{"id":9893,"date":"2012-12-20T02:50:15","date_gmt":"2012-12-20T00:50:15","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=9893"},"modified":"2012-12-20T02:50:15","modified_gmt":"2012-12-20T00:50:15","slug":"iii-b-207-10-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-volle-ueberpruefung-der-verwaltungsentscheidung-durch-das-fg-umfang-der-sachaufklaerungspflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-207-10-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-volle-ueberpruefung-der-verwaltungsentscheidung-durch-das-fg-umfang-der-sachaufklaerungspflicht\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;207\/10 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand &#8211; Volle &Uuml;berpr&uuml;fung der Verwaltungsentscheidung durch das FG &#8211; Umfang der Sachaufkl&auml;rungspflicht"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.4.2011, III B 207\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in den vorigen Stand &#8211; Volle &Uuml;berpr&uuml;fung der Verwaltungsentscheidung durch das FG &#8211; Umfang der Sachaufkl&auml;rungspflicht<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) hob mit Bescheid vom 17. Oktober 2008 gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) mit Wirkung ab Januar 2009 die Bewilligung von Kindergeld f&uuml;r deren Sohn auf, weil dieser das 25. Lebensjahr vollendete. Nachdem sich der Ehemann der Kl&auml;gerin laut Aktenvermerk am 7. November 2008 fernm&uuml;ndlich an die Familienkasse gewandt hatte, legte die Kl&auml;gerin mit Schreiben vom 19. Dezember 2008 &quot;zur Fristwahrung&quot; Einspruch ein ohne Angaben, weshalb der Einspruch erst jetzt eingelegt werde. Die Familienkasse wies den Einspruch nach Sachpr&uuml;fung mit Einspruchsentscheidung vom 31. Mai 2010 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Die Klage blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) entschied nach richterlichem Hinweis, der angefochtene Aufhebungsbescheid sei bei Einspruchseinlegung bereits bestandskr&auml;ftig gewesen. Stelle sich im finanzgerichtlichen Verfahren die Unanfechtbarkeit des den Gegenstand des Verfahrens bildenden Bescheids heraus, so sei die Klage nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ohne weitere Sachpr&uuml;fung als unbegr&uuml;ndet abzuweisen. Die gesetzliche Einspruchsfrist sei anders als die in &sect; 109 der Abgabenordnung (AO) genannten Fristen nicht verl&auml;ngerungsf&auml;hig. Das vor Ablauf der Einspruchsfrist gef&uuml;hrte Telefonat vom 7. November 2008 k&ouml;nne nicht als Wiedereinsetzungsantrag gewertet werden. F&uuml;r das behauptete sp&auml;tere Gespr&auml;ch des Ehemannes mit dem Leiter der Familienkasse, das kurz vor dem 19. Dezember 2008 stattgefunden haben soll, erg&auml;ben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte. Zum einen k&ouml;nne ein solches Gespr&auml;ch nach Ablauf der Einspruchsfrist nicht urs&auml;chlich f&uuml;r die Fristvers&auml;umnis geworden sein, zum anderen seien Wiedereinsetzungsgr&uuml;nde weder geltend gemacht noch sonst ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision macht die Kl&auml;gerin Verfahrensm&auml;ngel (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) geltend. Indem das FG das Gespr&auml;ch ihres Ehemannes und Zeugen mit dem Leiter der Familienkasse als reine Schutzbehauptung gewertet habe, habe es in unzul&auml;ssiger Weise die Beweisw&uuml;rdigung vorweggenommen. Es habe den diesbez&uuml;glichen Beweisantrag &uuml;bergangen und auch seine Amtsermittlungspflicht dadurch verletzt, dass es ihrem Hinweis nicht von sich aus nachgegangen sei. Die Aussage des Zeugen sei entscheidungserheblich. Denn da der Leiter der Familienkasse in dem Gespr&auml;ch erkl&auml;rt habe, ein Einspruch sei bis zum 22. Dezember 2008 m&ouml;glich, k&ouml;nne ihr, der Kl&auml;gerin, nicht vorgehalten werden, sie habe eine Auflistung von Wiedereinsetzungsgr&uuml;nden nicht eingereicht. Danach habe das FG die Klage zu Unrecht ohne weitere Sachpr&uuml;fung als unbegr&uuml;ndet abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 FGO). Der Senat kann offenlassen, ob die Kl&auml;gerin die geltend gemachten Verfahrensm&auml;ngel (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) den Anforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO entsprechend dargelegt hat. Sie liegen jedenfalls nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO ist die Revision zuzulassen, wenn ein Verfahrensmangel geltend gemacht wird und vorliegt, auf dem die Entscheidung beruhen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Sachaufkl&auml;rungspflicht gem&auml;&szlig; &sect; 76 Abs. 1 FGO erfordert, dass das FG Tatsachen ermittelt und Beweise erhebt, wenn sich ihm diese