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Steueroptimierung bei Abfindungen: Praktische Gestaltungsmöglichkeiten

Eine Abfindung müssen Sie mit dem Fiskus teilen – aber wie viel Sie letztendlich an Steuern zahlen, können Sie durch geschickte Planung und professionelle Beratung erheblich beeinflussen. Entscheidend ist dabei das richtige Timing, die korrekte Qualifizierung der Zahlung und die Nutzung aller verfügbaren Steuervorteile.

Abfindungsrechner mit Fünftelregelung

Abfindungsbetrag

Abfindungsjahr

Steuertabelle

zu versteuerndes Einkommen
(ohne Abfindung)

1. Das Zuflussprinzip: Timing ist alles

Die Entschädigungsleistung wird nach dem im Steuerrecht geltenden Zuflussprinzip im Jahr der Auszahlung versteuert. Dies bietet Gestaltungsspielraum:

Strategische Überlegungen zum Auszahlungszeitpunkt:

  • Verschiebung in ein günstigeres Jahr: Wenn möglich, sollte die Auszahlung in ein Jahr fallen, in dem Sie niedrigere sonstige Einkünfte haben

  • Vermeidung von Doppelbelastung: Planen Sie die Auszahlung nicht in ein Jahr, in dem Sie bereits hohe außerordentliche Einkünfte erwarten

  • Berücksichtigung des Steuersatzes: In Jahren mit niedrigerem Durchschnittssteuersatz ist die Steuerbelastung geringer

  • Arbeitslosigkeit nutzen: Ein Jahr mit Arbeitslosengeld kann vorteilhaft sein, da diese Lohnersatzleistung dem Progressionsvorbehalt unterliegt, aber selbst nicht besteuert wird

Wichtig: Die Gestaltung des Zuflusszeitpunkts ist grundsätzlich zulässig, solange kein Gestaltungsmissbrauch vorliegt. Eine echte Stundung im Interesse des Arbeitgebers (z.B. aus Liquiditätsgründen) wird von der Finanzverwaltung akzeptiert.

2. Voraussetzung für die Fünftelregelung: Präzise Abgrenzung erforderlich

Für die Höhe der Steuer kommt es ganz entscheidend darauf an, ob die Einmalzuwendung als Ausgleich für Einnahmeverluste bzw. den Verlust Ihrer Einnahmemöglichkeit behandelt werden kann. Nur dann profitieren Sie von der günstigeren Fünftelregelung.

Entscheidende Kriterien für die Abgrenzung:

a) Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses:

Der vereinbarte Zeitpunkt der Beendigung ist von zentraler Bedeutung. Der Entschädigungsanspruch muss als Folge einer vorzeitigen Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses entstehen. Dies gilt auch, wenn der Entschädigungsanspruch bereits früher vereinbart worden ist.

b) Neue Rechtsgrundlage erforderlich:

Eine steuerbegünstigte Entschädigung liegt nur vor, wenn die Zahlung auf einem neuen, selbständigen Rechtsgrund beruht und nicht in Erfüllung bereits bestehender arbeitsvertraglicher Vereinbarungen erfolgt.

Keine steuerbegünstigte Entschädigung stellen dar:

  • Einnahmen in Erfüllung arbeitsvertraglicher Vereinbarungen

  • Bereits bei Abschluss oder während des Arbeitsverhältnisses vereinbarte Vergütungen

  • Abgeltung bereits erdienter Ansprüche (Urlaubsabgeltung, Tantiemen, Weihnachtsgeld)

c) Schaden gegen den Willen des Steuerpflichtigen:

Abstrakt formuliert: Es muss stets gegen den Willen des Steuerpflichtigen ein Schaden eingetreten sein und das Schaden stiftende Ereignis darf durch den Steuerpflichtigen nicht selbst herbeigeführt worden sein. Eine freiwillige Kündigung ist daher grundsätzlich schädlich.

3. Das kritische Erfordernis der "Zusammenballung"

Für die Inanspruchnahme der Tarifermäßigung ist entscheidend, dass die Entlassungsentschädigung tatsächlich in einem Veranlagungszeitraum (Kalenderjahr) als Einmalbetrag oder vollständig in mehreren Teilbeträgen innerhalb des Jahres zufließt.

a) Grundregel: Zufluss in einem Jahr

Nach Auffassung der Finanzverwaltung ist der Zufluss mehrerer Teilbeträge in unterschiedlichen Veranlagungszeiträumen grundsätzlich schädlich.

