{"id":9874,"date":"2012-12-06T17:31:42","date_gmt":"2012-12-06T15:31:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9874"},"modified":"2012-12-06T17:31:42","modified_gmt":"2012-12-06T15:31:42","slug":"vi-r-8-10-pflegekosten-als-aussergewoehnliche-belastungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-8-10-pflegekosten-als-aussergewoehnliche-belastungen\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;8\/10 &#8211; Pflegekosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.4.2011, VI R 8\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Pflegekosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Aufwendungen wegen Pflegebed&uuml;rftigkeit sind nur insoweit als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu ber&uuml;cksichtigen, als die Pflegekosten die Leistungen der Pflegepflichtversicherung und das aus einer erg&auml;nzenden Pflegekrankenversicherung bezogene Pflege(tage)geld &uuml;bersteigen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten um die Anrechnung von erhaltenem Pflegegeld auf die als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen abzugsf&auml;higen Pflegekosten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Ehegatten und werden zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Beide Eheleute beziehen Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit, der Kl&auml;ger als Versorgungsbez&uuml;ge. Der Kl&auml;ger ist pflegebed&uuml;rftig (Pflegestufe III) und lebt in einem Pflegeheim in B. Die f&uuml;r die Pflege entstehenden Aufwendungen werden ihm teilweise durch die Beihilfe und die Pflegeversicherung ersetzt. Er hat au&szlig;erdem eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Die hierf&uuml;r gezahlten Beitr&auml;ge hat er in den Jahren vor Eintritt des Versicherungsfalls in seinen Einkommensteuererkl&auml;rungen als Sonderausgaben in der Rubrik &quot;Kranken- und Pflegeversicherung&quot; geltend gemacht. Aus dieser Versicherung bezieht er ein monatliches Pflegegeld. F&uuml;r das Jahr 2004 erhielt er insgesamt 7.335 EUR und f&uuml;r das Jahr 2005&nbsp;&nbsp;8.144 EUR. Die Versicherungsbedingungen lauten auszugsweise wie folgt: &quot;Allgemeine Versicherungsbedingungen f&uuml;r die erg&auml;nzende Pflegekrankenversicherung Teil I: Musterbedingungen 1997 (MB\/EPV 97) Der Versicherungsschutz &sect; 1 Gegenstand, Umfang und Geltungsbereich des Versicherungsschutzes (1) Der Versicherer leistet im Versicherungsfall in vertraglichem Umfang Ersatz von Aufwendungen f&uuml;r Pflege oder ein Pflegegeld oder ein Pflegetagegeld sowie sonstige im Tarif vorgesehene Leistungen. (2) Versicherungsfall ist die Pflegebed&uuml;rftigkeit einer versicherten Person. Pflegebed&uuml;rftig sind Personen, die wegen einer k&ouml;rperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung f&uuml;r die gew&ouml;hnlichen und regelm&auml;&szlig;ig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des t&auml;glichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich f&uuml;r mindestens sechs Monate, nach Ma&szlig;gabe der Abs&auml;tze 6 bis 8 in erheblichem oder h&ouml;herem Ma&szlig;e der Hilfe bed&uuml;rfen. (3) Die Hilfe im Sinne des Absatzes 2 Satz 2 besteht in der Unterst&uuml;tzung, in der teilweisen oder vollst&auml;ndigen &Uuml;bernahme der Verrichtungen im Ablauf des t&auml;glichen Lebens oder in der Beaufsichtigung oder Anleitung mit dem Ziel der eigenst&auml;ndigen &Uuml;bernahme dieser Verrichtungen. &#8230; (8) Der Zeitaufwand, den ein Familienangeh&ouml;riger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson f&uuml;r die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung ben&ouml;tigt, muss w&ouml;chentlich im Tagesdurchschnitt &#8230; in der Pflegestufe III mindestens f&uuml;nf Stunden betragen; hierbei m&uuml;ssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen. (9) Der Versicherungsfall beginnt mit der &auml;rztlichen Feststellung der Pflegebed&uuml;rftigkeit. Er endet, wenn Pflegebed&uuml;rftigkeit nicht mehr besteht. &#8230; &sect; 5 Einschr&auml;nkungen der Leistungspflicht (1) Keine Leistungspflicht besteht &#8230; f) w&auml;hrend der Durchf&uuml;hrung einer vollstation&auml;ren Heilbehandlung im Krankenhaus sowie von station&auml;ren Rehabilitationsma&szlig;nahmen, Kur- oder Sanatoriumsbehandlungen und w&auml;hrend der Unterbringung aufgrund richterlicher Anordnung, es sei denn, dass diese ausschlie&szlig;lich auf Pflegebed&uuml;rftigkeit beruht; &#8230; Allgemeine Versicherungsbedingungen f&uuml;r die erg&auml;nzende Pflegekrankenversicherung Teil II TARIF &#8230; mit Tarifbedingungen &#8230; II. Versicherungsleistungen 1. Es kann ein monatliches Pflegegeld von 300,- DM oder einem Vielfachen davon versichert werden. Bei Pflegebed&uuml;rftigkeit wird das monatliche