Ma&szlig;nahmen in Anbetracht der Umst&auml;nde des Einzelfalls h&auml;tten aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen. Es darf substantiierte Beweisantr&auml;ge, die den entscheidungserheblichen Sachverhalt betreffen, grunds&auml;tzlich weder ablehnen noch &uuml;bergehen. Da die Sachaufkl&auml;rungspflicht dazu dient, die Spruchreife der Klage herbeizuf&uuml;hren, hat das Gericht jedoch nur das aufzukl&auml;ren, was aus seiner Sicht entscheidungserheblich ist (BFH-Beschluss vom 23. September 2009 IV B 133\/08, BFH\/NV 2010, 52, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach der danach ma&szlig;geblichen materiell-rechtlichen Sicht des FG kam es im Streitfall nicht darauf an, welche Wahrnehmungen der Zeuge bekunden werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorentscheidung st&uuml;tzt sich auf die st&auml;ndige Rechtsprechung des BFH (vgl. Urteil vom 24. Juli 1984 VII R 122\/80, BFHE 141, 470, BStBl II 1984, 791), wonach die FG bei ihrer Sachentscheidung die fristgem&auml;&szlig;e Einlegung des Einspruchs als materiell-rechtliche Vorfrage zu beachten haben. Dies schlie&szlig;t die volle &Uuml;berpr&uuml;fung einer etwaigen Verwaltungsentscheidung &uuml;ber die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (&sect; 110 AO) ein (vgl. Senatsurteil vom 14. Juli 1989 III R 54\/84, BFHE 158, 273, BStBl II 1989, 1024; BFH-Beschluss vom 27. Juli 2009 XI B 120\/08, juris). Das FG erkannte, dass im Streitfall die nicht verl&auml;ngerungsf&auml;hige Einspruchsfrist des &sect; 355 Abs. 1 Satz 1 AO vers&auml;umt ist und Wiedereinsetzungsgr&uuml;nde in die vers&auml;umte Einspruchsfrist weder geltend gemacht wurden noch sonst ersichtlich sind. Gleich wie sich der Leiter der Familienkasse gegen&uuml;ber dem Zeugen ge&auml;u&szlig;ert haben mag, fehlte nach Auffassung des FG f&uuml;r eine Verl&auml;ngerung der Einspruchsfrist ebenso die Rechtsgrundlage wie f&uuml;r eine ausdr&uuml;ckliche oder konkludente Gew&auml;hrung von Wiedereinsetzung in den vorigen Stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Kl&auml;gerin ist zwar darin beizupflichten, dass, sollte der Vertreter der Familienkasse den Eindruck erweckt haben, der Einspruch sei rechtzeitig oder es werde ihr jedenfalls Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Einspruchsfrist gew&auml;hrt, sie es zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr f&uuml;r erforderlich halten musste, noch Wiedereinsetzungsgr&uuml;nde geltend zu machen. Verhielte es sich so, dann h&auml;tte die Kl&auml;gerin diese Gr&uuml;nde jedoch nach erfolgtem richterlichen Hinweis vortragen m&uuml;ssen, um dem FG eine entsprechende Pr&uuml;fung zu erm&ouml;glichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Letztlich kann es dahinstehen, ob die mit Schriftsatz vom 14. M&auml;rz 2011 &#8211;au&szlig;erhalb der Beschwerdebegr&uuml;ndungsfrist des &sect; 116 Abs. 3 Satz 1 FGO&#8211; erstmals vorgetragenen Gr&uuml;nde, ein vermeintlich unverschuldeter Rechtsirrtum hinsichtlich der Form der Wahrung der Einspruchsfrist sowie das angebliche Warten auf &auml;rztliche Atteste, das einem auch nur fristwahrenden Einspruch entgegengestanden haben soll, eine Wiedereinsetzung nach &sect; 110 AO rechtfertigen k&ouml;nnen. Dem FG hat die Kl&auml;gerin diese Gr&uuml;nde vorenthalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.4.2011, III B 207\/10 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand &#8211; Volle &Uuml;berpr&uuml;fung der Verwaltungsentscheidung durch das FG &#8211; Umfang der Sachaufkl&auml;rungspflicht Tatbestand 1&nbsp; I. Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) hob mit Bescheid vom 17. Oktober 2008 gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) mit Wirkung ab Januar 2009 die Bewilligung von Kindergeld f&uuml;r &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-207-10-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-volle-ueberpruefung-der-verwaltungsentscheidung-durch-das-fg-umfang-der-sachaufklaerungspflicht\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;B&nbsp;207\/10 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand &#8211; Volle &Uuml;berpr&uuml;fung der Verwaltungsentscheidung durch das FG &#8211; Umfang der Sachaufkl&auml;rungspflicht<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-9893","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9893","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9893"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9893\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9893"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9893"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9893"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}