{"id":9891,"date":"2012-12-20T02:50:11","date_gmt":"2012-12-20T00:50:11","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9891"},"modified":"2012-12-20T02:50:11","modified_gmt":"2012-12-20T00:50:11","slug":"iii-b-124-10-versaeumnis-der-klagefrist-und-tatrichterliche-wuerdigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-124-10-versaeumnis-der-klagefrist-und-tatrichterliche-wuerdigung\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;124\/10 &#8211; Vers&auml;umnis der Klagefrist und tatrichterliche W&uuml;rdigung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.4.2011, III B 124\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Vers&auml;umnis der Klagefrist und tatrichterliche W&uuml;rdigung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) bezog f&uuml;r ihren Sohn Kindergeld. Mit Bescheid vom 26. Januar 2009 hob die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) die Festsetzung ab Januar 2007 auf und forderte das f&uuml;r den Zeitraum Januar 2007 bis Oktober 2008 gezahlte Kindergeld in H&ouml;he von 3.388 EUR zur&uuml;ck. Der dagegen gerichtete Einspruch hatte keinen Erfolg (Einspruchsentscheidung vom 14. April 2009).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer am 28. Mai 2009 beim Finanzgericht (FG) eingegangenen Klage verfolgte die Kl&auml;gerin ihr Anliegen weiter. Im Klageverfahren behauptete sie, die Einspruchsentscheidung sei ihr erst am 29. April 2009 zugegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG verwarf die Klage wegen Vers&auml;umnis der Klagefrist von einem Monat als unzul&auml;ssig. Es hatte keine Zweifel daran, dass die Einspruchsentscheidung vom 14. April 2009 am Folgetag zur Post gegeben worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde tr&auml;gt die Kl&auml;gerin vor, die Revision sei &quot;zur vereinheitlichten Rechtsprechung&quot; zuzulassen. Die Best&auml;tigungen, die das FG bei der Familienkasse und bei der Post eingeholt habe, seien mehrere Monate nach der Zustellung ausgestellt worden. Der handschriftliche Absendevermerk einer Mitarbeiterin der Familienkasse auf der Aktenausfertigung sowie ihre dienstliche Erkl&auml;rung seien nicht gen&uuml;gend. M&ouml;glicherweise sei das Schreiben versehentlich liegen geblieben, auch k&ouml;nne ein Versehen des Postzustellers vorgelegen haben. Sie, die Kl&auml;gerin, habe die Einspruchsentscheidung am 29. April 2009 in ihrem Hausbriefkasten vorgefunden, bereits am darauffolgenden Tag habe sie einen Besprechungstermin bei ihrem Prozessbevollm&auml;chtigten vereinbart. Dieser habe sie bei der Besprechung am 4. Mai 2009 nach dem Datum des Zugangs der Einspruchsentscheidung befragt und deshalb darauf den Vermerk &quot;E: 29.4.09&quot; angebracht. Der Prozessbevollm&auml;chtigte k&ouml;nne sich daran erinnern, dass sie, die Kl&auml;gerin, das Datum ohne Z&ouml;gern und gro&szlig;es &Uuml;berlegen genannt habe. Die Annahme, die Einspruchsentscheidung sei ihr bereits am 20. April 2009 zugegangen, sei eine unzul&auml;ssige Unterstellung. Es widerspreche jeglicher Lebenserfahrung, dass sie gegen&uuml;ber ihrem Prozessbevollm&auml;chtigten ein falsches Zugangsdatum angegeben haben sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegr&uuml;ndet und wird durch Beschluss zur&uuml;ckgewiesen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit dem Vortrag, das FG habe die Klage zu Unrecht durch Prozessurteil als unzul&auml;ssig verworfen, macht die Kl&auml;gerin im Kern einen Verfahrensfehler nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO geltend (s. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 8. April 2004 VII B 181\/03, BFH\/NV 2004, 1284).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect; 47 Abs. 1 FGO ist eine Klage innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung einzulegen. Diese gilt nach &sect; 122 Abs. 2 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) mit dem dritten Tage nach ihrer Aufgabe zur Post als bekannt gegeben, au&szlig;er wenn sie nicht oder zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt zugegangen ist; im Zweifel hat die Beh&ouml;rde den Zugang und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen. Bestreitet der Steuerpflichtige oder Kindergeldberechtigte nicht den Zugang des Schriftst&uuml;cks &uuml;berhaupt, sondern den Erhalt innerhalb des Dreitageszeitraums des &sect; 122 Abs. 2 Nr. 1 AO, so hat er sein Vorbringen im Rahmen des M&ouml;glichen zu substantiieren, um Zweifel an der Dreitagesvermutung zu begr&uuml;nden. Er muss Tatsachen vortragen, die den Schluss darauf zulassen, dass ein anderer Geschehensablauf als der typische &#8211;Zugang binnen dreier Tage nach Aufgabe zur Post&#8211; ernstlich in Betracht zu ziehen ist. An diese Substantiierung sind aber keine allzu hohen Anforderungen zu stellen, damit die Regelung &uuml;ber die objektive Beweislast, die nach dem Gesetz die Finanzverwaltungsbeh&ouml;rde trifft, nicht zu Lasten des Steuerpflichtigen umgekehrt wird (Senatsurteil vom 3. Mai 2001 III R 56\/98, BFH\/NV 2001, 1365). Zur Begr&uuml;ndung von Zweifeln am Zugang innerhalb der Drei-Tages-Frist reicht ein abweichender Eingangsvermerk nicht aus (BFH-Beschluss vom 30. November 2006 XI B 13\/06, BFH\/NV 2007, 389, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG ist von diesen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen. Es hat den Sachverhalt aufgekl&auml;rt und die tats&auml;chlichen Umst&auml;nde im Wege freier Beweisw&uuml;rdigung nach &sect; 96 Abs. 1 FGO gegeneinander abgewogen (Senatsbeschluss vom 31. M&auml;rz 2008 III B 151\/07, BFH\/NV 2008, 1335). Wenn es danach der Behauptung der Kl&auml;gerin &uuml;ber den versp&auml;teten Zugang der Einspruchsentscheidung nicht folgte und keinen Zweifel am Zugang innerhalb der Drei-Tages-Frist hatte, so war dies nicht verfahrensfehlerhaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.4.2011, III B 124\/10 Vers&auml;umnis der Klagefrist und tatrichterliche W&uuml;rdigung Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) bezog f&uuml;r ihren Sohn Kindergeld. Mit Bescheid vom 26. Januar 2009 hob die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) die Festsetzung ab Januar 2007 auf und forderte das f&uuml;r den Zeitraum Januar 2007 bis Oktober 2008 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-124-10-versaeumnis-der-klagefrist-und-tatrichterliche-wuerdigung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;B&nbsp;124\/10 &#8211; Vers&auml;umnis der Klagefrist und tatrichterliche W&uuml;rdigung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9891","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9891","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9891"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9891\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9891"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9891"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9891"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}