Pflegegeld<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table cellpadding=\"1\" cellspacing=\"2\" border=\"0\" class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">in der Pflegestufe<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">in H&ouml;he von<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">III<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">100 % &nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">II<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">60 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">I<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">30 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>des vereinbarten Betrages gezahlt, wenn pflegerische Leistungen jeweils f&uuml;r den vollen Kalendermonat erbracht wurden. Die Pflegestufen sind in &sect; 1 Abs. 6 MB\/EPV 97 festgelegt. Eine Unterscheidung zwischen vollstation&auml;rer, teilstation&auml;rer und h&auml;uslicher Pflege wird nicht vorgenommen. &#8230; 4. Bestehen die Voraussetzungen f&uuml;r die Zahlung des Pflegegeldes nicht f&uuml;r den vollen Kalendermonat, wird das Pflegegeld anteilig gezahlt. Dabei wird die Monatsleistung durch 30 geteilt und mit der Anzahl der Tage im Monat multipliziert, an denen pflegerische Leistungen erbracht wurden.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f&uuml;hrte die Einkommensteuerveranlagung der Streitjahre mit Einkommensteuerbescheiden 2004 vom 14. Dezember 2006 und 2005 vom 23. M&auml;rz 2007 zun&auml;chst erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; durch und ber&uuml;cksichtigte f&uuml;r den Kl&auml;ger jeweils einen Pflege-Pauschbetrag in H&ouml;he von 924 EUR. Gegen die Bescheide legten die Kl&auml;ger fristgerecht Einspruch ein und machten im Einspruchsverfahren Krankheitskosten, insbesondere f&uuml;r die station&auml;re Pflege des Kl&auml;gers, nach &sect; 33 des Einkommensteuergesetzes (EStG) wie folgt geltend: &nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table cellpadding=\"1\" cellspacing=\"2\" border=\"0\" class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">in EUR<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">2004<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">2005<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">Aufwendungen<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">99.270,01<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">99.677,06<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">Erstattung\/Beihilfe<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">55.889,45<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">53.677,06<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">Erstattung Krankenkasse ohne Pflegegeld&nbsp;<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">19.812,69<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">22.655,03<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">verbleiben<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">23.567,87<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">23.344,97<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">bereits mit Pflegepauschale ber&uuml;cksichtigt&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">924<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">924<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">Mehraufwand vor zumutbarer Belastung<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">22.643,87<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">22.420,97<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Einspr&uuml;che waren &uuml;berwiegend erfolgreich, das FA erkannte in der Einspruchsentscheidung vom 2. Oktober 2007 die Aufwendungen als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen an, brachte jedoch entgegen der von den Kl&auml;gern durchgef&uuml;hrten Berechnung noch das von der Pflegezusatzversicherung erhaltene Pflegegeld zum Abzug. Vor Ber&uuml;cksichtigung der zumutbaren Belastung kam es somit auf noch zu ber&uuml;cksichtigende Aufwendungen von 15.308,23 EUR in 2004 und 14.276,14 EUR in 2005.