Aktuelle Rechtsprechung: Das Finanzgericht Niedersachsen sah das Erfordernis der Zusammenballung in einem Fall nicht erfüllt, in dem ein Arbeitnehmer aufgrund eines Sozialplans Zahlungen über mehrere Jahre erhielt.

b) Ausnahmen: Planwidrige Nachzahlungen

Von dem Erfordernis der "Zusammenballung" rücken die Finanzämter unter bestimmten Voraussetzungen ab. Die Finanzämter lassen die günstigere Besteuerung zu, wenn:

  • Die Vereinbarung eindeutig auf einen Einmalzufluss gerichtet war

  • Die Einmalauszahlung versehentlich zu niedrig erfolgte (z.B. Rechenfehler)

  • Nachzahlungen nach einem Rechtsstreit gewährt werden

  • Unvorhergesehene Ereignisse eingetreten sind

Wichtig: Die Erlangung der Tarifermäßigung im Billigkeitsweg setzt eine form- und fristgerechte Antragstellung voraus. Versäumen Sie diese Frist nicht!

c) Zweite Stufe der Zusammenballung: Übersteigen der wegfallenden Einnahmen

Die Entschädigung muss die bis zum Jahresende wegfallenden Einnahmen übersteigen, die Sie sonst bekommen hätten.

Keine Zusammenballung liegt vor, wenn:

  • Die Entschädigung die bis zum Jahresende voraussichtlich noch erzielten Einnahmen nicht übersteigt

  • Sie keine weiteren Einnahmen beziehen, die Sie bei Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht erhalten hätten

In diesem Fall müssen Sie die Zuwendung der Regelbesteuerung unterwerfen.

d) Vergleichsrechnung: Maßstab sind die Einkünfte des Vorjahres

Bei Berechnung der Einkünfte, die bei Fortbestand des Vertragsverhältnisses im Veranlagungszeitraum bezogen worden wären, stellt die Finanzverwaltung grundsätzlich auf die Einkünfte des Vorjahres ab, es sei denn, es sind außergewöhnliche Ereignisse aufgetreten.

Außergewöhnliche Ereignisse können sein:

  • Wesentliche Gehaltserhöhung im laufenden Jahr

  • Bonuszahlungen, die im Vorjahr nicht angefallen sind

  • Längere Krankheitszeiten im Vorjahr

  • Teilzeitbeschäftigung im Vorjahr bei Vollzeit im laufenden Jahr

4. Entschädigungszusatzleistungen: Gefahr für die Steuervergünstigung?

Wurden Ihnen Entschädigungszusatzleistungen aus Gründen der sozialen Fürsorge zusätzlich gezahlt, können diese – späteren – Zahlungen die Steuervergünstigung Ihrer Abfindung unter bestimmten Voraussetzungen gefährden.

Wann sind Zusatzleistungen unschädlich?

Voraussetzungen für Unschädlichkeit:

  • Die Zusatzleistungen haben tatsächlich nur ergänzenden Charakter

  • Sie erreichen oder übersteigen die Entlassungsentschädigung selbst betragsmäßig nicht

  • Sie dienen der sozialen Fürsorge (z.B. Überbrückung längerer Arbeitslosigkeit)

  • Sie beruhen auf besonderen Fürsorgeerwägungen nach Auslaufen des Arbeitslosengeldes

Achtung bei Leistungs- und Versorgungspaketen: Vorsicht ist bei ganzen Leistungs- und Versorgungspaketen geboten, die z.B. die GmbH ihrem Geschäftsführer zahlt. Hier ist eine präzise Prüfung der Geringfügigkeitsgrenze und ein umfassender Einnahmenvergleich erforderlich.

Gestaltungsmöglichkeiten bei Zusatzleistungen:

  • Steueroptimale Verteilung geplanter Abfindungen und Zusatzleistungen

  • Zeitliche Streckung von Zusatzleistungen über mehrere Jahre

  • Qualifizierung als eigenständige Leistung mit sozialer Fürsorgeverpflichtung

  • Separate Vereinbarungen für Zusatzleistungen mit eigenem Rechtsgrund

5. Steueroptimierung durch Investition in die private Altersvorsorge

Steuern auf Entschädigungsleistungen können Sie neben der günstigeren Fünftelregelung noch zusätzlich optimieren, indem Sie einen Teil der Zuwendung in die steuerlich geförderten Wege der privaten Altersvorsorge investieren.

a) Rürup-Rente: Hohe Steuerersparnis möglich

Die Rürup-Rente bietet erhebliche Steuersparmöglichkeiten:

  • Maximale Beiträge 2026: Bis zu 27.566 EUR (Alleinstehende) bzw. 55.132 EUR (Verheiratete) können als Vorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden

  • Abzugsquote 2026: 100 % der Beiträge sind als Sonderausgaben abziehbar

  • Sofortiger Steuervorteil: Die Beiträge mindern direkt das zu versteuernde Einkommen im Jahr der Abfindung

  • Nachgelagerte Besteuerung: Die späteren Rentenzahlungen werden dann besteuert, wenn Sie vermutlich einen niedrigeren Steuersatz haben

Rechenbeispiel:

Sie erhalten eine Abfindung von 100.000 EUR und zahlen 25.000 EUR in eine Rürup-Rente ein. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % sparen Sie dadurch sofort 10.500 EUR Steuern (25.000 EUR × 42 %).

b) Weitere Optimierungsmöglichkeiten:

  • Betriebliche Altersvorsorge: Einzahlung in bestehende Direktversicherung oder Pensionskasse

  • Riester-Rente: Zusätzliche Nutzung der Riester-Förderung

  • Gesetzliche Rentenversicherung: Freiwillige Beiträge zur Schließung von Rentenversicherungslücken

6. Professionelle Beratung: Der Schlüssel zum Erfolg

Für Abfindungs- und Entschädigungsleistungen können durchaus nennenswerte Steuervorteile erreicht werden, wenn die Besteuerungsgrundlagen kompetent geprüft und in der Steuererklärung alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Wann sollten Sie unbedingt einen Steuerberater hinzuziehen?

