;, l&auml;sst sich allerdings nicht feststellen, weil in dem Zustand, in dem die Ware eingef&uuml;hrt wurde, die insgesamt vier Anschl&uuml;sse der beiden Wicklungen auf dem Spulenkern nicht beschaltet waren. Welche Funktion eine Ware der vorliegenden Art ausf&uuml;hrt, ergibt sich daher erst aus der Art und Weise ihrer elektrischen Beschaltung und Verwendung in einem bestimmten Ger&auml;t. Werden die Anschl&uuml;sse so beschaltet, dass die beiden Wicklungen zu voneinander getrennten Stromkreisen geh&ouml;ren, der Strom von der einen auf die andere Wicklung somit durch Induktion &uuml;bertragen wird, handelt es sich um einen &quot;1:1-Transformator&quot;. Liegt dagegen eine Beschaltung vor, die dazu f&uuml;hrt, dass sich beide Wicklungen in einem Stromkreis befinden und durch sie nur ein Strom flie&szlig;t, handelt es sich um eine Drosselspule.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei dieser Betrachtungsweise h&auml;tte die streitige Ware sowohl die objektiven Beschaffenheitsmerkmale eines Transformators als auch einer Drosselspule und lie&szlig;e sich daher gleicherma&szlig;en in die Unterpos. 8504 31 KN (bzw. bei gr&ouml;&szlig;erer Leistung die Unterpos. 8504 32 KN) als auch in die Unterpos. 8504 50 KN einreihen. In einem solchen Fall ist eine Ware gem&auml;&szlig; der Allgemeinen Vorschrift f&uuml;r die Auslegung der Kombinierten Nomenklatur (AV) 6 Satz 1 i.V.m. AV 3 Buchst. c (die AV 3 Buchst. a und b scheiden aus) der in der KN zuletzt genannten Unterposition zuzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Dass die streitige Ware als Drosselspule der Unterpos. 8504 50 80 KN die &uuml;brigen Voraussetzungen f&uuml;r eine Zollaussetzung des Taric-Codes 8504 50 80 300 erf&uuml;llt, ist zwischen den Beteiligten nicht im Streit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.4.2011, VII R 20\/07 Zolltarifliche Abgrenzung stromkompensierter Drosselspulen von Transformatoren &#8211; Indizwirkung und zeitlicher Anwendungsbereich klarstellender Einreihungsverordnungen &#8211; Zul&auml;ssigkeit der Heranziehung der Erl&auml;uterungen zum Harmonisierten System bei der Auslegung von Tarifpositionen Leits&auml;tze 1. Einreihungsverordnungen der Kommission, die nicht zur &Auml;nderung des Tarifrechts, sondern zur Klarstellung der Rechtslage und zur einheitlichen Anwendung der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-20-07-zolltarifliche-abgrenzung-stromkompensierter-drosselspulen-von-transformatoren-indizwirkung-und-zeitlicher-anwendungsbereich-klarstellender-einreihungsverordnungen-zulaessigkeit-der-heranz\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;20\/07 &#8211; Zolltarifliche Abgrenzung stromkompensierter Drosselspulen von Transformatoren &#8211; Indizwirkung und zeitlicher Anwendungsbereich klarstellender Einreihungsverordnungen &#8211; Zul&auml;ssigkeit der Heranziehung der Erl&auml;uterungen zum Harmonisierten System bei der Auslegung von Tarifpositionen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9845","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9845","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9845"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9845\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9845"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9845"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}