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen erhobene Klage hat das Finanzgericht (FG) mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2010, 644 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung von &sect; 33 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG K&ouml;ln vom 15. Dezember 2009&nbsp;&nbsp;12 K 4176\/07 aufzuheben und die Einkommensteuerbescheide 2004 vom 14. Dezember 2006 und 2005 vom 23. M&auml;rz 2007 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 2. Oktober 2007 dahingehend zu &auml;ndern, dass weitere au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen in H&ouml;he von 7.335 EUR f&uuml;r 2004 und in H&ouml;he von 8.144 EUR f&uuml;r 2005 ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Der Senat entscheidet gem&auml;&szlig; &sect; 126a der Finanzgerichtsordnung (FGO) durch Beschluss. Er h&auml;lt einstimmig die Revision f&uuml;r unbegr&uuml;ndet und eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht f&uuml;r erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden; sie hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Leistungen aus der erg&auml;nzenden Pflegekrankenversicherung auf die als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen geltend gemachten Pflegekosten des Kl&auml;gers anzurechnen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect; 33 Abs. 1 EStG wird die Einkommensteuer auf Antrag erm&auml;&szlig;igt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh&auml;ltnisse, gleicher Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und gleichen Familienstands (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung) erwachsen. Zwangsl&auml;ufig erwachsen dem Steuerpflichtigen Aufwendungen dann, wenn er sich ihnen aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umst&auml;nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht &uuml;bersteigen (&sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Aufwendungen f&uuml;r die Pflege eines pflegebed&uuml;rftigen Steuerpflichtigen sind ebenso wie Krankheitskosten eine au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung im o.g. Sinne (BFH-Urteil vom 10. Mai 2007 III R 39\/05, BFHE 218, 136, BStBl II 2007, 764). Ist ein Steuerpflichtiger &#8211;wie vorliegend der Kl&auml;ger&#8211; krankheitsbedingt in einem Altenpflegeheim untergebracht, kann er die dadurch entstehenden Aufwendungen als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen geltend machen. Dies ist zwischen den Beteiligten zu Recht auch nicht streitig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen i.S. des &sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG sind jedoch nur insoweit abzugsf&auml;hig, als der Steuerpflichtige die Aufwendungen endg&uuml;ltig selbst tragen muss (W&uuml;llenkemper, R&uuml;ckfluss von Aufwendungen im Einkommensteuerrecht, S. 117 ff.; Kanzler in Herrmann\/Heuer\/Raupach &#8211;HHR&#8211;, &sect; 33 EStG Rz 42, 44; Arndt, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 33 Rz B 18). Deshalb sind Vorteile oder Kostenerstattungen, die der Steuerpflichtige als Ausgleich f&uuml;r die eingetretene Belastung erh&auml;lt, belastungsmindernd anzurechnen (BFH-Urteil vom 30. Juni 1999 III R 8\/95, BFHE 189, 371, BStBl II 1999, 766, m.w.N.). Diese Vorteilsanrechnung gr&uuml;ndet auf der zweckgerichteten Auslegung des Begriffs der Aufwendungen und dem Merkmal der Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit. Denn der Abzugstatbestand des &sect; 33 EStG erfordert die verminderte subjektive Leistungsf&auml;higkeit des Steuerpflichtigen. Der Steuerpflichtige ist im Ergebnis lediglich um die Differenz von au&szlig;ergew&ouml;hnlichem Aufwand und Ersatzleistung belastet. Nur insoweit tr&auml;gt er den au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Aufwand tats&auml;chlich und nur insoweit ist seine wirtschaftliche Leistungsf&auml;higkeit vermindert (W&uuml;llenkemper, R&uuml;ckfluss von Aufwendungen im Einkommensteuerrecht, S. 117 ff.; HHR\/Kanzler, &sect; 33 EStG Rz 42, 44; Arndt, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, &sect; 33 EStG Rz B 18).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Vorteilsanrechnung, die der Vermeidung einer steuerlichen Doppelentlastung dient, ist jedoch nur geboten, wenn (steuerfreie) Ersatzleistung und Aufwand auf dem n&auml;mlichen Ereignis beruhen. Anzurechnen sind deshalb nur Vorteile in Geld oder Geldeswert, die der Steuerpflichtige erh&auml;lt, um die entstandenen au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Aufwendungen auszugleichen (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteile vom 19. Juli 1957 VI 106\/55 U, BFHE 65, 250, BStBl III 1957, 329, und vom 15. September 1961 VI 231\/60 U, BFHE 73, 687, BStBl III 1961, 516 betr. Beihilfeleistungen von Arbeitgeber und Krankenkasse auf Krankheitskosten; vom 22. Oktober 1971 VI R 242\/69, BFHE 104, 63, BStBl II 1972, 177 betr. Leistungen aus einer Krankenhaustagegeldversicherung auf Krankenhauskosten und Schadensersatzleistungen des Unfallverursachers auf den Schaden; vom 19. Oktober 1990 III R 93\/87, BFHE 162, 326, BStBl II 1991, 140 betr. Leistungen einer Sterbegeldversicherung, und vom 22. Februar 1996 III R 7\/94, BFHE 180, 298, BStBl II 1996, 413 betr. Leistungen einer Kapitallebensversicherung, soweit diese Leistungen auf die eigentlichen &lt;als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung&gt; anzuerkennenden Beerdigungskosten entfallen; in BFHE 189, 371, BStBl II 1999, 766 betr. Zahlungen der Hausratversicherung auf die Wiederbeschaffungskosten von Hausrat und Kleidung, und vom 18. April 2002 III R 15\/00, BFHE 199, 135, BStBl II 2003, 70 betr. Pflegezulage nach &sect; 35 des Gesetzes &uuml;ber die Versorgung der Opfer des Krieges auf Kosten der krankheitsbedingten Unterbringung in einem Alters(wohn)heim).