  • Bei höheren Abfindungssummen (ab ca. 50.000 EUR)

  • Bei komplexen Sachverhalten (Pensionszusagen, Gesellschafter-Geschäftsführer)

  • Bei Zahlung in mehreren Teilbeträgen über verschiedene Jahre

  • Bei Zusatzleistungen neben der eigentlichen Abfindung

  • Bei Auslandsbezug oder Wohnsitzwechsel

  • Wenn die Kündigung noch nicht ausgesprochen ist und Sie Gestaltungsspielraum haben

  • Bei Unsicherheit über die Qualifizierung der Zahlung

Was kann ein Steuerberater für Sie tun?

Leistungen eines spezialisierten Steuerberaters:

  • Vorab-Beratung: Gestaltungsempfehlungen vor Unterzeichnung des Aufhebungsvertrags

  • Abstimmung mit dem Arbeitgeber: Optimale Vertragsgestaltung im Einvernehmen mit Ihrem Arbeitgeber

  • Prüfung der Voraussetzungen: Umfassende Analyse, ob die Fünftelregelung anwendbar ist

  • Vergleichsrechnung: Ermittlung der wegfallenden Einnahmen und Durchführung der Zusammenballungsprüfung

  • Geringfügigkeitsgrenze: Berechnung bei Zusatzleistungen

  • Steueroptimale Gestaltung: Verteilung von Abfindungen und Zusatzleistungen

  • Altersvorsorge-Optimierung: Berechnung der optimalen Einzahlung in Rürup-Rente & Co.

  • Antragstellung: Form- und fristgerechte Stellung aller erforderlichen Anträge

  • Steuererklärung: Korrekte Erfassung in Anlage N mit allen Nachweisen

  • Rechtsbehelf: Vertretung bei Einspruch gegen den Steuerbescheid

7. Checkliste: Ist Ihre Abfindung steuerbegünstigt?

Prüfen Sie systematisch folgende Punkte:

Schritt 1: Liegt überhaupt eine Abfindung vor?

☐ Zahlung wegen Verlust des Arbeitsplatzes
☐ Ursächlicher Zusammenhang zwischen Zahlung und Beendigung
☐ Keine Abgeltung bereits erdienter Ansprüche
☐ Entschädigungscharakter erkennbar

Schritt 2: Wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst?

☐ Endgültige Beendigung mit allen rechtlichen Konsequenzen
☐ Keine Fortsetzung bei demselben oder verbundenem Arbeitgeber
☐ Kein Betriebsübergang nach § 613a BGB
☐ Keine bloße Freistellung oder Umsetzung

Schritt 3: Arbeitgeberveranlassung gegeben?

☐ Arbeitgeber hat die entscheidende Ursache für Beendigung gesetzt
☐ Keine freiwillige Kündigung aus eigenem Antrieb
☐ Keine Kündigung wegen eigenem Fehlverhalten
☐ Zahlung der Abfindung als Indiz für Arbeitgeberveranlassung

Schritt 4: Entschädigung im Sinne des § 24 Nr. 1 EStG?

☐ Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen
☐ Oder: Entschädigung für Aufgabe der Tätigkeit
☐ Neue Rechtsgrundlage liegt vor
☐ Schaden gegen den Willen eingetreten

Schritt 5: Zusammenballung gegeben?

☐ Zufluss in einem Kalenderjahr (vollständig)
☐ Abfindung übersteigt wegfallende Einnahmen bis Jahresende
☐ Keine weiteren Einnahmen, die sonst nicht angefallen wären
☐ Vergleichsrechnung mit Vorjahr durchgeführt

Schritt 6: Zusatzleistungen geprüft?

☐ Zusatzleistungen nur ergänzenden Charakter
☐ Betragsmäßig unter der Abfindung
☐ Aus Gründen sozialer Fürsorge gewährt
☐ Geringfügigkeitsgrenze nicht überschritten

Schritt 7: Optimierungsmöglichkeiten genutzt?

☐ Günstigster Auszahlungszeitpunkt gewählt
☐ Einzahlung in Rürup-Rente geprüft
☐ Weitere Altersvorsorge-Optionen erwogen
☐ Professionelle Beratung in Anspruch genommen

Wichtig: Diese Checkliste ersetzt nicht die individuelle Beratung durch einen spezialisierten Steuerberater. Sie dient als erste Orientierung und Grundlage für das Beratungsgespräch. Bei höheren Abfindungen oder komplexen Sachverhalten sollten die Details unbedingt mit einem Experten besprochen werden.

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Rechtsgrundlagen zum Thema: Entlassungsentschädigung

EStH 10.11 34.3
GewStH 3.11

Weitere Informationen zu diesem Thema aus dem Steuer-Blog:


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