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Grunds&auml;tze hat das FG in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise entschieden, dass die Pflegekosten des Kl&auml;gers nur insoweit als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen nach &sect; 33 EStG zu ber&uuml;cksichtigen sind, als die Aufwendungen das aus der erg&auml;nzenden Pflegekrankenversicherung bezogene Pflegegeld &uuml;bersteigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Denn im Streitfall besteht ein enger wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen den durch die Pflege entstandenen Kosten und den Leistungen aus der erg&auml;nzenden Pflegekrankenversicherung. Bei dieser handelt es sich um eine so genannte Pflegetagegeldversicherung. Der Versicherer leistet im Versicherungsfall unabh&auml;ngig von der H&ouml;he der tats&auml;chlichen Pflegekosten einen in fester H&ouml;he vereinbarten Betrag als monatliches &quot;Pflegegeld&quot;. Versicherungsfall ist nach &sect; 1 Abs. 2 MB\/EPV 97 die Pflegebed&uuml;rftigkeit der versicherten Person. Damit wird das Pflegetagegeld unter den n&auml;mlichen Voraussetzungen wie die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und der privaten Pflegepflichtversicherung gew&auml;hrt. Es handelt sich allerdings um eine freiwillige Zusatzversicherung, die darauf zielt, die Differenz zwischen den erwarteten tats&auml;chlichen Pflegekosten und der gesetzlichen Grundsicherung (so genannte Pflegel&uuml;cke) zu schlie&szlig;en (vgl. www.debeka.de\/produkte\/ versichern\/krankenversicherung\/tarif_pvz). Denn gesetzliche Pflegeversicherung und private Pflegepflichtversicherung sind als so genanntes Kernsicherungssystem ausgestaltet (BTDrucks 16\/7439, S. 37). Eigenanteile und -leistungen der Pflegebed&uuml;rftigen sind nach wie vor erforderlich, da die Pflegepflichtversicherung nur einen Teil der entstehenden Pflegekosten abdeckt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit wurzeln Pflegeaufwand und Pflegetagegeld im n&auml;mlichen Ereignis, der Pflegebed&uuml;rftigkeit des Steuerpflichtigen. Auch soll das zus&auml;tzliche Pflegetagegeld die durch die Pflegebed&uuml;rftigkeit anfallenden Mehrkosten, im Streitfall die dem Kl&auml;ger entstandenen Kosten der Heimunterbringung, ausgleichen. Wegen dieses engen Zusammenhangs zwischen Versicherungsleistung und Aufwand ist nach dem Belastungsprinzip das in den Streitjahren geleistete Pflegetagegeld anzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Vorteilsanrechnung steht im Streitfall &#8211;im Gegensatz zur Ansicht der Kl&auml;ger&#8211; nicht entgegen, dass der Versicherer das streitige Pflegetagegeld unabh&auml;ngig von den tats&auml;chlichen Pflegekosten leistet. Die erg&auml;nzende Pflegekrankenversicherung bleibt auch bei nicht verwendungsgebundenen Leistungen ihrer Art nach eine zus&auml;tzliche Pflegekostenversicherung. Der Versicherungsnehmer muss lediglich den verbleibenden Eigenanteil nicht belegm&auml;&szlig;ig nachweisen und kann die Versicherungsleistung deshalb auch in Anspruch nehmen, wenn er sich durch Angeh&ouml;rige statt durch professionelle Pflegekr&auml;fte betreuen l&auml;sst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.4.2011, VI R 8\/10 Pflegekosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen Leits&auml;tze Aufwendungen wegen Pflegebed&uuml;rftigkeit sind nur insoweit als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu ber&uuml;cksichtigen, als die Pflegekosten die Leistungen der Pflegepflichtversicherung und das aus einer erg&auml;nzenden Pflegekrankenversicherung bezogene Pflege(tage)geld &uuml;bersteigen. Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Beteiligten streiten um die Anrechnung von erhaltenem Pflegegeld auf die als &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-8-10-pflegekosten-als-aussergewoehnliche-belastungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;8\/10 &#8211; Pflegekosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9874","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9874","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9874"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9874\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9874"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9874"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9874"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}